Frauen wollen gesehen werden
Die Liga der sagenhaften Frauenzimmer – Der Auftakt„...Wenn eine große Idee geboren wird, ist es immer interessant zu sehen, wer die Weichen zur rechten Zeit gestellt hat – oder nicht?…“
Mit dieser Frage auf einer der ersten Seiten des Buches werde ich ...
„...Wenn eine große Idee geboren wird, ist es immer interessant zu sehen, wer die Weichen zur rechten Zeit gestellt hat – oder nicht?…“
Mit dieser Frage auf einer der ersten Seiten des Buches werde ich in die Geschichte eingeführt, die im Jahre 1810 in Berlin beginnt.
Die Autorin hat einen abwechslungsreichen und sehr gut recherchierten historischen Roman geschrieben. Der gehobene Schriftstil passt sich an die Zeitverhältnisse an. Er beinhaltet außerdem zwei Besonderheiten. Jedes Kapitel beginnt mit dem Ausschnitt aus einem Märchen. Dann folgen erste Gedanken der Chronistin, deren Name bis zum Schluss im Dunklen bleibt. Auch zwischendurch meldet sie sich, um historische Zusammenhänge gekonnt zu vertiefen.
In der Geschichte begegnen mir viele historische Persönlichkeiten, die mit kurzem Lebenslauf am Anfang des Buches vorgestellt werden.
Die eigentliche Handlung beginnt im literarischen Salon der Frau von Grotthuis. Dort trifft man sich zu Gesprächen. Man diskutiert die Rolle der Frau in den Dramen Shakespeares und erfährt Neues über die Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Die Frauen haben es satt, nur eine schöne Staffage zu sein und sich auf gewisse Themen beschränken zu müssen.
Es ist die Zeit der Napoleonischen Kriege. In Berlin wird die Universität eröffnet.
„...Diese Universität steht für Freiheit. Was wir heute eröffnen, ist kein gewöhnlicher Ort der Wissenschaft. Sie ist nicht nur eine Keimzelle von Wissen, sondern eine Stätte der Erhebung….“
Damit lehnt sich Fichte in seiner Eröffnungsrede weit aus dem Fenster. Er plädiert für Bildung. Aber Frauen bleibt der Zugang verwehrt.
Die Frauen suchen nach eigenen Wegen, um sichtbar zu werden. Die junge Annette von Droste – Hülshoff möchte zu den erlesenen Kreis gehören. Sie interessiert sich für Politik. Ihr Großvater aber ermahnt sie:
„...Politik verlangt Stärke und Standhaftigkeit, Eigenschaften, die dem Wesen der Frau fremd sind. Verstricke dich nicht in Bereiche, die dir fremd sind…“
Sehr gut wird dargestellt, wie es zur Gründung der Liga kommt, wie neue Mitglieder aufgenommen werden, mit Widersprüchen und unterschiedlichen Meinungen umgegangen wird und welche Wege gefunden werden, um auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings ist das immer eine Spagat zwischen aktiven Handeln und verdeckten Operationen. Die Reaktionen der Herren nämlich sind heftig.
„...Aber wenn ein Stein erst einmal ins Rollen kommt, dann sei demjenigen Gnade gegeben, der sich davor legt…“
Ausführlich wird im Roman auch darüber berichtet, wer alles an der Sammlung der Märchen beteiligt war und welche Gedanken man sich darüber gemacht hat, wie sie geändert werden könnten.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Es beleuchtet ein bisher wenig beachtetes Stück Geschichte.