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Veröffentlicht am 24.06.2025

Romantik in Schottland

Words Like Feathers
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Tada und wieder habe ich eine neue deutsche Autorin für mich entdeckt, wobei Marie Weis mit „Words like Feathers“ schon ihren zweiten Roman veröffentlicht, aber für mich war sie begrifflich völlig neu. ...

Tada und wieder habe ich eine neue deutsche Autorin für mich entdeckt, wobei Marie Weis mit „Words like Feathers“ schon ihren zweiten Roman veröffentlicht, aber für mich war sie begrifflich völlig neu. Aber ich habe einen echten Lauf, mehr und mehr erzählerisch kennenzulernen. Hier hat mich der Titel tatsächlich sehr angezogen. Er erinnert sehr an den Songtitel von Billie Eilish und tatsächlich, er ist auf der Playlist auch drauf. Dazu wird im Buch aber auch eine Verbindung zu Emily Dickinson hergestellt, was dann auch einen Kreis schließt, zumal der Buchtitel auch in Wortspielen Bedeutung für die Handlung hat. Aber das habe ich erst später rausgefunden, also jetzt zum Buch.

Ich hatte zwei große Assoziationen bei „Words Like Feathers“. Im Vorfeld hätte ich gedacht, dass Weis mich möglicherweise in ihrem Stil an Merit Niemeitz erinnern wird. Das fand ich jetzt eigentlich nicht, dafür musste ich eigentlich sofort an die US-amerikanische Autorin Sarah Dessen denken, die meine Jugend extrem geprägt hat. Ich kann auch gar nicht konkret beschreiben, warum das bei mir aufkam, weil Dessen schreibt gerne Geschichten an einer Kleinstadt am Strand, hier sind wir im rauen Schottland und mitten in einem Retreat und die Figuren sind auch älter als im Jugendalter, aber es war einfach eine Gefühlssache und das ist ein großes Kompliment. Vielleicht ist ein Hauptgrund auch, dass wir nur die Perspektive von Olivia haben und extrem gut in ihr Leben einsteigen. Es war wirklich rasant, wie schnell ich ein Gefühl für sie und ihre Lebensumstände hatte. All diese liebevollen Figuren um sie herum, die sie mit prägen, das hat Vertrauen aufgebaut.

Ich mochte auch sehr die Idee des Retreats. Da es in der Autorinnenbiografie hieß, dass Weis immer sehnsüchtig auf die Weihnachtszeit warte (Me too!), bin ich einfach mal davon ausgegangen, dass auch die entsprechenden Filme nicht fehlen dürfen. Aber auch die anderen Liebesfilme dieser Art arbeiten gerne mit Retreats und ähnlichem, wenn eine bestimmte Figurenanzahl auf engem Raum beieinander ist. Ich mochte die Liebe für Filme, die überall zu spüren war, die Ausflüge, mit denen man sich in Schottland verlieben kann, aber auch einfach das menschliche Miteinander. Es gab ein bisschen Unruhestifter, aber weitestgehend sind sich Menschen auf Augenhöhe begegnet und es war da auch schön, dass kein Traum zu klein war, was ich tatsächlich auch sehr vertrete. Jedem seins und jeder soll glücklich sein, nichts anderes zählt.

Weiterhin gut gelungen fand ich die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit. Es gibt genug Bücher, wo mir die Rückblenden nicht das geben, was ich brauche und eher die Handlung aufhalten. Das ist hier nicht der Fall. Die Szenen füllen Lücken, sie halten die Figuren im Gedächtnis, die wir vor dem Retreat kennengelernt haben und es ist die Basis der Geschichte von Olivia und Tristan. Ich fand sie aber vor allem für ein wichtiges Thema entscheidend, weil sie an einer Zwangsstörung leidet. Diese wird in der Gegenwart schon früh verraten, weswegen ich sie auch nicht als Spoiler sehe. Aber es wurde echt sehr, sehr gut eingearbeitet. Ich habe gelesen, dass sich Weis‘ erstes Buch auch mit mentaler Gesundheit beschäftigt, vielleicht also auch ein sehr persönliches Thema. Aber egal, was die Beweggründe sind, es wirkte sehr echt und authentisch. Gerade die hässlichen Gedanken, sehr gut ausgearbeitet, auch weil ich sie als Overthinker in Nuancen auch wiedererkannt habe.

Was ich jetzt als Kritikpunkte stehen lassen möchte, das ist die Gestaltung von Tristan, was mich selbst etwas verwundert, weil er eigentlich eine echte Green Flag ist, aber vielleicht zu green? Da wir seine Perspektive nicht haben, sind die Vergangenheitskapitel sehr wichtig, um ihn kennenzulernen, weil in der Gegenwart zunächst alles sehr angespannt ist. Und Tristan hat viele extrem tolle Eigenschaften, aber ich fand ihn zu perfekt. Olivia hat so viele Ecken und Kanten bekommen und Tristan wirkte immer wieder Mister Saubermann und das passte einfach von der Gefühlsebene her nicht. Am Ende darf er zwar mal kurz der Buhmann sein, aber das fand ich etwas zu spät. Jetzt kommen wir auch zu meiner zweiten Assoziation. Da wäre Selina Mae mit „Lessons in Forgiving“ zu nennen. Die Autorin hatte sich beim Trope Second Chance selbst dazu geäußert, warum ein Ex besser ein Ex bleiben sollte und fand dann die Gestaltung ihres Paares etwas seltsam. Hier haben wir es auch mit Second Chance zu tun. Ich fand es zunächst gut, dass früh klar gemacht wurde, dass Olivia der Auslöser ist, damit es nicht immer der Mann ist. Aber ich finde dennoch nicht, dass es die Lösung ist, es dann einseitig zu verschieben. So entstand der Eindruck des perfekten Tristan. Auch wenn ich keine Zweifel an seinen ehrlichen Gefühlen bemerkt habe, aber ich bin eher am Haken, wenn die Ecken und Kanten beider aufeinandertreffen und es sich auf Augenhöhe anfühlt. Das ist hier mein Kritikpunkt. Er hat der Liebesgeschichte ein wenig Zauber genommen, aber unterm Strich war es nur marginal.

Fazit: Marie Weis hat mich mit „Words Like Feathers“ durchaus zu überzeugen gewusst. Es gab eine wohlige Stimmung, es gab fein ausgearbeitete Charaktere, es gab mit dem Retreat ein tolles Setting, die Schottland-Liebe kam durch, dazu die Kinoliebe und so viel mehr. Second Chance als Trope ist immer etwas schwierig. Hier fand ich es inhaltlich durch die mentale Gesundheit eigentlich genau richtig, aber leider war Tristan als Gegenpart leider zu lange zu perfekt gezeichnet. Aber eine bedingungslose Leseempfehlung gibt es auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Loverboy geschickt eingebunden

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
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2025 steht bei mir ganz im Zeichen von Autoren, die mir schon öfters namentlich begegnet sind und die ich dann endlich auch mal für mich entdecke (oder eben nicht). Bei Antonio Wesseling war es nun durch ...

2025 steht bei mir ganz im Zeichen von Autoren, die mir schon öfters namentlich begegnet sind und die ich dann endlich auch mal für mich entdecke (oder eben nicht). Bei Antonio Wesseling war es nun durch „Loverboy“ soweit und ich hatte im Vorfeld schon einiges gehört, dass es wohl in Richtung Romantic Suspense geht und irgendwie auch doch nicht, weswegen ich das unbedingt selbst einmal ergründen wollte.

Ich habe „Loverboy“ als Hörbuch gehabt und bin durch direkt vier Stimmen durch die Geschichte geleitet worden. Mir ist das tatsächlich doch echt wichtig, wenn ich so viele Perspektiven habe, dass ich auch mehrere Stimmen höre. Das macht es natürlich teurer, das ist klar, aber es ist für mich ein echtes Plus. In der Hauptsache sind Leonie Landa (für mich schon eine alte Häsin) und Flemming Stein zu hören. Sie haben für mich Lola und Elias sehr gut verkörpert, weil beide mit ihren Stimmen durch die emotionale und teilweise auch belastende Handlung sehr gut geleitet haben. Dagmar Bittner als Vivian und Sven Macht in sehr kleiner Sprechrolle will ich nicht vergessen, aber sie sind für die Bewertung eher rudimentär, aber ich bin trotzdem froh, sie auch gehört zu haben.

Tatsächlich fängt die Geschichte erstmal relativ harmlos an und das ist in diesem Sinne gemeint, dass es jegliches Genre sein könnte. Wir lernen will über Vivian und ihre neue Liebe Pascal. Wir lernen noch mehr über Lola, die Vivians Mitbewohnerin ist, und sie sich zunehmend Sorgen um sie macht, bis die Freundin/Mitbewohnerin dann verschwunden ist, was alles wesentlich komplexer macht. Als dann auch Elias‘ Perspektive hinzukommt, entsteht immer mehr Profil. Mir hat zunächst vor allem gefallen, dass die Figuren sehr gut ausgearbeitet sind, wobei ich da vor allem Lola und Elias meine. Sie wird sehr gut in ihr soziales Umfeld eingebunden, man versteht schnell, dass sie eine Kümmerin ist, die sich selbst gegenüber anderen zurückstellt. Lola war mir wirklich sehr sympathisch und sie ist auch ein guter Leitstern für eine solche Geschichte, auch weil sie aufgibt. Elias wiederum ist eine extrem ambivalente Figur und das hat mir sehr gut gefallen. Auch wenn ich ihn nicht auf Anhieb total einnehmend und spannend fand, weil man sein Gepäck mit Geheimnissen merkt, so ist er aber im Verhältnis zur gesamten Geschichte sehr geschickt gestaltet.

Da die Geschichte sich irgendwann mit dem realen Phänomen der Loverboy-Methode beschäftigt, wird alles gesellschaftlich sehr relevant. Wir bekommen durch Lola und Elias auch eine Liebesgeschichte, aber ich fand die Grundidee für das Gelingen des Buchs wichtiger. So haben wir dann auch zwei wichtige Männerrollen. Neben Elias eben den Loverboy. Und beide würde in einer Welt von Menschen, die gerne nach schwarz und weiß sortieren, eher das Dunkle repräsentieren. Dann wiederum ist Elias aber so gar nicht wie der wichtigste Loverboy der Geschichte und das fand ich als Statement gut. Inhaltlich war es aber auch geschickt, weil so auch Zweifel gegenüber Elias entstehen. Ist er der, den wir durch seine Perspektive erleben oder werden wir selbst Opfer eines perfiden Loverboys? Erzählerisch war „Loverboy“ für mich sehr, sehr gut, auch weil es so viele Ebenen gab. Wir haben die Suche nach Vivian, wir haben die vielen Infos, um sensibler gegenüber der Loverboy-Methode zu werden, wir haben noch einen weiteren Vermisstenfall, der ebenfalls noch eine ganz eigene Bandbreite an Bewandtnis hat. Wir haben echt viel und dann noch die Liebesgeschichte. Das alles greift gut ineinander. Es ist so insgesamt vielschichtig und sehr spannend. Man kann durch die Seiten fliegen.

Ich würde es aber letztlich doch nicht als total überzeugtes Fünf-Sterne-Buch einschätzen. Auch wenn es fast unfair ist, so reich wie „Loverboy“ an Inhalt ist, aber ich habe mir tatsächlich doch mehr Raum für Vivian gewünscht. Wir haben ihre Kapitel durch ihre Einträge. Teilweise konnte ich die nicht richtig einschätzen und war eher mit der Einordnung als mit charakterlichen Erklärungen beschäftigt. Dabei hätte ich gerne viel mehr über Vivian erfahren. Wir brauchten Lola, aber um die ganze Loverboy-Methode zu verstehen, ist Vivian fast noch entscheidender und da hat einfach ein Stückchen gefehlt. Auch weil wir sie nur wenig aktiv mit Lola und Elias agieren sehen, dabei ist ihre Art, für sie einzustehen, sich dafür in Lebensgefahr zu begeben, schon ein Zeichen von Liebe und die will man gerne mehr verstehen. Zumindest ich.

Fazit: Antonia Wesseling hat mich mit „Loverboy“ sofort fasziniert, sodass ich sie von jetzt an mehr auf dem Schirm haben werde. Ich fand es toll, was die Grundidee mit der Loverboy-Methode war und wie sie drum herum eine sehr reichhaltige Geschichte gesponnen hat, die mit extrem viel überzeugt. Es war sehr spannend, aber ich hätte mir am Ende etwas mehr Vivian gewünscht. Aber das ist eine doch bescheidene Kritik, denn empfehlen würde ich es alleine für einen recht einzigartigen Charakter sofort.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Auf einem interessanten Weg

Lonely Hearts Club. Healing
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GU ist für mich vor allem im Ratgeberbereich verortet. Gerade in die Koch- und Backbücher stöbere ich immer gerne mal rein. Dass der Verlag sich inzwischen breiter aufstellt, habe ich nebenbei schon mal ...

GU ist für mich vor allem im Ratgeberbereich verortet. Gerade in die Koch- und Backbücher stöbere ich immer gerne mal rein. Dass der Verlag sich inzwischen breiter aufstellt, habe ich nebenbei schon mal mitbekommen, aber ich war bislang wohl noch nicht neugierig genug. New Adult ist ein neuer Schwerpunkt und das jetzt schon ein Jahr. Aber erst „Lonely Hearts Club“ hat mich aufgrund der Farbgestaltung des Covers richtig angezogen und da entstand dann doch auch die Faszination, wie New Adult bei GU wohl aussieht.

Die Autorin, Nasanin Kamani, ist selbst Psychiaterin und inhaltlich damit wohl in der Öffentlichkeit öfters im Radio, Fernsehen etc. anzutreffen. Mir war sie kein Begriff, aber ich konnte mir immerhin gleich denken, dass GU nicht einfach jetzt nur New Adult macht, sondern dass sich der Verlag dennoch etwas verschrieben hat. Wenn Kamani also Psychiaterin ist, dann ist sie einfach vom Fach, wenn es um mentale Gesundheit geht. Auch wenn man die Thematik selbst viel in dem Genre findet, entweder weil die Autoren selbst betroffen sind oder weil sie intensiv mit Sensitivity-Readern zusammenarbeiten, dann ist es doch ein Unterschied, es jetzt einmal aus ‚professioneller‘ Sicht verarbeitet zu sehen. Das hat mich gleich neugierig gemacht. Umgekehrt ist nicht jeder geboren, um zu erzählen. Was habe ich also bei „Lonely Hearts Club“ empfunden?

Ich bin insgesamt etwas unentschlossen. Was definitiv als riesiges Highlight stehen bleiben soll, das ist die Darstellung von Depression und allgemein mentaler Gesundheit, aber das habe ich auch erwartet. Ich fand es toll, dass die Geschichte genau so erzählt wurde, wie es ist. Dadurch, dass Milly lang nicht weiß, was mit Clara los ist, stellen die beiden ein gewaltiges Hoch füreinander dar, doch danach kommt eine riesige Delle, viel emotionale Entfernung und ich fand es realistisch. Insgesamt sorgt das dafür, dass die dargestellte Liebesgeschichte nicht von viel prickelnder Romantik/Chemie lebt, aber sie ist sehr, sehr echt. Das Leben ist nicht immer nur rosarot, es hat so viele Farben, es hat verdammt viel Alltag und die Herausforderung, genau dann die Gefühle füreinander zu behalten. Das war hier ideal dargestellt. Claras innerem Prozess wird viel Zeit gegeben, wir bekommen alle Schritte genau mit. Die ganze Therapiephase, die Analysen zu ihrer Persönlichkeit, hier hat man sehr deutlich gemerkt, dass die Autorin den entsprechenden Job hat. Denn es fühlte sich auf den Punkt an, ohne aber lehrbuchhaft zu wirken, einfach weil Clara Psychiater an die Seite gestellt wurden, die selbst eine Seele und Herz haben. So war das angereichert durch Tiefe und echtem Verständnis. So stellt man sich Therapie im besten Sinne vor.

Umgekehrt würde ich aber sagen, dass die Geschichte insgesamt auch gewisse Mauern hochgefahren hat bzw. vielleicht auch so gemeint, dass es einen starken Fokus gibt, wodurch anderes etwas aus den Augen verloren wurde. Ich fand es inhaltlich in jedem Fall auch debattierbar, dass Milly so lange außen vor bleibt, was Clara betrifft. So gab es einfach Momente, in denen ich ihn als sehr ich-bezogen empfunden habe. Auch wenn Clara das umgekehrt auf eine Art auch ist, aber sie steht auch für ein Krankheitsbild, während das bei Milly gar kein Thema war und so wirkte er manchmal etwas unsympathisch. Ich fand auch die Darstellung von Eifersucht sehr übertrieben. Sicherlich sind beide Figuren sehr jung und ich kann mir auch vorstellen, dass sie im Berufsalltag von Psychiatern eine große Rolle spielt, aber es waren nicht nur Gedanken, es gab auch Handlungen, die aus der Eifersucht herrührten und auch dort war Milly dann Verlierer. Vielleicht hätten wir eine bessere Balance erhalten, wenn es mehr offensive Gespräche gegeben hätte, denn dann wäre die Verständnisebene auch eine andere gewesen.

Was mir auch fehlte, das waren ganz konkrete Szenen und da hatte ich sehr stark den Eindruck, dass eine gewisse Oberflächlichkeit das verhindert hat. Vielleicht hätte es das Buch auch gesprengt, vielleicht hätte man dafür andere Momente streichen können. Denn gerade das Zwischenmenschliche blieb oft etwas auf der Strecke. Die Familienbeziehungen bei Milly waren etwas seltsam. Wir haben viele Gespräche mit dem Bruder, der ihm eindeutig die wichtigste Beziehung ist, aber die Mutter schien kein Problem zu sein, spielt dennoch keine Rolle. Dann haben wir noch den Vater, wo es sicherlich viel aufzuarbeiten gibt, dann kommt am Ende aber nur was Kurzes. Bei Clara ist es etwas intensiver, aber auch dort fehlt vieles. Das Verhältnis zur Mutter soll problematisch sein, sonst würde es keinen Sinn ergeben, aber es gab mir zu wenig gemeinsame Szenen. Der Vater hat einen Moment, geht dann völlig verloren. Dann haben wir noch die Geschwisterbeziehung, die besser ist, aber auch nicht ideal ausgearbeitet. Selbst Clara und Alex habe ich als lückenhaft empfunden. In all den Bereichen gab es genug, was ich gerne noch gesehen und gelesen hätte. Das zeigt doch auf jeden Fall, dass in sich genug Potenzial da war. Zuletzt möchte ich noch mit einem dicken Pluspunkt enden. Die Einbindung von Musik war toll. Claras Liebe für die klassische Musik und andere Stile kam gut rüber. Texte der Lieder spielten eine Rolle, aber vor allem die Gefühle, die alleine die Töne auslösen. Musik war immer Claras Zufluchtsort und das kam durchgängig toll rüber.

Fazit: „Lonely Hearts Club“ hat mich einerseits überzeugt, andererseits aber auch vermuten lassen, dass es mit etwas mehr Schreibübung für Nasanin Kamani noch besser hätte sein können. Die Idee, von einer Frau vom Fach, mentale Gesundheit darstellen zu lassen, das ist aufgegangen. Auch ihre private Liebe für die Musik kam durch und überzeugte. Aber auf der zwischenmenschlichen Ebene, abseits von Clara, hätte ich mir mehr Tiefgang, mehr Momente gewünscht. Es gab dementsprechend Highlights, aber auch genug Momente, wo es mehr hätte sein dürfen, vielleicht sogar müssen.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Erzählerisch und inhaltlich mit Defiziten

The Summer We Fell
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Ich habe zuletzt doch einiges gelesen, was entweder schon vom Titel her Summervibes mitgibt, oder es mit dem Cover oder Klappentext geschafft hat. Bei „The Summer We Fell“ war es das Gesamtpaket und ich ...

Ich habe zuletzt doch einiges gelesen, was entweder schon vom Titel her Summervibes mitgibt, oder es mit dem Cover oder Klappentext geschafft hat. Bei „The Summer We Fell“ war es das Gesamtpaket und ich konnte nebenbei auch noch eine neue Autorin kennenlernen.

Ich habe relativ früh bei „The Summer We Fell“ gemerkt, dass ich das vor acht bis zehn Jahren vermutlich viel mehr gemocht hätte. Es hat mich ein wenig an Abbi Glines erinnert, die mit zu den ersten gehörte, die über NA den deutschen Buchmarkt beherrscht hat. Es war keinesfalls eine Kopie, aber gerade diese Naivität der Protagonistin und sich selbst immer wie der Putzlappen zu fühlen und das auch zu verdienen, das hat mich daran erinnert. Ich fand es auch ein wenig schade, dass der Glaube hier so fanatisch dargestellt wurde. Im Grunde war jede Figur, die als strenger gläubig dargestellt wurde, irgendwie unsympathisch. Sie haben immer viel gepredigt, aber überhaupt nicht danach gelebt. Ich weiß, dass es das gibt, das steht außer Frage. Aber ich finde, dass es da doch immer ein Gegengewicht geben sollte, denn Glaube ist keinesfalls so schwarz-weiß.

Kommen wir jetzt aber zur genaueren Art, wie „The Summer We Fell“ erzählt wird. Wir springen immer vor und zurück in der Zeit. Das fand ich zunächst auch sehr angenehm, denn wenn dadurch ein gewisses Mysterium in der Luft liegt, weil man weiß, ein bisschen muss noch von uns als Lesern herausgefunden werden, dann ist es spannend. Nur irgendwie waren manche Dinge viel zu schnell klar und ich würde auch sagen, dass die zwei Zeitperspektiven Fragen aufgeworfen haben, die für mich nie beantwortet wurden. Ganz eklatant kann man das wohl an Luke festmachen. Auch wenn der männliche Protagonist des Buchs, habe ich ihn gar nicht richtig kennenlernt. Ich mochte sicherlich die Seite, wo er es gehasst hat, was die anderen über Juliet gedacht und wie sie mit ihr umgegangen sind. Aber bei ihm mündete so viel in Gewalt, das fand ich als Botschaft nicht so gut. Es hat sicherlich auch mit seiner Vergangenheit zu tun, aber die wird gar nicht richtig aufgearbeitet. Auch bei Juliet bekommen wir oftmals nur Andeutungen. Da sind die Lücken bis zu einem gewissen Grat auch okay, denn es ist eine verdammt heftige Art groß zu werden, aber bei ihm kenne ich nicht mal die Lücken, es ist ein einziges riesiges Loch.

Zudem finde ich auch, dass in der Gegenwart nicht viel passiert. Es gibt wenig ehrliche Gespräche, es gibt immer ein paar ein paar Arbeiten am Haus, dann nächtliches Geplänkel und fertig. Und das beste dabei, dass das Thema Verhütung zunächst gar keine Rolle spielt, nur um es dann später doch noch aufzugreifen, aber auf eine Art, die auch überhaupt nicht passte, weil es wenig mit Verantwortung zu tun hat, sondern wie ein Mittel zum Zweck wirkte. Aber wie ist Juliet überhaupt die erfolgreiche Sängerin geworden, warum diese toxische Beziehung mit einem Kollegen? Das könnte ich ewig für einige Figuren fortführen. Ich hatte so viele Fragen, aber leider viel zu wenig Antworten. Ich finde zwar, dass am Ende alles gut zusammengekommen ist. Es gab gute Konsequenzen, es gab endliche Gespräche, es gab Hoffnung, aber der Weg dorthin war doch sehr zäh. Ich würde auch nicht sagen, dass Juliet und Luke zusammen bei mir viel ausgelöst haben. Sie mussten einander treffen, auf jeden Fall, aber es war für mich dennoch keine Chemie, die mich richtig anfixt. Ich finde dann auch, dass Juliet, die so viel Raum in der Geschichte einnimmt, keine richtige Entwicklung durchmacht. Die junge Juliet und die ältere Juliet sind im Grunde dieselbe und ich hätte da einfach gerne verschiedene Versionen gesehen, die aber dennoch gerne beide hätte gebrochen sein können, aber bitte aus verschiedenen Gründen. Hier war es aber einfach zu ähnlich.

Fazit: „The Summer We Fell“ hat mir letztlich nur wenig von den locker-leichten Gefühlen gegeben, die ich mir erhofft hatte. Es gab zu wenig Highlights, es gab viele Lücken, es gab auch viel richtig Kritisches. Dementsprechend werde ich Elizabeth O’Roark wohl erstmal nicht weiter auf meinem Schirm halten.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Mutig, Mutig

Beyond Shattered Moons
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Als ich meine Rezension zum ersten Band, „Beneath Broken Skies“, von Anna Savas nochmal gelesen habe, musste ich doch sehr grinsen. Hätte ich nur mal in die Zukunft blicken können! Ein Kritikpunkt war ...

Als ich meine Rezension zum ersten Band, „Beneath Broken Skies“, von Anna Savas nochmal gelesen habe, musste ich doch sehr grinsen. Hätte ich nur mal in die Zukunft blicken können! Ein Kritikpunkt war dort nämlich gewesen, dass eine Dilogie mir nicht clever erschien, weil es die Handlung zu sehr gezogen hat und man alles in einem einzigen Buch hätte zusammenbringen können. Nein, da hat Savas uns echt reingelegt.

Diese Rezension ohne Spoiler zu verfassen, ist absolut unmöglich, aber ich vermute ohnehin, dass der große Twist von „Beyond Shattered Moons“ ohnehin überall schon die Runde gemacht hat. Ich muss da echt den Hut vor der Autorin ziehen, denn es ist extrem mutig, welche Entscheidung sie getroffen hat. Ich musste ein wenig an Emma Scott und die „All In“-Dilogie denken, die ähnlich, aber doch anders funktioniert hat. Natürlich war bei Savas nach dem ersten Band noch nichts vorbei, weil es gab ja noch die eigentliche Liebesgeschichte zu erzählen. Ich hatte mich im ersten Buch schon öfters gefragt, warum Adam so völlig abwesend ist, obwohl man merkt, welche Bedeutung er sowohl für Madelyn als auch Wes hat. Mit dem späten Auftritt und dem Cliffhanger habe ich mir schon gedacht, dass das im zweiten Band alles aufgeholt wird, aber dass Adam der eigentliche Held der Liebesgeschichte wird, das kam unerwartet, extrem unerwartet und das hatte definitiv einen gewissen Kick. Ich mag es, wenn ich so überrascht werden kann.

Aber wie fand ich es inhaltlich? Ich habe nichts gegen Liebesgeschichte, bei denen sich Gegensätze anziehen und da war bei Madelyn und Wes eindeutig der Fall. Dementsprechend habe ich diese Erzählung der beiden nicht als Handbremse empfunden, sondern Gefühle pur. Ich mochte sie als Paar. Nun völlig umdenken zu müssen, das war erstmal eine Herausforderung, aber es ist für mich schon gelungen. Zumal wir sehr unterschiedliche Geschichten erzählt bekommen, weil Wes und Adam unterschiedlich sind. Beide haben Madelyn in meinen Augen sehr gut getan, nur sehr verschieden. Und dann entscheidet irgendwann das Herz. Ich fand etwas schade, dass es für diesen Twist in die typische Trickkiste der Dramaunterhaltung gegriffen werden musste. Ich hätte die Geschichte gerne sich entfaltet gesehen, ohne dass Wes aus Gründen abgeschoben wird. Denn auch wenn New Adult die romantischen Geschichten erzählt, die Seelenverwandtschaft und ‚für immer‘ versprechen, aber das Leben kann jedem Menschen mehrere Liebesgeschichten gewähren, die auch beide ihre besonderen Momente haben. Siehe wieder Emma Scott, die uns etwas ganz Ähnliches verständlich gemacht hat. Dementsprechend würde ich die Geschichte niemals inhaltlich kritisieren. Denn so Geschichten schreibt das Leben und ich hatte bei Adam und Madelyn nie ein ungutes Gefühl. Natürlich darf jeder seine Liebespaarung haben, die ihm besser gefällt, aber ich finde es am Ende entscheidend, dass wir Madelyn ohne Frage in sehr guten Händen wissen können.

Es war für mich auch sehr spannend, Adam nun endlich kennenzulernen. Er hat es natürlich schwerer als Wes, weil er mehr in sich gekehrt ist, aber er hatte so viele Seiten, die ich schnell lieb gewonnen habe. Er ist der Grübler, der Zerdenker, aber was immer offensichtlich ist, das ist seine tiefe Liebe für Madelyn. Die beiden sind sich angemessen wieder nähergekommen. Es war genauso interessant herauszufinden, was die Familie einst hat zerfallen lassen. So haben sich viele Puzzleteile zusammengesetzt. Auch wenn in dieser Familie eindeutig gerne überreagiert wird, aber letztlich war auch die Annäherung von Adam an seine Eltern gut und mitreißend zu verfolgen. Umgekehrt haben wir Madelyn, deren Freundschaft zu Blair weiterwächst, während sie auch mit ihrem Großvater einiges zu durchstehen hat. Ich fand es immer wieder gut, dass es nicht nur um das Paar ging, sondern dass auch die Beziehungen drum herum entwickelt wurden.

Was ich noch als Kritikpunkt nennen würde, das wären zwei Sachen. Eins, das ist mir bei Savas schon öfters aufgefallen. Die expliziten Szenen kommen bei ihr öfters aus dem Nichts und auch an Punkten, wo ich es zu verfrüht empfinde und wo es offensichtlich nur dazu da ist, etwas aufzurühren und ich persönlich bin da einfach kein Fan von. Ich will mehr die emotionale Bedeutung als die Konsequenzen ins Zentrum zu stellen. Der zweite Punkt wäre, dass ich im ersten Band noch gelobt habe, wie viel der Verlag und die ganze Welt eine Rolle spielen. Nun haben wir mit Madelyn und Adam zwei Figuren, die in der Bücherwelt aufgehen und das Berufliche spielte aber eine deutlich kleinere Rolle. Das fand ich etwas schade. Gleichzeitig gab es mit dem Ball am Ende natürlich echt was zu feiern und das war auch ein gelungener, würdiger Abschluss. Band 3 wurde inzwischen angekündigt und ich muss sagen, ich bin sehr gespannt, auch weil es thematisch doch in der Welt verharren wird. Wie wohl alles ausgeht?

Fazit: „Beyond Shattered Moons“ ist ein sehr mutiger zweiter Band, für den ich Anna Savas zunächst alleine als Entscheidung applaudiere. Aber auch inhaltlich wurde ich abgeholt. Ja, ich habe Kritikpunkte, aber die Liebesgeschichte selbst hat funktioniert und die Botschaft dahinter kam an. Vielleicht mag es nach so eine Intention Fraktionen geben, aber ich denke, dass man Fan von beiden Büchern sein kann und das muss sich nicht ausschließen. Das ist auch ein Gewinn!

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