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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2018

Sehr schön geschrieben

Lukas und die Meckerschweinchen
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Lukas hat ein Handicap und das unterscheidet ihn von anderen Jungen seines Alters. Er ist gehörlos, er trägt ein Hörgerät. Das stört ihn aber nicht so sehr, da er eine andere Gabe besitzt. Er kann sich ...

Lukas hat ein Handicap und das unterscheidet ihn von anderen Jungen seines Alters. Er ist gehörlos, er trägt ein Hörgerät. Das stört ihn aber nicht so sehr, da er eine andere Gabe besitzt. Er kann sich mit Tieren unterhalten. Diese Eigenschaft ist äußerst willkommen, als der Verlust eines Meerschweinchens bekannt wird. Es lebte im Tierpark und sein Name ist Lilli.

Dass Lukas so sehr mit Tieren verbunden ist, hat seinen Grund. Seine Mutter ist Tierärztin und sie ist über den Verlust Lillis bestürzt. Kein Problem für Lukas. Er begibt sich direkt auf die Suche. Das muss er nicht alleine. Seine Freunde stehen ihm zur Seite. Da ist Marie, seine beste Freundin, der Hund mit Namen Horst und Kater Millicent.

Das Buch gefiel mir ausgesprochen gut. Selbst unser lesefauler Enkel fand gefallen daran. Er meinte, dass die Schrift schön groß sei und die Bilder ihm sehr gut gefallen haben. Ich habe das Buch unserem jüngeren Enkel vorgelesen und war ebenfalls beeindruckt. Der schlichte aber keineswegs minderwertige Sprachstil zog mich in seinen Bann. Wichtig war für mich ebenfalls, dass hier ein Junge die Hauptperson spielt, der nicht vollkommen, sondern behindert ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass alle Kinder gesund zur Welt kommen.

Veröffentlicht am 21.12.2018

Wie bitte? Schon seit drei Jahren auf dem Markt?

Altes Land
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Dörte Hansen kannte ich bisher nicht und auch dieses Hörbuch war mir neu. Da ich keine Rezensionen lese, konnte ich das Buch ohne Vorurteile hören. Hier wird ein Stück deutscher Geschichte beschrieben. ...


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Dörte Hansen kannte ich bisher nicht und auch dieses Hörbuch war mir neu. Da ich keine Rezensionen lese, konnte ich das Buch ohne Vorurteile hören. Hier wird ein Stück deutscher Geschichte beschrieben. Es kamen damals Fremde ins Land und die hier Geborenen taten sich schwer mit ihnen. Ja, der Name für die Fremden war rasch gefunden. Egal, woher sie kamen, es waren "Pollacken". Die kleine Vera findet in der Zeit nach dem fürchterlichen Krieg eine Heimat. Und das in einem alten Haus im "Alten Land". Ihre Mutter lernt einen Mann kennen und verlässt den Landstrich. Vera lebt in dem Haus und wird hier erst heimisch, als Anne in ihr Leben tritt. Die hat ein kleines Mädchen und das wiederum kann das "eisige Herz" Veras zum Schmelzen bringen.

Hannelore Hoger versteht es in einzigartiger Weise, das Buch zu lesen. Sie kennt die Eigenarten der Sprache und bringt diese ganz unaufgeregt auf die Ohren der Zuhörer. Das Hörbuch ist ein Muss für jeden, der die Zeit nach dem 2. Weltkrieg authentisch nacherzählt haben möchte.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Was wären wir Menschen ohne den Beistand der Wissenschaftler?

Die Sprache der Tiere
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Der Autor Karsten Brensing ist Meeresbiologe und setzt sich eindrücklich für die artgerechte Haltung von Tieren ein. Sein Buch mit dem Titel Die Sprache der Tiere führt die Leser in Gebiete, die nicht ...

Der Autor Karsten Brensing ist Meeresbiologe und setzt sich eindrücklich für die artgerechte Haltung von Tieren ein. Sein Buch mit dem Titel Die Sprache der Tiere führt die Leser in Gebiete, die nicht oberflächlich zu betrachten sind. Sein Stil ist nicht abgehoben sondern klar und verständlich. Nonverbale Kommunikation beobachte ich täglich bei unseren Pferden. Und ich stellte fest, dass sie auch bei mir viel besser auf Körpersprache als auf Worte reagieren. Das Geschehen um die Beobachtung der Meisen ist so schön und bedarf keiner weiteren Erklärung.

Der Autor lässt keinen Zweifel zu, dass einige Tierarten strategisch denken und sogar Krieg führen können. Das hätte ich nicht gedacht. Dass sie vornehmlich Freunden und Verwandten in Notsituationen helfen, das dachte ich mir. Interessant ist das Kapitel über Vampire (Fledermäuse) und das Foto dazu. Persönlichkeiten bei Spinnen? Schwer zu glauben, aber wenn Wissenschaftler das herausfanden, wird es wohl stimmen. Spannend ist die Feststellung, dass moralische und ethische Maßstäbe einem stetigen Wandel unterliegen. (Sklaven, Vergasen...) Eine Sache ist noch einmal total interessant: Der Publikumsjoker. Es handelt sich um Schwarmintelligenz, die gerne von den Kandidaten genutzt wird. Das gibt es in Russland nicht. Weil? Die Masse dem Einzelnen das Geld nicht gönnt.

Ein Schwein, welches verurteilt wurde? Und die Nachkommen entkamen der Strafe, weil sie den Freispruch erhielten? Interessant, wenn auch nicht nachvollziehbar. Dabei stellt sich mir die Frage, wie unsere Nachfahren in 1000 Jahren über uns und unsere Prozesse vor Gericht denken. Zur Therapie mit Tieren könnte ich selbst ein Buch schreiben. Und ja, ich bin überzeugt davon, dass diese funktioniert.

Für mich gibt es keine ultimative Verständigungsformel mit Tieren. Und das Einsetzen von Wölfen in einem Gebiet, wo Schafe und Pferde ständig auf Weiden leben, ist in meinen Augen unverantwortlich. Welche natürlichen Feinde hat der Wolf? Stimmt, nämlich keine. Er ist nicht grundlos ausgestorben und muss nun nicht zwingend wieder angesiedelt werden. Gegenseitiger Respekt zwischen Mensch und Tier ist wichtig und sollte niemals unterschätzt werden.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Das Leben ist hart und ungerecht

Gegen die Träume
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Gegen die Träume ist ein Debütroman des Autors Sead Husic. Er studierte Politikwissenschaft und verfasste Beiträge für Tageszeitungen und ist heute für die Agentur Römer Wildberger tätig. Zudem arbeitet ...

Gegen die Träume ist ein Debütroman des Autors Sead Husic. Er studierte Politikwissenschaft und verfasste Beiträge für Tageszeitungen und ist heute für die Agentur Römer Wildberger tätig. Zudem arbeitet er als freier Fotograf.

Der Roman beschreibt die Situation von Menschen, die ihre Heimat verlassen und sich in Deutschland ein besseres Leben versprechen. Das Mädchen Mersija möchte nicht so enden, wie ihr Vater Ahmed. Sie steigt im Jahr 1969 voller Hoffnung in einen Zug nach Deutschland. Was sie hier erlebt und dass ihre Träume mit der Zeit nur noch Schäume sind, beschreibt der Autor Sead Husic sehr eindrucksvoll. Merija lernt in Deutschland Landsleute kennen, die keineswegs ihrem Bild von Mitmenschen entsprechen. Sie heiratet und bekommt einen Sohn. Nur wenige Deutsche geben sich mit ihr ab. Sie verachten die Zugezogenen und nennen sie verächtlich nur „Jugos“.

In Rückblicken erzählt der Autor von Ereignissen im 2. Weltkrieg. Rasch erkennt der Leser, dass diese auch in der Gegenwart eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Ein Mord geschieht im unmittelbaren Umfeld von Mersija und der vermeintliche Mörder begeht Selbstmord.

Mir gefiel das Buch gut, hat aber auch in meinen Augen zwischendurch etliche Längen. Gegen die Träume könnte problemlos um viele Seiten gekürzt werden. Ein Zitat erwähne ich aber, um den Ernst der Geschichte zu verdeutlichen. Die Sätze sagte eine Freundin Mersijas zu ihr, kurz bevor diese wieder in ihre Heimat zurückkehrte: „Ich will, dass sie mich respektieren. Dass sie mich nicht wie Geschmeiß behandeln, welches sich die Brotkrumen nimmt, die sie von ihren Tischen fallen lassen." Es hat sich also bis heute nichts an der Einstellung der Deutschen an Zuwanderern geändert. Das zeigt Gegen die Träume sehr deutlich und ehrlich. Auf wenige Zeilen beschränkt wird auch die Situation im Jahr 1989 beschrieben. Als „Ossis“ in den Westen flohen und von „Jugos“ Unterstützung und Hilfe bekamen.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Mauerfall und ein (fast) vergessener Autor

Blutsbruderschaft
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Ulrich Stoll ist Journalist und war unter anderem für den WDR und das ZDF im Einsatz. Seine Sachbücher sind und seine Dokumentationen im Fernsehen befassen sich mit aktuellem Zeitgeschehen. Der Kriminalroman ...

Ulrich Stoll ist Journalist und war unter anderem für den WDR und das ZDF im Einsatz. Seine Sachbücher sind und seine Dokumentationen im Fernsehen befassen sich mit aktuellem Zeitgeschehen. Der Kriminalroman Blutsbruderschaft ist sein zweites Buch, welches in dieses Genre passt.

Das Geschehen spielt im Jahr 1989 also zur Zeit der „Wende“. Der Leser wird auch für einige Seiten in die Vergangenheit geschickt, in das Jahr 1961. Das ist für das Verständnis im weiteren Verlauf der Geschichte wichtig. Der Umbruch zeichnet sich schon Monate vor dem „Mauerfall“ ab und für den Journalisten Lucas Hermes beginnt eine aufreibende Zeit. Denn nicht nur die Wiedervereinigung beider Staaten müssen Thema von Reportagen und Berichten sein. Es gilt ebenfalls, einen Mord zu klären. Und es bleibt keineswegs dabei. Es geschehen weitere Morde und der Leser findet ich auch in Prag und an den Starnberger See versetzt. Einen wichtigen Anteil am Geschehen hat der Autor Meyrink. Aber auch Rosenkreuzer sowie de Maizière und Kohl spielen bei der rasanten Story eine Rolle. Blutsbrüderschaft von Ulrich Stoll ist durchgehend spannend und hält den Leser bis zum Schluss atemlos. Das Finale ist typisch für solche rasanten Krimis. Wie beim Tatort oder anderen Stücken muss es am Ende noch einmal so richtig krachen.

Für mich ganz klar zu erkennen, dass Ulrich Stoll sich mit der Materie der Geschehnisse rund um den Mauerfall auskennt. Er weiß, wovon er schreibt und ich fühlte mich, als sei ich selbst dabei. Es ist kein mühsam zusammengesuchtes oder angelesenes Ereignis, sondern wurde von ihm erlebt. Das macht den feinen Unterschied zu anderen Kriminalromanen mit gleichem Hintergrund. Blutsbruderschaft ist neben der Schilderung von tatsächlichen Ereignissen der Jahre 1989/1990 ein wirklich mitreißendes Werk des Autors Ulrich Stoll.