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Veröffentlicht am 17.01.2018

Würdige New-Adult-Autorin

Der letzte erste Blick
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Nach Mona Kastens toller „Again-Reihe“ war mir klar, dass ich Freundinnen-Autorinnen Laura Kneidl und Bianca Iosivoni auch eine Chance geben würde mich von ihren Qualitäten im New-Adult-Genre zu überzeugen. ...

Nach Mona Kastens toller „Again-Reihe“ war mir klar, dass ich Freundinnen-Autorinnen Laura Kneidl und Bianca Iosivoni auch eine Chance geben würde mich von ihren Qualitäten im New-Adult-Genre zu überzeugen. Mit „Der letzte erste Blick“ war es nun soweit und ich habe mich voller Vorfreude in dieses Buch gestürzt.
Was natürlich sofort als großartig raussticht, ist das Figurenrepertoire das für die weiteren Bände schon fleißig aufgebaut wird. Man entdeckt schon allerlei unterschiedliche Persönlichkeiten, die im ersten Band schon gut zur Geltung kommen, aber noch viel Potenzial für Folgebände bereithalten. Zudem finde ich es großartig, wie sehr dieser Zusammenhalt innerhalb der Gruppe zelebriert wird, ich habe mich jedenfalls in diesem Rahmen unheimlich wohl gefühlt.
Die wichtigsten Figuren sind aber natürlich Dylan und Emery. Und Hands down für Dylan: er ist großartig! Ich bin zwar eigentlich auch ein Fan von Bad Boys (und wir Mädchen stehen ja wirklich meist eher auf diese…), aber schon Isaac aus „Feel Again“ war der perfekte Good Guy und Dylan ist auch ein wunderbares Exemplar. Wobei Good Guy natürlich auch sehr stereotyp ist, weil auch er frech und bestimmend sein kann, aber egal, was er tut, er hat immer das Herz am rechten Fleck und konnte mich damit direkt von Anfang einnehmen. Mit Emery war das schon etwas schwieriger, weil sie zu Anfang sehr rebellisch und aggressiv inszeniert wird. Aber man kann ihr doch recht schnell hinter die Fassade blicken und erkennen, dass man es mit einer toughen jungen Frau zu tun hat, die schon die Hölle auf Erden erlebt hat und daher vom Leben abgehärtet ist. Dadurch wirkt sie manches Mal sicherlich etwas gefühllos, aber Dylan gleicht das wunderbar aus, weil er fast schon zu viele Gefühle hat. Das zeigt aber schon, dass die Chemie der beiden auf „Gegensätze ziehen sich an“ basieren und das konnte ich den beiden wunderbar abkaufen.
Zur Handlungsentwicklung selbst und vor allem um auch einen Vergleich zu anderen Büchern dieses Genres ziehen zu können, lässt sich sagen, dass es viele Klischees gab (Lagerfeuer etc.), aber eben auch Überraschungen (Grace, Rachel etc.). Somit hielt sich das Ganze in der Waage und ich war manches Mal doch erleichtert, dass Iosivoni sich eine eigene Autorenstimme auf diesem Markt zulegt und nicht nur im großen Teich mitschwimmt.
Was ich aber ganz klar kritisieren muss, ist das inszenierte Drama, um zwischendurch einen Keil zwischen Emery und Dylan zu treiben. Schon direkt als dieser Handlungsstrang eingeführt wurde, war mir klar, der wird ihnen das Genick brechen und direkt habe ich mich geärgert, weil ich diese Argumentationslinie überhaupt nicht verstanden habe. Es war mir einfach logisch zu unschlüssig. ABER auch die erfahrensten Autoren (siehe beispielsweise Samantha Young) haben immer mal wieder Probleme, Drama zu inszenieren. Deswegen lasse ich das natürlich als Kritikpunkt stehen, aber nicht als einen dramatischen, da das in den besten Büchern dieses Genres manchmal noch schiefläuft.
Fazit: „Der letzte erste Blick“ kann mich überzeugen, dass auch Bianca Iosivoni vollkommen zurecht sich im New-Adult-Genre breit gemacht hat. Natürlich liest man einiges, das man auch schon in anderen Büchern gelesen hat. Aber dennoch ist ihre Autorenstimme klar und deutlich zu vernehmen, so dass ich noch genug Raum für Individualitätsentfaltung sehe. Einen Stern Abzug gibt es aber eindeutig für das inszenierte Drama, das mir sehr unlogisch erscheint und daher in der Technik plump wirkt. Aber ansonsten fiebere ich schon jetzt auf die weiteren beiden Bände hin.

Veröffentlicht am 14.01.2018

Warten auf Hunter lohnt sich immer

Totenfang
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Vor dem Lesebeginn von „Totenfang“ war ich etwas besorgt, da „Verwesung“ schon fünf Jahre zurücklag und ich nicht unbedingt die Leserin bin, die sich über längere Zeit viele Details merken kann. Daher ...

Vor dem Lesebeginn von „Totenfang“ war ich etwas besorgt, da „Verwesung“ schon fünf Jahre zurücklag und ich nicht unbedingt die Leserin bin, die sich über längere Zeit viele Details merken kann. Daher war ich schon skeptisch, ob ich in die David-Hunter-Welt schnell wieder gedanklich einsteigen könnte.
Die Bedenken erwiesen sich aber als unbegründet, da Simon Beckett auch ein Autor ist, der auf raffinierte Art und Weise Inhalte von vergangenen Büchern noch einmal einbindet, ohne dass es wie eine Zusammenfassung wirkt. Die Bedenken waren aber dahingehend unbegründet, dass David Hunter wirklich eine Figur zum Liebhaben ist. Er wirkt immer nett, sensibel, höflich und aufmerksam. Daher war ich schnell in seinem Bann und damit war auch das Gefühl eines schönen Wiedersehens gegeben.
Das Setting von „Totenfang“ hat mich stark an „Der Hof“ erinnert. Weit abgelegen, viele verschlossene Figuren, bei denen man eher auf Kälte denn auf Wärme trifft. Dazu auch die raue und gefährliche Landschaft und schon ist eine bedrückende, aber auch geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen, in der Kriminalfälle natürlich das gewisse Etwas haben. Der Einstieg in das Buch war sicherlich sehr gemächlich, aber Simon Beckett war in meinen Augen noch nie ein Autor, der ein großes Feuerwerk abfackelt. Zuerst wurde dem Leser eben Zeit gegeben, dass er sich wieder an Hunter, aber auch an die neue Landschaft gewöhnt. Anschließend aber entwickelt sich ein recht interessanter Fall, der gerade zum Ende hin einen beeindruckenden Spannungsbogen entwickelt. Zum Augenrollen ist sicher, dass ausgerechnet Hunter immer wieder über entscheidende Hinweise stolpert, aber gut, da seine forensischen Fähigkeiten in diesem Band verhältnismäßig wenig zu Geltung kommen, brauchte er auch seine Daseinsberechtigung.
Mir aber war wichtig, dass wir es mit einem interessanten Fall zu tun hatte, der auch einige überraschende Wendungen parat hatte. Das zeigt, egal, in welchem Maße Hunter involviert ist, die Thrill-Elemente funktionieren immer. Schade fand ich aber gerade am Ende, dass in wenigen Seiten noch wichtige Ergebnisse präsentiert wurden, aber alle eher in Erzählweise, so dass man bei der Entwicklung diese Aspekte kein Teil war. Das wirkte auf jeden Fall seltsam. Vielversprechend sehe ich aber, dass das Ende des Buches einen bombastischen nächsten Band erwarten lässt. In vielerlei wurde da ein Cliffhanger geboten, der die Wartezeit auf den nächsten Band unerträglich machen wird.
Fazit: Simon Beckett ist ein großartiger Erzähler, der auf eine ruhige Art und Weise tolle Geschichten erzählen kann, die immer eine unterschwellige Spannung haben und gerade zum Ende hin das Lesetempo forcieren. Zudem hat er mit David Hunter einen Protagonisten an der Hand, der unheimlich zum Liebhaben ist und trotzdem spannende Ecke und Kanten bereithält. Aufgrund all dieser Aspekte lässt sich nur sagen, dass ein neuer David-Hunter-Thriller jede Wartezeit wert ist.

Veröffentlicht am 13.01.2018

Fail of Hearts statt Game of Hearts

Game of Hearts
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Geneva Lees erste erfolgreich Reihe auf dem deutschen Buchmarkt – die Royals-Saga – habe ich nicht gelesen. Als nun „Game of Hearts“, der erste Band der neuen Love-Vegas-Reihe, für ein Sonderangebot zu ...

Geneva Lees erste erfolgreich Reihe auf dem deutschen Buchmarkt – die Royals-Saga – habe ich nicht gelesen. Als nun „Game of Hearts“, der erste Band der neuen Love-Vegas-Reihe, für ein Sonderangebot zu haben war, habe ich zugeschlagen und meine ersten Erfahrungen mit der Autorin Lee gemacht.
Zunächst einmal hat mich natürlich ganz klar das Cover angesprochen, das wirklich ein süßes, verspieltes Kunstwerk in sich ist. Zudem gefällt mir Las Vegas als Handlungsort, da mir dieser noch nicht oft begegnet ist und meine Schwester erst letztes Jahr da war, so dass ich auch über ihre Erzählungen vieles präsent habe. Für den Rest der Geschichte gilt aber, dass wir es als Leser mit einer ganzen Menge an Klischees zu tun haben. Ein bisschen Romeo und Julia, ein bisschen Aschenputtel und dann sogar tatsächlich ein bisschen Crime. Der Crime-Aspekt war es eigentlich, der mich bei dieser Reihe auch gereizt hat, da ich Crime und Romance gerne miteinander verschmolzen sehe. Aber dass was in diesem Band als Crime zu bezeichnen ist, ist eigentlich ein Witz.
Neben den ganzen Klischees kommt dem Buch auch nicht zugute, dass es so wenige Seiten hat. Und da auf den wenigen Seiten aber viel passieren muss, damit der Leser auch unterhalten wird, geht alles etwas lieblos vonstatten. Die Liebesgeschichte wird nicht sorgfältig aufgebaut und die Charakterzeichnung findet kaum statt. Dadurch bleiben eben die Protagonisten – Emma und Jameson – furchtbar blass. Mein Highlight war ja tatsächlich als sein Vater stirbt und er statt zu trauern lieber einem Mädchen hinterhersteigt. Dieser Aspekt ist eigentlich sehr schade, weil ich trotz aller Klischees, die Ansätze bei Emma und Jameson eigentlich vielversprechend fand.
Die Erzählentwicklung dieses ersten Bandes ist neben dem irren Tempo an Handlungen, aber auch als absurd zu bezeichnen. Gerade gegen Ende hin wird es immer abstruser, aber es ist klar, der Leser muss ja mit einem Cliffhanger zurückgelassen werden, nur damit er auch ja beim zweiten Band dabeibleibt. Ich jedenfalls werde nicht dabeibleiben, denn Geneva Lee scheint mir auf den ersten Blick eine ziemlich austauschbare Autorin zu sein, die keinen Wiedererkennungswert hat.
Fazit: „Game of Hearts“ war für mich eher „Fail of Hearts“, da sich erzählerisch weder für Charaktere noch für die Handlung Zeit genommen wurde. Zudem ist der erste Band voll von Klischees, so dass ich nicht wissen will, was die folgenden zwei Bände noch bereithalten.

Veröffentlicht am 08.01.2018

Lädt zum wilden Spekulieren ein

Woman in Cabin 10
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„Im dunklen, dunklen Welt“ war vor einem Jahr bei mir eine Option dieses Buch zu kaufen. Das ist dem Umstand geschuldet, dass es zu viele gute Bücher gibt, nicht passiert, dafür habe ich jetzt bei „Woman ...

„Im dunklen, dunklen Welt“ war vor einem Jahr bei mir eine Option dieses Buch zu kaufen. Das ist dem Umstand geschuldet, dass es zu viele gute Bücher gibt, nicht passiert, dafür habe ich jetzt bei „Woman in Cabin 10“ ja gesagt und einfach nur gehofft, dass das euphorische Marketing zu diesem Thriller meine Erwartungen nicht zu hoch schraubt, so dass ich schwer enttäuscht werde.
Der Einstieg in den Thriller gelingt gut, da ein knackiger, spannender Prolog geboten wird, der Lust auf mehr macht. Auch der eigentliche Einstieg in die Geschichte wird sehr spannend und atemraubend angelegt, so dass die Lust auf dieses Buch im Allgemeinen sehr stark war. Danach kommt so ein kleiner Bruch, weil die Autorin sich mit der Protagonistin Lo Blacklock zu sehr im Kreis drehte und sie durch Alkohol- und Schmerzmittelkonsum als unzuverlässig inszeniert wurde. Dazu entwickelt sie eine sehr schüchterne, für eine Journalistin also vollkommen untypische Charaktereigenschaft, nachdenkliche Art, so dass sie sich häufig selbst im Weg steht und dadurch sehr anstrengend wirkt.
Die Handlung auf dem Schiff selbst ist von unterschiedlichen Erzähltempora begleitet. Mal geht es Schlag auf Schlag, mal geht es ruhiger zu, wo dann ein Blick auf die potenziellen Verdächtigen geworfen wird. Diese Abwechslung im Tempo hat mir gut gefallen, da ich sehr rasch mit dem Lesen vorwärts kam und vor allem immer wild am Spekulieren war. Mir war es wichtig, dass die einzelnen Geschehnisse nicht zu stark auf einen Täter hinwiesen, sondern dass sich meine Überlegungen immer wieder wandeln konnten.
Die tatsächliche Auflösung passiert für mich einen Ticken zu früh, da auf den letzten 75 Seiten dann zu sehr auf Überlebenskampf gesetzt wird. Das habe ich so nicht erwartet. Dafür war die Auflösung aber unerwartet und nachvollziehbar. Auch der Überlebenskampf am Ende war noch sehr spannend gestaltet und hat das Lesetempo noch einmal erhöht. Nach Beendigung des Thrillers bleiben dennoch einige kleinere Aspekte offen, die das Gesamtbild minimal trüben. Ich bin einfach ein Fan davon, dass alles beantwortet wird, daher kann ich mich leider des Eindrucks nicht erwehren, dass es in „Woman in Cabin 10“ nicht konsequent der Fall war.
Fazit: „Woman in Cabin 10“ ist zum Glück keine Enttäuschung, sondern ein überzeugender Thriller, der sich vor allem in den Thrill-Elementen bewährt. Dass nicht alle offenen Fragen beantwortet werden und dass die Protagonistin etwas anstrengend ist, zähle ich zu den Randaspekten, die man nicht ignorieren kann, aber auch nicht zu stark in die Wertung miteinfließen lassen muss. Daher gebe ich zufriedene vier Sterne!

Veröffentlicht am 27.12.2017

Eindimensionale Protagonistin

Eversea - Mit dir kam der Sommer
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Natasha Boyd habe ich durch ihre „Eversea“-Romane kennengelernt. Die zwei Bände waren jetzt sicherlich keine Perlen der Literaturgeschichte. Aber mir hat das südländische Setting gefallen und dass diese ...

Natasha Boyd habe ich durch ihre „Eversea“-Romane kennengelernt. Die zwei Bände waren jetzt sicherlich keine Perlen der Literaturgeschichte. Aber mir hat das südländische Setting gefallen und dass diese klischeehafte Story (Star trifft bodenständiges Mädchen) auch schöne und mitreißende Momente bieten konnte. „Mit dir kam der Sommer“ ist jetzt der dritte Band der Reihe, dreht sich aber um Jazz, Keri Anns beste Freundin und Joey, deren Bruder.
Ich bin voller Hoffnung in diesen Roman gestartet, da ich Jazz aus den Vorgängerbänden mochte. Sie war ein tolle beste Freundin, hatte zudem eine sehr selbstbewusste Art und Weise und daher fand ich die Aussicht, nach der eher schüchternen, sehr empathischen Keri Ann, mal eine andere Perspektive zu haben. Doch leider wurde Jazz regelrecht kaputt geschrieben. Zwar existierten die Ansätze ihrer Persönlichkeit schon, aber alles andere konzentrierte sich so dermaßen auf die Liebesbeziehung mit Joey und da drehte sie sich nur noch im Kreis. Mal superpampig, mal eifersüchtig, mal überschwänglich leidenschaftlich und das immer, immer wieder. Dadurch war leider keine Charakterentwicklung zu beobachten und irgendwann fand ich sie sogar regelrecht anstrengend. Auch das Alter ihrer Figur (einmal mit 18, einmal mit 21) zeigte keinerlei Unterschied. Jazz war immer Jazz und das ist nicht positiv gemeint.
Schade eigentlich, weil mir Joey wesentlich besser gefiel. Die Szenen der beiden zusammen, wenn sie neckend miteinander flirteten oder wenn die Leidenschaft überkochte, haben richtig gezogen, aber sobald Jazz wieder superkindisch war und „fauchte“ war es leider wieder für mich vorbei. Darunter leidet natürlich auch im erheblichen Maße der Fortgang der Geschichte. Es war sicherlich interessant, viele Aspekte der Liebesgeschichte zwischen Jack und Keri Ann auch mal aus einer anderen Perspektive zu erleben, aber die Liebesgeschichte von dem eigentlichen Paar dieses Romans funktionierte eben nur bedingt. Da hat sich vieles im Kreis gedreht, viele verletzte Gefühle, aber dennoch leider nicht so berührend, weil Jazz nicht mehr charakterliche Tiefe erhalten hat. Das Ende war dann aber fast schon perfekt, weil da endlich mal etwas passierte, was ich mir schon viel früher gewünscht hätte.
Fazit: „Mit dir kam der Sommer“ kann ich nur schwerlich empfehlen. Es mag LeserInnen geben, die mit Jazz zusammenfinden, aber für mich fiel diese Geschichte eben durch ihre Figur. Eine prinzipiell prickelnde Verbindung der Protagonisten kann eben nicht ausbügeln, dass es gleichzeitig mit einer der nervigsten, eintönigsten Charaktere gibt, die man sich vorstellen kann.