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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2022

Ein unterhaltsamer Ausflug zu den Samen

Das Leuchten der Rentiere
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„Das Leuchten der Rentiere“ beginnt, als Elsa neun Jahre alt ist. Sie wird Zeugin eines Mordes. Dem Mord an ihrem Rentier. Sie darf nichts sagen, da der Mörder sie zum Schweigen verpflichtet. Immer wieder ...

„Das Leuchten der Rentiere“ beginnt, als Elsa neun Jahre alt ist. Sie wird Zeugin eines Mordes. Dem Mord an ihrem Rentier. Sie darf nichts sagen, da der Mörder sie zum Schweigen verpflichtet. Immer wieder kommt es zu diesen Massakern an Rentieren. Die Polizei schweigt oder ermittelt nur pro Forma. Über 100 Anzeigen brachten Elsa und ihr Vater vor. Nichts geschieht. Der Roman geht über einige Jahrzehnte und hat viel mehr als die Überführung eines Täters zu bieten.

Lesen ist für mich Reisen in ferne Länder. Ich möchte die Menschen in ihrem Alltag kennenlernen. Wenn ein Buch sogar das Leben von Indigenen beschreibt, freue ich mich sehr. Auch mit diesem Roman konnte ich meinen Horizont erweitern. Ich schaute mir Videos auf YouTube an und was ich dort sah, das gefiel mir. Die farbenfrohen Trachten der Samen, ihr Zusammenleben mit den Tieren und ihr Zusammenhalt. Toll.

In dem Buch geht es vornehmlich um die Probleme der Samen. Sie werden als „Lappen“ bezeichnet, das die so angesprochenen als Schimpfwort empfinden. Selbst die Staatsmacht nimmt ihre Anliegen nicht ernst. Ein wenig zäh kommt die Geschichte aber daher und es braucht Geduld, wenn man das Ende erfahren möchte. Trotzdem. Ich sah „Das Leuchten der Rentiere“ als Bereicherung an und gebe gerne gute vier Sterne.

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Veröffentlicht am 08.06.2022

Das Buch lass ich mit Genuss

Die Winde des Ararat
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Boris Lwowitsch und seine Frau Tanja freuen sich. Sie reisen nach Armenien und können sogar den berühmten Berg Ararat sehen. Er ist zwar von Schneewolken umgeben, sobald der Wind diese aber beiseiteschiebt, ...

Boris Lwowitsch und seine Frau Tanja freuen sich. Sie reisen nach Armenien und können sogar den berühmten Berg Ararat sehen. Er ist zwar von Schneewolken umgeben, sobald der Wind diese aber beiseiteschiebt, wird der Blick auf das Gebirgsmassiv frei. Auch die Ausflüge im Bus und mit Reiseführer empfinden die beiden als angenehm. Leider müssen sie ganz plötzlich ihr Hotel verlassen und damit kommt Tanja überhaupt nicht klar.

„Die Winde des Ararat“ ist nach „Ein Sommer in Baden-Baden“ das zweite Buch, welches ich von Leonid Zypkin lese. Schade, dass seine Werke zu Lebzeiten nicht veröffentlicht wurden. Sie waren in der Sowjetunion verboten, und schlummerten in irgendwelchen Kartons. Wie gut, dass sie nicht vernichtet wurden und heute für die interessierten Leser einen wahrhaften Genuss darstellen.

Der Hauptdarsteller Boris, ein Jude, erlebt nicht nur den Urlaub mit seiner Frau. Er denkt auch über die Vernichtung seiner Glaubensgenossen nach und der Autor berichtet sehr packend darüber. Das Buch berührt nicht nur aus dem Grund. Es nahm mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit der Sowjetunion, wobei ich denke, dass es den Menschen dort heute auch nicht besser geht.

Der Stil ist wohl eher gewöhnungsbedürftig. Lange, verschachtelte Sätze sind das Markenzeichen für gute Autoren damaliger Zeit. Lebendig und in greifbaren Bildern geschrieben, so sehe ich dieses wertvolle Buch. Auch das Cover kann sich sehen lassen. Die fünf Sterne sind berechtigt und ebenfalls meine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Über das Leben in Paris während der Belagerung durch Deutsche

Morgen werden wir glücklich sein
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Sie kennen sich seit etlichen Jahren und behaupten von sich, dass sie unbesiegbar sind. Geneviéve, Amiel und Marie leben in Paris und verstehen sich prächtig. Das ändert sich, als die Stadt von den Deutschen ...

Sie kennen sich seit etlichen Jahren und behaupten von sich, dass sie unbesiegbar sind. Geneviéve, Amiel und Marie leben in Paris und verstehen sich prächtig. Das ändert sich, als die Stadt von den Deutschen eingenommen wird. Ihre Ansichten liegen weit auseinander, wenn es um die Themen Widerstand und/oder deutsche Soldaten geht. Sie helfen sich zwar, wenn auch zuweilen nur notgedrungen, aber ihre Herzlichkeit füreinander geht verloren.

Ein Historischer Roman, der mit vielen Fakten aufwartet. Die Autorin hat sich intensiv mit der Geschichte befasst und die Ereignisse in „Morgen werden wir glücklich sein“ verarbeitet. Der Widerstand gegen die Nazis war in Frankreich recht erfolgreich auch wenn es Verluste gab. Stellte man die Rettung von Juden und anderen Verfolgten den Verlusten in der Resistance gegeneinander, überwog die Zahl der Geretteten bei weitem.

Nein, nicht alle Deutschen waren Scheuklappen tragende Nazis und Franzosen stille Dulder. Auf beiden Seiten gab es Individuen, und dieses Denken in schwarz o d e r weiß ist damals wie heute nicht richtig. Das Buch beschreibt das Leben der drei Freundinnen zu einer schlimmen Zeit und wird durch Gespräche zwischen zwei Enkelinnen unterbrochen. Auch wenn es mir zuweilen etwas langatmig war, so fühlte ich mich doch gut unterhalten. Gerne gebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Wieder ein sehr gutes Buch aus dem Hause Diogenes

Der große Fehler
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Wer war Andrew Green? Warum musste er sterben? Diese Fragen werden in dem Roman
„Der große Fehler“ beantwortet. Es geschah ausgerechnet an einem Freitag den 13, dass Herr Green vor den Augen seiner Haushälterin ...

Wer war Andrew Green? Warum musste er sterben? Diese Fragen werden in dem Roman
„Der große Fehler“ beantwortet. Es geschah ausgerechnet an einem Freitag den 13, dass Herr Green vor den Augen seiner Haushälterin getötet wurde. Die Ermittlungen leitet der Inspektor McClusky und leider muss er viele Verhöre führen, bis das Motiv gefunden wird. Denn der Täter ist direkt am Ort des Geschehens bereits festgenommen. Ein Motiv für die Tat gibt es bei ihm allerdings nicht.

Andrew Green ist für New Yorker eine bekannte Persönlichkeit. Immerhin haben sie ihm sowohl Central Park als auch die erste öffentliche Bibliothek. Dabei hatte er gar keinen einfachen Start ins Leben. Nur durch seinen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit konnte er so viel erreichen. Und ein guter Freund half ihm ebenfalls dabei.

Und wieder las ich ein ganz besonderes Buch, welches im Diogenes Verlag erschien. Die umschmeichelnde und bildhafte Sprache sowie der Blick in die Vergangenheit. Beides perfekt aufeinander abgestimmt, machten das Lesen zu einem besonderen Erlebnis. Und eine gute Portion Humor gibt es noch dazu. Meine Empfehlung gilt ohne Abstriche.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Das schöne Cover lädt zum Lesen ein

Reise ohne Wiederkehr oder Die geheimen Hefte des Michel Adanson
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In „Reise ohne Wiederkehr oder Die geheimen Hefte des Michel Adanson“ schreibt der Autor David Diop über einen wenig bekannten Biologen. Michel Adanson bereiste den Senegal, um dort die Botanik zu studieren. ...

In „Reise ohne Wiederkehr oder Die geheimen Hefte des Michel Adanson“ schreibt der Autor David Diop über einen wenig bekannten Biologen. Michel Adanson bereiste den Senegal, um dort die Botanik zu studieren. Er interessierte sich aber nicht nur für seltene Pflanzen. Auch die Lebensweise der Einheimischen wollte er kennenlernen. Nach seinem Tod fand die Tochter einige Hefte, in denen er ein großes Geheimnis niederschrieb. Michel Adanson war nämlich unsterblich verliebt in eine Senegalesin und konnte diese Frau nie vergessen.

Das Verhältnis Adansons zu seiner Familie war getrübt. Er verbrachte zu wenig Zeit mit ihr. Seine Tochter und er waren sich nie richtig nah. Aber was sie dann als letzten Gruß von ihm las, das versöhnte sie ein wenig. Wobei ich denke, dass sie nicht völlig nachvollziehen konnte, was damals in ihm vorging.

Es dauerte etliche Seiten, bis ich in die Geschichte fand. Zu ausführlich schreibt der Autor über Dinge, die eher für Verwirrung sorgen. Schilderungen zur Flora und Fauna des Senegals kamen mir zu kurz. Da hatte ich mir mehr versprochen. Zumal das wunderschöne Cover eigentlich darauf schließen lässt. Gut gefiel mir, dass ich tatsächlich in die Vergangenheit eintauchen konnte. Das Leid der Sklaven, die verkauft und dann nach Amerika verschifft wurden. Und nicht nur Erwachsene ereilte dieses Schicksal. Viele Kinder mussten für ihre „Herrschaften“ schuften und das war nicht alles. Wenn es den Besitzern der Leibeigenen in den Sinn kam, dann hielten sie auch zur Befriedigung ihrer Triebe her. Grausame Schicksale, die heute unvorstellbar sind.

Adanson ist eine historische Persönlichkeit und er reiste tatsächlich häufig in den Senegal. Die Liebesgeschichte entspringt aber der Phantasie des Autors. Andere Personen und Stätten, die im Roman vorkommen, stimmen mit den Originalberichten Adansons überein. Für mich war es keine leichte Lektüre aber durchaus lesenswert.

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