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Veröffentlicht am 13.06.2026

Gemeinsam einsam?

Gedankenspiele über die Einsamkeit
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Mit der Reihe „Gedankenspiele über ...“ lädt der Droschl Verlag dazu ein, alltägliche Themen neu zu betrachten und ihnen mit Neugier und Offenheit nachzuspüren. In „Gedankenspiele über die Einsamkeit“ ...

Mit der Reihe „Gedankenspiele über ...“ lädt der Droschl Verlag dazu ein, alltägliche Themen neu zu betrachten und ihnen mit Neugier und Offenheit nachzuspüren. In „Gedankenspiele über die Einsamkeit“ widmet sich Milena Michiko Flasar einem Gefühl, das wohl jeder Mensch kennt und das doch selten so differenziert betrachtet wird.
Flasar gehört für mich zu den Autorinnen, die scheinbar mühelos über alles schreiben können. Ihre Gedanken wirken nie schwer oder belehrend, sondern leicht, klar und einladend. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, ihr beim Nachdenken zuzuhören und gleichzeitig meinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Vielleicht lese ich Milena Michiko Flasar deshalb so gerne, weil ihre Texte etwas in mir zum Klingen bringen. Sie regen zum Nachdenken an und wirken oft noch lange über die letzte Seite hinaus nach.
Einsamkeit beschreibt sie nicht als bloßen Mangel an Gemeinschaft, sondern als etwas, das untrennbar zum Menschsein dazugehört. Nähe und Distanz, Verbundenheit und Alleinsein stehen dabei nicht im Widerspruch zueinander, sondern bedingen sich gegenseitig.
Besonders gefallen hat mir, dass Flasar keine fertigen Antworten liefert. Stattdessen eröffnet sie Denkwege, denen man folgen, widersprechen oder die man für sich selbst weiterspinnen kann. Gerade in ruhigen Momenten entfaltet das Büchlein seine besondere Wirkung.

Fazit:
Ein kluges, feinfühliges Gedankenspiel über ein Thema, das uns alle betrifft. Ein Buch zum Innehalten, Nachdenken und Wieder-zur-Hand-Nehmen.

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Veröffentlicht am 03.06.2026

Was ist vererbt und was ist unsere Entscheidung?

Real Americans
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New York, Ende der 1990er Jahre: Lily Chen stammt aus einfachen Verhältnissen und arbeitet sich mit viel Ehrgeiz durch ein Elite-Studium. Als sie den charismatischen Matthew kennenlernt, scheint sich ihr ...

New York, Ende der 1990er Jahre: Lily Chen stammt aus einfachen Verhältnissen und arbeitet sich mit viel Ehrgeiz durch ein Elite-Studium. Als sie den charismatischen Matthew kennenlernt, scheint sich ihr Leben schlagartig zu verändern. Doch hinter dem Glanz einer wohlhabenden Familie verbergen sich Erwartungen, Geheimnisse und Entscheidungen, die weit über eine Generation hinauswirken.
Jahrzehnte später versucht ihr Sohn Nick, die Geschichte seiner Familie zu verstehen. Dabei stößt er auf Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und den Wegen, die das Leben manchmal einschlägt. „Real Americans“ erzählt von Familie, Identität, Liebe und dem Einfluss vergangener Entscheidungen auf die Zukunft.

Die Geschichte „Real Americans“ war für mich vor allem durch die Initiative „Deutschland liest ein Buch“ des KiWi Verlags eine besondere Leseerfahrung. Es hat großen Spaß gemacht, das Buch nicht nur für sich allein zu lesen, sondern sich mit anderen LeserInnen sowie BloggerInnen darüber auszutauschen. Der Roman bietet viele Themen und Fragestellungen, über die man diskutieren kann, sodass spannende Gespräche fast wie von selbst entstehen. Für Lesekreise daher ein perfektes Buch.
Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte mehrere Generationen umfasst. Dadurch entsteht ein breites Bild der Familie und ihrer Entscheidungen, deren Auswirkungen über viele Jahrzehnte hinweg spürbar bleiben. Die verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen haben für mich einen großen Reiz ausgemacht.
Rachel Khong erzählt ruhig und mit viel Raum für ihre Figuren. Allerdings zog sich die Handlung für mich stellenweise etwas in die Länge, weshalb mich nicht jede Passage gleichermaßen fesseln konnte. Manche Themen hätte ich mir zudem noch etwas tiefer ausgearbeitet gewünscht.
Insgesamt ist „Real Americans“ für mich ein lesenswerter Familienroman, der interessante Fragen zu Herkunft, Identität und Zugehörigkeit aufwirft und noch eine Weile nachwirkt. Nicht alles konnte mich vollständig überzeugen, aber die generationenübergreifende Geschichte und die vielen Anknüpfungspunkte für Gespräche machen das Buch zu einer lohnenden Lektüre.

Fazit:
Ein besonderer Familienroman, der zum Diskutieren mit anderen LeserInnen einlädt.

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Veröffentlicht am 02.06.2026

Wild

Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)
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Radscha ist 63 Jahre alt, Philosophielehrer und lebt gemeinsam mit seiner Mutter Zalfa in einer Wohnung in Beirut. Während sein Bruder, den er nicht besonders leiden kann, mit seiner Familie weit entfernt ...

Radscha ist 63 Jahre alt, Philosophielehrer und lebt gemeinsam mit seiner Mutter Zalfa in einer Wohnung in Beirut. Während sein Bruder, den er nicht besonders leiden kann, mit seiner Familie weit entfernt wohnt, kümmert sich Radscha um seine Mutter. Oder sollte man eher sagen: Sie lässt ihm kaum Raum für ein eigenes Privatleben?
Als ihm schließlich ein Stipendium in den USA angeboten wird, ergreift er die Chance. Doch die Reise setzt einiges in ihm in Bewegung. Radscha beginnt, über sein Leben, seine Herkunft und sein Heimatland zu reflektieren. Dabei werden auch Erinnerungen wach, die er lieber weiterhin verdrängt hätte.

Der Autor Rabih Alameddine lebt selbst zwischen Beirut und San Francisco und genau diese Perspektive scheint auch in seinem Roman einzufließen. Mit viel Feingefühl und sprachlicher Eleganz erzählt er eine Geschichte, die weit über das Schicksal ihrer Figuren hinausgeht. Seine Charaktere wirken lebendig und vielschichtig, entwickeln sich im Laufe der Handlung weiter und bleiben im Gedächtnis.
Besonders gefallen haben mir die Einblicke in die Geschichte und Kultur des Libanons. Über das Land wusste ich bislang nur wenig, weshalb ich die vielen kleinen und großen Details sehr spannend fand. Gleichzeitig gelingt es Alameddine, ernste Themen mit einer großen Portion Humor zu verbinden. Vor allem die Dialoge zwischen Radscha und seiner Mutter sprühen vor Schlagfertigkeit, Energie sowie Emotionen. Da muss man während des Lesens immer wieder schmunzeln.
Obwohl der Bürgerkrieg und seine Folgen natürlich eine wichtige Rolle spielen, richtet der Autor seinen Blick vor allem auf die Menschen und das Leben selbst. Dadurch wirkt die Geschichte trotz ihrer nachdenklichen Momente nie bedrückend. Vielmehr entsteht ein Roman voller Wärme, Erinnerungen und Menschlichkeit, der bereits auf den ersten Seiten eine große Sogwirkung entfaltet.
Auch die Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence hat mir sehr gut gefallen, denn sie transportiert den humorvollen und zugleich feinsinnigen Ton der Geschichte überzeugend ins Deutsche.

Fazit:
Ein kluger, berührender und zwischenzeitlich wirklich lustiger Roman, der viele interessante Einblicke in den Libanon gewährt.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Freunde für immer

Kein Sommer ohne August
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Charlie und August lernen sich bereits als Kinder im „One Last Chapter“ kennen, dem Buchladen von Augusts Tante Molly in Liberty Beach. Während Charlie in dem Ort lebt, wohnt August mit seinen Eltern in ...

Charlie und August lernen sich bereits als Kinder im „One Last Chapter“ kennen, dem Buchladen von Augusts Tante Molly in Liberty Beach. Während Charlie in dem Ort lebt, wohnt August mit seinen Eltern in New York. Deshalb sehen sich die beiden nur während der Sommerferien. Doch diese wenigen Wochen reichen aus, um eine ganz besondere Verbindung entstehen zu lassen.
Auch der Buchladen wird für Charlie zu einer Art zu Hause. Zwischen Büchern, Geschichten und gemeinsamen Erlebnissen wächst eine tiefe Freundschaft, die die beiden durch ihre Kindheit und Jugend begleitet. Mit der Zeit wird aus ihrer Verbundenheit jedoch mehr und Charlie und August verlieben sich ineinander. Allerdings hat Charlie bei ihrer Mutter erlebt, wie viel Schmerz die Liebe verursachen kann, und zieht die Reißleine, bevor ihre Gefühle die Freundschaft gefährden. Als schließlich eine folgenschwere Entscheidung die beiden für zehn Jahre trennt, scheint ihre gemeinsame Geschichte endgültig vorbei zu sein.
Erst als Tante Molly stirbt und Charlie überraschend den Buchladen erbt, kreuzen sich ihre Wege erneut…

Mit „Kein Sommer ohne August“ hat Lucy Astner einen Roman geschrieben, der sich anfühlt wie ein endloser Sommertag am Meer. Anfangs brauchte ich zwar etwas Zeit, um in die Geschichte hineinzufinden, doch irgendwann war ich mittendrin – und wollte Charlie und August nicht mehr verlassen.
Der Roman vermittelt ein Gefühl von Wärme, Sehnsucht und Vertrautheit. Man begleitet die Figuren durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens und fühlt sich ihnen dabei erstaunlich nah. Erzählt wird die Geschichte aus Charlies Sicht, die immer wieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt. Nach und nach fügen sich die Erinnerungen an gemeinsame Sommer zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.
Dabei merkt man deutlich, dass Lucy Astner auch als Drehbuchautorin arbeitet. Viele Szenen wirken beinahe filmisch und laufen wie ein Kinofilm vor dem inneren Auge ab. Die Stimmungen, die Schauplätze und die Emotionen der Figuren werden so lebendig beschrieben, dass man sie regelrecht miterlebt.
Besonders gefallen hat mir die Verbindung zwischen Charlie und August. Ihre gemeinsame Liebe zu Büchern, Geschichten und dem Schreiben macht ihre Beziehung einzigartig. Die Dialoge sind humorvoll, herzlich und voller Vertrautheit. Selbst dann, wenn ich Charlies Entscheidungen nicht immer vollständig nachvollziehen konnte, waren ihre Gefühle stets greifbar.
Einen großen Teil seines Zaubers verdankt der Roman auch seiner sommerlichen Atmosphäre. Liberty Beach, der Buchladen „One Last Chapter“ und die vielen Erinnerungen an vergangene Sommer verleihen der Geschichte eine besondere Leichtigkeit. Passend dazu spielt auch der Titel mit einer schönen Doppeldeutigkeit: Gemeint ist nicht nur August, der Mensch, sondern auch der Monat August – der Höhepunkt des Sommers.
Lucy Astner beweist einmal mehr ihr Gespür für emotionale Geschichten. „Kein Sommer ohne August“ ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, Liebe, zweite Chancen und die besondere Kraft von Geschichten.

Fazit:
Ein Lesehighlight meines Buchjahres, das sicher über den Sommer hinaus in meinen Gedanken bleiben wird.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Im Camp der guten Hoffnung

Zelten mit Juli
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In „Zelten mit Juli“, dem mittlerweile siebten Band der Reihe, geht es für Anna, Max und Paul gemeinsam auf Klassenfahrt. Ziel ist ein neu eröffnetes Camp an einem bayerischen See. Dabei dürfen natürlich ...

In „Zelten mit Juli“, dem mittlerweile siebten Band der Reihe, geht es für Anna, Max und Paul gemeinsam auf Klassenfahrt. Ziel ist ein neu eröffnetes Camp an einem bayerischen See. Dabei dürfen natürlich auch Juli, ihr Fohlen Juno und Hund Watson nicht fehlen. Doch kaum angekommen, läuft längst nicht alles so harmonisch wie gedacht. Die beiden CampleiterInnen Annika und Thomas wirken überraschend streng und haben eine Menge Regeln für ihre jungen Gäste. Noch merkwürdiger ist allerdings, dass der Badesee gesperrt ist, weil immer wieder große Mengen Plastikmüll angespült werden – und das ausgerechnet in einem Camp, das sich Nachhaltigkeit und Naturschutz auf die Fahne geschrieben hat. Schnell ist klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Ein neuer Fall für die tierischen Sechs beginnt.
In diesem neuen Juli Abenteurer erzählt Petra Eimer wieder mit viel Humor, Herz und einer großen Portion Charme von ihren sowohl menschlichen als auch tierischen ProtagonistInnen. Wir selbst haben ja zwei Bände der Reihe ausgelassen und waren deshalb wirklich überrascht, wie viele HeldInnen inzwischen zur Geschichte gehören. Alle Figuren sind unglaublich einnehmend und mit ganz viel Persönlichkeit ausgestattet. Man schließt sie sofort ins Herz und fühlt sich schnell wieder mitten in der vertrauten Welt angekommen.
Besonders schön ist außerdem, dass Petra Eimer die Illustrationen wieder selbst gestaltet hat. Dieses Mal wirkten sie auf uns sogar noch farbenfroher und detailreicher als in den vorherigen Bänden. Selbst wenn man zwischendurch einmal einen Teil ausgelassen haben sollte, findet man sofort wieder in die Geschichte hinein und weiß direkt, worum es geht. Das ist schön.
Der Autorin gelingt es zudem wichtige Themen wie Umwelt- und Naturschutz so in die Geschichte einzubinden, ohne dass es für die Kinder belehrend wirkt. Viel eher werden die LeserInnen informiert und zum Schutz der Natur animiert.

Fazit:
Ein spannendes und lustiges neues Abendteuer um Juli und Ihre FreundInnen, das man einfach lesen muss.

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