Wenn der Zugwind bläst
ZugwindRezension zu gleichnamigen Hörbuch aus dem argon Verlag:
Im Mittelpunkt des aktuellen Romans von Iryna Fingerova "Zugwind", der von Jakob Walosczyk übersetzt wurde, steht Mira Zehmann – Hausärztin, Mutter ...
Rezension zu gleichnamigen Hörbuch aus dem argon Verlag:
Im Mittelpunkt des aktuellen Romans von Iryna Fingerova "Zugwind", der von Jakob Walosczyk übersetzt wurde, steht Mira Zehmann – Hausärztin, Mutter und Ehefrau –, die ihre Heimat Odesa vor Jahren verlassen hat, um sich gemeinsam mit ihrer Familie in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Doch als der Krieg in der Ukraine beginnt, gerät ihr mühsam aufgebauter Alltag ins Wanken. Die Arztpraxis, in der sie später selbst tätig ist, wird zur Anlaufstelle für geflüchtete Landsleute, die nicht nur medizinische Hilfe suchen, sondern auch Trost, Verständnis und ein Stück Heimatgefühl.
Dabei beschreibt Iryna Fingerova sehr eindringlich, wie belastend es sein kann, ständig zwischen Vergangenheit und Gegenwart, alter Heimat und neuem Leben zu stehen. Besonders gelungen fand ich, dass die Autorin ihre Geschichte nicht ausschließlich schwer erzählt. Immer wieder blitzen sarkastische, überspitzte und beinahe humorvolle Momente auf, die der Geschichte etwas sehr Menschliches verleihen. Gerade dadurch wirken viele Szenen authentisch und nahbar.
Auch Lisa Hrdina bringt diese Mischung aus Ernsthaftigkeit, Melancholie und feinem Humor beim Lesen wirklich gut rüber. Ihre Interpretation passt hervorragend zu Mira und transportiert sowohl die leisen als auch die emotional aufgewühlten Momente sehr glaubwürdig.
Besonders berührt hat mich, wie deutlich spürbar wird, welche Entbehrungen, inneren Konflikte und Unsicherheiten mit einer Auswanderung verbunden sein können – selbst lange nachdem man sich eigentlich schon ein neues Leben aufgebaut hat. Gleichzeitig zeigt das Hörbuch, wie schwierig es ist, für andere stark zu sein, wenn man selbst noch mit der eigenen Zerrissenheit kämpft.
Manchmal war mir der Fokus auf Miras Überforderung und ihre gedanklichen Spiralen allerdings etwas zu präsent, wodurch sich manche Passagen für mich ein wenig gezogen haben.
Fazit:
Eine Geschichte über Heimatverlust, Migration und die emotionale Belastung des Neuanfangs. Hörenswert!