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Veröffentlicht am 08.03.2023

„Mein Leben liegt in der Hand Gottes, nicht in der Macht eines raffgierigen Papstes.“

Der Teufel von Rom
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Vinzenz ist Mönch und lebt in einem Kloster der Dominikaner. Mit sich und der Welt zufrieden hätte er niemals gedacht, dass ein Mensch so böse und ohne Skrupel sein könnte. Bis er den Kardinal Rodrigo ...

Vinzenz ist Mönch und lebt in einem Kloster der Dominikaner. Mit sich und der Welt zufrieden hätte er niemals gedacht, dass ein Mensch so böse und ohne Skrupel sein könnte. Bis er den Kardinal Rodrigo Borgia kennenlernt. Da Vinzenz ihm den Gehorsam verweigert und das immer wieder, wird er verhaftet und in einen Kerker unterhalb der Engelsburg gebracht.
„Der Teufel von Rom“ beschreibt das Leben des Widerlings Rodrigo, der am 03. August 1482 zum Papst gewählt wurde und als Alexander VI in die Geschichte einging.

Bevor Vinzenz Mönch wurde, erlebte er bereits Entbehrung, Tod und schwerste Arbeit. Nachdem sein Vater starb und die Not in der Familie immer größer wurde, schickt ihn die Mutter in ein Kloster. Da war er 12 Jahre alt. Der gottesfürchtige Junge verlor nie seine Bescheidenheit und predigte immer wieder gegen die Genusssucht von Lateran und Adel. Die Feinde ließen nicht lange auf sich warten und sein ärgster war dieser Rodrigo Borgia. Sein unerschütterliches Gottvertrauen war es wohl, was ihn so stark machte, dass Vinzenz Borgia die Stirn bieten konnte.

Die Schilderung der Machenschaften des späteren Papstes ließen mich sprachlos und erschüttert zurück. Alles in lebendiger und bildhafter Sprache geschrieben und kurzweilig. Bei der Sprache waren diese Kraftausdrücke, teilweise ins Vulgäre abdriftend, so gar nicht mein Fall. Auch die minutiöse Beschreibung der Geschlechtsakte haben in einem historischen Roman nichts verloren. Das Cover wiederum passt ausgezeichnet zum Genre.

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Veröffentlicht am 03.03.2023

"Kill the Indian in him and safe the man"

Zeiten der Auflehnung
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Es begann etwa zur Zeit des ersten Weltkriegs, als die „First People“ von Amerika und Kanada sich endlich den Mächtigen entgegenstellten. Das geschah nicht immer gewaltlos aber stets zum Wohle der Gemeinschaft. ...

Es begann etwa zur Zeit des ersten Weltkriegs, als die „First People“ von Amerika und Kanada sich endlich den Mächtigen entgegenstellten. Das geschah nicht immer gewaltlos aber stets zum Wohle der Gemeinschaft. Der Autor Aram Mattioli beschreibt in seinem Buch „Zeiten der Auflehnung“ welche unterschiedliche Maßnahmen die Menschen im Kampf ihrer Identität und Kultur ergriffen. Ob es Tom Bee mit seiner Band XIT oder der erste indigene Autor Charles Eastman war. Alle bekommen von Aram Mattioli eine Stimme.

Unfassbar traurig fand ich die Ungerechtigkeit gegenüber den Crow. Sie lebten mit und von ihren Mustangs. Die mussten ihr Dasein nicht in Ställen fristen, sondern durften als Wildpferde mit ihren Menschen zusammen sein. Bis, ja bis die Amerikaner meinten, dass diese Tiere ihren Schafen und Rindern das Gras wegfressen würden. Und ohne Federlesen wurden die Pferde zum Abschuss freigegeben. Was mag in den Köpfen der First People vorgegangen sein? Tausende Mustangs verloren ihr Leben. Und das einzig durch Arroganz des „weißen Mannes“.

Und dann gab es diese unsäglichen Boarding oder Residential Schools unter „christlicher“ Leitung. Ausschließlich Kinder der Ureinwohner lebten und lernten hier. Sie wurden von den Eltern ferngehalten und ihrer Kultur beraubt. Unglaubliches Leid erfuhren sie in diesen Internaten. Die Folgen sind bis heute spürbar. Aber auch hier konnten Mutige erkämpfen, dass den Betroffenen zumindest ein wenig Hilfe zuteil wird. Das sind zwei Beispiele für die Schilderungen in diesem Buch.

„Zeiten der Auflehnung“ berührte mich sehr. Der Autor schreibt klar und leicht verständlich. Also auch für Menschen ohne Hochschulabschluss und Studium gut nachvollziehbar. Obwohl ich schon einige Werke zum Thema las, erfuhr ich hier viel Neues über die Ureinwohner der USA und Kanada.

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Veröffentlicht am 01.03.2023

Spannend bis zum fulminanten Finale

Grenzfall - In der Stille des Waldes
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Ein alter Fall, bei dem die Ermittler wohl den Falschen inhaftierten. Ein Tierpräparator, der verschwunden ist und seinen Sohn bei sich hatte. Die Ehefrau des Vermissten, die ebenfalls seit einiger Zeit ...

Ein alter Fall, bei dem die Ermittler wohl den Falschen inhaftierten. Ein Tierpräparator, der verschwunden ist und seinen Sohn bei sich hatte. Die Ehefrau des Vermissten, die ebenfalls seit einiger Zeit nicht mehr gesehen wurde. Ereignisse, die sich in unterschiedlichen Städten aber alle nahe an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland ereigneten.
„Grenzfall - In der Stille des Waldes“ nimmt den Leser mit in abwechslungsreiche Ermittlungen.

Das war mein erstes Buch dieser Reihe. Auch ohne Vorwissen konnte ich dem Geschehen gut folgen. Nur die persönlichen Angelegenheiten der Hauptfiguren kannte ich nicht und das warf mitunter doch Fragen auf. Die Story ist aus etlichen Begebenheiten zusammengefasst. In kurzen Kapiteln wechseln Orte und Grund der Ermittlung. Auch die Teams treten getrennt voneinander auf. Da war es mitunter nicht einfach zu folgen.

Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und durch die nicht vorhersehbaren Wendungen, bleibt er bis zum Schluss erhalten. Das große Finale war mir dann doch ein wenig übertrieben. Gut gefiel mir aber, dass die Autorin klar herausstellte, dass latenter Rassismus selbst vor der Staatsgewalt nicht haltmacht. Wer spannende Unterhaltung mit dramatischen Einflüssen mag, wird den Kriminalroman mögen. Und das sehr schöne Cover verdient es, erwähnt zu werden.

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Veröffentlicht am 26.02.2023

Macht neugierig auf die Folgebände

Der Paria
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Was ist Deckin Scarl für Alwyn? So richtig weiß er es wohl selbst nicht. Aber eins ist gewiss. Alwyn bewundert ihn und würde alles für ihn tun. Als Deckin verraten und kurz darauf ermordet wird, sinnt ...

Was ist Deckin Scarl für Alwyn? So richtig weiß er es wohl selbst nicht. Aber eins ist gewiss. Alwyn bewundert ihn und würde alles für ihn tun. Als Deckin verraten und kurz darauf ermordet wird, sinnt Alwyn auf Rache. Vorher muss er aber noch etliches Ungemach ertragen. So wird er zur Arbeit in einer Erzmine verdonnert. Einzig die Begegnung mit einer gelehrten Frau ist für ihn vorteilhaft. Sihlda bringt ihm das Lesen und Schreiben bei und das ist so viel mehr wert, als der kärgliche Lohn des Besitzers der Mine. Bei allen Widrigkeiten vergisst er nie, was er seinem Freund und Vorbild Deckin schuldig ist.

Das Genre Fantasy ist eigentlich so gar nicht mein Fall. Da ich aber viel Gutes von dem Buch
„Der Paria“ las, wagte ich mich doch mal wieder an ein von mir nicht gerade bevorzugte Thematik. Und ich bin beeindruckt. Das Buch fesselt. Es beschreibt das Leben von Alwyn, der als „Bastard“ geboren wird. Der Autor lässt ihn in der Ich-Form von seinem Leben erzählen. Es gibt Rückblicke, die sein Leben im Hurenhaus und den Misshandlungen des Zuhälters seiner Mutter beschreiben. Das Kennenlernen der Gemeinschaft von Gesetzlosen und deren Leben im Wald machen aus dem schüchternen Jungen einen wehrhaften Mann.

Alwyn berichtet von Ungerechtigkeit, der Willkür des Adels und der ständigen Gefahr Gesetzloser. Aber auch von Erfolgserlebnissen und dem mal mehr, mal weniger guten Zusammenhalt unter den Geächteten. Die Sprache beeindruckte mich. Auch die Charaktere baute der Autor langsam auf, bis sie mir absolut präsent waren. Die Spannung entwickelte Anthony Ryan langsam und übertrieb dabei nicht. Ja, ich freue mich auf die weiteren Bücher der Reihe, dies ist nämlich der erste Band.

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Ein solider Thriller

Einsame Nacht
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Alvin Malory, 16 Jahre alt, ist adipös. Abnehmen? Ja, das würde er gerne ist aber gar nicht so leicht. Immer alleine, stopft er aus lauter Langeweile die Mahlzeiten in sich hinein. In der Schule wird er ...

Alvin Malory, 16 Jahre alt, ist adipös. Abnehmen? Ja, das würde er gerne ist aber gar nicht so leicht. Immer alleine, stopft er aus lauter Langeweile die Mahlzeiten in sich hinein. In der Schule wird er gehänselt und Freunde findet er nicht. Das war 2010 und ist eine Rückblende.

2016 geht es weiter. Anna Carter ist auf dem Heimweg. Doch, was ist das? Ein kleiner, roter Wagen touchiert sie fast. Am Steuer sitzt eine Frau mit langen blonden Haaren. Mehr kann sie nicht erkennen. Es kommt ihr aber so vor, als sei es eine Teilnehmerin bei ihrem Kochkurs für Singles. Rasch möchte sie dem Auto folgen, denn da stimmt etwas nicht. Jedoch macht ihr altes Auto schlapp.

Bis der Leser erfährt, wie diese beiden Handlungsstränge zusammengehören, dauert es. „Einsame Nacht“ ist der vierte Band der Reihe um die Ermittlerin Kate Linville. Gewohnt clever konstruierte Charlotte Link auch diesen Thriller. Viele Wendungen garantieren, dass die Spannung bis zum Schluss bleibt. Und dann, die Überraschung. So gar nicht das, was ich erwartete.

Neben aktuellen Ermittlungen gibt es auch einen Cold Case, der aufzuklären ist. Aber nicht nur die spannende Seite ist für mich wichtig, wenn ich Thriller lese. Sie sollten auch Tiefe haben und damit kann dieses Werk ebenfalls punkten. Mich störte aber dieses Mal dann doch, dass das Buch Längen hat, die meiner Meinung nach nicht nötig wären. Aber eine Leseempfehlung gibt es trotzdem.

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