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Veröffentlicht am 15.07.2022

Die Perser der Ostsee sind wahre Kunstwerke

Fischers Frau
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Mia ist aufgewühlt. Eigentlich hatte sie ihre Traumata mit dem Vater erfolgreich verdrängt. Bis heute. Denn heute kam ihr Kollege, zeigte ihr einen Fischerteppich und sprach einen Satz dazu. Zack, alle ...

Mia ist aufgewühlt. Eigentlich hatte sie ihre Traumata mit dem Vater erfolgreich verdrängt. Bis heute. Denn heute kam ihr Kollege, zeigte ihr einen Fischerteppich und sprach einen Satz dazu. Zack, alle Demütigungen waren wieder präsent. Mia ist über sich selbst erschrocken. Aber es hilft nichts. Sie muss sich dem stellen, sonst findet sie nie dauerhaft ihren Frieden. Der Teppich hat Farben, die es eigentlich gar nicht geben dürfte und Mia findet immer mehr Eigenartiges, je länger sie das Kunstwerk betrachte. Die Faszination, die von der Knüpfarbeit ausgeht, bringt Mia zu einem für sie wagemutigen Entschluss. Sie beantragt eine Dienstreise und begibt sich auf die Suche nach der Künstlerin.

Der Roman beschreibt das Leben zweier Frauen, die durch den Teppich miteinander verbunden sind. In der Gegenwart ist es Mia, die viele Beschwernisse mit sich herumträgt. Die Gründe liegen in der Vergangenheit und dass sie so zurückgezogen lebt, ist nur eine Auswirkung davon. Nie unternahm sie eine Dienstreise und das Beantragen von Urlaub fällt ihr schwer.

Die andere Frau lebte in der Vergangenheit und die Autorin beginnt im Jahr 1928 mit ihrer Lebensgeschichte. Ein wenig Ähnlichkeit hat sie mit der von Mia und das ist wohl auch die Parallele, welche Karin Kalisa ganz bewusst so schrieb.

Spannend fand ich die Fakten zum Knüpfen und dem Färben der Wolle. Knüpfen war mein Hobby und daher weiß ich, dass die Autorin gut recherchierte. Ansonsten plätscherte die Story so vor sich hin. Mir fehlte das Fesselnde, wobei es mir gar nicht auf große Spannung ankommt. Die Sprache ist angenehm und gehoben. Das Cover etwas sehr Besonderes. Also gibt es von mir vier Sterne und eine bedingte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.07.2022

Spannende Unterhaltung mit korrupten Politikern

Betrug
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Endlich wieder jeden Tag zuhause. Wieder mehr Zeit mit Kindern und Ehemann zu verbringen, das wünscht sich Ursula so sehr. Wie gut, dass sie ein Angebot bekommt, dass sie nicht ablehnen kann. Sie soll ...

Endlich wieder jeden Tag zuhause. Wieder mehr Zeit mit Kindern und Ehemann zu verbringen, das wünscht sich Ursula so sehr. Wie gut, dass sie ein Angebot bekommt, dass sie nicht ablehnen kann. Sie soll Innenministerin werden. Nach wenigen Stunden muss sie aber feststellen, dass diese Idee dann doch nicht so gut war. Sie wird in ein Spinnennetz aus Lug und Betrug gefangen und muss sogar um ihr Leben bangen.

„Betrug“ ist ein Thriller aus Island, der mich fesselte. Den drei unterschiedlichen Strängen zu folgen, das ist anfangs recht mühsam. Ich gewöhnte mich daran, las weiter und die Spannung hielt mich tatsächlich bis zum Schluss gefangen. Ist es typisch für Politiker, dass sie versuchen, durch Intrigen und Lügen eine weiße Weste zu behalten? Wie leicht lassen Menschen sich bestechen? Auch diese Fragen werden in dem Buch beantwortet.

Nordische Thriller und Krimis sind nicht immer das, was ich von ihnen erwarte. Dieser hat es aber in sich. Die Spannung ist rasch aufgebaut und der Bogen lockert sich kaum. Ja, hin und wieder gibt es auch Situationen wo ich dachte, nein, das ist jetzt übertrieben. Aber ich gebe eine Leseempfehlung für diesen sehr guten Thriller.

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Veröffentlicht am 04.07.2022

Ein wunderschönes Herzensbuch

Ein unendlich kurzer Sommer
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Lale will schlicht nur noch weg. Ihr Mann nervt sie und der letzte Streit brachte das Fass zum Überlaufen. Schnell ein paar Sachen gepackt und ab in den Zug. Wohin ist ihr erst einmal egal. Sie landet ...

Lale will schlicht nur noch weg. Ihr Mann nervt sie und der letzte Streit brachte das Fass zum Überlaufen. Schnell ein paar Sachen gepackt und ab in den Zug. Wohin ist ihr erst einmal egal. Sie landet in einem kleinen Ort und will in einer Pension übernachten. Dann spricht sie ein älterer Mann an und Lale landet auf einem kleinen Campingplatz. Dass daraus das Abenteuer ihres Lebens wird, das ahnt Lale noch nicht. Denn nur wenige Tage nach ihr trifft Chris ein. Und der ist ihr alles andere als unsympathisch.

Hach das war mal wieder ein Buch fürs Herz. Nein, keineswegs schmalzig, im Gegenteil. Mit viel Humor beschreibt die Autorin Situationen, die so richtig typisch für Deutschland sind. Yogaübungen am See oder eisernes Festhalten an Traditionen zum Beispiel. Lale sucht einen Weg aus ihrem Alltag und sie muss zudem einen schweren Verlust verarbeiten. Sie braucht vor allen Dingen offene Ohren und Verständnis. Bei Chris findet sie beides.

Chris hilft Lale bei den Renovierungsarbeiten auf dem Campingplatz.
„Ein unendlich kurzer Sommer“ beschreibt, wie in wenigen Wochen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt wird. Es gibt traurige Momente aber viel mehr jene, die mir ein Lachen entlockten. Ja, es ist ein Sommerbuch zum Träumen und eintauchen in eine Welt der Freundschaft, dem Wandel und der Hoffnung. Toll.

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Veröffentlicht am 29.06.2022

Die Grausamkeit von Menschen ist kaum vorstellbar

Winterschwestern
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Meredith und Nina sind zwar Schwestern, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Während Meredith häuslich und stets auf Perfektionismus bedacht ist, reist ihre Schwester Nina in der Welt herum und genießt ...

Meredith und Nina sind zwar Schwestern, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Während Meredith häuslich und stets auf Perfektionismus bedacht ist, reist ihre Schwester Nina in der Welt herum und genießt das Leben. Beide haben aber eins gemein, das ist die Liebe zu ihrem Vater. Aus dem Grund bricht auch für die beiden eine Welt zusammen, als er stirbt. Zumal das Verhältnis zur Mutter alles Andere als ungetrübt ist.

Kristin Hannah schreibt in ihrem Roman „Winterschwestern“ von den Traumata der Kriege, die bist in zweite und dritte Generationen hineinreichen. Die Story ist in zwei Zeitebenen geteilt und wechselt bei jedem Kapitel. Da gibt es die Erlebnisse der Mutter in Russland, hier speziell Leningrad, und auf der anderen Seite das Geschehen in der Gegenwart.

Das Buch hatte einige Längen und war in der Mitte für mich sogar langweilig. Allerdings überwiegen die positiven Dinge. Das sind die historischen Ereignisse rund um den Zweiten Weltkrieg und hier vornehmlich in Leningrad. Was die Menschen erleiden mussten, das konnte Frau Hannah realistisch vermitteln. Das Ende wiederum, nein, das gefiel mir gar nicht. Mir war es zu konstruiert und nicht nachvollziehbar. Warum ich trotzdem vier Sterne gebe? Weil es eine gut recherchierte Geschichte ist, die trotz weniger negativer Anteile, lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 28.06.2022

M e i n Buch der Bücher

Papyrus
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Papyrus ist ein Buch über Bücher. Irene Vallejo beschreibt den Werdegang der schönsten Erfindung der Welt von seinen Anfängen bis zum Zusammenbruch des Römischen Reiches. Viel Raum gibt sie der Bibliothek ...

Papyrus ist ein Buch über Bücher. Irene Vallejo beschreibt den Werdegang der schönsten Erfindung der Welt von seinen Anfängen bis zum Zusammenbruch des Römischen Reiches. Viel Raum gibt sie der Bibliothek von Alexandria und Alexander dem Großen.

Zunächst war es die Haptik, die mich an diesem Band faszinierte. Die Papyruspflanze mit Gold hervorgehoben, das hat was einzigartiges. Aber auch die umfangreichen Recherchen der Autorin verdienen meinen Respekt. Kaum vorstellbar, wie viele Jahre sie unterwegs war, um dieses Werk niederzuschreiben.

Den Anfang beschreibt Frau Vallejo mit einem für sie sinnlichen Erlebnis. Eines Tages hatte sie das Glück, eine uralte und originale Schrift in Händen zu halten. Sie stammte von Petrarca. Das war ein italienischer Dichter und Geschichtsschreiber. Er starb im Jahr 1374 und es nicht vorstellbar, was es bedeutet, eines seiner Werke in Händen zu halten.

Die Autorin berichtet über das Herstellen von Pergament und dass dafür Kälber und sogar Föten getötet wurden. Und dann gibt es noch eine Erwähnung, die ich spannend fand. Denn auch ich las heimlich unter der Bettdecke mit Taschenlampe. Nein, ich wusste nicht, dass das „Seitenbuch“ ein Vorreiter zum heimlichen Lesen sein könnte. Möchten Sie wissen, was es damit auf sich hat? Lesen Sie das Buch von Frau Vallejo.

Papyrus begleitet den Leser auf einer Reise zwischen ferner Vergangenheit und Gegenwart. Irene Vallejo schreibt viel über sich selbst und ihre Erlebnisse mit Büchern und dem Lesen. Meine Empfehlung gilt ohne Wenn und Aber. Allerdings nur für jene, die sich auch für Historie interessieren.

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