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Veröffentlicht am 23.04.2026

Eine neue Perspektive

Ein guter Blick fürs Böse
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Ein guter Blick fürs Böse von Elizabeth Arnott führt ins Kalifornien des Jahres 1966 und stellt drei Frauen in den Mittelpunkt: Margo, Bev und Elsie.
Ihr Leben scheint zunächst gewöhnlich, bis die Polizei ...

Ein guter Blick fürs Böse von Elizabeth Arnott führt ins Kalifornien des Jahres 1966 und stellt drei Frauen in den Mittelpunkt: Margo, Bev und Elsie.
Ihr Leben scheint zunächst gewöhnlich, bis die Polizei vor der Tür steht und ihre Ehemänner als Serienmörder verhaftet werden. Von einem Moment auf den anderen verlieren sie nicht nur ihre Partner, sondern auch ihren Platz in der Gesellschaft. Obwohl sie nichts von den Taten wussten, geraten sie selbst unter Verdacht und werden ausgegrenzt.
Durch ihr gemeinsames Schicksal finden die drei zueinander und geben sich Halt in einer Welt, die ihnen mit Misstrauen begegnet. Als in ihrer Umgebung erneut Frauen ermordet werden und die Ermittlungen der Polizei ins Leere laufen, beginnen Margo, Bev und Elsie, eigene Fragen zu stellen und schließlich selbst nach Antworten zu suchen. Denn niemand war niemand war jemals näher an Serienmörder dran als sie.

Elisabeth Arnotts Geschichte eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf das Krimigenre: Drei Frauen, die einst an der Seite von Mördern lebten, ohne es zu wissen, rücken hier selbst ins Zentrum der Geschichte und genau darin liegt die besondere Stärke des Romans.
Eingebettet in die 1960er-Jahre wird schnell deutlich, wie sehr das Leben der Protagonistinnen von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt ist. Es ist eine Zeit, in der Frauen sich ihren Platz erst erkämpfen müssen, während männliche Dominanz den Alltag bestimmt. Diese Dynamik zieht sich spürbar durch die Geschichte und macht das Lesen stellenweise fast schwer auszuhalten. Besonders in den kleinen, fast beiläufigen Szenen zeigt sich diese Schieflage eindrücklich – etwa wenn Beverley ihren Geliebten umsorgt, ihn versorgt wie ein Kind, während er dieses Verhalten ganz selbstverständlich erwartet.
Arnotts Figuren bleiben dabei zunächst auf Distanz. Ihre Entscheidungen wirken nicht immer greifbar, ihre Beweggründe teils unklar. Doch genau darin liegt auch eine Entwicklung: Mit fortschreitender Handlung gewinnen Margo, Bev und Elsie an Tiefe, werden verständlicher, greifbarer und letztlich auch stärker.
Neben den leisen, gesellschaftskritischen Tönen überzeugt der Roman auch durch seine Spannung. Die geschickt gesetzten Wendungen und Spannungsbögen tragen mühelos durch die Geschichte. Immer wieder meint man, der Lösung näher zu kommen nur um am Ende völlig überrascht zu werden.

Fazit:
Ein Krimi, der nicht nur unterhält, sondern mit gesellschaftskritischen Aspekten auf sich aufmerksam macht.

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Erzähl mir eine Geschichte

Sie wollen uns erzählen
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In dem neuen Roman von Birgit Birnbacher geht es um einen Jungen, der nur alles richtig machen will und um eine Welt, die ihm dabei ständig entgleitet.
Oz ist neun Jahre alt und lebt mit seiner Mutter ...

In dem neuen Roman von Birgit Birnbacher geht es um einen Jungen, der nur alles richtig machen will und um eine Welt, die ihm dabei ständig entgleitet.
Oz ist neun Jahre alt und lebt mit seiner Mutter Ann in Österreich. Beide bewegen sich durch den Alltag mit einer ADHS-Symptomatik, die nicht nur Unruhe, sondern auch eine ganz eigene Wahrnehmung ihres Alltages mit sich bringt. Dass Oz trotz aller Zuschreibungen und Widerstände den Übertritt aufs Gymnasium schafft, ist ein kleiner Triumph. Einer, der kaum Zeit bekommt, gefeiert zu werden. Denn am letzten Schultag passiert ein Unglück. Oz handelt. Überlegt. Mutig.
Nur eben nicht so, wie man es von einem Kind erwartet.
Während er mit einem Schulbrief in der Tasche in die Ferien startet, gerät Anns Leben gleichzeitig aus dem Takt. Eine wichtige Studie wartet auf ihre Auswertung, ihr Sohn soll ins Feriencamp und dann verschwindet auch noch die Großmutter Zäzilia aus dem Krankenhaus. So begleitet Oz zunächst seine Mutter also ins Innergebirg um die Zillyoma zu suchen bevor das Feriencamp beginnt. Auf der Fahrüberlegt sich der Junge, wenn jetzt etwas wirklich Großes passieren würde, etwas, das alle Erwachsenen vor den Fernseher zwingt, wäre es dann nicht verständlich, Dinge zu vergessen? Einen Brief? Ein Unglück? Die Wahrheit? Und es beginnt zu regnen…

Birgit Birnbachers Protagonist:innen setzen sich in „Sie wollen uns erzählen“ mit dem Anderssein auseinander. Einem Anderssein, das in dieser Geschichte einen Namen trägt: ADHS. Dabei spannt der Roman einen interessanten Bogen zwischen Generationen. Während bei Ann als Kind noch kein diagnostischer Rahmen existierte und man schlicht versuchte, mit ihrer Wesensart umzugehen, begegnet Oz heute einer Welt, die benennt, einordnet und reagiert, im Guten wie im Schwierigen.
Gerade dieser Kontrast ist spannend, bleibt für mein Empfinden jedoch stellenweise an der Oberfläche. Ich hätte mir hier tiefere Einblicke gewünscht, ein noch intensiveres Eintauchen in den Alltag und die Innenwelten von Mutter und Sohn.

Auch der Einstieg fiel mir zunächst etwas schwer. Die Geschichte braucht Zeit, um sich zu entfalten, wirkt zu Beginn beinahe zäh. Doch dann verändert es sich. Die Handlung gewinnt an Tempo, nimmt Fahrt auf und plötzlich ist man ganz dabei. So konnte ich das Buch ab diesem Zeitpunkt kaum noch aus der Hand legen. Ich bin durch die Seiten geflogen, mit echtem Herzklopfen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich alles auflöst. Dieses Finale hat für mich vieles aufgefangen und die Geschichte stimmig zusammengeführt.
Birgit Birnbachers Schreibstil ist dabei durchgehend einnehmend und mit klarem Wiedererkennungswert.

Fazit:
Das Leben ist ein Abenteuer!

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Veröffentlicht am 01.04.2026

alles anders

Mittelalte Frauen
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Mit „Mittelalte Frauen“ versammelt Curtis Sittenfeld zwölf Kurzgeschichten, in deren Zentrum Frauen Ende vierzig, Anfang fünfzig stehen – Frauen, die mitten im Leben stehen und doch immer wieder an Punkte ...

Mit „Mittelalte Frauen“ versammelt Curtis Sittenfeld zwölf Kurzgeschichten, in deren Zentrum Frauen Ende vierzig, Anfang fünfzig stehen – Frauen, die mitten im Leben stehen und doch immer wieder an Punkte geraten, die sie innehalten lassen.

Die Geschichten greifen scheinbar alltägliche Situationen auf, sowohl im Privaten als auch im Berufsleben. Und genau darin liegt ihre Stärke: Es sind diese leisen, oft unscheinbaren Momente, in denen etwas kippt, sich verschiebt, hinterfragt wird. Sittenfeld schreibt dabei so nah an ihren Protagonistinnen, dass man sich nicht nur in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen kann – man erkennt sich selbst darin wieder. In kleinen Gesten, in Zweifeln, in unausgesprochenen Fragen.

Gerade dieses Wiedererkennen macht die Lektüre so eindringlich. Es entsteht das Gefühl, nicht allein zu sein mit eigenen Unsicherheiten oder Erfahrungen – als würde jemand von außen einen Spiegel vorhalten und gleichzeitig leise sagen: Du bist damit nicht allein.

Besonders gelungen ist auch, dass Sittenfeld nicht jede Geschichte auflöst. Einige enden offen, verweilen bewusst im Ungewissen. Dadurch entsteht Raum – für eigene Gedanken, eigene Deutungen, für das gedankliche Weiterspinnen der Situationen. Man beginnt unweigerlich, sich selbst zu fragen: Habe ich so etwas schon erlebt? Wie habe ich damals gehandelt? Und wie würde ich es heute tun?

Diese Offenheit ist es, die die Geschichten über das Lesen hinaus wirken lässt.

Fazit:
Eine Sammlung kluger, fein beobachteter Kurzgeschichten, die leise daherkommen und doch nachhallen. Geschichten, die berühren, zum Nachdenken anregen und unter die Haut gehen – auf ganz unterschiedliche Weise.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Bücherliebe

Book Journal
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Bereits das Cover dieses Book Journals von Julia Myotte aus dem Bassermann Verlag ist ein echter Blickfang: Der schwarze Hintergrund lässt die bunten Illustrationen aus Blumen und kleinen Büchern regelrecht ...

Bereits das Cover dieses Book Journals von Julia Myotte aus dem Bassermann Verlag ist ein echter Blickfang: Der schwarze Hintergrund lässt die bunten Illustrationen aus Blumen und kleinen Büchern regelrecht leuchten, während goldene Details dem Ganzen eine edle Note verleihen. Ein Journal, das man gerne in die Hand nimmt – und genau das macht ja schon den ersten Unterschied.

Im Innenteil hat mich das Journal ebenfalls überzeugt. Man kann nicht nur seine gelesenen Bücher festhalten, sondern auch viele Details dazu eintragen, wie z.B. Autor, Verlag, Genre oder ob man das Buch gelesen oder gehört hat. Besonders schön finde ich, dass auch Platz für die eigene Meinung und eine Bewertung ist. Ein richtig originelles Extra ist für mich die Idee, jedem Buch eine passende Musik zuzuordnen. Das macht das Ganze noch persönlicher.
Ein kleiner Punkt, der mir nicht so gut gefällt ist der „Freiraum“, der für die eigene Meinung vorgesehen ist. Denn er ist etwas knapp bemessen. Man muss sich also entweder kurz fassen oder sehr klein schreiben. Mehr Raum wäre hier schön gewesen.
Doch das Bookjournal wartet mit weiteren Extras auf, die das Journal für mich besonders machen. Insgesamt können 100 Bücher festgehalten werden, und schon am Anfang gibt es Seiten, auf denen man Monat für Monat seine Favoriten küren kann. Dazu kommen tolle Listen wie „Die 10 besten Bücher für den Frühling“, Platz für Neuerscheinungen, Lieblingszitate. Alles kann man dann natürlich noch nach seinen Geschmack ausgestalten.
Weiter gibt es noch einen Lesetracker, mit dem man dokumentieren kann, wie viel man gelesen hat – egal ob Bücher pro Monat oder Seiten pro Tag. Und selbst ungelesene Bücher können hier vermerkt werden.

Fazit:
Insgesamt ist dieses Book Journal innen wie außen ein gelungenes Gesamtkunstwerk. Es lädt dazu ein, die eigene Lesezeit bewusst festzuhalten und kreativ zu begleiten. Es wird dabei schnell zu einem treuen Begleiter für alle, die ihre Bücherliebe gerne dokumentieren.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

TikTak

Das White Octopus Hotel
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Rezension zu gleichnamigen Hörbuch
Eve Shawn ist erst Anfang zwanzig und hat doch schon mehr erlebt, als viele in einem ganzen Leben. Als sie mit vier Jahren ihren Geburtstag feiern wollte, kommt ihre ...

Rezension zu gleichnamigen Hörbuch
Eve Shawn ist erst Anfang zwanzig und hat doch schon mehr erlebt, als viele in einem ganzen Leben. Als sie mit vier Jahren ihren Geburtstag feiern wollte, kommt ihre kleine Schwester bei einem tragischen Unfall ums Leben. Ein Ereignis, an dem sich Eve bis heute die Schuld daran gibt.
Mit diesem Moment beginnt das langsame Auseinanderfallen der Familie. Ihre Mutter zerbricht am Verlust und lässt Eve spüren, dass sie ihr die Verantwortung dafür zuschreibt. Die Eltern trennen sich, Eve wächst fortan bei ihrem Vater und dessen neuer Frau auf. Zwischen ihr und ihrer Mutter bleibt eine schmerzhafte Distanz zurück.
In dieser Zeit entdeckt Eve ihre besondere Verbindung zu Octopussen. Sie beginnt, sie zu zeichnen, detailreich, beinahe lebendig, immer mit einer schwarzen Spitze an einem Tentakel. Und bald ist da mehr als nur Kunst: Ein Octopus scheint sie zu begleiten, wandert über ihren Körper, lebt auf ihrem Oberschenkel. Doch was auf den ersten Blick befremdlich wirkt, wird für Eve zu etwas Tröstlichem.
Als Erwachsene arbeitet sie als Kunstgutachterin. Doch erst als eines Tages ein älterer Mann in ihrem Büro erscheint, ihr eine kleine weiße Octopus-Statue in die Hand drückt und behauptet, ihr längst verstorbener Lieblingsmusiker zu sein, beginnt Eve zu begreifen, dass sie die rätselhaften Dingen in ihrem Leben nicht länger ignorieren kann.

Das Hörbuch „Das White Octopus Hotel“ von Alexandra Bell, aus dem Englischen übersetzt von Edith Beleites, hat mich schon mit seinem Cover sofort angesprochen. Es greift die zentralen Elemente der Geschichte wunderbar auf und lässt zunächst an eine zauberhafte, fast kindlich anmutende Erzählung im Stil von „Alice im Wunderland“ denken. Doch schnell wird klar, diese Geschichte ist deutlich komplexer und ganz sicher nicht für Kinder gedacht.

Alexandra Bell gelingt mit ihrem bildhaften und einnehmenden Schreibstil ein Einstieg, der einen unmittelbar ins Geschehen zieht. Erzählt wird zunächst aus der Perspektive von Eve, und man ist schnell an ihrer Seite. Ihr Schicksal berührt, ebenso wie das ihrer Familie, die am Verlust der kleinen Schwester zerbricht. Besonders eindrücklich ist, wie sehr sich Schuld, unausgesprochene Vorwürfe und Missverständnisse in ihr aller Leben eingraben. Nichts wird je wirklich ausgesprochen, und doch scheint jeder für sich eine Wahrheit gefunden zu haben, ohne zu wissen, ob diese überhaupt der Realität entspricht.
Zentral sind dabei auch die Themen der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse sowie der Umgang mit Trauer. Alexandra Bell gelingt es, diese schweren Themen sensibel und zugleich eindringlich in die Geschichte einzuweben. Dabei entsteht ein Spannungsbogen, der einen immer weiter durch die Handlung trägt. Man möchte unbedingt verstehen, was hinter all dem steckt auch wenn man lange keine Ahnung hat, wohin einem diese Reise führen wird.

Die Geschichte arbeitet mit vielen Symbolen: den Octopussen mit dem schwarzen Fleck, dem rätselhaften Kaninchen oder auch dem Hotel selbst. Ihre Bedeutung erschließt sich nicht sofort, sondern setzt sich nach und nach zusammen wie ein Puzzle, dessen Bild sich erst langsam offenbart.
Im Mittelteil verliert sich für mich jedoch kurzzeitig die Orientierung. Neben Eves Perspektive kommen Kapitel, die aus Sicht von Max geschildert werden, hinzu. Dessen Lebensgeschichte ist stark von Kriegserfahrungen geprägt ist. Diese Passagen sind intensiv und eindringlich geschildert. Bilder, die sich bei mir festgesetzt und mich nicht so schnell wieder losgelassen haben.
Gleichzeitig werfen sie viele neue Fragen auf: Wie hängen Eve und Max wirklich zusammen? Gibt es eine Verbindung über Zeit und Raum hinweg? Welche Rolle spielen der Maler Roth und die Begegnungen mit seinen Verwandten im Hotel? Und lässt sich das Rätsel um Eves Mutter lösen?
Gerade diese Vielzahl an offenen Fragen hat den Mittelteil für mich etwas in die Länge gezogen. Vielleicht auch deshalb weil meine Ungeduld immer größer wurde.


Die beiden HörbuchsprecherInnen Sarah Dorsel und Sebastian Fischer, überzeugen in ihrer Darbietung. Beiden gelingt es, die besondere, magisch-mystische Stimmung der Geschichte einzufangen und an die ZuhörerInnen zu transportieren. Ihre Stimmen harmonieren sehr gut miteinander und machen die Gefühle der Figuren spürbar – ihr Leiden, ihre Unsicherheit, ihre inneren Konflikte. Dadurch entstehen lebendige Bilder im Kopf, und auch die Atmosphäre sowie die Geräuschkulisse lassen sich wunderbar nachempfinden.

Fazit:
Eine außergewöhnliche, atmosphärisch dichte Geschichte, die nachwirkt und noch lange im Kopf bleibt.

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