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Veröffentlicht am 27.08.2025

»Der Kerl wird dich kaputtmachen, wie er die anderen vor dir kaputtgemacht hat.«

Die Assistentin
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»Der Kerl wird dich kaputtmachen, wie er die anderen vor dir kaputtgemacht hat.«

Als Charlotte nach München zieht, um die Assistentin des Verlegers eines renommierten Verlages zu werden, zweifelt sie ...

»Der Kerl wird dich kaputtmachen, wie er die anderen vor dir kaputtgemacht hat.«

Als Charlotte nach München zieht, um die Assistentin des Verlegers eines renommierten Verlages zu werden, zweifelt sie bereits, ob es wirklich das Richtige für sie ist. Gleich am ersten Tag merkt sie, dass sie den willkürlichen Launen des Verlegers ausgesetzt ist, der dabei nicht nur berufliche Grenzen überschreitet.
Weder andere Mitarbeitende noch ihre Eltern, die sie mehrmals hilfesuchend kontaktiert, nehmen ihr Anliegen ernst, sondern suchen die Schuld bei ihr. Einzig Bo, in den sie sich verliebt, spricht ihr zu, dort zu kündigen, bevor sie daran zerbricht. Doch auch auf ihn kann sie nicht lange zählen…
Immerhin ein Lichtblick nach Arbeitstagen, die sie regelrecht an ihre Grenzen bringen, bleibt – ihre Musik.

Caroline Wahls neuer Roman ist ein Spiel mit der Sprache, der Handlung und den Leser*innen an sich.
Durch Effekte des Vorwegnehmens, scheint die Handlung gespoilert zu werden, was aber nicht der Fall ist, da zumindest die grobe Story und deren Ausgang bereits vor dem Lesen hinlänglich bekannt sein dürfte, falls nicht spätestens nach wenigen Seiten.
Ihr durchaus rotziger und frecher Ton bleibt erhalten und gibt ungeschönt ihre Gefühlslage wieder. Dabei merkt man, wie dieser autofiktionale Roman und das Wiedererleben mancher Ereignisse die Autorin mitnimmt und immer noch nicht loslässt.

Jedoch verlor diese außergewöhnliche Art des Erzählens durch häufige Wiederholungen von Phrasen, wie „dazu später mehr“ oder mehrmaliger Erwähnungen von gleichen Geschehnissen, die noch in der Zukunft liegen, ihre Besonderheit und sorgte bei mir für ein eher distanzierteres Leseerlebnis. Da eigentlich kaum Handlung vorhanden war, erschienen mir zudem nicht wenige Stellen etwas langatmig.
Manchmal ist weniger vielleicht doch mehr.

Aber es ist kein schlechter Roman, nur einer der vielleicht zu viel möchte. Dennoch habe ich ihn, eben weil er so ganz anders als ihre bisherigen war, gerne gelesen und hoffe, dass er ein weiterer Stein ist, der die Mauer des Patriarchats zu Fall bringen wird.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

»Und so tun wir das, was wir immer tun: Wir begegnen der Brutalität der Welt, indem wir sie ignorieren.«

Am Grund des Himmels
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»Und so tun wir das, was wir immer tun: Wir begegnen der Brutalität der Welt, indem wir sie ignorieren.«

Claire hat eigentlich alles, was sie sich je gewünscht hat. Sie arbeitet bei einem großen, angesehenen ...

»Und so tun wir das, was wir immer tun: Wir begegnen der Brutalität der Welt, indem wir sie ignorieren.«

Claire hat eigentlich alles, was sie sich je gewünscht hat. Sie arbeitet bei einem großen, angesehenen Unternehmen und das, obwohl sie aus eher ärmlicheren Verhältnissen kommt. Ihre Gedanken beschäftigen sich mit ihrem neuen Leben und lassen ihre Herkunft gewissermaßen hinter sich. Eines Tages jedoch öffnet sie die Luke über dem Bürotrakt und steigt aufs Dach. Dort genießt sie den Blick, der ihr jedoch schnell bewusst macht, welches Leben sie aktuell lebt. Claire bleibt auf dem Dach. Auch als ein Sturm aufzieht, entschließt sie sich dort oben zu übernachten. Der Wind, der um sie fliegt, lässt sie über alles Nachdenken. Ist das noch ihr Leben, das sie leben möchte? Und was hat eigentlich ihr Job aus ihr gemacht? Ganz sicher eine Frau, die sie nie sein wollte.
Als sie am nächsten Morgen durch die Luke steigen möchte, sieht sie, dass sie zugefallen ist…

Wie bereits in Navarros erstem Roman findet sich eine Protagonistin an einem entlegenen Ort wieder, diesmal auf dem Dach während eines Unwetters.
Mit gewohnter sprachlicher Wucht und zugleich auf poetische Art und Weise kommt der Text daher. Er zieht die Leserinnen in den Bann, irritiert und verwirrt sie und reflektiert das Leben der Protagonistin, als Einladung zum Abwägen des eigenen Lebens und dessen Umstände. Man spürt nicht nur ihren Schmerz und die zurückgehaltene Wut, sondern meint den Sturm auf der eigenen Haut zu erahnen und ist schockiert über die Gleichgültigkeit ihrer Kolleginnen.
Auch wenn ihr Debütroman schon komplex war, ist ihr zweiter Roman es nochmal in gesteigerter Form. Man muss sich auf den Text einlassen, ihn genau und sogar stellenweise mehrmals lesen, doch man wird belohnt. Tut man das, erlebt man einen Roman, der einen fordert und zum Nachdenken animiert, wie man ihn nur selten liest, wenn auch ihr neues Buch für mich nicht ganz an „Über die See“ heranreicht, das mich wirklich dermaßen begeistert hat!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

»Zu lange habe er in den Büchern gelebt, ein Fehler, er sei dem Leben so aus dem Weg gegangen.«

Botanik des Wahnsinns
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»Zu lange habe er in den Büchern gelebt, ein Fehler, er sei dem Leben so aus dem Weg gegangen.«

Alles beginnt damit, dass bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter die Sachen von Wert mit den nutzlosen ...

»Zu lange habe er in den Büchern gelebt, ein Fehler, er sei dem Leben so aus dem Weg gegangen.«

Alles beginnt damit, dass bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter die Sachen von Wert mit den nutzlosen verwechselt wurden und alles, was ihm nun bleibt, Nichtigkeiten aus dem gemeinsamen Leben sind. Nichtigkeiten, aus bewegten Leben, die alle ihre eigenen Kämpfe zu bestreiten hatten. Seien es seine Eltern oder gar Großeltern – sich selbst nicht ausgenommen. Der Vergangenheit zugewandt erzählt der Protagonist Leon von seiner Familie, von Suizid, Abhängigkeiten und der stetigen Hoffnung auf ein besseres Leben. In seinen Erinnerungen begegnet er sich selbst und seiner größten Angst, auch so zu enden, sodass am Ende von ihm nichts bleibt – mit Ausnahme eines Haufens von Nichtigkeiten.

Voller Schmerz, Sorge und aufkeimender Hoffnung hinsichtlich der Familie, die doch immer mehr in Hoffnungslosigkeit umschlägt, erzählt der Protagonist seine eigene Geschichte und zugleich die seiner gesamten Familie. Selten habe ich ein derartiges Buch gelesen, mit so vielen klugen Sätzen, in denen man sich selbst wiederzufinden scheint und die einen auf unverhoffte Weise mehr berühren, als sie es vielleicht sollten.
Jedoch fiel es mir schwer, allen einzelnen Schicksalen zu folgen, einfach weil bei jedem Einzelnen so viel bei passiert und man schnell den Überblick hinsichtlich der Handlung und den erwähnten Figuren verliert. Der Hauptstrang – das Leben des Protagonisten selbst – führte die ausschweifenden Handlungen wieder zusammen und machte deutlich, dass man wahrscheinlich gar nicht alles verstanden haben muss, sondern diese Überforderung an Schicksalen, mit welcher der Protagonist konfrontiert wird, auf die Leser*innen übergehen soll.
Besonders gelungen fand ich die essayistischen Einflechtungen über Literatur, Philosophie und Psychologie.
Der Autor wollte mit seinem Buch viel – vielleicht zu viel? – und hat es auch damit erreicht, denn ganz sicher wird man so ein Buch selten nochmal zu lesen bekommen.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

»Männer, die dir im Haushalt helfen wollen, sind das Schlimmste.«

Heimat
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»Männer, die dir im Haushalt helfen wollen, sind das Schlimmste.«

Als Jana mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern von der Großstadt weg aufs Land zieht, ist erstmal alles anders. Sie kündigt ihren Job, ...

»Männer, die dir im Haushalt helfen wollen, sind das Schlimmste.«

Als Jana mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern von der Großstadt weg aufs Land zieht, ist erstmal alles anders. Sie kündigt ihren Job, ohne es ihrem Mann zu sagen und ist erneut schwanger. Dabei ist sie schon mit ihren zwei jetzigen Kindern total überfordert und froh, wenn diese den ganzen Tag in der KiTa betreut werden können. Schon bald begegnet sie Karolin, welche sogar die Erziehung ihrer fünf Kinder mit Leichtigkeit zu meistern scheint. Karolins scheinbar unbeschwerte Art durchs Leben zu gehen, immer da zu sein und mit guten Tipps behilflich zur Seite zu stehen, wirkt sympathisch. Auch Jana ist angetan und freundet sich schnell mit ihr an. Als Jana ihr jedoch auf Instagram folgt, entdeckt sie eine nicht geahnte Seite, schließlich inszeniert diese sich als „Tradwife“. Jana merkt, welchen Sog Karolin auf sie ausübt und dass sich ihre Welt und ihre eigene Sicht darauf zu verändern scheinen. Sie beginnt Vieles zu hinterfragen und bemerkt, dass auch bei Karolin nicht alles so perfekt ist, wie es scheint.

Dieser Einblick in Janas Familienleben, ihr Zurechtfinden in ihrer neuen Heimat sowie ihre Konfrontation mit traditionellen Rollenbildern durch Karolins Auftreten wird eindrücklich geschildert. Dabei neigt die Autorin nicht zu Übertreibungen, sondern beschreibt eine realistische Situation, wie es sie mittlerweile wahrscheinlich gar nicht mehr allzu selten gibt. Höchstens verharmlost sie noch teils etwas.

Das Buch begeistert durch dessen nüchterne und bedrückende Klarheit, welche die Leser*innen zu genauem Beobachten auffordert und anregt, sich eine eigene Meinung davon zu bilden.
Aktueller und eindrücklicher geht es kaum!

Das abrupte Ende des Romans hat mich hingegen mit einigen Fragen zurückgelassen, da sich die bisherige Handlung eher wie eine ausführliche Hinführung zur eigentlichen Thematik angefühlt hat. Ich hätte gerne weitergelesen, um tiefer in die Geschichte einzutauchen und zu erfahren, wie es weitergeht.
Dennoch – was für ein toller und eindrücklicher Roman!

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Veröffentlicht am 27.08.2025

»Wirklich, es kommt alles, was Du Dir wünschst.« Sie machte eine Pause. Dann sagte sie leiser und zu sich selbst: »Es kommt nur immer zu spät.«

Der stille Freund
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»Wirklich, es kommt alles, was Du Dir wünschst.«
Sie machte eine Pause. Dann sagte sie leiser und zu sich selbst: »Es kommt nur immer zu spät.«

Ferdinand von Schirachs neuer Erzählungsband kommt ernst ...

»Wirklich, es kommt alles, was Du Dir wünschst.«
Sie machte eine Pause. Dann sagte sie leiser und zu sich selbst: »Es kommt nur immer zu spät.«

Ferdinand von Schirachs neuer Erzählungsband kommt ernst daher und gleicht einer kulturellen sowie geografischen Reise um die Welt. Von Text zu Text fliegen wir gelotst von einem großartigen Stilisten durch die Weltgeschichte, erfahren hier und da Anekdoten und besondere Geschichten, wie sie das Leben schreibt. Es geht um Entscheidungen, die das ganze weitere Leben prägen, um Verletzbarkeit, den sehnsüchtigen Wunsch nach Freiheit und um unsere eigenen, oft zu intensiven Gedanken, die uns manchmal mehr beeinflussen als gewünscht.

Manche der Geschichten waren schön zu lesen, stilistisch zwar perfekt, aber berührten mich nicht wirklich. Dann gab es noch die anderen Texte, die plötzlich und unerwartet, wie ein Schlag in die Magengrube daherkamen und einen tief mit sich zogen. Diese können keine Leserinnen kalt lassen. Sie erzählen von der Gegenwart, der Vergangenheit unserer Vorfahren, von großem Leid, tief sitzendem, nie zu entschädigenden Schmerz und der Konfrontation damit im Hier und Jetzt. Auch philosophische Streifzüge über das was wir sind, sein wollen und zu glauben wissen – zwischen Wahrheit und Wirklichkeit – schreibt Schirach eindrücklich.
Darüberhinaus unterhalten seine neuen Texte nicht nur, sondern informieren über manche historische Ereignisse und Persönlichkeiten und geben den Leser
innen Anstoß zum Nachdenken, um sich eben nicht nur berieseln zu lassen.
Wer das erwartet, ist bei Schirach falsch.

Wieder einmal großartige Erzählungen, die ich gerne gelesen habe und die sich zu lesen lohnen!

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