Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2024

Abwechlsungreiche Hilfestellung für zuhause

Physio @Home
0

„Physio @Home“ von Vanessa Lämmle wäre mir wahrscheinlich nichts in Auge gefallen, wenn ich nicht seit einem ¾-Jahr anhaltende Rückenschmerzen hätte. Was die eigene Lebenswelt nämlich nicht betrifft, dafür ...

„Physio @Home“ von Vanessa Lämmle wäre mir wahrscheinlich nichts in Auge gefallen, wenn ich nicht seit einem ¾-Jahr anhaltende Rückenschmerzen hätte. Was die eigene Lebenswelt nämlich nicht betrifft, dafür ist man oft ja leider etwas blind. Aber als ich diesen Ratgeber mit Übungsplan entdeckte, da hatte ich die mir verschriebene Physio schon absolviert und begriffen, es ist wohl dein neuer Alltag, dass du deinen Rücken mit täglichen Übungen stabil halten musst und das ist tatsächlich auch ein guter Tipp, weil ich trotz fehlender Beschwerdefreiheit keine Schmerzmittel nehmen muss.

Ich hatte zunächst mir die Übungen konkret für meinen Beschwerdebereich angeguckt und habe sie schnell in meinen Alltag integriert. Es waren natürlich auch bekannte Übungen dabei (auch weil ich bei Pilates schon mal intensiver dabei war), aber ich habe auch viele Kleinigkeiten (gerade zum Dehnen) entdeckt, die ich fix einbauen und damit meine Routine abwechslungsreicher aufbauen konnte. Erst danach habe ich dann auch mal auf die anderen Körperbereiche geblickt und damit dann zuletzt auch auf den 30-Tage-Übungsplan gestürzt. Solche Übungspläne kenne ich auch von Pilates schon und ich muss immer wieder sagen, dass es eine tolle Anleitung ist, an der man sich gut entlanghangeln kann und die auch eindeutig eine Motivation sein kann. Denn das eigene Training birgt oft auch die Gefahr, einen zu langweilen, so dass Abwechslung wirklich das A und O ist. Dementsprechend habe ich den Übungsplan durchgezogen (neben meiner täglichen Routine für den Rücken) und finde, dass es auf jeden Fall eine gute Sache ist, den ganzen Körper im Blick zu halten. Denn für einen gesunden Rücken ist beispielsweise auch nicht nur der Rücken verantwortlich.

Ansonsten finde ich das Buch auch sehr gut aufgebaut. Es hat klare Aufteilungen. Es gibt immer wieder erklärende Passagen, zum Aufbau des Körpers, Ernährungshinweise etc., die in meiner Einschätzung in einer angemessenen Sprache verfasst sind. Dann gibt es die Einteilung nach Körperpartie und dann wieder Aufteilung nach unterschiedlichen Arten von Übungen. Soforthilfen bis hin zu auf Dauer stärkende Übungen. Zu den jeweiligen Körperpartien hat man auch nochmal ausführliche Erklärungen sowie auch den berechtigten Hinweis, dass nicht alles zuhause zu erledigen ist, weil es manchmal einfach eine Grenze gibt, bei der es einen professionellen Blick durch Arzt/Physiotherapeuten braucht. Die Anleitungen für die einzelnen Übungen sind auf jeden Fall ausführlich, da kann ich nicht meckern. Ich habe aber vermehrt die Erfahrung gemacht, dass es mir leichter gelingt, eine Übung nachzumachen, wenn sie vorher visuell gesehen habe. Da wir immer digitaler werden, wäre für so ein Buch für die Zukunft vielleicht der Ratschlag, ob man nicht durch QR-Codes Videos hinterlegen könnte, wo die Übung ausgeführt wird. Natürlich gibt es unterschiedlichen Typen, wer wie etwas am besten begreift. Aber es gab auch immer schon den Hinweis, wie schnell man auch etwas falsch machen kann und vor dem Hintergrund ist die Mischung aus Sehen und Lesen wahrscheinlich noch idealer.

Dennoch konnte ich natürlich auch ohne Videos durchziehen, auch weil die Routine von anderen Übungen einen schnell lehrt, wie es wohl gemeint ist. Auch die Hinweise auf die Wiederholungen fand ich wichtig, da man so einen guten Rahmen hat. Insgesamt ist der Übungsplan auch nicht überambitioniert, so dass die Hemmschwelle niedrig ist. Es ist eine Animierung, mehr zu machen und oft ist es ja so, dass man durch Routine auch Spaß an etwas entwickelt und für sich selbst flexibler die Übungen steuert. Da greift dieses Buch genau richtig ein, weil es motiviert, mit großer Vielfalt an Übungen und einem letztlich doch die Freiheit lässt, es ganz nach den eigenen Bedürfnissen umzusetzen.

Fazit: „Physio @Home“ ist auf jeden Fall ein toller Ratgeber für Übungen, die man mit wirklich einfachen Mitteln zuhause nachmachen kann. Ich hätte mir noch eine stärkere visuelle Hilfestellung gewünscht, weil mir das persönlich noch mehr hilft, eine Übung exakt auszuführen. Aber der ganze Aufbau ist gelungen, umfangreich, abwechslungsreich und genug Freiheiten lassend, dass sich jeder hiervon angesprochen fühlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 06.05.2024

In der Tat 'funny' und gefühlvoll

Funny Story
0

Nachdem ich „Book Lovers“ von Emily Henry im vergangenen Jahr für mich entdeckt habe, war ich bei der Ankündigung zu „Funny Story“ sofort sehr interessiert dabei, um mal überprüfen zu können, ob mich die ...

Nachdem ich „Book Lovers“ von Emily Henry im vergangenen Jahr für mich entdeckt habe, war ich bei der Ankündigung zu „Funny Story“ sofort sehr interessiert dabei, um mal überprüfen zu können, ob mich die Stilistik der Autorin auch weiterhin begeistern kann.

Es ist in jedem Fall schnell zu erkennen, dass Henry ein gewisses Muster hat. Bücher sind ihre Leidenschaft, sowie von uns Lesern auch, weswegen Hauptfigur Daphne in einer Bibliothek arbeitet und sich um die Heranführung der Jüngsten an das Medium kümmert. Zudem ist auch die ganze Geschichte wieder voll von Anspielungen auf Bücher jeglicher Art. Wer also sehr belesen ist und sich generell in der Welt der Bücher wie einem zweiten Zuhause bewegt, der findet alleine auf dieser Ebene wieder viel in „Funny Story“. Eine weitere Sache ist, dass Henry es für mich wieder gut meistert, Humor und Ernst unter einen Hut zu bringen. Ich hatte zwar den Eindruck, dass es viel lustiger anfing und sich dann immer mehr eine gewisse Melancholie eingeschlichen hat, aber dennoch kommen die Witze und Wortspiele dann doch wieder um die Ecke. Im deutschsprachigen Raum gibt es beispielsweise Kyra Groh, die mir sofort als Autorin einfällt, die immer einen Clown gefrühstückt hat. Bei Henry ist die Gagdichte nicht ganz so hoch, aber ich finde dennoch, dass sie durchgängig einen reizvollen Charme anbietet.

Der Einstieg in das Buch hat mir aus einem bestimmten Grund sehr gefallen. Normalerweise kennt man es in Liebesgeschichten, dass die Protagonistin ihren Traummann in den schillerndsten Farben und Ausschmückungen sieht und man erstmal selbst einen Realitätscheck vornehmen muss. Das ist hier mal ganz anders. Ich hatte den Klappentext zwar im Vorfeld mal gelesen, aber ich hatte mich dann vor allem für die Autorin entschieden, so dass ich bis zur eigentlichen Lektüre dann den Inhalt schon gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Deswegen konnte ich die Figur Myles auch erstmal nicht so recht einordnen. Als Mitbewohner, der etwas melodramatisch, stoned und schludrig dargestellt wird, hatte ich ihn erstmal als Nebenfigur auf dem Schirm. Umso positiver überraschter war ich, dass er letztlich der zentrale Protagonist wurde. Denn ich fand es genau richtig, dass es mal nicht der märchenhafte Prinz ist, der die Frau auf Dauer glücklich macht, sondern ein ganz normaler Kerl, dem durch ein Beziehungsende auch der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann und dessen Fehler und Mäkel genauso präsent ausgespielt werden wie seine Stärken und Leidenschaften.

Ich mochte dann auch sehr das Tempo, in dem die gemeinsame Geschichte vorangetrieben wird. Es ist wahrlich nicht das direkte chemische, das eine Knallreaktion hervorruft, sondern es ist erst eine Freundschaft, die sich aufbaut und dann immer mehr Tiefe gewinnt. Dabei sind beide Charaktere toll ausgestaltet worden. Ich will aber auch Ashleigh und Julia nicht vergessen, die auch sehr große Rollen spielen und die ebenfalls ihren Beitrag für eine tolle Lektüre leisten. Da wir nur Daphnes Perspektive habe, wird ihr Geschichte folglich etwas intensiv beleuchtet und ich fand die ganze Herleitung über ihren Vater, warum sie was an Peter geschätzt hat und wie sich mit Myles dann anders gefunden hat, total logisch und mitreißend. Viele ihrer Gedankengänge kamen mir auch sehr bekannt vor oder aber ich habe mich durch eigene Familie oder Freunde mit den Themen schon auseinandergesetzt. Das eine war die Wertigkeit einer Person und wie man sich immer verlassen fühlen kann, aber auch wenn die Partnerschaft einen so konsumiert, das man mehr Wir als ein Ich ist. Es hat alles wirklich gut zusammengespielt und mir von Anfang bis Ende eine Geschichte geboten, die ich sehr gerne gelesen habe und deren Welt ich nur ungerne verlassen habe.

Fazit: Emily Henry werde ich eindeutig auf dem Schirm behalten. „Funny Story“ teilt mit „Book Lovers“ die Stärken und ist dennoch eine ganz eigene Geschichte geworden. Viele Themen fühlten sich für mich persönlich an, aber ich mochte auch, wie Myles so fernab vom Märchenprinz eingeführt wurde, aber dann im Sturm mein Herz eroberte. Dazu ist Humor immer dabei.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.05.2024

Das Spiel mit den Klischees

Weil ich an dich glaube – Great and Precious Things
0

Rebecca Yarros bleibt in aller Munde, was angesichts des Erfolgs ihrer Empyrean-Reihe nur wenig überraschend ist. Der deutsche Buchmarkt jedenfalls nutzt das für sich aus. Nachdem Rowohlt eilig bei „The ...

Rebecca Yarros bleibt in aller Munde, was angesichts des Erfolgs ihrer Empyrean-Reihe nur wenig überraschend ist. Der deutsche Buchmarkt jedenfalls nutzt das für sich aus. Nachdem Rowohlt eilig bei „The Things We Leave Unfinished“ zugeschlagen hat, hat sich dtv die Rechte an den sonstigen Liebesromanen der Autorin gesichert und los ging es da jetzt mit „Weil ich an dich glaube“, der in englischer Sprache schon 2020 geschrieben wurde. Lest hier, wie mir der zweite Liebesroman von Yarros gefallen hat.

In der Geschichte entdecke ich durchaus ein gewisses Muster zu „The Things We Leave Unfinished“. Auch wenn wir diesmal nicht zwei verschiedene Zeitebenen haben, aber thematisch habe ich doch einige Parallelen entdeckt und dabei geht es vor allem ums Militär, um zerrüttete Eltern-Beziehungen und Erbschaftsthemen. Dennoch waren die Geschichten jetzt keinesfalls eine Kopie voneinander. Das Geschehen spielt hier in Colorado und Cam kehrt in seine Heimat zurück, obwohl er sich geschworen hat, dass das nie mehr passieren wird. Auf ihn wartet auch keine angenehme Heimkehr. Ich fand es zunächst etwas irritierend, eine solche Diskrepanz zwischen dem zu erleben, was er mir als Figur gleich vermittelt hat, und was offenbar sein Ruf ist. Das war durchaus herausfordernd, weil ich nicht richtig nachvollziehen konnte, warum sich so viele Figuren auf Cam eingeschossen hatten. Nach und nach kommen dann Erklärungen hinzu und dennoch habe ich bis quasi zum Ende das Gefühl gehabt, dass Cam ein völliger verkannter Charakter ist, der einmal einen Ruf weg hatte und bei dem dann alle borniert sich nicht mehr von etwas anderem überzeugen lassen wollten. Ich jedenfalls fand Cam durchweg gut, denn egal, was er nach seiner Rückkehr nach Alba angefasst hat, es war alles mit Herz und Leidenschaft und sowas hat mich leicht überzeugt.

Willow ist aber ebenfalls eine sympathische Figur, auch weil ich ihre Geschichte gut nachvollziehen konnte. Gebunden an die Heimat, aber nicht durch Zwang, sondern mit Herz, aber dennoch gegen viele Vorurteile ankämpfend. Deswegen haben sie und Cam auch so gut zusammengepasst. Nicht nur, dass anschaulich aufgezeigt wird, dass die beiden sich schon als Kinder unwiderruflich ineinander verliebt haben, sondern auch die gemeinsame Geschichte, ähnliche Erfahrungen und die Überzeugung, dass sie nur einander brauchen, um gegen alles stark angehen zu können. All das hat für mich auf jeden Fall eine gute Liebesgeschichte ausgemacht. Ich hätte sie mir vielleicht manches Mal etwas leidenschaftlicher vorgestellt, aber es wurde auch erklärt, warum sich Cam so lange erwehrt hat. Aber die beiden für sich waren wirklich sehr gut zusammen.

Etwas anders sehe ich die Nebenschauplätze drum herum. Das Buch hat sich oft vor der Herausforderung gesehen, brutal zu übertreiben und dabei die Authentizität aus den Augen zu verlieren und dann manchmal zum Glück doch noch die Kurve zu kriegen. Da kann ich auch nochmal Cam und Willow nennen, weil ich zwischendurch bang daran dachte, was ihnen jetzt wohl noch den Keil raustreibt, aber die beiden haben als Paar wirklich schnell gelernt, Stürme zu umschiffen. Das war positiv, anderes aber war durchaus etwas anstrengend. Dazu gehören manche Figuren an sich, wie Alexander oder Willows Vater, dazu gehören aber auch gewisse Handlungsbögen, wie Cam, der in eine Prügelei gedrängt wird, damit er wieder das Bild erfüllt, was andere von ihm brauchen, oder auch Teile des Gerichtsprozesses. Es war wirklich oft nah dran am Augenrollen, aber es kam immer noch mal ein Schwenk, nach dem ich das schnell vergessen hatte. Ich fand auch, dass es zum Ende hin sehr überraschende Enthüllungen auch noch gab, die aber dann ein rundes Bild ergaben.

Fazit: „Weil ich an dich glaube“ ist auf jeden Fall eine gute Liebesgeschichte, die ich bedenkenlos empfehlen kann, auch weil sie zwei gute Protagonisten an der Spitze hat, mit denen man leicht mitfühlen kann. Dennoch hat Yarros auch eine Art, nah an den Klischees zu schreiben. Mal genau rein, mal geschickt dran vorbei. Das macht die Lektüre aufregend, manchmal aber auch enervierend. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2024

Insgesamt zu brav

Am Ende gibt es nur uns
0

„Am Ende gibt es nur uns“ ist bereits 2023 erschienen und wurde nun nochmal als Taschenbuch veröffentlicht, so dass ich auf das Buch von Paige Toon aufmerksam geworden bin. Auch wenn ich die Autorin schon ...

„Am Ende gibt es nur uns“ ist bereits 2023 erschienen und wurde nun nochmal als Taschenbuch veröffentlicht, so dass ich auf das Buch von Paige Toon aufmerksam geworden bin. Auch wenn ich die Autorin schon mehrfach wahrgenommen habe, so ist es doch erst mein erstes Buch von ihr.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass mir das Setting des Buchs sehr gut gefallen hat. Mit dem ländlichen Ansatz in den USA, dazu die Farmarbeit mit Obst und Gemüse, das erweckt gleich so ein spezielles Gefühl, vor allem, wenn man sich als Leserin mit Selbstversorgung aktiv beschäftigt. Ich fand auch die Charaktere im Prinzip sehr nahbare Menschen. Mit unserer Protagonistin Wren war es natürlich am einfachsten, weil wir durch ihre Perspektive am nächsten an ihr dran waren. Ich fand sie auch gut nachvollziehbar, vor allem auch was das Zurückweisungsgefühl angesichts der neuen Familie ihres Vaters anging. Ihre Reise zu sich selbst und einer Vorstellung davon, was sie sein will und nicht sein will, das hat mich ebenfalls gut überzeugen können. Anders als ihr Gegenüber war ebenfalls eine Figur, die ich sehr gut verständlich fand, auch wenn wir seine Perspektive nicht hatten, was auch geholfen hat, ein lange verborgenes Geheimnis auch tatsächlich geheim zu halten. Aber seinen inneren Widerstand hätte ich sogar auch ohne Geheimnis gut unterstützen können, weil Verlust ein sehr sensibles Thema ist, bei dem jeder sein eigenes Tempo hat, was auch zu respektieren hat.

Dennoch fand ich die Liebesgeschichte zwischen den beiden zu brav. Damit meine ich noch nicht mal, dass ich besonders erotische Szenen vermisst habe. Keinesfalls. Es war eher so, dass Wren zwar viel von Gefühlen sprach, die aber nicht immer so brav rüberkamen. Wenn Anders sich auch viel verboten hat, so wäre es dennoch möglich gewesen, dass es zu flimmernden Momenten gekommen wäre, bei denen einfach etwas überspringt, was hängen bleibt. Deswegen hatte ich am Ende eigentlich das Gefühl, dass für mich die Liebesgeschichte noch gar nicht so weit fortgeschritten war, wie es mir aber vermittelt wurde. Hier passte es also leider nicht ideal zusammen. Dieser Eindruck hat sich aber auch durch viele Aspekte des Buchs gezogen. Es gab durchaus die Momente, bei denen alles ideal zusammenkam, beispielsweise hat Wren so bedeutsame Gespräche mit ihrer Stiefmutter und Halbschwester gehabt, was ich klasse ausgearbeitet fand. Auch Wren und Jonas hatten bedeutungsvolle Sequenzen zusammen. Jonas alleine wiederum war mich nicht konsequent genug, weil die Angst um ihn und seinen Gesundheitszustand den Anfang des Buchs prägen und dann geht das einfach verloren. Aber auch Wrens Vater ist sicherlich so eine Rolle, bei der man letztlich zu viel gefehlt hat, um ein wirklich rundes Bild zu erzeugen.

Fazit: „Am Ende gibt es nur uns“ macht vieles in der Tendenz genau richtig, führt es aber nicht immer konsequent zu einem Ende. Ich konnte das Buch gut weglesen, weil Stil und Tempo stimmen, aber insgesamt doch etwas zu brav und etwas zu oberflächlich, um sich wirklich nachhaltig in mein Herz zu arbeiten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2024

Wanderung der Alpträume

The Hike
0

Letztes Jahr habe ich Lucy Clarke mit „One of the Girls“ für mich entdeckt und natürlich hat dtv das zurecht auch genutzt, um ältere Bücher neu aufzulegen, so dass ich auch „No Escape“ gelesen habe. Mit ...

Letztes Jahr habe ich Lucy Clarke mit „One of the Girls“ für mich entdeckt und natürlich hat dtv das zurecht auch genutzt, um ältere Bücher neu aufzulegen, so dass ich auch „No Escape“ gelesen habe. Mit „The Hike“ gibt es nun ihr neustes Buch auf dem deutschen Buchmarkt.

Eine Autorin sofort anhand ihres Stils erkennen zu können, ist Fluch und Segen zugleich. Denn je mehr man in dieser einen bestimmten Art liest, desto eher passiert es, dass ich mir als Leserin sehr selbständige Gedanken mache und herauszufinden versuche, wie es wohl ausgeht, wenn ich schon Bücher von ihr erkenne. Das sorgt dann natürlich davor, dass ich manches Mal richtig liege, manches Mal nicht, aber alles in allem ist es nicht mehr die völlige Überraschungstüte, wenn man einen Autor ganz neu für sich entdeckt. Daran musste ich mich bei „The Hike“ mehrfach erinnern, denn manchem bin ich auf die Spur gekommen, weil ich für Clarke als Autorin schnell ein Gespür entwickelt habe, aber dennoch ist es nicht der Standard und gleichzeitig muss es auch nicht bedeuten, sie per se vorhersehbar zu empfinden. Denn klar ist auch, es gab auch Wendungen, die ich nicht kommen sah, vor allem in den kleinen Aspekten, was leicht passiert, wenn man nach dem größeren Ganzen schaut. Dann gehen die Details eher schon mal unter. Aber auch wenn Teile für mich durchschaubarer werden, aber ich bin weiterhin ein großer Fan der generellen Stilistik.

Für mich bleibt vor allem hängen, auf welche Art Clarke ihre Geschichten über verschiedenen Figuren aufzieht, über ihre Perspektiven mit sehr unterschiedlichen Gefühlen etwas ergründet. Doch dabei passiert auch noch was. Das Tiefenpsychologische geht mit der Spannung einher und es passt wunderbar zusammen. Hier wird es durch die Frauengruppe gelöst, die sich auf eine gefährliche Wanderung in Norwegen einlässt. Ich bin noch nie lange am Stück gewandert, Tageswanderungen sind mein Maximum. Aber ich weiß auch, was innerhalb dieser wenigen Stunden passieren kann, so dass ich das ganze Setting über mehrere Tage hinweg inmitten einer wilden Landschaft sehr passend fand. Ich fand auch die Mischung aus den vier Charakteren sehr angenehm. Man hat gemerkt, dass sie zwar eine Vierergruppe sind, aber dennoch mehr Duos und dennoch gab es auch übergreifende Verbindungen. Auch wenn es gewisse Aspekte gab, die mir nach Beendigung des Buchs zu offen geblieben sind, bei denen ich mir einfach einen runderen Eindruck gewünscht hätte, aber alles in allem waren es sehr gute Figurenzeichnungen mit sehr bodenständigen, familiären und mit Pflichtgefühl ausgestatteten Figuren und dazu eher die Freigeister, die mit Karriere, die sich über Lebensgestaltung ganz andere Gedanken machen. Der Widerspruch aus den beiden Seiten war unterhaltsam, aber ebenso, dass doch jede Figur auf ihre eigene Weise ihre Krise durchgemacht hat.

Wir haben neben den Frauen auch noch andere Figuren, die aber allesamt eher dafür da sind, um für Skepsis zu sorgen, weil nicht wirklich ersichtlich ist, ob sie gute Motive haben oder doch wirklich die Gefahr ist, die immer wieder erzeugt wird. Wir haben zwischendurch dann die Perspektive von Leif, die eine sehr wichtige Funktion hat. Sie ist es, die ein Mysterium schon früh erzeugt. Aber wir haben dann eben auch die Frauen, die wiederholt Rückschläge erleben, in Gefahrensituationen geraten und sich auch nicht sicher sind, wem sie vertrauen können. Dieses Achterbahngefühl, dass nach intensiven Gesprächen immer eine Handlung erfolgt, die ans Geschehen bindet, das ist eine wichtige Mischung. Das treibt durch das Buch. Wie gesagt, ein paar Sachen habe ich erahnen können, andere haben mich unerwartet getroffen. Alles in allem ist es nicht ganz „One of the Girls“, aber es ist gleichzeitig doch auch wieder sehr gute Unterhaltung.

Fazit: „The Hike“ ist der neuste Streich von Lucy Clarke. Und auch wenn ich ihre Stilistik bis zu einem gewissen Grad entschlüsselt habe, so mag ich den Stil doch auch sehr, so dass ich mich gut durch das Geschehen treiben lassen kann und einfach gut unterhalten werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere