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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2023

Grandios

In den Wäldern der Biber
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In "In den Wäldern der Biber" entführt Franziska Fischer die Leser in ein kleines brandenburgisches Dorf, wo Alinas Großvater lebt, den sie 18 Jahre nicht mehr gesehen hat und der ihr spontan einfällt ...

In "In den Wäldern der Biber" entführt Franziska Fischer die Leser in ein kleines brandenburgisches Dorf, wo Alinas Großvater lebt, den sie 18 Jahre nicht mehr gesehen hat und der ihr spontan einfällt als sie auf der Suche nach einem Zufluchtsort ist. Dort trifft sie auf Elias und Isabel, mit denen sie schon als Kind gespielt hat. Aber auch die Vergangenheit wirft ihre Schatten. Die idyllische Landschaft und die Ruhe, die sie umgibt, hilft ihr dabei, sich von diesen zu befreien und sich schließlich zu verlieben.
Die Autorin schafft mit einer wunderbar poetischen Sprache eine magische Atmosphäre. "Wir sitzen nur nebeneinander, wir küssen uns nicht, wir bewegen uns langsam aufeinander zu, mit Pausen dazwischen, in denen sich die Gefühle ausdehnen können."
Für mich ein grandioses Buch und ein richtiges Highlight. Eine traumhafte Landschaftsbeschreibung, die nie langweilig ist. Ein Liebesroman, aber kein bisschen kitschig oder trivial.

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Poesie in Romanform

Der Inselmann
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Hans zieht mit seinen Eltern auf eine einsame Insel in einem See. Er streunt durch die Gegend, erkundet die Insel und gibt sich seinen Gedanken und Gefühlen hin und genießt die Zeit.

"Der Inselmann" ist ...

Hans zieht mit seinen Eltern auf eine einsame Insel in einem See. Er streunt durch die Gegend, erkundet die Insel und gibt sich seinen Gedanken und Gefühlen hin und genießt die Zeit.

"Der Inselmann" ist ein dünnes Buch, was die Anzahl der Seiten angeht - man könnte es leicht in wenigen Stunden verschlingen, wenn man das denn wollen würde. Damit entginge einem aber sehr viel, denn sprachlich ist es ein absolutes Schwergewicht - Poesie in Romanform. Es ist ein großes Vergnügen, die Geschichte häppchenweise zu lesen und die einzelnen kurzen Kapitel jeweils nachwirken zu lassen.

Es gibt keine große Handlung, vielmehr bildet diese nur einen sachten Rahmen für Hans' Gedanken und Gefühle und umspielt diese leise und gekonnt. In bildhafter Sprache lässt Dirk Gieselmann uns Leser Hans' Eltern und seine ganze Welt durch seine Augen sehen.

"Der Inselmann" ist ein Buch zum Genießen und Nachspüren, eines das einen noch lange begleitet.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Langatmig

Verräterkind
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In "Verräterkind" erzählt Sorj Chalandons von seiner Beziehung zu seinem Vater, die geprägt ist von der Frage nach dessen Rolle während der Besatzungszeit. Sein Vater stellt diese durchweg positiv dar ...

In "Verräterkind" erzählt Sorj Chalandons von seiner Beziehung zu seinem Vater, die geprägt ist von der Frage nach dessen Rolle während der Besatzungszeit. Sein Vater stellt diese durchweg positiv dar und erzählt von Heldentaten, all dies entlarvt Sorj als Lügen. Als beide am Prozess gegen Klaus Barbie in Lyon teilnehmen - Sorj als Journalist, um für eine große Tageszeitung darüber zu berichten, sein Vater als Zuschauer - macht Sorj das Ereignis immer mehr auch zu seinem Prozess gegen seinen Vater.

Sorj Chalandon schreibt wortgewaltig und detailliert über die Greueltaten der Nazis und deren Schergen. Unvorstellbar, wie es sich anfühlen muss, zu wissen, dass der eigene Vater einer davon war und nicht die Rolle spielte, die er die Welt gerne glauben machen möchte. Verständlich, dass der Sohn das verarbeiten muss und möchte. Dafür taucht er tief und ausführlich in das Thema ein, lässt seine Leser daran teilhaben - und wird dabei für meinen Geschmack zu ausschweifend. An mancher Stelle konnte ich kaum weiterlesen - nicht, weil mich das Thema zu sehr belastet hätte, das war nur am Rande der Fall - sondern, weil mir die Erzählung einfach zu langatmig war und dadurch für mich eine Langeweile entstand, die dem Ernst des Themas nicht gerecht wird. Es fiel mir irgendwann so schwer, mich trotzdem auf den Inhalt und die Vater-Sohn-Beziehung zu konzentrieren, dass ich mich durchquälen musste und erleichtert war, als ich endlich die letzte Seite hinter mir hatte. Schade, denn das Thema interessiert mich sehr und man bekommt das nicht so häufig aus erster Hand berichtet.

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Veröffentlicht am 10.02.2023

Beeindruckend

Über die Berechnung des Rauminhalts I
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Tara Selter ist auf Geschäftsreise und findet sich plötzlich immer wieder im selben Tag, dem 18. November, gefangen. Alle anderen Menschen, auch ihr Mann Thomas, erleben den Tag zum ersten Mal. Zunächst ...

Tara Selter ist auf Geschäftsreise und findet sich plötzlich immer wieder im selben Tag, dem 18. November, gefangen. Alle anderen Menschen, auch ihr Mann Thomas, erleben den Tag zum ersten Mal. Zunächst kann Tara dieser Situation durchaus etwas abgewinnen, aber umso häufiger sich ihr 18. November wiederholt, umso größer wird ihre Sehnsucht zurück in ihr altes Leben.

Solvej Balle ist mit "Über die Berechnung des Rauminhalts I" ein großer Wurf gelungen. Der Plot ist phantastisch, im doppelten Sinne, die Umsetzung großartig. Sie stellt die Entwicklung und Veränderung Taras, die sich mit der Häufigkeit der Wiederholung ihres 18. Novembers mit ihr vollzieht, sehr realistisch dar: ihre anfängliche Neugier, wie es weitergeht, die dann langsam in Schicksalsergebenheit übergeht und sie schließlich dazu bringt, einen Ausweg zu suchen. Die Autorin lässt die Protagonistin als Ich-Erzählerin zu Wort kommen und schafft es so gekonnt, ihre Leser mitzureißen und macht es ihnen leicht, sich in Tara hineinzuversetzen.

Mich hat Solvej Balle mit ihrer Geschichte sehr beeindruckt. Meine Gedanken haben sich von Seite zu Seite verändert. Anfangs dachte ich einfach nur, wie toll ich die Idee finde und war amüsiert von der Absurdität mancher Situation. Aber umso mehr ich gelesen hatte, umso mehr spielte ich die Geschichte in Gedanken für mein Leben durch und fand mich in einem Albtraum wieder. Irgendwann wollte ich nur noch, dass Tara endlich ihre Zeitschleife durchbricht und in den 19. November gelangt.

Das Buch ist wahnsinnig spannend und fesselnd geschrieben. An manchen Stellen finden sich kleine Logikbrüche, die aber dem wunderbaren Lesevergnügen keinen Abbruch tun. Wie schön, dass es sich um ein groß angelegtes Romanprojekt handelt und ich mich auf eine Fortsetzung freuen darf.

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Veröffentlicht am 03.01.2023

Mitreißend

Die Unternehmerin von Amsterdam
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Nach dem Tod ihres Vaters findet Lydia Papiere, die seine Pläne zum Aufbau einer Käsefabrik beschreiben. Sie setzt nun alles daran, diese zu verwirklichen. Im Jahr 1892 ist das für eine alleinstehende ...

Nach dem Tod ihres Vaters findet Lydia Papiere, die seine Pläne zum Aufbau einer Käsefabrik beschreiben. Sie setzt nun alles daran, diese zu verwirklichen. Im Jahr 1892 ist das für eine alleinstehende und dazu noch junge Frau alles andere als einfach. Sie kann aber den Bauern Huib als Verbündeten gewinnen und kommt so der Umsetzung des Traums ihres Vaters ein Stück weit näher. Lydia bekommt eine Tochter, verliert diese und kommt ihr während des Ersten Weltkriegs wieder näher.

Simone van der Vlugt zeichnet ihre Charaktere detailreich und lebensecht. Die Situation der Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert hat sie gut recherchiert und überzeugend beschrieben. Anfangs ist die Geschichte an manchen Stellen etwas vorhersehbar, vermag mich dann aber doch immer wieder überraschen und begeistern. "Die Unternehmerin von Amsterdam" ist ein toller historischer Roman über starke Frauen, die ihren Weg allen Widrigkeiten, Vorurteilen, Konventionen zum Trotz gehen. Mitreißend geschrieben - absolute Leseempfehlung!

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