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Veröffentlicht am 28.08.2024

Mehr Selbstfindung als Liebegeschichte

Zwei in einem Leben
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Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich ...

Nachdem es in diesem Frühjahr bei Netflix eine Serienadaption zu „Zwei an einem Tag“ gegeben hat, ist mir der Name David Nicholls nochmal richtig in Erinnerung gerufen worden. Ich habe ihn tatsächlich nach seinem riesigen Erfolg etwas aus den Augen verloren, aber die Serienadaption hat mich eindeutig noch einmal darin bestätigt, dass „Zwei an einem Tag“ damals wirklich etwas Besonderes war. Nun ist „Zwei in einem Leben“ mit dem Titel ganz eindeutig auch von Marketing her eine Verbindung dazu und deswegen war es für mich jetzt an der Zeit, noch einmal bei Nicholls zuzuschlagen.

Auch wenn „Zwei an einem Tag“ schon sehr lange her ist, dass ich das Buch gelesen habe, so habe ich doch gleich einiges in „Zwei in einem Leben“ wiederentdecken können. Das sind eindeutig eckige und kantige Figuren, die viele ungewöhnliche Details mitbekommen und damit nicht sofort nahbar sind, die aber dadurch gleich im Kopf bleiben und sich langsam entfalten können. Aber es ist sicherlich auch der Humor, der Hang zu Monologen bei der Frauenfigur. Also es war definitiv so, dass ich für mich sagen konnte, ja, wo Nicholls drauf steht, da ist er auch drin. Ansonsten sind es aber dennoch zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Während „Zwei an einem Tag“ einfach diesen besonderen Kniff hatte, dass eine Geschichte über einen speziellen Juli-Tag hinweg erzählt wurde, hat „Zwei in einem Leben“ diesen speziellen Faktor nicht. Dennoch ist sich mit der Aufmachung Mühe gegeben worden, weil die Karten, die den Wanderweg für den jeweiligen Tag zeigen, eine nette Idee ist, um sich bei entsprechendem Interesse selbst kundig zu machen, sich einen Atlas hinzuziehen etc. oder wenn man selbst schon in der Gegend war, sich zu orientieren. Abseits davon ist es aber eine gewöhnliche Liebesgeschichte.

Wobei Liebesgeschichte auch ein Begriff ist, den ich für „Zwei in einem Leben“ erst auf zweiter Ebene sehen würde. Denn für Marnie und Michael ist es jeweils keine Liebe auf den ersten Blick, dafür sind beide auch noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, weil sie ein großes Kapitel aus der Vergangenheit noch nicht beschlossen haben. Deswegen sind die ersten Begegnungen und Kontakte auch eher von Skepsis und Vorurteilen geprägt. Dann kommt hinzu, dass Marnie und Michael eben sehr speziell mit einigen Eigenschaften sind, so dass es auch wenig zu einer romantischen Stimmung beiträgt. Deswegen habe ich es lange so empfunden, dass der Wanderweg in erster Linie wirklich eine Selbstfindung war und die Liebe dann eher zufällig noch aufgesprungen ist. Dass zwischen Marnie und Michael nicht sofort eine Chemie war, hat das Buch an einigen Stellen für mich etwas zäh gemacht, was ich schade fand. Teilweise waren die inneren Monologe auch sehr lang. Ich musste mich also wirklich erst bewusst davon verabschieden, nicht in erster Linie eine Liebesgeschichte zu haben.

Mit einer etwas anderen Einstellung war es eindeutig auch leichter, Marnie und Michael für sich schätzen zu lernen. Marnies missbräuchliche Beziehung, die sie in einem sehr langen Gespräch mit Michael aufarbeitet, hat mich durchaus berührt, weil viele Menschen in solchen Beziehungen feststecken bleiben, auch weil sie glauben, dass sie es verdient haben und es da draußen nichts anderes gibt. Bei Michael wiederum ist es eine schleichend zu Ende gegangene Beziehung, bei der im Urkern aber vieles stimmte, so dass es ihm dementsprechend schwer gefallen ist, loszulassen. Es war auf jeden Fall gut, dass sie sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben und dennoch Verständnis füreinander zeigen konnten, auch weil sie letztlich der Wunsch nach Zweisamkeit geeint hat. Auch wenn die irgendwann sich im Spiel befindenden Gefühle für mich etwas zu abrupt kamen, aber ich fand das letzte Viertel noch einmal mit am stärksten. Da war dann doch das Hinfiebern, dass es diese beiden packen.

Fazit: „Zwei in einem Leben“ ist einerseits mit „Zwei in einem Tag“ auf stilistischer Ebene zu vergleichen, andererseits dann auch wieder nicht. Aber letztlich ist „Zwei in einem Leben“ vor allem mehr individuelle Selbstfindung und dann Liebesgeschichte. Neben zähen Passagen gibt es auch noch andere Aspekte zum Durchkämpfen, aber letztlich habe ich sehr gut Frieden mit diesem Buch schließen können.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Etwas zu viel von allem

Diviners – Aller Anfang ist böse
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Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische ...

Ich kann mich noch vage an die ursprünglichen Cover der Erstveröffentlichung von „Diviners“ nach Libba Bray erinnern. Vielleicht erinnere ich mich auch nur an die Art der Gestaltung, da viele historische Romane diesen Stil pflegten und es ist ein Genre, in dem ich wirklich sehr selten etwas lese. Vielleicht sind die Diviners deswegen 2015 etc. nicht bei mir rübergekommen. Nun von dtv eine Neuauflage, das Cover geändert und schwupps, da hatte es meine Aufmerksamkeit. Auch wenn für mich nun nicht zu erkennen ist, was die Neuauflage bewogen hat, vielleicht auch der Erfolg von „Only Murders in the Building“? Aber mich hatte man ja jetzt auf jeden Fall am Haken.

Der erste Band hat sehr viele Seiten, was mir schon aufgefallen ist, da doch viele Bücher eines Genres sich inzwischen auf einen Durchschnittswert eingependelt haben, auch wenn es natürlich immer Ausreißer nach oben geht. Solche Seitenzahlen reizen natürlich vor allem dann, wenn man sich schon in eine Reihe verliebt hat und einfach nicht genug bekommen kann. Hier ist es aber der Einstieg und ich habe mir tatsächlich zwischendurch gewünscht, dass es ruhig etwas weniger Seiten sein könnten. Gleichzeitig könnte ich im Rückblick auf das Geschehen aber auch nicht sagen, was man hätte streichen können, was mich dann eher zu dem Gesamteindruck führt, dass das Buch einfach an sich sehr voll war. Es war voll an Genres, voll an Ansätzen, voll von Charakteren, einfach ein extrem inhaltsschwerer Eintopf. Das ist einerseits ein Lob an Bray und ihre offenbar sprudelnde Fantasie, aber es ist auch zum Einstieg wirklich viel. Fangen wir daher erstmal bei den Genres an. Damals der Stil der historischen Cover war sicherlich nicht verkehrt, denn das Geschehen spielt im New York der 1920er Jahre. Ich fand es von der ganzen Atmosphäre her auch gut getroffen, gerade auch im Spannungsfeld verschiedener gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen. Dann wiederum wirkte manches auch sehr modern, das war dann eher irritierend, aber alles in allem kam schon gut rüber, in welcher Epoche das Geschehen sich ereignet.

Dann haben wir auch ein Whodunit-Muster, denn Evie und die Männer an ihrer Seite jagen einen Serienmörder. Ich hatte oben in der Einleitung schon „Only Murders in the Building“ angesprochen und ich musste da wirklich mehrfach dran denken. Evie war zwar durch Jericho und Sam mehr mit Gleichaltrigen unterwegs, aber die etwas unkonventionelle Art der Ermittlung und der Umgang miteinander passte durchaus gut. Die Suche nach dem Serienmörder ist auch wirklich das Herzstück des ersten Bandes und wird immer wieder konstant vorangetrieben. Zum einen durch die sehr kurzen Abstände, in denen der Täter zuschlägt, aber auch durch die Opferperspektiven. Letztlich haben wir dann noch Fantasy, durch die Diviner, die übernatürliche Fähigkeiten haben. Das sind schon relativ große Blöcke, die selbstredend ineinander übergehen. Für mich am stärksten war eindeutig der Fall. Denn an diesem Ende wurde konsequent erzählt. Auch wenn es manchmal etwas seltsam war, wenn die Erzählung andere Schwerpunkte suchte, vor allem bei Evie, die ja mittendrin steckte und dennoch dann unverständliche Unbeschwertheit gezeigt hat, so war es der intensivste rote Faden.

Das Historische ist ohnehin der Deckel, aber was für mich noch sehr holprig war, das war das Fantasy-Anteil. Auch wenn es schon früh mit Evies Demonstration auf der Party losging, aber teilweise ging fast verloren, dass sie eine Gabe hat. Auch bei Sam war es oft der Gedanke „ach, da war noch was“. Dann haben wir auch noch Memphis, seinen Bruder und andere, die ebenfalls Diviners sind, aber es ist ein Bereich, der mit vielen Vorurteilen und auch Abscheu verbunden ist, weswegen niemand aktiv Antworten sucht. Auch Onkel Will wirkte teilweise sehr zurückhaltend, obwohl ich mir von ihm mehr Initiative gewünscht hätte. Insgesamt hatte ich stark den Eindruck, dass bei den Diviners nur wenig aufgebaut wird, um das Mysterium für den nächsten Band zu haben. Das erzeugt insgesamt natürlich den Eindruck, dass die Diviners ein größeres Mysterium sind, aber nicht der eigentliche Hauptfokus. Als sei so ein Fall pro Buch die Struktur, was nochmal eine besondere Form durch die Diviner bekommt. Das hätte ich so im Vorfeld eher nicht erwartet. Ich hätte die Diviner wahrscheinlich viel konkreter in den Fokus gepackt, auch um die verschiedenen Formen zu verstehen und so Lust zu machen. Die Wahl durch Bray hier war keinesfalls falsch, aber zwischendurch konnte ich auch mal vergessen, dass es auch um die Diviners geht.

Auch etwas ungünstig fand ich den Klappentext. Das fällt mir in letzter Zeit häufig auf. Um eine gewisse Lesergruppe anzuziehen, werden Liebesdreiecke angedeutet, die dann aber in der eigentlichen Erzählung gar nicht so dominant sind. Das ist hier auch so. Ich habe „Diviners“ sehr lange nicht als Liebesgeschichte empfunden und habe es auch nicht vermisst. Sowohl mit Jericho als auch mit Sam kann noch Spannendes passieren, aber es ist noch nicht wirklich aufgebaut worden. Der Unterschied zwischen den beiden ist aber auf jeden Fall eine gute Voraussetzung. Da wir schon bei den Charakteren sind. Jericho und Sam gefallen mir beide und ich sehe auch Potenzial, aber sie sind angesichts von Evies Persönlichkeit doch eher im Schatten. Evie dominiert alles. Auch wenn es so viele Perspektiven gibt, aber sie in einer Szene und irgendwie sind alle sprachlos. Evie war unfassbar anstrengend. Bei ihr musste ich auch ständig denken, dass sie sich eigentlich wie eine Protagonistin der Generation Alpha verhält. Alles drehte sich nur um sie selbst, ich fand sie sehr, sehr unsensibel und es fiel mir doch schwer, zu ihr einen Draht aufzubauen. Auf die Menschen um sie herum schaut sie herab, dabei ist sie erst 17! Will hat sie immerhin ab und zu in die Schranken weisen können, aber ansonsten puh. Sie muss auf jeden Fall etwas runtergeschraubt werden. Auch ein Memphis ist sehr faszinierend, dazu auch Theta und Henry. Da ist noch einiges, mit dem man arbeiten kann, wenn Bray nicht für Band 2 schon die Leser verloren hat.

Fazit: Es ist sicherlich einen zweiten Versuch wert, „Diviners“ an die Leserschaft zu bringen, weil viel Modernes drinsteckt. Doch es sind schon viele Seiten und auf diesen auch unfassbar Inhalt. Die Ermittlungen gegen den Täter sind der rote Faden, der Rest ist noch etwas chaotisch und groß aufgezogen, ohne aber mehr Highlights anzubieten. Dazu die anstrengende Evie… Mir war alles etwas zu viel, aber ich habe dennoch unter all dem die Ansätze gesehen, die sehr gut funktioniert haben.

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Veröffentlicht am 19.08.2024

Fehlt noch was Pepp

Verbrannte Gnade
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Auch wenn das Cover von „Verbrannter Gnade“ sicherlich optisch etwas ist, an dem man unschwer vorbeikommt, so hat mich zu dem Krimidebüt von Margot Douaihy mehr die Thematik hingezogen und da ist das Thema ...

Auch wenn das Cover von „Verbrannter Gnade“ sicherlich optisch etwas ist, an dem man unschwer vorbeikommt, so hat mich zu dem Krimidebüt von Margot Douaihy mehr die Thematik hingezogen und da ist das Thema Glauben. Sich zu seinem Glauben zu bekennen, ist oftmals schon ein großer Akt der Überwindung, auch weil es stereotyp oft mit einer starren Kirche verbunden wird, was spätestens seit Aufdeckung von Vertuschen von Missbrauchsfällen noch einmal gewaltiger geworden ist. Dementsprechend hatte ich gleich im Gefühl, dass Schwester Holiday vielleicht einen modernen Blick darauf wirft. Dazu ist das Genre Krimi bei mir nie zu verachten, so dass ich gerne zugegriffen habe.

Ich habe Schwester Holiday durch Gisa Flake kennengelernt, die im Hörbuch zu ihrer Stimme wird. Auch wenn der Eindruck jetzt natürlich auch auf Stereotypen beruht, aber das, was ich inhaltlich zu Schwester Holiday bekommen habe, das hat für mich Gisa Flake sehr gut aufgefangen. Die Stimmfarbe hat da echt gut gepasst. Sie ist etwas rotzig und rauchig, aber dennoch voller Emotionen, was zur Protagonistin passt, die sich sicherlich eine harte Schale zugelegt hat, aber durchaus viele weiche Seiten hat. Die Stimme war für das Hörbuch also der Jackpot, aber ich fand „Verbrannte Gnade“ als Hörbuch zu konsumieren, dennoch stellenweise etwas schwierig. Hauptgrund ist da vor allem, dass Schwester Holiday sich oft in der Vergangenheit verliert. Wer weiß, wie das in der gedruckten Version rüberkommt, aber so vorgelesen fand ich die Übergänge oft so fließend, dass ich kurz irritiert war, wo in der Handlung wir uns gerade befunden. Stellenweise passiert das auch in spannenden Szenen und schwupps sind wir beim Bruder, Eltern oder Nina. Das war durchaus an einigen Stellen irritierend.

Aber es war für mich nicht nur aus Hörersicht komplizierter, sondern auch inhaltlich habe ich mich öfters gefragt, ob die Rückblicke wirklich in diesem Ausmaß sein mussten. Natürlich helfen sie, um Holiday als Figur besser zu begreifen, vor allem in einem Leben, als sie noch keine Nonne war. Gleichzeitig hatte auch der Klappentext schon prophezeit, dass sich Holiday ihrer Vergangenheit stellen muss, um den Fall zu knacken. Das klang ja eigentlich nach einer sinnigen Verschränkung, aber so habe ich es letztlich nicht bestätigen können. Wenn die Autorin tatsächlich plant, weitere Bücher zu schreiben, vielleicht hätte man sich manche Aspekte aufheben können, aber so war es zu viel Vergangenheit ohne konkrete Zielrichtung.

Insgesamt lässt sich für mich urteilen, dass ich die Grundidee echt gerne mag. Sie ist anders, sie hat durch New Orleans auch ein spannendes Setting, dem sich authentisch gewidmet wird. Auch hat Holidays Art, wie sie ermittelt, genau die richtige Mischung aus Professionalität und ungeschickt in Fettnäpfchen treten. Es ist also vieles vom Papier her da, was auf jeden Fall rechtfertigt, eine solche Geschichte zu wagen. Doch es hat noch gewisse Anlaufschwierigkeiten. Der Erzählstil verliert sich zwischendurch zu sehr in Nebensächlichkeiten und ist damit eine Gefahr, den ein oder anderen ganz zu verlieren, aber ansonsten auch einen konsequenten roten Faden anzubieten. Letztlich ist der Fall sicherlich in der ganzen Struktur nichts, was man noch nie gelesen hätte und er ist auch nicht übertrieben vielschichtig angelegt. Aber für diese konkrete Erzählidee reicht es für mich auch vollkommen. Zudem finde ich auch, dass der Täter auch nicht sofort ersichtlich war, dementsprechend gab es eine angemessene Auswahl an Kandidaten und gerade die Beweisverschleierung war auch gut gewählt. Mir war zwar der Personenkreis sehr früh klar, aber letztlich habe ich lange genug miträtseln und mitfiebern können.

Insgesamt sind die Figuren alle speziell, was ideal passt. Es sind die Schwestern mit ihren Eigenarten, aber natürlich auch die Schüler und die sonstigen Angestellten an Schule/Kloster. Holiday pflegt anerkennende/verschwörerische Beziehungen, aber gleichzeitig auch einige Fehden und dennoch war es keinesfalls so, dass man sich nur bei den Fehden nach Verdächtigen umsehen musste. Die echten Ermittler von Polizei und Brandinspektion waren genauso keine aalglatten Figuren, dementsprechend war alleine auf der Charakterebene doch viel los. Einige Beziehungen sind sicherlich für die Zukunft auch etwas, was die Autorin im Hinterkopf behalten sollte. Wenn ich jetzt noch an den Glaubensaspekt denke, dann muss da noch mehr kommen. Mir gefällt es, in welcher Bandbreite Holiday ihren Glauben auslebt, da sehe ich auch bei mir selbst ein großes Feld, was also passt. Aber ich will dazu noch mehr in ihre Gedankenwelt einsteigen. Hat sie einfach nur etwas von ihrer Mutter übernommen, um sie zu ehren? Und wie sieht sie die Welt, denn die anderen Schwestern sind doch deutlich strenger in ihren Überzeugungen und dennoch fühlt sich Holiday in der Gruppierung wohl. Da ist also noch einiges offen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man das in weiteren Bänden noch näher ergründet. Wenn nicht, dann wäre Schwester Holiday als Figur zu austauschbar. Dann könnte sie auch jeden anderen Beruf haben.

Fazit: „Verbrannte Gnade“ ist ein Auftakt, der noch nicht ideal funktioniert, aber durchaus genug Potenzial für die Zukunft aufzeigt. Das Setting und die Art, wie Schwester Holiday ermittelt, das stimmt für mich. Der Fall war zwar nicht komplex, aber es passte alles. Aber der Schreibstil war noch etwas zäh und von zu vielen Rückblenden untermalt, die den Lesefluss unterbrochen haben. So peppig wie Schwester Holiday auf dem Papier wirkt, so braucht die gesamte Handlung noch mehr Pepp.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

Eislaufen und persönliche Entwicklung

A Winter to Resist
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Mit der „Seasons“-Reihe liefert Morgane Moncomble ihre erste richtig durchgängige Reihe ab. Alleine aufgrund der Jahreszeiten-Thematik war ich bereits vor Veröffentlichung des ersten Bandes sehr aufgeregt, ...

Mit der „Seasons“-Reihe liefert Morgane Moncomble ihre erste richtig durchgängige Reihe ab. Alleine aufgrund der Jahreszeiten-Thematik war ich bereits vor Veröffentlichung des ersten Bandes sehr aufgeregt, aber dann fand ich „A Fall to Forgive“ doch so ungewöhnlich, dass ich mich einfach nicht richtig einfühlen konnte. „A Winter to Resist“ kehrt nun eindeutig zu den Wurzeln von Moncomble als Autorin zurück, weswegen er mir auch gleich besser gefallen hat.

Bei „A Winter to Resist“ muss ich auch einen Aspekt etwas vorwegschieben, denn als vor einigen Jahren „Right Here“ von Anne Pätzold angekündigt wurde, war ich sehr begeistert, dass es um Eiskunstlaufen gehen würde. Dieser Wintersport hat auf mich immer schon eine gewisse Faszination ausgeübt, weswegen ich dann doch sehr enttäuscht war, dass die Handlung sich vom Eis großflächig wegbewegt hat. Ja, die Protagonistin war Eisläuferin, aber das war es quasi auch schon. Da hat mich „A Winter to Resist“ quasi versöhnt mit der Thematik, denn hier fand ich das Thema Eiskunstlauf sehr konsequent eingebunden. Auch wenn es natürlich in einem realistischen Kontext sehr überspannt erzählt wird, aber das konnte ich letztlich doch auch wegblenden. Es hat einfach funktionell gut funktioniert und gerade über das Paarlaufen auch viel mit der Handlung rüberbringen. Thema als Korsett und Handlung waren hier echt eins. Kompliment dafür!

Was dann etwas schwieriger war, das ist die Protagonistin Lily. Sie hatte ihren ersten Auftritt schon im ersten Band, aber mit den anderen zwei Freundinnen und eben Camelia als Protagonistin, die gemeinsamen den Jahreszyklus ausmachen, war es ein kurzer Auftritt. Das hatte ich dort schon kritisiert, dass die Kommunikation so knapp war, dass es mit einem weiterführen Eindruck schon sehr schwer war. Das war mir hier erneut viel zu wenig, weil wir quasi einfach glauben müssen, was für gute Freundinnen sie sind, ohne sie aber ständig in der Dynamik zu erleben. Deswegen hatte ich keinen Eindruck zu Lily und war deswegen nach dem ersten Kapitel etwas erschrocken. Ich glaube zwar, dass man für Leistungssport generell, aber speziell für doch einen so gefährlichen Sport, Ehrgeiz und vor allem auch eine Portion Wahnsinn braucht, aber Lily war regelrecht unsympathisch. Mit den so wenigen Kontakten, die sie direkt in Kanada pflegt, war es noch unlogischer, dass die vier Blumenfreundinnen so gut miteinander auskommen sollen. Lily wirkte echt wie jemand, um die man besser einen großen Bogen macht. Natürlich ändert sich das, sonst hätte ich den Band wohl kaum besser gefunden als den ersten, aber letztlich ist es einfach schade, weil das Buch an sich viel Potenzial für die volle Sternenwertung gehabt hätte.

So ist es ein sehr langsames Herantasten an Lily und natürlich an Orion, den wir ganz neu kennenlernen. Da er mit seinem vermeintlichen Fluch so abweisend ist, hatte wir anfangs einfach zwei Figuren, die weder einzeln noch zusammen funktionieren wollten. Da war es dann echt das Eislaufen und der Trainer, der sie zu Mitbewohnern macht, der Schlüssel, damit sich nach und nach alles etwas besser auflöst und immer besser aufeinander abgestimmt wird. Dann gibt es auch für beide Charaktere einen sehr großen Moment, der sie nachhaltig beeinflusst und spätestens ab da wurde die Geschichte für mich genau das Maß an Tiefgründigkeit, die ich brauche, um begeistert zu werden. Vor allem wurde mit den Themen und dem Eislaufen dann sehr gut die jeweilige Charakterentwicklung verbunden. Lily und Orion haben sich dabei auch jeweils zur besten Version von sich selbst inspiriert. Es war irgendwann richtig schön, wie sie miteinander umgegangen sind, oft auch wortlos. Sie haben mich als Paar so zunächst mehr begeistert als individuell, aber das ging natürlich trotzdem Hand in Hand, so dass ich mit beiden Figuren absolut meinen Frieden machen konnten.

Abschließend nochmal kurz etwas zum Handlungsverlauf. Die verschiedenen Wettbewerbe waren das Korsett. Auch wenn es wie gesagt etwas seltsam in der Logik manchmal war, auch weil Olympia nicht als Höhepunkt dargestellt wurde, sondern mehr die Weltmeisterschaft, so war genau das Korsett für mich sehr logisch und auch im Rückblick ideal, um nachzuvollziehen, wann Lily und Orion als Eislaufpaar an welchem Punkt waren. Ich mochte auch die Beschreibung von Kurzprogramm und Kür, dazu auch die Entwicklung von mehr Risiko für die Elemente. Da hat rein logisch dann doch viel wieder gepackt, so dass ich wirklich sagen muss, dass ich gut durch die Handlung geglitten bin.

Fazit: „A Winter to Resist“ ist mein persönliches Ankommen in der „Seasons“-Reihe, denn das ist für mich wieder die typische Morgane Moncomble, die ich auch lesen will. Auch wenn es auf der Figurenebene erst richtig kritisch war und ich mit Lily und Orion Anlauf brauchte, aber speziell die toll ausgearbeitete Eislaufthematik hat mich schwer begeistert und hat mit den Figuren immer mehr die ideale Symbiose ergeben.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Emotional schwer, aber auch schön

Alles, was ich geben kann – The Last Letter
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Während ich bei Rebecca Yarros' Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch zurückhänge, habe ich ihre Liebesromane, die nun nach und nach für den deutschen Buchmarkt übersetzt worden sind, immer sehr ...

Während ich bei Rebecca Yarros' Fantasyreihe rund um die Drachenreiter noch zurückhänge, habe ich ihre Liebesromane, die nun nach und nach für den deutschen Buchmarkt übersetzt worden sind, immer sehr zeitnah verschlungen. Sie haben für sie als Soldatenehefrau viele Parallelen, weil ich durchaus verstehen kann, dass dieses Leben den Blick auf die Liebe noch einmal anders schärft, aber auch wenn ich es selbst so nicht kenne, kann ich mich doch gut darin fallen lassen. „Alles, was ich geben kann“ ist ein Roman von Yarros aus 2019, der nun erschienen ist. Und auch wenn das nun schon deutlich zurückliegt, so habe ich bislang festgestellt, dass das nichts darüber aussagt, dass Yarros sich zum damaligen Zeitpunkt noch in den Anfängen befand.

Deswegen gelang für mich auch der Einstieg in „Alles, was ich geben kann“ sehr schnell. Da der englische Untertitel „The Last Letter“ lautet, passt es gut, dass es gleich mit einem Brief losgeht, der das Leben von Ella und Beckett für immer verändert. Die Briefe behalten den ganzen Rest über eine große Bedeutung und sind immer zu Kapitelanfang gesetzt. Was ich manchmal etwas irritierend fand, das ist eindeutig, dass die Briefe nicht in ihrer geschickten Reihenfolge platziert wurden. Mir ist klar, dass Yarros versucht hat, die Informationen aus den Briefen zu möglicherweise passenden Kapiteln zu packen, aber ich fand die Verbindungen nicht immer so offensichtlich, weswegen ich die Taktik nicht als gelungen bezeichnen würde. Auch wenn Raute plus Briefnummer ein wichtiger Hinweis waren und ich mich auch über den Inhalt dann einfinden konnte, aber es wäre einfacher gewesen, es stringent zu liefern, weil die beiden Protagonisten schließlich aufeinander reagieren und sie nicht aus einem Zeitkontinuum herausgelöst sind.

Letztlich habe ich noch einen Kritikpunkt, bevor ich dann aber begeisternd werde. Das Buch ist thematisch und damit emotional schon sehr schwer. Mir ist bewusst, dass es wirklich Menschen gibt, denen so viel Leid passiert, dass es für zehn weitere mitreicht und das ist auch wirklich schlimm. Es aber konkret zu lesen, puh, das hat was mit mir gemacht. So ganz nah am Ende dann nochmal ein Ereignis dieses Ausmaßes zu haben, woah, das musste ich nach dem Lesen erstmal abschütteln. Mir war es also wirklich etwas zu viel, gerade für das Genre. Dennoch muss ich umgekehrt loben, dass Yarros es geschafft hat, auch den sehr melancholischen und auch depressiven Phasen etwas mitzugeben, was einem reichenden Arm glich, was einen über Wasser hält. Zudem hat sie sich mit dem gesamten Buch mit dem Thema Schicksal auseinandergesetzt und ich konnte viele Ansichten sehr teilen. Deswegen habe ich verstanden, warum Yarros sich auch für so viel Leid entschieden hat, denn aus einem so tiefen Tal auf eine gewisse Weise auf Vorherbestimmung zu schauen, steht für mich für große Stärke. Denn in der Euphorie und inmitten der Glückssträhne an Schicksal zu glauben, das ist einfach, umgekehrt stellt es aber den eigentlichen Sinn dar.

Auch wenn das Buch mit gewissen Missverständnissen arbeitet, die nicht hätten sein müssen, aber ich musste beim Lesen doch manches Mal auch an die Netflix-Produktion „Love is Blind“ denken, denn die Briefe haben es nach und nach gezeigt, ja, man kann sich nur in die Charaktereigenschaften von jemandem verlieben und deswegen war auch gut nachzuvollziehen, warum Beckett und Ella so schnell schon richtig füreinander wirkten. Auch wenn sie nicht dasselbe Wissen hat, aber unterbewusst war da auch was. Aber diese beiden fangen nicht bei Null ein. Um sie herum sind dann weitere tolle Figuren geschrieben, vor allem natürlich Havoc und die Zwillinge Maisie und Colt. Ich fand es wirklich herzallerliebst, dass Yarros es auch außerhalb der Liebesgeschichte geschafft hat, sehr liebevolle Beziehungen zu zeichnen, die mich alle berührt haben. Die Zwillinge untereinander, aber auch Beckett mit seinem Hund und dann jeweils mit den Kindern. Es fühlte sich dadurch sehr schnell an, als sei ich ein Teil des Ganzen. Das hat natürlich das Erlebte in vielen Punkten auch noch schwerer gemacht, weil ich emotional investiert war.

Lustigerweise hatte ich in einigen Punkten manchmal noch mehr Drama vor Augen als das, wofür sich die Autorin letztlich entschieden hat. Faktor Jeff und seine Eltern als Beispiel. Dementsprechend muss ich auch sagen, dass Yarros sich oft auch für gemütliche und lustige Szenen entschieden hat, während sie manches einfacher gelöst hat. Dadurch ist die Balance auf eine gewisse Weise da. Letztlich mag ich auch große Teile des Handlungsverlaufs echt gerne, denn es war eine gute Mischung aus Auf und Ab, was an die Seiten gebunden hat. Demnach komme ich wieder da aus, dass Yarros für mich Liebesgeschichten schreibt, die mich alle berühren. Sie haben Kitsch, sie haben Drama, aber sie haben auch sehr echte Wurzeln.

Fazit: „Alles, was ich geben kann“ ist ein hochdramatischer Liebesroman, der schon einiges an emotionaler Schwere mit sich bringt. Eine locker-leichte Sommerlektüre ist es wahrlich nicht. Aber das Thema Vorherbestimmung/Schicksal, die süßen Beziehungen, die Briefe und all das, das hat für mich einen sehr runden Roman gebildet, der mich emotional sehr oft zu berühren wusste.

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