Wohin soll die Reise gehen?
Aus dem Dachfenster die Wolken sehenIm Mittelpunkt steht eine namenlose Ich-Erzählerin, die kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag steht und nicht so recht weiß, wohin ihr Leben eigentlich führen soll. Sie möchte schreiben, arbeitet jedoch ...
Im Mittelpunkt steht eine namenlose Ich-Erzählerin, die kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag steht und nicht so recht weiß, wohin ihr Leben eigentlich führen soll. Sie möchte schreiben, arbeitet jedoch in einem Café und bewegt sich innerlich ständig zwischen verschiedenen Möglichkeiten und Lebensentwürfen. Ein bisschen dies, ein bisschen das – aber irgendwie nie ganz. Gerade weil heute scheinbar alles möglich ist, scheint für sie nichts wirklich greifbar zu werden. Als ihre Schwester nach einer gescheiterten Ehe mitsamt Kind bei ihr einzieht, wird sie zusätzlich mit den unterschiedlichsten Vorstellungen von Familie, Beruf, Unabhängigkeit und Zukunft konfrontiert. Doch in keinem dieser Modelle findet sie sich wirklich wieder.
Der Roman begleitet die Protagonistin dabei in kurzen, beinahe blitzlichtartigen Momentaufnahmen durch ihr Leben. Die einzelnen Textpassagen wirken oft sprunghaft und lassen viel Raum für eigene Gedanken zu Themen wie Selbstbestimmung, Beziehungen oder gesellschaftlichen Erwartungen. Genau diese Erzählweise hat es mir allerdings erschwert, der Ich-Erzählerin wirklich nahe zu kommen. Man beobachtet sie mehr, als dass man sie versteht. So wie die Protagonistin die Menschen in ihrer Umgebung betrachtet. Lange bleibt unklar, was sie eigentlich möchte oder wohin ihr Weg führen soll. Erst gegen Ende beginnt sie langsam, ihr Leben selbst mehr in die Hand zu nehmen, statt nur den anderen beim Leben zuzusehen.
Selene Mariani schreibt ruhig, feinfühlig und sehr beobachtend. Viele Gedanken der Protagonistin wirken ehrlich und nachvollziehbar. Gleichzeitig blieb die emotionale Distanz für mich über weite Strecken bestehen, wodurch mich die Geschichte nicht vollständig erreichen konnte.
Fazit:
Eine Geschichte über innere Zerrissenheit und die Frage, wohin das eigene Leben eigentlich führen soll, mit einer Hauptprotagonistin die bis zum Ende schwer greifbar bleibt.