Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2022

Welch ein außergewöhnlich gutes Buch

Wo die Wölfe sind
0

Inti Flynn lebt mit ihrer Zwillingsschwester sehr zurückgezogen in den schottischen Highlands. Gemeinsam mit ihren Kollegen möchte sie hier Wölfe ansiedeln. Sie liebt diese Tiere und weiß, welchen Mehrwert ...

Inti Flynn lebt mit ihrer Zwillingsschwester sehr zurückgezogen in den schottischen Highlands. Gemeinsam mit ihren Kollegen möchte sie hier Wölfe ansiedeln. Sie liebt diese Tiere und weiß, welchen Mehrwert sie für die Natur haben. Jedoch sehen das die Einwohner des Ortes nicht so. Inti muss viel Aufklärungsarbeit leisten und dabei wird ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Aber „Wo die Wölfe sind“ ist so viel mehr, als „nur“ ein Buch über Wölfe.

Inti leidet an einer Krankheit, die äußerst selten ist. Die „Mirror-Touch-Synthesie“ lässt Betroffene den Schmerz erleiden, den ihr Gegenüber im gleichen Moment spürt. Kaum vorstellbar, wie belastend das sein kann. Wer sich näher dazu informieren möchte, der sollte im Netz fündig werden, dann ja, diese Erkrankung gibt es tatsächlich.

Das Buch ist für mich ein weiteres Highlight im Lesejahr 2022. Die Autorin beschreibt ihre Zuneigung zur Natur und hier ganz besonders zu Bäumen. Sie und ihre Schwester lernten vom Vater, mit ihnen zu „reden“. Sie hörten Wurzeln sprechen, wenn sie ihr Ohr auf die Erde legten. Und dann die Zuneigung zu „ihren“ Wölfen. Oh man, kein Mensch schaffte bisher, dass ich mich für diese Tiere interessierte. Dabei lebten sie doch weit vor mir auf dieser Erde und gehörten zum Ökosystem dazu. Bis der Mensch sie ausrottete.

Die schöne Sprache und die vielen Bilder, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden, ließen mich wahrhaftig genießen. Ich tauchte ein in die Natur Schottlands und zitterte mit Inti. Auch die Skepsis der Einwohner konnte ich gut verstehen. Selbst die Spannung kam nicht zu kurz. Ein wunderbares Buch, dass ich ohne Abstriche empfehle, der sich für Natur und gute Literatur begeistern kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2022

So anschaulich kann Geschichtsunterricht sein

Das Spital zu Jerusalem
0

Immer wieder gab es Christen, die ins „gelobte Land“ zogen. Sie wollten in Palästina für ihr Recht kämpfen und „Ungläubige“ bekehren. Dazu zählten Ritter, Bauern, Tagelöhner und einfache Leute.
"Das Spital ...

Immer wieder gab es Christen, die ins „gelobte Land“ zogen. Sie wollten in Palästina für ihr Recht kämpfen und „Ungläubige“ bekehren. Dazu zählten Ritter, Bauern, Tagelöhner und einfache Leute.
"Das Spital zu Jerusalem" berichtet davon. Die Hauptpersonen des Romans sind ein Jude, der inkognito reist und eine junge Frau, die als Tochter eines reichen Kaufmanns stets unter strenger Beobachtung steht.

Der Jude stammt aus Mainz und musste mit ansehen, wie seine Lieben von brutalen Christen niedergemetzelt wurden. Um nicht alleine zu bleiben schloss er sich einer Schar von Christen an, die gen Jerusalem zogen. Das war gefährlich und immer wieder hatte ich die Befürchtung, dass er als Jude erkannt wurde. Die Tochter des Kaufmanns hatte zwar ihren Starrkopf, konnte sich aber am Anfang der Geschichte kaum gegen ihren strengen Vater durchsetzen.

Dieser Historische Roman besticht durch intensive Recherche. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich mit den vielen Namen und Orten des Geschehens zurecht kam. Meine Ausdauer wurde belohnt und ich tauchte ein in die Zeit um 1095. Es ist für mich undenkbar, welche Mühen Menschen auf sich nahmen, um ihren angeblich „einzig wahren“ Glauben zu verteidigen. Aber dann frage ich mich, ob es nicht heute auch so ist? Gibt es nicht genug Auseinandersetzungen, die mit Glaubensfragen im Zusammenhang stehen?

Die Geschichte der Johanniter war interessant und spannend zu lesen. Es gefällt mir, wenn Romane wesentliche Fakten gut verpackt und anschaulich darstellen. Das ist dem Autor bei diesem Buch gelungen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2022

Eine abwechslungsreiche Reise nach Jütland

Meter pro Sekunde
0

Nein, ein Roman ist „Meter pro Sekunde“ in meinen Augen nicht. Die junge Mutter erzählt in der Ich-Form vom Umzug nach Jütland, ihren Problemen mit den Menschen hier und wie sie den Alltag trotzdem gut ...

Nein, ein Roman ist „Meter pro Sekunde“ in meinen Augen nicht. Die junge Mutter erzählt in der Ich-Form vom Umzug nach Jütland, ihren Problemen mit den Menschen hier und wie sie den Alltag trotzdem gut meistert. Das geschieht in kurzen Ausführungen über das Erlebte und wechselt sich ab mit Briefen an den „Kummerkasten“.

Positiv ist einiges in diesem Buch. Die Sprache und damit die Übersetzung ist sehr gut gelungen. Die Beschreibung der Landschaft und der Menschen mit all ihren einzigartigen Charakterzügen zeigt sich bildhaft und lebendig. Wer allerdings nach einer zusammenhängenden Geschichte sucht, der wird keinen Erfolg haben. Es sind kurze Erlebnisberichte der jungen Frau. Meistens humorvoll und nie platt. Der „Kummerkasten“ ist eine Rubrik in der örtlichen Zeitung. Menschen unterschiedlichen Alters schreiben an die Zeitung und bekommen Rat vom Kummerkasten. Hier ist des die junge Frau, die damit ihren Geist lebendig hält und der Langeweile entgegenwirkt.

Sehr gelungen empfand ich die Liedtexte. Die Übersetzerin schrieb auch immer dazu, nach welcher Melodie sie gesungen werden können. Das Urteil über die Jütländer unterstreiche ich. Wer hier hinzieht und Freunde sucht, der braucht lange, bis er welche findet. Ebenfalls gelungen ist das wunderschöne Cover. Mein Fazit: Sprachlich ein Genuss und meine Reise nach Dänemark gelungen. Wer wissen möchte, wo die Skjern Auen liegen und was der Fluss mit Renaturierung zu tun hat, der sollte im Internet danach schauen. Richtig gut, was die Dänen hier schafften. Nein, „Meter pro Sekunde war nicht so, wie ich mir einen Roman vorstelle aber schlecht auf keinen Fall.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Gute Studie zu den Vorgehensweisen etlicher Journalisten

Den Wölfen zum Fraß
0

Michael Wolphram ist ein pensionierter Lehrer und lebt sehr zurückgezogen. Er unterrichtete in einem elitären College Englands. Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde, war Michael vom Pech verfolgt. ...

Michael Wolphram ist ein pensionierter Lehrer und lebt sehr zurückgezogen. Er unterrichtete in einem elitären College Englands. Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde, war Michael vom Pech verfolgt. Er ist ihr Nachbar und nahm sie hin und wieder in seinem Auto mit, wenn sie Besorgungen zu machen hatte. Was also lag für Ermittler und Nachbarn näher, als dass dieser einsiedlerische pensionierte Lehrer ein Motiv hatte? Nein, das war den ganz Schlauen nicht genug. Er war es eindeutig, so urteilten sie und der Mann kam in Untersuchungshaft.

„Den Wölfen zum Fraß“ zeigt sehr deutlich auf, wie Rufmord einen Menschen treffen kann. Ganz plötzlich melden sich ehemalige Schüler, die natürlich so gar nicht mit dem ehemaligen Lehrer zurechtkamen. Sie waren wohl stolz, dass Journalisten zu dem Thema befragten und ihre Namen in den Gazetten erschienen. Ich dachte dabei stets an die B-Zeitung, die auch immer zuerst weiß, wer der oder die Täter sind.

Der Roman gefiel mir. Es dauerte zwar etliche Seiten, bis ich mich an den Stil gewöhnte, aber dann konnte ich gut folgen. Der Autor beschreibt wirklich exzellent, wie die Journaille arbeitet. Und auch diese Berichte von Menschen, die den Verdächtigen angeblich so gut kennen, sind bezeichnend. „Den Wölfen zum Fraß“ sollten sich alle Journalisten und Schubladendenker durchlesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Ein Buch der leisen Töne mit wunderschönem Cover

Leo und Dora
0

Seine letzte Veröffentlichung war im Jahr 1936, also vor zehn Jahren. Seitdem dauert die Schreibblockade an. Die Rede ist von Leo, einem Schriftsteller, der in Palästina lebt. Ach nein, heute heißt es ...

Seine letzte Veröffentlichung war im Jahr 1936, also vor zehn Jahren. Seitdem dauert die Schreibblockade an. Die Rede ist von Leo, einem Schriftsteller, der in Palästina lebt. Ach nein, heute heißt es ja Israel, so sagt er. Er nimmt die Einladung einer Freundin und Agentin an und begibt sich nach Connecticut. Seine Ankunft ist nicht so, wie er sich das vorstellte. Das Haus der Agentin brannte in der Nacht bis auf die Grundmauern nieder und jetzt muss er in einer sehr kleinen Pension logieren. Was ihm zunächst so gar nicht behagt, das stellt sich aber als Segen heraus. Er lernt interessante Menschen kennen und schätzen.

Es war das wunderschöne Cover, das mich zum Lesen des Buches veranlasste. Es gibt zwei Hauptpersonen, die sich im Laufe der Story näher kommen. Leo ist ein Mann, der schon lange alleine lebt und Dora die Inhaberin der Pension. Beide sind in ihren Ansichten gehemmt und für viele junge Leser wohl auch veraltet. Aber so war das damals. In dem Buch werden Ängste und Hoffnungen offenbar, die den Betroffenen gar nicht bewusst sind. Es geht aber auch um Verlust von nahen Angehörigen und was diese Traumen in jedem Einzelnen verursachen.

„Leo und Dora“ ist kein Buch zum nebenher lesen. Es fordert Konzentration und wer sich auf eine Story einlassen kann, die eher psychologische Aspekte statt Spannung bereit hält, der wird das Buch mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere