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Veröffentlicht am 30.10.2023

Ein Feuerwerk-Ende

Hope's End
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Von Riley Sager habe ich bislang noch nichts gelesen und tatsächlich ist mir der Name bislang auch noch nicht wirklich begegnet, aber ich fand das Cover und dazu den Klappentext dann doch so interessant, ...

Von Riley Sager habe ich bislang noch nichts gelesen und tatsächlich ist mir der Name bislang auch noch nicht wirklich begegnet, aber ich fand das Cover und dazu den Klappentext dann doch so interessant, dass ich hier gerne mal zugegriffen habe und ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut.

Vielleicht habe ich es maximal am Anfang etwas bereut, aber tatsächlich passiert mir das bei jedem dritten Buch mindestens, dass ich etwas brauche, um in das Geschehen hineinzufinden, von daher hat mich der Einstieg bei „Hope’s End“ nun nicht verunsichert. Es sollte eben erstmal mehr zu Kit erzählt werden. Wir sollten sie besser als Figur kennenlernen und viel zu ihrer Geschichte hat eben auch große Bewandtnis, um dann im Umkehrschluss zu begreifen, warum sie aus welchen Gründen auf dem Anwesen Hope’s End so agiert. Wenn Kit dann aber als Pflegekraft an dem riesigen Anwesen direkt an der Küste ankommt, da geht es richtig los in der Geschichte und hiernach war es wirklich sehr schwer, sich noch von den Seiten zu lösen. Ich finde auch, dass es Sager gelungen ist, auf nahezu allen Ebenen eine spezielle Atmosphäre zu erzeugen. Die Figuren vor Ort haben genau die passende Mischung, die skeptisch macht. Allen voran Mrs. Baker und Archie, die Urgesteine des Anwesens, die Kit in dem akzeptieren, was sie beruflich zu leisten hat, aber sofort dichtmachen, wenn es um mehr geht. Dazu dann die Beschreibung des Anwesens, wo klar ist, dass es von außen immer noch beeindruckend wirken mag, aber überall auf dem Gelände und im Haus selbst sind die Spuren eines sinkenden Schiffs zu erkennen. In einem Haus leben zu müssen, das gefühlt jeden Moment ins Meer stürzen könnte, oh weh, definitiv kein Traum von mir. Letztlich sind es aber auch die Geschehnisse im Haus, die Kit in der Nacht den Schlaf rauben, die auch zur Atmosphäre beitragen. Da fällt es wirklich schwer, überhaupt noch etwas zu trauen.

Die Verbindung zu Kit ist da für uns Leser sicherlich am wichtigsten. Ihr konnte ich auch vertrauen, auch wenn ich nicht immer alles so wie sie gesehen habe. Es war schon beachtlich, wie sehr sie sich in die Geschehnisse von damals reingekniet hat, ich hätte trotz manches Mal gut ausgeprägter Neugierde wohl längst die Koffer gepackt. Aber Kit zieht ab einem bestimmten Punkt knallhart durch und ich musste manches Mal den Hut ziehen, dass sie wirklich sehr mutig, gewieft und auch clever ist. Die restlichen Figuren aber brauchen das spezielle Mysteriöse, vor allem auch Patienten Lenora. Auch wenn wir sie nur durch Kits Augen erleben, so war es dennoch sehr abwechslungsreich, wie sie beschrieben wurde. Dass ihr Geist hellwach ist, das war auf jeden Fall immer zu merken und es war ein ansprechendes Rätsel, wie viel sie vielleicht körperlich noch kann. Aber auch ansonsten war alles ein großes Rätsel. Ich wurde immer begieriger, dass wir auf die Lösung stoßen und die Mischung aus Geständnis von Lenora und Kits eigenen Forschungen hat gut durch die Geschichte getrieben. Irgendwann hatte ich dann doch eine entscheidende Idee, die sich dann tatsächlich bewahrheitet hat und erst dachte ich, oh je, sind aber noch knapp 100 Seiten, warum ist es so früh klar. Aber ich wurde zum Glück eines Besseren belehrt, denn in diesem Ende steckt ein WTF-Moment nach dem nächsten. Immer wenn man denkt, das war es doch jetzt, dann kommt doch noch was oben drauf. Ja, vielleicht waren es zwei, drei Enthüllungen zu viel, aber insgesamt kann ich da kaum böse sein, denn es war wirklich ein Erlebnis. Ich bewundere auch, wie viele Fäden noch zusammengeflochten wurden, ohne dass ich vorher gewusst hätte, dass es diese losen Fäden überhaupt gibt. Schon beeindruckend, welch facettenreiche Welt Sager geschaffen hat, ohne dass ich es auf Anhieb gemerkt hätte. Und dennoch war die Unterhaltung immer da. Hut ab dafür!

Fazit: „Hope’s End“ ist auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Buch. Die angespannte und stellenweise auch gruselige Stimmung wird vielfältig erzeugt, aber auch die Stilistik treibt fast unbarmherzig durch das Geschehen. Das Ende ist aber das Prunkstück, so viele Enthüllungen, so viel noch zu entdecken, vielleicht etwas viel, aber besser zu viel als zu wenig ist hier das Motto.

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Veröffentlicht am 26.10.2023

Aktuelle Thematik mit nicht immer zielführenden Perspektiven

Im Herzen so kalt (Ein Fall für Maya Topelius 1)
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Gut, dass Sandra Åslund nun anfängt, Schweden-Krimis zu schreiben, denn die Cover ihrer in Frankreich spielenden Krimis habe ich beim Scrollen zwar durchaus wahrgenommen, aber da ich nicht mehr so viele ...

Gut, dass Sandra Åslund nun anfängt, Schweden-Krimis zu schreiben, denn die Cover ihrer in Frankreich spielenden Krimis habe ich beim Scrollen zwar durchaus wahrgenommen, aber da ich nicht mehr so viele Krimis lese, wie es mal war, muss ich einfach sagen, dass mich Schweden als Kulisse einfach mehr anzieht als Frankreich, obwohl ich in Letzterem schon öfters war und auch dort natürlich spannende Verbrechen passieren können. Aber zack, „Im Herzen so kalt“ spielt in Östersund (außerdem Biathlon-Strecke!) und ich bin dabei.

Zunächst einmal finde ich die große Themenwahl, unter die dieser erste Band steht, sehr gut. Vor allem bei dem Thema Umweltschutz und speziell Kahlschlag von Wäldern hat man spätestens am Ende auch gemerkt, dass sich die Autorin intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und das ist im Buch selbst schon angekommen, aber dass sie am Ende auch noch einmal weiterführende Lektüre empfiehlt, löblich. Denn ich muss auch gestehen, dass ich es hier in Deutschland so empfinde, als würden die nordischen Länder in Sachen Klimaschutz eine Art Vorreiter sein, aber das zeigt doch wieder, unkritisch darf man die Medien nicht konsumieren. Was ja nicht bedeutet, dass Schweden jetzt zu den schlimmen Fingern zählt, genauso wenig wie Deutschland überall nachhängt. Aber es ist ein wichtiges Thema und ich fand es in dem Krimi lebensnah verpackt. Ich empfand es auch unaufdringlich, wie sich dann Maya beispielsweise mit ihrem Partner Pär über einige Maßnahmen unterhält. Es ist keine Maßreglung, was nicht alles sofort und sogleich abzuändern ist, sondern es sind die kleinen Ideen, die etwas Großes bewirken können. Das zweite Thema ist dann natürlich sexueller Missbrauch. Auch ein Thema, was nie weniger wichtiger wird. Ich fand es zwar bei keiner der betroffenen Frauen richtig konsequent ausgearbeitet, aber in allen Geschichten zusammen steckte genug drin.

Bei Krimis sind für mich die Erzählperspektiven immer ein großes Thema. Es ist definitiv das Genre, wo ich für mehrere Perspektiven auf jeden Fall plädiere, weil die verschiedenen Erzählstimmen helfen können, neue Theorien anzustoßen, aber auch Verwirrung zu stiften. Dennoch müssen sie immer einen klaren Sinn für mich ergeben, sonst sind es verschwendete Seiten, um es mal ganz platt zu sagen. Während Maya natürlich keine Diskussion ist, so war ich bei Sanna am Anfang auch sehr verwirrt. Zwar kreuzen sich die Wege der beiden Freundinnen dann auch in Östersund und sie gibt schließlich auch wichtige Hinweise für die Ermittlung, die Maya in eine neue Richtung lenken, aber das wäre möglicherweise auch ohne eigene Perspektive gegangen. Aber offenbar war der Autorin eben das Thema sexueller Missbrauch wichtig, aber im Zusammenhang mit dem Ermittler aus Östersund, Hilding, würde ich es als Thema lassen, dass die Autorin bei den Perspektiven aufpassen könnte, zumindest in meinem Empfinden. Ich brauchte die Perspektive von Pär nicht, weil er und Maya ja wirklich das meiste zusammen gemacht haben, aber der örtliche Polizist hat wirklich keinen Mehrwert gebeten. Am Anfang hat er mal kurz den Eindruck erweckt, dass er und sein Kollege Sonny da was am drehen sind, aber danach kam nichts mehr als eine unnötige Perspektive. Frida als Perspektive dagegen war sehr geschickt. Daher nochmal: Perspektiven, super, aber dann auch mit Bedacht gewählt.

Maya als Protagonistin ist auf jeden Fall ein guter Ausgangspunkt. Da sie deutsche Wurzeln hat, ist es ganz passend, wie sie die beiden Länder auch schon mal gegeneinandersetzt. Da ich Schwedisch gelernt habe, finde ich es auch gut, dass der Du-Stil konsequent umgesetzt wird. Ungewohnt, aber entspricht dort eben der Kultur. So wird man als deutsche Leserschaft gut in dieses Land rübergenommen. Aber auch ansonsten ist Maya sympathisch. Sie ist offensichtlich auch eine gute Freundin und der Fall zeigt, dass sie für ihren Job ein gutes Gespür hat. Im Verlauf der Ermittlungen kann man durchaus diskutieren, wie professionell sie sich ab einem bestimmten Punkt verhalten hat, denn keine Ahnung, wie die Beweise hätten herhalten sollen, außer in Schweden gibt es da ganz andere Regelungen. Aber dennoch hat es eben bewiesen, dass Maya Dinge gut durchschaut und dass sie auch genau die richtige Portion Mut hat. Der Fall an sich war gut konstruiert, aber irgendwann waren die Puzzleteile auch gut zusammenzusetzen. Aber genauso wurde auch ersichtlich, dass Åslund es sich gar nicht als Ziel gesetzt hat, erst auf der letzten Seite alles aufzulösen. Es gibt stattdessen nach der Auflösung nochmal ordentlich Action und dann ein längeres Auslaufen der Geschichte. Es ist eine andere Stilistik, als ich es sonst gerne mag, aber dennoch hat es mich nicht so sehr gestört wie die Perspektiven beispielsweise. Denn die Action hat mich auch an den Seiten kleben lassen und dass sich am Ende nochmal viel Zeit genommen wurde, das hat für mich signalisiert, dass die Autorin Mayas Welt wirklich etablieren will, dass man auch zurückkehren will. Das kann ich der Autorin nicht vorwerfen.

Fazit: „Im Herzen so kalt“ ist ganz eindeutig ein Band, der zeigt, wie Sandra Åslund diese Reihe gestalten will. Sie beschäftigt sich mit aktuellen Themen, sie will nicht nur den Fall, sondern sie will auch die Action. Alles gut und hat mich auch überzeugt, aber in der Stilistik, beispielsweise welche Perspektiven gewählt wurden, da sehe ich noch Verbesserungspotenzial, dass ich auch in allen Aspekten an Bord bleibe.

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Veröffentlicht am 25.10.2023

Komplex am Ende zusammengeführt

Glutspur
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Katrine Engberg ist eine Krimiautorin, die mir namentlich durchaus schon mal begegnet ist, zumindest kommen mir einige Cover ihrer Bücher sehr vertraut vor, aber komplett ohne Kontext hätte ich sie nie ...

Katrine Engberg ist eine Krimiautorin, die mir namentlich durchaus schon mal begegnet ist, zumindest kommen mir einige Cover ihrer Bücher sehr vertraut vor, aber komplett ohne Kontext hätte ich sie nie einordnen können. Nun ist Herbst, es wird wieder früher dunkel, eine ganz andere Atmosphäre und da Krimis bei mir doch etwas ins Hintertreffen geraten sind, merke ich doch vermehrt, dass es eine Frage der Jahreszeit ist, dass ich wieder richtig Lust auf Krimis bzw. Thriller habe. Da kommt Engberg mit ihrer neuen Reihe zu Liv Jensen genau recht.

Ich habe „Glutspur“ als Hörbuch konsumiert und der Sprecher ist Peter Lontzek. Ich war erst etwas überrascht, weil ich zuletzt bei den Hörbüchern vermehrt den Eindruck hatte, dass sich je nach Perspektive um das jeweilige Geschlecht bei den Stimmen bemüht wird. Hier haben wir zwei Frauenperspektiven und eine Männerperspektive, da hätte ich intuitiv eine Frauenstimme erwartet. Aber meckern will ich deswegen wahrlich nicht, denn ich kenne Peter Lontzek vor allem als Synchronsprecher, beispielsweise als Stimme von Tom Hiddleston als Loki, sowie aus vielen Serien und Filmen und ich denke, da braucht man mehr nicht mehr zu sagen, die sind nicht ohne Grund in diesem Job, denn er hat wirklich eine schöne, volltönige Stimme, die vor allem auf so ein Genre wirklich gut passt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass er sich für Frauenstimmen unangenehm verstellt. Zwar brauchte ich dadurch an einem neuen Kapitelanfang immer erst, dass mal der Name der aktuellen Perspektive genannt werden musste, um mich zu orientieren. Da das aber spätestens im zweiten Satz immer der Fall war, fand ich das auch nicht kritikwürdig.

Kommen wir nun aber zum eigentlichen Krimi. Perspektiven in Krimis sind immer so eine Sache. Ich habe gerne mehrere in diesem Genre und weil neben Liv ja auch Hannah und Nima als weitere Perspektiven schon im Klappentext genannt waren, war ich dementsprechend natürlich gespannt, wie sich die Geschichte mit ihnen entwickelt. Liv ist sicherlich unumstritten. Sie gibt der Reihe ihren Namen und sie leistet auch das, was ich für dieses Genre als üblich finde. Auch wenn sie als Privatermittlerin tätig ist und damit nicht so viele Befugnisse wie die Polizei hat, sie ist emsig, sie ist mutig, sie ist wirklich wie ein Hund mit dem Knochen und beißt sich fest, was ich als sehr positiv empfunden habe. Hannah und Nima sind dagegen ganz eindeutig die Nebenrollen in einer Art und Weise. Hannah geht auch Spuren nach, indem sie eben mehr über den letzten Geisteszustand ihres Bruders Daniel rausfinden will, nachdem dieser Selbstmord begangen hat. Aber im Vergleich zu Liv war das wenig konkret, weniger bissig und hat mich dementsprechend auch nicht so sehr mitgerissen. Nima ermittelt gar nicht, er gerät selbst unter Verdacht. Seine Perspektive fand ich da als Abwechslung sogar spannender als die von Hannah, denn bei ihm wurde es so gestaltet, dass man manchmal doch dachte, ist er ein Mörder? Hat er das Potenzial? So mysteriös wurde er gestaltet. Aber da eben vermittelt worden war, dass alle drei Geschichten miteinander zu tun haben, sah ich immer nur, wie es weniger Prozent wurden und wir schienen von einer Lösung weit weg. Dementsprechend muss ich wirklich den Hut ziehen, denn am Ende hat sich tatsächlich noch alles zusammengefügt und einen komplexen Krimi bestätigt.

Auch wenn mir das zeigt, dass Engberg ihr Handwerk in diesem Genre also eindeutig versteht, so würde ich doch auch sagen, dass der Weg dorthin noch verbessert werden kann. Denn es war zwischendurch manchmal etwas zäh, gerade eben die Perspektive von Hannah, die ich wirklich gerne mehr gemochte hätte, weil ich eigentlich keine Zweifel habe, dass sie ein guter Mensch ist. Auch die Gedankenschleifen von Nima waren manchmal zu wiederholend, aber bei ihm mochte ich eben die Perspektive als Flüchtling. Liv dagegen ist wirklich vielversprechend gelungen. Es gibt schon genug Andeutungen, warum sie von ihrem Job als Polizistin zunächst Abstand genommen hat, aber genauso ist offensichtlich, dass das wahrscheinlich erst im zweiten Band richtig zur Geltung kommt. Aber auch so wird es viel zu ihr zu entdecken geben, denn so wie sie sich alleine durchgekämpft hat, würde es mich auch nicht wundern, wenn sie wieder integriert auf einem Revier dennoch eine Einzelkämpferin bleibt. Einen Kritikpunkt habe ich noch, weil mir die Beobachtung immer wieder kam. Die Kapitel enden oft in Momenten, die sich ‚mittendrin‘ anfühlen. Viele Thrillerautoren arbeiten ähnlich, setzen dann im nächsten Kapitel dort aber unmittelbar wieder an, um die Spannung weiter fortzutragen. Das war hier gar nicht. Gerade bei Liv und Hannah gab es mehrere Situationen, wo sie in unangenehmen oder angespannten Gesprächen steckten, Cut und wenn sie wieder auftauchen, hat es sich wie magisch gelöst. Das fand ich etwas seltsam, weil es so manchmal unfertig wirkte.

Fazit: Mit „Glutspur“ habe ich einen guten ersten Eindruck von Katrine Engberg bekommen, denn komplexe Krimis schreiben, das kann sie offenbar. Drei teilweise zusammenhanglos erscheinende Teilgeschichten am Ende so geschickt zusammenzuführen, das hat schon was. Dennoch gibt es paar Längen durch die verschiedenen Perspektiven und manche Kapitel wirkten am spannendsten Punkt abgehackt. Dennoch sicherlich eine Reihe, die ich weiterverfolgen werde.

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Veröffentlicht am 12.10.2023

Autor mit Potenzial

Selbst in dunkelster Nacht
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Auf „Selbst in dunkelster Nacht“ bin ich tatsächlich durch den Fakt aufmerksam geworden, dass es ein Autor geschrieben hat. Zwar gibt es sicherlich vereinzelte männliche Vertreter, die im Genre New Adult ...

Auf „Selbst in dunkelster Nacht“ bin ich tatsächlich durch den Fakt aufmerksam geworden, dass es ein Autor geschrieben hat. Zwar gibt es sicherlich vereinzelte männliche Vertreter, die im Genre New Adult Bücher schreiben, dann ist es in meinem Eindruck aber oft auch so, dass es LGBTQ+ Bücher sind. Ja, aber warum nicht mehr Autoren, die heterosexuelle Liebesgeschichten erzählen, die immer noch den Großteil des Marktes ausmachen? Deswegen war für mich klar, dass ich das unbedingt auch unterstützen möchte und habe daher bei „Selbst in dunkelster Nacht“ von Ali Kassemyar gerne zugegriffen.

Zunächst ist für mich eine löbliche Angelegenheit, dass Kassemyar sich beide Perspektiven, also die von Kieran und die von Liora gleichermaßen vornimmt. Auch bei weiblichen Autorinnen erlebt man es oft, dass sie entweder nur die weibliche Perspektive anbieten oder beides machen, dann aber dennoch eine deutliche Tendenz zur Frau haben. Ich verstehe das durchaus, weil man sich ganz logisch in das eigene Geschlecht besser eindenken kann. Aber mein Standpunkt ist dennoch, dass es in einer Liebesgeschichte für mich vollständiger ist, wenn eben Seiten zu Wort kommen und man sie wirklich verstehen kann. All diese Beobachtungen kann ich für Kassemyar nun nicht festhalten, denn er nimmt beide Perspektiven und wie ich finde sehr gleichberechtigt. Ich habe jetzt nicht nachgezählt, aber es hat sich gleich angefühlt und ich habe zu beiden Figuren einen wirklich ausführlichen Eindruck erhalten und fand auch, dass sie jeweils sehr nachvollziehbar ausgestaltet worden sind. Ich habe „Selbst in dunkelster Nacht“ als Hörbuch gehabt und die beiden Erzählstimmen waren beide auf ihre Art sehr angenehm und sie sind schnell zu Kieran respektive Liora geworden.

Auch wenn an der Geschichte nicht viel ‚neu‘ ist, so habe ich es mich vor allem von kleineren Aspekten gut mitreißen lassen. Die gemeinsame Arbeit im Blumenladen ist sicherlich einer davon. Da ich gerade erst „Die verlorenen Blumen von Alice Hart“ auf Prime Video gesehen habe, wo es viel um die Bedeutung von Blumen ging, fühlte sich das Buch wie die logische Fortsetzung an und ich fand es wirklich schön, wie die beiden Figuren sich durch die gemeinsame Leidenschaft dafür einander öffnen konnten. Ein weiterer Aspekt ist dann Kieran und sein Umgang mit dem kleinen Luke. Auch wenn da eine tragische Geschichte hintersteckt, die sicherlich auch im zweiten Teil noch eine größere Rolle spielen wird, so finde ich doch, dass jede Szene etwas sehr Herzerwärmendes hatte. Schon vor Liora und Kieran waren es daher die Momente, die mir sein Wesen erklärt haben. Wer so mit Kindern umgeht, der hat das Herz am richtigen Fleck. Letztlich haben wir dann auch noch die Vergangenheit von Liora mit dem Mobbing wegen ihres Gewichts und wie sie auch noch in der Gegenwart darunter leidet. Hier kann ich gerne auch nochmal speziell Kassemyar hervorheben, denn übergewichtige Figuren, egal, ob Männlein oder Weiblein, findet man viel zu wenig und dann diese Gefühle auch noch für das andere Geschlecht darzustellen, Hut ab. Ich fand es auch sehr authentisch. Als selbst Betroffene konnte ich mich in Lioras Gefühlen sehr gut wiedererkennen.

Ich fand aber auch generell, dass das Buch voll von tollen Figuren war. Auch die Nebenfiguren haben auf ihre Art etwas, was sich sofort ins Gedächtnis gräbt. Es unterstreicht letztlich auch, dass es nicht nur Liora und Kieran füreinander sind, sondern dass es so viele Menschen sind, die einem tagtäglich begegnen, mal nur kurz und einmal, mal immer wieder, sie alle können einen prägen und ich fand, dass die unterschiedlichsten Beziehungen, Freundschaft, mütterliche Fürsorge, weise Ratgeberin etc. gut rübergebracht wurden. Alles fühlte sich echt an. Auch wenn ich mir tatsächlich aktuell noch nicht vorstellen kann, wovon der gesamte zweite Band handeln wird, weil ich beim ersten schon den Eindruck hatte, er steuert auf ein sauberes Ende zu, so machen mich die anderen Eindrücke doch positiv gestimmt, dass Ali Kassemyar schon weiß, was er da macht. Erzählen kann er auf jeden Fall.

Fazit: Ich habe mich von „Selbst in dunkelster Nacht“ gut einfangen lassen, denn in die safte Erzählung hinein ist sehr viel Echtes eingewoben worden, so dass ich wirklich durch die Hörbuchstimmen dachte, das alles passiert gerade wirklich. Ali Kassemyar hat auf jeden Fall eine Erzählstimme, die ich mit viel Potenzial sehe und ich werde ihn ab jetzt auf dem Schirm haben.

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Schwermütig und wichtig

Heartstopper Volume 4 (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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Im Deutschen sind bislang vier Volumes der Graphic Novel-Reihe zu „Heartstopper“ erschienen und die vierte Ausgabe ist mit einer größeren Storyline auch schon in der zweiten Staffel der Netflix-Serie enthalten. ...

Im Deutschen sind bislang vier Volumes der Graphic Novel-Reihe zu „Heartstopper“ erschienen und die vierte Ausgabe ist mit einer größeren Storyline auch schon in der zweiten Staffel der Netflix-Serie enthalten. Ansonsten sind die Inhalte wohl für die bereits bestellte dritte Staffel vorgesehen, wozu die Dreharbeiten auch schon begonnen haben. Grund genug, um mal einen Blick auf Volume 4 zu werfen.

Volume 4 nach Alice Oseman sticht in jedem Fall aus der Reihe heraus, denn nach den ganzen Vorbereitungen zuvor war doch klar, nun geht es durch ein dunkles Tal und Charlies mentale Gesundheit wird ins Zentrum gerückt. Ich finde das Thema wichtig und nachdem, was Oseman in den drei Volumes und auch in der Serienadaption schon umgesetzt hat, wäre es wohl wenig passend gewesen, dieses Kapitel einfach auszusparen oder es zu verharmlosen, indem Charlie nur durch die Liebe zu Nick sofort geheilt ist. Das bedeutet umgekehrt aber natürlich auch, Volume 4 ist wirklich anders und das spricht die Autorin im Nachklang auch mit eigenen Worten an. Ich schätze sie für ihre Ähnlichkeit und dass sie ihre Fans da auch mit in ihre Gedankengänge einlädt.

Triggerwarnungen werden in Büchern, aber auch in Formaten mit Bewegtbildern immer wichtiger, und diese Volume 4 hat definitiv eine verdient. Wo man sich zuvor in diese süßen, unbeholfenen und stets leidenschaftliche Momente zwischen Nick und Charlie verliebt hat, so ist die Liebe natürlich auch in Teil 4 da, aber die Liebe hat es auch sehr schwer, weil Charlie völlig von seine Gesundheit übernommen wird. Dem Band fehlt also oft eine Portion Leichtigkeit. Ja, das habe ich doch irgendwie vermisst, aber ich erkenne eben gleichzeitig auch an, dass die Autorin um eine authentische Darstellung bemüht war. Dadurch, dass die vergehende Zeit auch einen größeren Zeitrahmen umfasst, bekommt man auch Monat für Monat Einblicke darin, wie es Charlie geht und wie umgekehrt Nick damit umgeht und was es mit ihm macht. Es ist also nicht nur ein kleiner Blick hinein, sondern ein langwieriger Prozess. Ich würde mir dennoch wünschen, dass Volume 5, was schon angekündigt ist, Charlies Gesundung genauso wie dem sonstigen Flair von Heartstopper gerecht werden kann.

Fazit: Volume 4 von „Heartstopper“ wird innerhalb der Reihe sicherlich der Teil sein, der zwar natürlich dazu gehört, aber eben nicht, den ich immer wieder lesen möchte. Es war nur konsequent, Charlies Zustand so ausführlich darzustellen, aber es ergibt einen wirklich schwermütigen Inhalt, wonach man sich trotz der löblichen authentischen Darstellung wieder etwas mehr Leichtigkeit wünscht.

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