Wenn Zeit zur Verhandlungssache wird
Das Ministerium der ZeitDie britische Regierung hat einen Weg gefunden, durch die Zeit zu reisen. Was zunächst nach Science-Fiction klingt, verfolgt ein nüchternes Ziel: Bedeutende Persönlichkeiten aus der Vergangenheit sollen ...
Die britische Regierung hat einen Weg gefunden, durch die Zeit zu reisen. Was zunächst nach Science-Fiction klingt, verfolgt ein nüchternes Ziel: Bedeutende Persönlichkeiten aus der Vergangenheit sollen ins 21. Jahrhundert geholt werden, damit ihr Wissen nicht verloren geht. Den sogenannten „Ankommenden“ werden Menschen aus der Gegenwart zur Seite gestellt, quasi als Brücke zwischen damals und heute, als Orientierung in einer fremden Zeit.
Die namenlose Ich-Erzählerin übernimmt genau diese Aufgabe. Sie soll den 1847 verstorbenen Polarforscher Graham Gore im heutigen London begleiten. Während sie ihm erklärt, wie Streamingdienste funktionieren, welche Regeln die moderne Welt bestimmen und wie sich der Alltag verändert hat, entsteht zwischen den beiden eine leise, vorsichtige Nähe. Eine Freundschaft, die sich nicht nur zwischen zwei Menschen entwickelt, sondern zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Doch noch bevor sich abzeichnet, was diese ungewöhnliche Verbindung für die Zukunft bedeuten könnte, wird deutlich, dass das Regierungsprojekt eigenen Interessen folgt. Pläne werden neu bewertet, Entscheidungen hinterfragt und das Experiment mit der Zeit erhält eine politische Dimension, die weit über persönliche Begegnungen hinausgeht.
Der Roman wurde aus dem Englischen von Sophie Zeitz übersetzt.
Der Debütroman von Kaliane Bradley überzeugt vor allem dort, wo Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar aufeinandertreffen. Besonders die Szenen, in denen der Polarforscher Graham Gore aus dem 19. Jahrhundert im heutigen London ankommt und mit den modernen Gegebenheiten konfrontiert wird, wird sehr unterhaltsam dargestellt. Das Erleben von alltäglichen Gegebenheiten aus historischer Sicht haben mich einige Mal zum Lachen gebracht.
Auch der Genremix aus Fantasy-Elementen und zeitgenössischer Gegenwartsliteratur funktioniert zu Beginn erstaunlich gut. Die Idee des Zeitreiseprojekts ist eine tolle Idee, die zu Beginn erstaunlich gut funktioniert. Im weiteren Verlauf verliert der Roman jedoch an erzählerischer Klarheit. Der rote Faden scheint sich stellenweise aufzulösen, einzelne Geschehnisse werden unnötig ausgedehnt, ohne die Handlung oder die Figurenentwicklung entscheidend voranzubringen. An diesen Stellen hat mich die Geschichte leider verloren.
Fazit:
Ein Debütroman, der die Leserschaft mit gemischten Gefühlen zurücklässt.