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Veröffentlicht am 11.07.2020

Catherine und Liam ermitteln in Italien

Ada, das Mädchen aus Berlin
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Es ist Sommer 2017 in der Toskana. Ein schickes Auto fährt zu einer Villa und der Fahrer ist Anwalt Lenzini. Er hat ein Schreiben in seiner Aktentasche und er freut sich auf das Gesicht der Empfänger. ...

Es ist Sommer 2017 in der Toskana. Ein schickes Auto fährt zu einer Villa und der Fahrer ist Anwalt Lenzini. Er hat ein Schreiben in seiner Aktentasche und er freut sich auf das Gesicht der Empfänger. Er freut sich, dass sein Mandant endlich sein Haus und den dazugehörenden Weinberg bald nutzen kann. Die Tasche enthält nämlich einen Räumungsbefehl. Bisher wohnt eine ältere Frau in dem Haus und sie behauptet, dass es ihr gehört und der Mandant des Anwalts kein Recht darauf hätte. Der Mandant ist der größte Weinproduzent Italiens und so eingebildet ist er auch. Leider gibt ihm die Rechtekette Grund zur Annahme, dass die 79jährige keinen Anspruch auf das Haus hat. In ihrer Not wendet sie sich an ihren Neffen in USA. Der wiederum kennt Catherine Lockhart und Liam Taggart. Er bitte sie, seiner Tante zu helfen und setzt seine ganze Hoffnung auf das erfolgreiche Paar.

Wie viele der heutigen Werke spielt sich auch dieser Roman „Ada, das Mädchen aus Berlin“, in zwei Zeitebenen ab. Die Gegenwart im Jahr 2017 und die Vergangenheit ab etwa 1933. Und ja, es ist ein Roman, der den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen thematisiert. Aber er ist wieder ganz anders als jene, die ich bisher las. Hier geht es nicht nur um die Verfolgung der Juden Deutschlands. Auch in Italien wütete der Antisemitismus und der Autor beschreibt die Situation der Menschen genau. Welche Anstrengungen sie unternahmen um wenigstens einen Teil ihres Vermögens zu retten, das ist aufschlussreich und erfreulich. Weil es einigen von ihnen auch tatsächlich gelang. Traurig ist aber auch, dass die Verbrecher nach Kriegsende mit ihren Ausflüchten und Entschuldigungen durchkamen und gar zu leicht einen „Persilschein“ bekamen. So ungerecht ging es bereits damals zu.

Mir gefiel das Buch, weil die Toskana so bildhaft beschrieben wird. Aber auch die Lebensgeschichte der Ada Baumgarten steht wohl stellvertretend für viele Künstler und auch das fand ich gut. Am Endes des Buches schreibt der Autor, was Fakt und was Fiktion ist. Welche Menschen tatsächlich lebten und wen er erfand, damit die Story stimmig wird. Ein wirklich aufschlussreiches und gleichzeitig auch spannendes Stück Zeitgeschichte, die wir nie vergessen sollten.

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Veröffentlicht am 10.07.2020

Da kann kein Film mithalten

Alte Sorten
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„Die Luft sah aus wie Wasser, das flüssiger war als normales Wasser. Leichter und beweglicher: Sommerwasser. Man konnte es nur mit den Augen trinken.“ Das sind einige Sätze, mit denen das Buch Alte Sorten ...

„Die Luft sah aus wie Wasser, das flüssiger war als normales Wasser. Leichter und beweglicher: Sommerwasser. Man konnte es nur mit den Augen trinken.“ Das sind einige Sätze, mit denen das Buch Alte Sorten beginnt. Und diese schöne und bildhafte Sprache findet der Leser in den folgenden Kapiteln immer wieder. So entsteht immer wieder das „Kino im Kopf“ und ich tauchte ein, in die Arbeiten auf einem Bauernhof.

Der Inhalt ist rasch erzählt. Zwei Frauen treffen sich zufällig. Sie heißen Sally und Liss und sie wirken zunächst als könnten sie verschiedener nicht sein. Mit der Zeit freunden sie sich an und es wird klar, wo die Schnittpunkte der beiden liegen. Und das nicht nur bei der Arbeit auf dem Weinberg oder im Obstgarten.

Ja, es stimmt. Die alten Sorten haben einen ganz eigenen und besonderen Geschmack. Daher ist es wohl auch momentan modern, sich wieder auf diese Bäume zu besinnen. Aber das gilt ja nicht nur für alte Obstorten. Ist es nicht sogar bei Senioren so? „Schmeckt“ ihre Lebensweisheit nicht so ganz anders? Mir gefiel es, dass der Autor die zwei Frauen völlig schnörkellos beschreibt. Die eine ist wie ein dickköpfiges Kind und die andere die Ruhe selbst. Mit der Zeit ändert sich das. Und hier gefiel mir die Art und Weise der Wandlung. Und die Sprache, das schrieb ich oben schon, das ist der Hammer. So schön und es zeigt doch, wie damit gemalt werden kann. Während Sally Kraftausdrücke benutzt und sie teilweise recht vulgär daher kommt, wird sie durch eine gegensätzliche Form des Ausdrucks abgeschwächt. Fünf Sterne und eine Leseempfehlung für dieses ausdrucksstarke Buch.

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Veröffentlicht am 09.07.2020

Ermittlungen im Paradies

Verschollen in Palma
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Es war mein zweites Buch des Autors also wusste ich, dass nicht nur sein Schreibstil ein ganz eigener ist. So auch in Verschollen in Palma. Er bleibt sich in diesem Krimi treu und ändert nichts an seinem ...

Es war mein zweites Buch des Autors also wusste ich, dass nicht nur sein Schreibstil ein ganz eigener ist. So auch in Verschollen in Palma. Er bleibt sich in diesem Krimi treu und ändert nichts an seinem Markenzeichen.

Emme durfte mit 16 zum ersten Mal alleine verreisen. Und das dann ausgerechnet auf die spanische Insel. Ihr Vater erlaubte das und überredete auch die Mutter zur Einwilligung. Alles war gut, bis, ja bis, Emme verschwand. Drei Jahre sind es nun, in denen ihr Vater Tim Blancks nach ihr sucht. Er will nicht akzeptieren, dass sie tot sein soll. Und dann geschieht es ein zweites Mal, dass eine junge Frau spurlos verschwindet. Da Tim als Privatdetektiv auf Mallorca arbeitet, nimmt er sich des Falles an und findet dann auch noch eine Spur zu Emme….

Die Story schwenkt von der Gegenwart in die nahe und ferne Vergangenheit. Dann auch noch von Mallorca nach Schweden. Es ist nicht leicht, den roten Faden zu verlieren und zuweilen reißt er ganz ab. Das vermindert die Spannung. Die Beschreibung der Insel kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie dort war. Ich frage mich allerdings, ob es tatsächlich Menschen gibt, die im Urlaub nur ans Trinken, Tanzen, F.. und Koksen denken. Ich hoffe und denke, dass der Autor hier wohl übertrieben hat. Vier Sterne und eine bedingte Leseempfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Welch eine Ungerechtigkeit

Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt
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„Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“, das ist nicht nur der Titel des Romans von Dagmar Fohl. So lautet auch die Inschrift auf dem Grabstein des „Oskar Schindler von Portugal“. Aristides ...

„Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“, das ist nicht nur der Titel des Romans von Dagmar Fohl. So lautet auch die Inschrift auf dem Grabstein des „Oskar Schindler von Portugal“. Aristides de Susa Mendes, so heißt der mutige Mann, dessen Geschichte hier in der Ich-Form geschrieben wurde.

Mendes ist ein reicher Mann. Er stammt aus einer Adelsfamilie und als Konsul des Landes Portugal reist er mit seiner großen Familie durch die Welt. Sparen kennt er nicht. Aber trotz aller Annehmlichkeiten, die ihm sein Leben bietet, hat er sein Mitgefühl für Menschen in Not nie vergessen. Als die europäischen Länder die Repressalien gegen ihre jüdischen Mitbürger bis zur Unmenschlichkeit verschärften, trat er auf den Plan. Er widersetzte sich dem Diktator seine Heimatlandes Portugal und schrieb Tage und Nächte so viele Visa, wie er nur irgend schaffen konnte. Wer jetzt denkt: „Wow, toll, das es solche mutigen Menschen damals gab“, der hat recht. Leider sah das aber der Herr Salazar überhaupt nicht so und er sorgte dafür, dass Herr Mendes als ganz armer Mann sein Dasein fristen musst. Unvorstellbar ungerecht, aber es war leider so.

Beim Lesen des Buches kochte es in mir. Wie ungerecht ist doch die Welt und wie heuchlerisch sind die Menschen. Ja, Mendes wurde rehabilitiert, was übrigens auf Drängen seiner Kinder geschah. Nur, ich frage mich, was hat er davon? Warum kam der Teufel Salazar damals mit seinen Machenschaften durch? Nun ja, vielleicht ist ja für seine Kinder eine große Genugtuung, dass ihrem Vater endlich recht zuteil wurde. Sein Name steht auf jeden Fall auch im Jad Vashem in Jerusalem und das ist gut so. Das Cover zeigt übrigens ein Originalphoto von Mendes und der Roman wurde sehr lebendig und eindringlich in der Ich-Form geschrieben. Fünf Sterne sind fast zu wenig für dieses gut recherchierte Werk.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Das verstehe ich unter guter Literatur

Die Unschärfe der Welt
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Die Unschärfe der Welt beginnt mit der Beschreibung eines Familienlebens. Florentine und Hannes leben in Arad, das liegt in Rumänien. Florentine ist schwanger und schon bald wird der kleine Samuel geboren. ...

Die Unschärfe der Welt beginnt mit der Beschreibung eines Familienlebens. Florentine und Hannes leben in Arad, das liegt in Rumänien. Florentine ist schwanger und schon bald wird der kleine Samuel geboren. Hannes ist Pastor und sein Haushalt gastfreundlich. Immer wieder kommen Menschen aus der DDR zu den beiden und übernachten hier. Nie wird jemand abgewiesen, bis, ja bis…. Auch in diesem Buch gibt es Denunzianten, die sich am Leid von Nachbarn und/oder „Freunden“ ergötzten. Sie versprachen sich wohl Vorteile durch einen Verrat.

Flucht und das Hoffen auf ein besseres sprich leichteres Leben ist für die spätere Generation selbstverständlich. Florentine und Hans sind zu fest verwurzelt in Arad. Vielleicht ist ihre Angst vor Entdeckung ja auch zu groß. Klar ist auch, dass selbst nach dem Umbruch das Leben keineswegs so war, wie sie es sich vorstellten.

Das Buch strahlt, ja so habe ich es empfunden. Diese wunderschöne Sprache faszinierte mich. Immer wieder las ich Passagen sofort zum zweiten Mal um sie noch ein wenig länger genießen zu können. Die Handlung war allerdings schwer nachzuvollziehen. Für mich gab es zu viele Sprünge. Das gilt für Zeiten, aber auch für Orte und Menschen. Mal geht es um die Eltern von Hannes, dann um den erwachsenen Samuel und dann wieder um Florentine, wie sie den Verlust der Freundin beklagt. Die Phantasie des Lesers ist gefragt, wenn die Autorin nur Bruchstücke der Begebenheiten beschreibt. Das darf also niemanden stören, der dieses außergewöhnliches Werk lesen möchte.

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