Jane Austen ermittelt
Miss Austen ermittelt. Die glücklose HutmacherinDie glücklose Hutmacherin“ von Jessica Bull entführt die Leserinnen und Leser in das England des späten 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die Literaturfans sofort bekannt vorkommen ...
Die glücklose Hutmacherin“ von Jessica Bull entführt die Leserinnen und Leser in das England des späten 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die Literaturfans sofort bekannt vorkommen dürfte: Jane Austen.
Jane freut sich auf einen besonderen Abend. Ein großer Ball steht bevor, und dort wird auch ihr Schwarm Tom Lefroy anwesend sein. Die Aufregung ist entsprechend groß. Als Jane und Tom sich während der Feier kurz aus dem Trubel zurückziehen und in ein Gewächshaus verschwinden, ahnt noch niemand, dass sich im Haus eine Tragödie ereignet.
Während im Gewächshaus zarte Gefühle im Raum stehen, wird im Herrenhaus eine Frau ermordet aufgefunden – blutüberströmt und ohne jede Erklärung. Bei der Toten handelt es sich ausgerechnet um eine Hutmacherin, die Jane erst kürzlich auf dem Markt getroffen hat, als diese versuchte, ihr einen Hut zu verkaufen.
Doch was hatte diese Frau überhaupt auf dem vornehmen Fest zu suchen? Und weshalb wurde aus dem Haus nichts entwendet – außer dem Medaillon, das die Hutmacherin um den Hals trug?
Als dann auch noch einer von Janes Brüder verdächtigt wird, muss die junge Dame selbst die Ermittlungen übernehmen.
Der Roman wurde von Susanne Wallbaum aus dem Englischen übersetzt. Mit Die glücklose Hutmacherin gelingt der englischen Autorin Jessica Bull ein solides Debüt – das lässt sich gleich vorwegnehmen.
Besonders reizvoll ist die Idee, die bekannte literarische Persönlichkeit Jane Austen selbst zur Protagonistin eines Kriminalfalls zu machen. Es macht Spaß, sie durch diese Geschichte zu begleiten und mit ihr in die Gesellschaft des späten 18. Jahrhunderts einzutauchen. Die Autorin passt die Ausdrucksweise ihrer Figuren spürbar an die damalige Zeit an, wodurch eine stimmige Atmosphäre entsteht. Auch die Beschreibungen der Umgebung und der gesellschaftlichen Gepflogenheiten tragen dazu bei, dass man sich gut in diese Epoche hineinversetzen kann. Nicht zuletzt erlebt die Regency-Zeit derzeit auch in Film und Fernsehen wieder große Beliebtheit, was dem Setting zusätzlich einen gewissen Reiz verleiht.
Ein kleiner Schwachpunkt liegt allerdings in der Aufklärung des Falls. Die Handlung entwickelt sich stellenweise recht schleppend, wodurch der Spannungsbogen nicht immer auf dem gewünschten Niveau bleibt. Selbst die durchaus unterhaltsamen und unterschiedlich gezeichneten Figuren können dieses Tempo nicht vollständig ausgleichen.
Der Mordfall und sein Ablauf sind natürlich frei erfunden und entsprechen nicht zwingend der historischen Realität. Dennoch bietet der Roman solide Unterhaltung – besonders für Leserinnen und Leser, die Cosy Crime in der Regency-Zeit mögen und Freude daran haben, eine bekannte literarische Figur einmal in einer ganz anderen Rolle zu erleben.
Fazit:
Ein interessant konzipierter Krimi mit einer charmanten Idee und stimmungsvoller Atmosphäre, dessen Spannungsbogen jedoch gern etwas höher hätte sein dürfen.