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Veröffentlicht am 25.07.2022

Schon sehr rund, aber noch genug offen lassend

American Crown - Samantha & Marshall
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Katharine McGee ist für mich nun schon seit mehreren Jahren eine Bank, wenn es um Jugendunterhaltung geht, weil sie faszinierende Welten schafft und dafür simple Themen nimmt, die aber dennoch etwas berühren, ...

Katharine McGee ist für mich nun schon seit mehreren Jahren eine Bank, wenn es um Jugendunterhaltung geht, weil sie faszinierende Welten schafft und dafür simple Themen nimmt, die aber dennoch etwas berühren, weil sie sie in völlig neue Kontexte setzt. Mit „American Crown“ sind wir in der amerikanischen Monarchie der Zukunft, was natürlich sicherlich dem Hype um die englische Krone geschuldet ist. Ich mag vor allem auch ihre Erzählweise, dass sie so konsequent auf verschiedene Perspektiven setzt, Sympathieträger und Antagonisten gleichermaßen und dass sich nach und nach ein Bild zusammensetzt. Beim zweiten Teil von „American Crown“ habe ich nun wieder beim Hörbuch zugegriffen, weil Corinna Dorenkamp mich schon beim ersten Band sehr mit ihrer Erzählstimme begeistert hat, so dass ich mir die Stimmen der vier Frauen schon gar nicht mehr ohne sie vorstellen könnte.

Beim zweiten Band hatte ich lange den Eindruck, dass es sich bei „American Crown“ möglicherweise um eine Dilogie handelt. Ich hatte mich vorher nicht informiert, wie viele Bände geplant sind und inhaltlich hatte ich den Eindruck, dass wir strikt auf einige Happy Ends zulaufen, die mich zwar auch überraschten, aber es wirkte vieles in der richtigen Richtung. Gleichzeitig hatte ich aber auch die Gedanken, dass mir noch ein wenig Kritik an der Monarchie fehlt, wie sie hier präsentiert wird. Denn McGee ist eine moderne Erzählerin, wo es mich einfach gestört hätte, wenn es anarchistisch geblieben wäre. Deswegen bin ich froh, dass der zweite Band so endet, dass man merkt, jetzt sind wir wirklich bei der Gesellschaftskritik angekommen und jetzt wird es neben dem persönlichen Drama auch noch auf einer anderen Ebene wichtig. Auch wenn Band 2 damit nicht auf einem krassen Ciffhanger endet und man auch erahnen kann, dass ein paar Happy Ends gewiss noch einmal getestet werden, aber ein Band 3 ist hier sinnig und ich bin gespannt, was uns dort noch erwartet.

Nachdem ich nun zuerst das Ende besprochen habe, kommen wir zurück zum Hauptteil. Am stolzesten können wir definitiv auf Beatrice sein, denn diese strampelt sich wirklich frei und lässt endlich zu, dass sie eine Person sein darf. Sie hat zwar immer noch den grässlichen Robert direkt vor der Nase, aber man merkt deutlich, dass Beatrice zwar im Andenken an ihren Vater agieren will, aber zu ihren Bedingungen. Ich war zudem überrascht, wie sehr die Liebesgeschichte mit Teddy vorangetrieben wurde. Generell bin ich bei einigen Wendungen sehr überrascht worden, weil es ja oft so ist, dass man gedanklich bei den Paarungen festhängt, die zu Beginn präsentiert wurden. Aber der erste Band hieß eben schon „Beatrice & Theodore“, ob da Endgame schon verraten wurde? Ich fand es auf jeden Fall sehr erwachsen, wie auch die Gefühle für Connor weiterhin angegangen wurde und dass eben Teddy dann aus seinem Schatten treten durfte und eigenes Profil für Beatrice entwickeln konnte. Am Ende ist Beatrices Perspektive ohnehin die stärkste, denn sie trifft viele mutige Entscheidungen und genau mit der Beatrice erlebe ich gerne noch einen dritten Band.

Sam war ganz klar die Rebellin der Geschichte, aber definitiv auch eine, die etwas in einem anklingen lässt, weil sie eben die Außenseiterin ist, die irgendwo zwischen den Stühlen schwebt und es daher trotz ihrer großen Klappe schwer gemacht bekommt, ihren Platz in der Welt zu finden. Sie bekommt nun den Neuzugang der Reihe an die Seite gestellt: Marshall. Ich fand es gut, dass mit ihm das Thema Rassismus angegangen wurde, denn gerade in einem Land wie den USA wäre es wohl vertane Chance gewesen, es nicht auszugreifen. Marshall ist auf jeden Fall eine Figur, der es nicht schadet, erst später aufs Parkett zu treten, denn er scheint dafür wie gemacht für Sam. Ich habe ihn als Figur wirklich genossen und ich mochte auch ihre gemeinsame Liebesgeschichte, als sich ganz deutlich zeigte, dass das Thema Teddy eben wirklich beendet ist.

Eng verwoben sind dann noch Nina und Daphne. Letztere wird wahrlich keine Figur mehr werden, der ich die Daumen drücke, aber deswegen würde ich keinesfalls ihre Perspektive missen, denn ihre Kapitel sind immer der krasse Gegensatz zum Rest, was wohltuend ist. Es werden auch vermehrt ihre verletzlichen Seiten betont, aber ich will sie gar nicht zu verweichlicht erleben, denn sie hat doch die ganze Zeit eigene Entscheidungen getroffen und ihre Mutter ist doch sehr im Hintergrund. Nina ist als Figur deutlich langweiliger, was manchmal schade ist, weil ich gerade bei der normalsten Figur mehr Begeisterung empfinden wollen würde, weil sie am ehesten für viele von uns steht, aber ich denke, dass sie mit Ethan aber auch überraschend jemand an die Seite gestellt bekommen hat, der ihr gut getan hat. Natürlich hat auch Ethan selbst davon profitiert, der zwar für mich eh nie Daphne-Ausmaße hatte, der es dadurch aber auch einfacher hatte, mit seiner Persönlichkeit überzeugen zu können. Weiterhin schade bleibt in meinen Augen aber, dass Jeff so beliebig bleibt. Er ist im Grunde doch auch eine sehr wichtige Figur, weil er eben mit allen eine Verbindung hat, aber Jeff ist einfach langweilig und es ist noch nicht gelungen, mir sein Innenleben nahe zu bringen. Die Frage ist dadurch ganz klar, kommt das noch? Und bekommt er auch sein Happy End, der bislang so sehr Spielball war? Und was wird Nina entscheiden und was bleibt dann für Daphne? Dieser Teil hier ist Gossip-lastig der spannendste für mich im dritten Band.

Fazit: „American Crown – Samantha & Marshall“ entwickelt wieder einen mitreißenden Sog für mich, weil ich die Geschichten einfach gut abgestimmt und spannend finde. Zwar sieht zwischendurch viel nach einem endgültigen Happy End aus und es gibt einige neue überraschende Paare, aber es ist McGee gut gelungen, direkt wieder neue tolle Liebesgeschichten zu erzählen. Zudem scheint für Band 3 noch genug Potenzial da zu sein, vor allem gesellschaftskritisch, weswegen ich deswegen dran bleiben werden.

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Veröffentlicht am 20.07.2022

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Was niemand von uns weiß - Burlington University
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Von Sarina Bowen hat mich nach True North keine Reihe mehr so durchgängig berührt. Größere Probleme hatte ich auch mit Ivy Years-Reihe sowie mit den Brooklyn Years, es gab immer die Highlight-Bände, aber ...

Von Sarina Bowen hat mich nach True North keine Reihe mehr so durchgängig berührt. Größere Probleme hatte ich auch mit Ivy Years-Reihe sowie mit den Brooklyn Years, es gab immer die Highlight-Bände, aber ansonsten waren die Schwächen für mich oft zu deutlich. Bei der Reihe an der Burlington University wiederum war ich etwas besorgt, dass wir im Alter wieder etwas zurückgehen, weil Bowen auch gerade bei den intimen Szenen eine eher ‚versautere‘ Gangart bevorzugt, die ich dann eher bei älteren Figuren deutlich passender finde. Der erste Band war dann leider auch sehr oberflächlich, der zweite war aber schon deutlich besser, weil auch wieder genau das Maß an persönlichem Drama geboten wurde, was ich bei Bowen liebe und was sie definitiv immer drauf hat. Beim dritten Band nun wiederum fragt man sich, warum es überhaupt unter Burlington University läuft, da es erst ganz am Ende an die Uni geht, aber sei es drum, denn es war zum Glück wieder ein gutes Buch der Reihe.

Ich finde es löblich, dass sich etablierte NA-Autorinnen inzwischen auch immer mehr homosexuellen Liebesgeschichten in ihren Reihen widmen. Während das für die einen vielleicht ein Diskussionspotenzial ist, ob nur die diverse Liebesgeschichten erzählen sollten, die sich auch selbst der LGBTQ+ Community zugehörig fühlen, sehe ich das stellvertretend für die anderen etwas entspannter, denn zum einen hat es der Buchmarkt – auch international – nicht zugelassen und zum anderen haben möglicherweise deswegen genau die entsprechenden Autorinnen deswegen jahrelang nur strikt heterosexuelle Liebesgeschichten erzählt und höchstens im Nebenplot gleichgeschlechtliche Liebe eingebaut. Aber im Grunde ist all das völlig egal, es ist wichtig, dass wir in allen Ländern viel mehr damit konfrontiert werden, denn Liebe ist Liebe und jede Möglichkeit, diese Botschaft in die Welt hinauszutragen, sollte gerne gesehen sein. Gerade in diese Reihe passt es sehr gut hinein, denn das Geschehen spielt sich im ländlichen Vermont ab, wo die Vorurteile definitiv viel größer sind als in Großstädten wie New York, Los Angeles oder hierzulande Berlin und da ist es gut möglich, den Finger in die Wunde zu legen.

Mit Roderick und Kieran haben wir zwei Figuren, die zwar von der Karriere, dem Alter und anderen oberflächlichen Faktoren her an einem ganz ähnlichen Punkt in ihrem Leben zu sein scheinen, aber gerade was ihre Sexualität und dem Platz im Leben finden, sind sie an völlig verschiedenen Stellen und das macht sie in der Kombination natürlich reizvoll, weil sie sich so gegenseitig beistehen und sich herausfordern können. Mit Kieran konnte ich als Figur mehr anfangen, denn auch abseits seiner anfänglichen Weigerung, sich zu outen konnte ich seine ganzen Sorgen um die Familie, die Verantwortung für den Betrieb und dabei sich selbst irgendwie treu zu bleiben, sehr gut nachvollziehen. Spätestens als spät herauskommt, was er immer mit sich geschleppt hat, erklärt er sich noch besser, aber auch so fand ich ihn gut von Bowen gezeichnet. Er ist damit zwar kein Charmebolzen, weil er sehr zurückhaltend ist und generell immer andere die Führung in die Hand nehmen müssen, aber er ist so wenigstens authentisch. Roderick dagegen ist laut, frech, aber so liebesdürftig, dass er sich oft in gefährliche Abhängigkeiten begibt. Ich fand es gut, dass er so im Einklang mit seiner Sexualität aber auch so einen Unsicherheitsfaktor bekommen hat, denn so war eben das Gleichgewicht hergestellt.

Ich mochte die beiden zusammen auch sehr gerne, auch weil durch die gemeinsame Geschichte in der Schule die sexuelle Anziehung von Anfang an als gegeben da war und sich das ganz langsam steigern konnte. Auch dass Kieran zunächst alles abgeblockt hat, um dann nach und nach sich zu öffnen, auch weil er einfach ein guter Mensch ist, hat gut gepasst. Bei Roderick fand ich die Gedankengänge zwischendurch etwas herausfordernd. Dass er sich nach Kierans offensichtlicher Weigerung mit dem Coming-Out zurückgezogen hat, das war einwandfrei verständlich, weil das genau die Selbstachtung war, die ihm gut gestanden hat, aber dazwischen war er für mich nicht immer klar zu verstehen. Insgesamt hatte ich auch eher den Eindruck, dass es eher Kierans Geschichte war. Wir hatten bei Roderick zwar auch die Eltern und den Ex-Freund, aber die Themen sind nicht besonders intensiviert worden. Es mag daran liegen, dass Kieran der Shipley ist, aber es war dennoch auffällig. Es ist im Grunde auch nicht völlig schlimm, aber vielleicht ist das auch der Grund, dass es mit Roderick etwas schwieriger mit dem Verständnis war. Da es möglicherweise nun tatsächlich der letzte Ausflug in die Welt von Vermont ist, kann ich auch sagen, dass es ein runder Abschluss ist. Wir sind wieder sehr, sehr vielen Figuren aus der geliebten Reihe begegnet und es ist immer wie nach Hause kommen und das gelingt Bowen wirklich immer gut.

Fazit: Der (wohl vorläufige) Abschied aus True North und Burlington University ist noch einmal gut gelungen, weil die gleichgeschlechtliche Liebesgeschichte zwischen Kieran und Roderick charakterlich individuell aber auch mit ihnen zusammen zu überzeugen weiß. Wichtige Themen werden angesprochen und ich habe dem gerne beigewohnt. Generell mehr davon in der Buchwelt!

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Gut, aber mit Luft nach oben aus der Startbox gekommen

Westwell - Heavy & Light
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Lena Kiefer ist schon länger sehr erfolgreich im Buchgeschäft unterwegs und ich habe durchaus einige Bücher von ihr und die Begeisterung darüber wahrgenommen, aber so richtig Klick hatte es noch nicht ...

Lena Kiefer ist schon länger sehr erfolgreich im Buchgeschäft unterwegs und ich habe durchaus einige Bücher von ihr und die Begeisterung darüber wahrgenommen, aber so richtig Klick hatte es noch nicht gemacht, was bei der Breite des Angebots oft auch einfach nur Glückssache ist. Bei ihrer ersten Reihe bei Lyx, Westwell, habe ich nun aber gerade zugegriffen, denn Lyx ist der Verlag, auf den ich mich bei New Adult immer verlassen kann und natürlich haben auch die Cover wieder etwas Besonderes ausgestrahlt.

Bei New Adult habe ich mich vor allem an Reihen mit wechselnden Paaren gewöhnt, weswegen ich es durchaus interessiert aufgenommen haben, dass Kiefer hier offenbar die Geschichte eines Paares über drei Bände verteilt erzählen wird. Auch wenn das nicht grundlegend falsch ist, so habe ich in diesem Genre bislang noch leider keine Trilogie gelesen, bei der ich die Geschichte durchgehend stark bis zum Ende empfunden hätte, weswegen gewisse Sorgenfalten nicht zu verheimlichen sind. Dennoch gilt es nun nicht, für die Zukunft zu prophezeien, stattdessen geht es eindeutig vor allem um den ersten Band, der nun erschienen ist und uns mit Helena und Jess vertraut macht. Was in meinen Augen definitiv sehr gut gelingt, das ist die besondere prickelnde Chemie zwischen den beiden Figuren. Es hat sich schnell etwas aufgebaut, wobei ich gerne mitgefiebert habe und ich fand die ganzen intimen Szenen und das Hinarbeiten darauf wirklich gut gemacht. Deswegen ist im Grunde vieles vom Rest egal gewesen, weil für mich einfach klar wurde, ich will das Happy End der beiden miterleben, auch wenn es noch über zwei weitere Bände hinweg erst geschehen wird. Das ist auf jeden Fall schon einmal ein großes Kompliment, weil die unfassbare Chemie zwischen zwei Figuren definitiv die Königsklasse in diesem Genre ist.

Etwas schwerer haben es mir aber das Setting und auch Helena als Figur gemacht. Zunächst habe ich gegen die gehobene Gesellschaft als Setting nichts, denn auch „Gossip Girl“ habe ich immer gerne gesehen, das ist also kein No-Go, aber es ist natürlich auch die Frage, wie man es einbindet und was daraus gemacht wird. Die Welt der Westons und Coldwells wird sehr kalt dargestellt und es ist wirklich schwer, sympathische Figuren auszumachen, denn gerade bei den Familien finden sich viele Stolperstellen und ich bin als Leserin schon darauf angewiesen, dass ich vor allem ein solides Set an Sympathieträgern habe, so dass sich die Antagonisten leichter ertragen lassen. Hier kommt aber auch hinzu, dass auch Helena alleine es mir manchmal verdammt schwer macht. Man merkt zwar deutlich, dass sie im Grunde ein sehr sympathischer Mensch ist und auch ihr Bedürfnis, den Ruf ihrer Schwester Valerie wiederherzustellen, kann ich gut nachempfinden, aber wie unverantwortlich und rücksichtslos sie dabei vorgeht, das hat mich schon erschreckt, auch weil es zu ihrem restlichen Charakter nicht zu passen scheint. Wenn es um die Nachforschungen geht, wirkt sie unfassbar mutig mit einem Hang zum Wahnsinn, aber wenn es um die Familie geht, ist sie sehr klein mit Hut. Auch sonst sind mir einige inkonsequente Vorgehensweisen aufgefallen, denn der Boxclub schien zunächst eine große Rolle zu spielen, sowohl für Helena als auch für Jess, ist dann aber einfach unter den Tisch fallen gelassen worden.

Auch wenn mir in diesem ersten Band wahrlich nicht langweilig wurde, auch weil ich das Mysterium um den Tod von Valerie und Adam spannend finde, so befürchte ich dennoch, dass dieses künstliche Erzeugen von Drama, weil die Eltern im Hintergrund immer intrigieren, über drei Bände anstrengend werden könnte. Deswegen hoffe ich einfach, dass sich die Ansätze von Helena und Jess als Paar und vor allem auch von ihm als Einzelfigur durchsetzen werden. Denn bei ihm merkt man schon deutlich seine Abscheu, seine innere Rebellion, die er nur für seinen kleinen Bruder zurückstellt. Bei Helena ist es leider noch so, dass sie Loyalität gegenüber etwas zu empfinden scheint, was nur wie Schall und Rauch wirkt. Das ist etwas schade, weil ich mir wünschen würde, dass sie gemeinsam auf einer Seite stehen und das System so richtig auseinandernehmen. Zudem wäre es definitiv hilfreich, noch ein wenig mehr auf die Nebenfiguren zu setzen, dass hier noch mehr sympathisch werden dürfen.

Fazit: Lena Kiefer schafft mit dem Auftakt zu „Westwell“ gleich das Kunststück, mich für das Hauptpärchen einzunehmen, weil eine besondere Chemie geschaffen wird. Abseits davon ergeben sich aber auch Schwächen wie inkonsequente Entscheidungen bei Helena oder in der Handlung und es droht auch, mit drei Bänden zu sehr in die Länge gezogen zu werden. Dennoch war der Auftakt spannend und ebnet den Weg, wo noch durchgehend Gutes leicht möglich wäre. Ob das von der Autorin auch umgesetzt wird, muss sich erst noch zeigen.

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Veröffentlicht am 10.07.2022

Interessante und intensiv ausgearbeitete Prämisse

Lost-Moments-Reihe, Band 1 - The Moment I Lost You
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In den letzten eins bis zwei Jahren ist auf dem Buchmarkt zu beobachten, dass noch viel mehr Verlage sich inzwischen einen NA-Schwerpunkt aufbauen. Ich habe dieses Genre vor allem über Piper und Lyx kennengelernt ...

In den letzten eins bis zwei Jahren ist auf dem Buchmarkt zu beobachten, dass noch viel mehr Verlage sich inzwischen einen NA-Schwerpunkt aufbauen. Ich habe dieses Genre vor allem über Piper und Lyx kennengelernt und bin vor allem bei Letzterem treu geblieben und dennoch habe ich aufmerksam beobachtet, dass eben auch Ravensburger und Co sich dort ausstrecken, weswegen ich doch gerne mal reinspinse, denn warum sollte nur Lyx die besten NA-Autorinnen haben?

Bei Rebekka Weilers „The Moment I Lost You” hat mich vor allem der Klappentext überzeugt, denn er hatte eine Idee, die für mich zunächst einmal drastisch klang, aber genau deswegen auch emotional herausfordernd, also genau das, was ich im NA-Genre besonders zu schätzen weiß. Deswegen war ich schon sehr gespannt, wie es sich wohl auflösen lässt, wie sich eine junge Frau in den ‚Mörder‘ ihres besten Freundes verliebt? Das erscheint wirklich zunächst unmöglich, auch weil Mörder nun ein Wort ist, das mit vielen negativen Eindrücken behaftet ist, so dass es sich eigentlich kaum abstreifen lässt. Genau dieser Widerspruch treibt auch zunächst dieses Buch an, denn Mia ist auch nach vier Jahren immer noch in ihrer Trauer gefangen und das wird ausführlich dargestellt, was uns alle intensiv in ihr Gefühlsleben einlädt. Die verlorene Freundschaft wird ehrlich dargestellt, denn auch wenn nicht alles perfekt war, aber für Mia war es die Welt und man versteht, warum sie innerlich auf der Stelle verharrt. Sie hat zwar immer noch einen unterstützenden Freundeskreis, aber es ist dennoch nicht dasselbe wie das, was sie verloren hat.

Unser zweiter Protagonist, Nathan oder kurz Nate, bekommt keine eigene Perspektive, was für mich immer so eine Sache ist, weil ich eigentlich lieber die gleichberechtigte Variante bevorzuge, um in beiden Gefühlsleben drin zu sein, aber hier ist es durchaus sinnig, denn es gibt eine Wahrheit, die vielleicht lächerlich gewirkt hätte in ihrer Verschleierung, weil man manche Sachen einfach nicht gut verbergen kann. So bekommt er zwei Kapitel, dafür aber auch die für ihn entscheidendsten, und das ist definitiv die cleverste Lösung Aber es ist natürlich dadurch auch schwerer, früh und gut eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Denn zunächst taucht er immer nur in Schnipseln auf und da erleben wir ihn in voller Mia-Hassversion. Einzig das von ihm geschriebene Lied eröffnet einen Blick in sein Seelenheil und zeigt einen sensiblen jungen Mann und das war definitiv wichtig, um nicht mein Interesse als Leserin zu verlieren, denn ich will schließlich für beide einen Eindruck haben, der mich mitfiebern lässt.

Schließlich werden die Begegnungen immer häufiger und der Eindruck zu Nate verstärkt sich, denn er ist definitiv ein guter Mann. Er ist zwar gehetzt und voller Schuldgefühle, aber dennoch ist das Fürsorgliche, Nachdenkliche und Sensible in keinem Moment wegzudiskutieren. Natürlich eröffnet sich daher immer mehr die Frage, was ist damals passiert? Ich fand es stark, dass Mia nicht erst alle Antworten brauchte, sondern dass sie wirklich zuerst den Menschen erkannt hat und dann mehr wissen wollte. Für mich war dann auch gut aufgelöst, was damals wirklich passiert hatte, denn danach waren auch nicht wie von Zauberhand alle Probleme aus der Welt geschafft. Alle Beteiligten mussten erst einen Prozess durchlaufen und vor allem Nate selbst hatte die weiteste Reise vor sich. Er hatte wirklich oft Rückfälle, aber das habe ich gut nachvollzogen, denn während es heute okay scheint, ist morgen schon wieder alles mies. Insgesamt muss man sagen, dass die Darstellung von inneren Prozessen sehr gut gelungen ist. Es ist definitiv ein Gefühlsbuch auf vielen Ebenen, wo es weniger um Handlung als vielmehr um charakterliche Weiterentwicklung und eben innere Prozesse geht. Dennoch ist auch auffällig, dass die Autorin gerade nach hinten raus viele Passagen hatte, die eher langgezogen oder gar unnötig erschienen, weil gerade so Alltagsbeschreibungen etwas für den Beginn sind, um sich einzufinden, aber nicht mehr für später. Das ist auch insofern überraschend, weil sonst die meisten am Ende keine Puste mehr haben. Das ist bei Weiler genau umgekehrt, weswegen sich das letzte Viertel leider etwas gezogen hat.

Fazit: Auch Ravensburger und hier speziell Rebekka Weiler kann New Adult, denn sie hat mit „The Moment I Lost You“ ein wirklich sehr intensives Buch geschrieben, das eine interessante Prämisse hatte, die auf der Gefühlsebene auch überall sehr gut ausgespielt wurde. Einige zähe Stellen sind nicht zu verbergen, aber insgesamt hat Weiler sich für mich jetzt definitiv einen Namen gemacht.

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Veröffentlicht am 09.07.2022

Wieder mal Bourne par exellence

Sexy, lustig, charmant, cool ... Fake
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Von Holly Bourne habe ich nahezu alles gelesen, was bislang auf den deutschen Buchmarkt gekommen ist, aber mir ist bewusst, dass sie im Endeffekt doch eher ein Geheimtipp ist. Bourne schreibt etwas provokant, ...

Von Holly Bourne habe ich nahezu alles gelesen, was bislang auf den deutschen Buchmarkt gekommen ist, aber mir ist bewusst, dass sie im Endeffekt doch eher ein Geheimtipp ist. Bourne schreibt etwas provokant, ist überzeugte Feministin und treibt es dafür auch gerne mal auf die Spitze, um ihren Standpunkt bewusst zu machen. Vielleicht werden einige sogar vorher abbrechen, weil man die Bücher auch als männerfeindlich bezeichnen könnte, aber das wäre definitiv eine Fehleinschätzung und das zeigt sich auch erstklassig bei ihrem neusten Buch „Sexy, lustig, Charmant, cool … Fake“.

In dem Buch geht es um April, eine wirklich absolut durchschnittliche Frau. Das ist nämlich ein Aspekt, den ich bei Bourne auch immer sehr schätze, dass es bei ihren Figuren nie um Perfektion geht und das ist auch wichtig, wenn man bedenkt, dass die Männer oft nicht gut wegkommen, denn kommen es überhaupt die Frauen? Nein, Bourne lässt ganz deutlich anspielen, dass wir alles Menschen sind, dass wir alle unsere Päckchen zu tragen haben und da treffen auch mal zwei Menschen aufeinander, die überhaupt nicht zueinander passen und das Hässliche ineinander zum Vorschein bringen. Dennoch heißt es nicht, dass sie generell ‚hässlich‘ sind, sondern es heißt nur, dass wir alle eine Reise mit Hoch und Tiefs bestreiten. Bourne präsentiert das nun aus der Sicht von April, die durchgängig durch die Ich-Perspektive begleitet wird, was zwangsweise natürlich Sympathien kreiert, weil wir mit ihr mittendrin sind. Dennoch ist nicht zu behaupten, dass April als Heldin inszeniert wird oder Ähnliches. Stattdessen ist sie eine tief traumatisierte Frau, die die große Liebe sucht, dabei an die für sich falschen Männer gerät und glaubt, dass es an ihr liegt.

Genau das ist nun die Ausgangslage und welche Frau kann sich nun nicht in April wiedererkennen? Aber fassen wir es gerne auch noch weiter, weil es umgekehrt Männer natürlich genauso geht, auch hier sind Exemplare auf der Suche nach einer festen Beziehung, doch es soll nicht sein. Natürlich spielt Bourne wieder viel mit Klischees, aber dennoch bricht sie damit auch immer wieder, weil für keiner ihrer Figuren etwas zu planen ist und das gefällt mir eben so großartig, alle bekommen wegen unterschiedlichen Dingen ihr Fett weg, aber im Endeffekt dringt es irgendwann in den Kern der Gefühle vor und dort sind dann die ganz individuellen Menschen und alle haben ihre eigene Geschichte. Deswegen ist es natürlich auch so, dass die Liebesgeschichte zwischen April und Joshua keine ist, die einen vor Romantik von den Füßen haut, aber dafür ist sie einfach herrlich realistisch. Joshua ruft nämlich wirklich Skepsis hervor, aber gleichzeitig ist man sich bewusst, dass man ihn durch Aprils Brille kennenlernt und diese ist wegen ihrer Erfahrungen zwangsweise negativ. Parallel hat man auch April, bei der man natürlich von der Güte ihres Herzens weiß, aber man erlebt live mit, wie sie ihre Fehler macht und damit andere und sich selbst manipuliert und dadurch ist es bis zu ihrem Happy End wirklich ein weiter Weg. Auch wenn man nicht nägelkauend mitfiebert, aber gleichzeitig spürt man irgendwann, dass sie wirklich richtig füreinander sind und würde April gerne schütteln und deswegen ist es ganz anderes Gefühl von Erleichterung, als endlich alles in die richtigen Bahnen läuft.

Ich fand es auch gut, dass sich Bourne hier der Thematik toxischer Beziehung und Vergewaltigung annimmt. So ein schweres Thema habe ich bislang bei ihr so noch nicht erlebt, aber es passt, auch weil durch ihren Job und schließlich die Boxgruppe, die sie aufsucht, ein guter Umgang damit stattfindet. Auch wenn April professionell jeden Tag mit harten Themen arbeitet, aber sie hat ihr Trauma definitiv noch nicht überwunden und das spielt natürlich auch viel in ihre Denkweise über Männer hinein, wieder so eine Ebene, die man erst aufdecken muss. Zudem wird auch dargestellt, dass das Sexleben nicht unbedingt einfach so weitergehen kann, dass es auch medizinische Indikationen gibt. All das ist hier unaufgeregt eingebaut und wird definitiv zur Normalisierung solcher Themen beisteuern.

Fazit: „Sexy, lustig, Charmant, cool … Fake“ ist wieder ein typisches Bourne-Buch, was für ein riesiges Kompliment steht. Gleichzeitig ist es aber ihr bislang tiefsinnigstes, bei dem sie aber dennoch den bissigen Humor weiterhin beibehält. Es mag auf den ersten Blick zu feministisch und männerfeindlich sein, aber das würde es einfach verkennen. Hier muss man wirklich hinter die Fassade blicken, um Bournes große Qualitäten wirklich verstehen und genießen zu können. Ich spreche eine große Leseempfehlung aus, aber mir ist bewusst, dass sie definitiv kein Mainstream ist.

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