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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2021

Spannende Ermittlungen

Leichenblume
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Heloise Kaldan ist Investigativ-Journalistin bei einer Kopenhagener Zeitung und steht wegen einer fehlgeschlagenen Enthüllung schwer in der Kritik. Als sie wieder in der Redaktion ist, findet sie in ihrem ...

Heloise Kaldan ist Investigativ-Journalistin bei einer Kopenhagener Zeitung und steht wegen einer fehlgeschlagenen Enthüllung schwer in der Kritik. Als sie wieder in der Redaktion ist, findet sie in ihrem Postfach einen Brief von einer Frau, die behauptet, eine gesuchte Mörderin zu sein. Der Brief ist kryptisch und scheint von jemandem zu kommen, der einiges über Heloise weiß.
Etwa zeitgleich geht bei der Kopenhagener Polizei ein Hinweis zu der gesuchten Frau ein. Erik Schäfer und seine Kollegin Lisa Augustin beginnen erneut an dem Fall zu arbeiten und auch Heloise fängt an, Nachforschungen anzustellen.

Ich bin ein großer Fan skandinavischer Krimis und Thriller und mich hat „Leichenblume“ nicht enttäuscht. Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen und mir hat gefallen, wie Stück für Stück die wahre Geschichte und die Hintergründe deutlicher geworden sind. Dies hat bei mir einen starken Sog erzeugt und mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Einige Stellen des Buches sind allerdings wirklich schwer auszuhalten. Die Charaktere wirken dreidimensional und sind spannend. Ich glaube, dass auch die Beziehung zwischen dem Kommissar Erik Schäfer und der Journalistin Heloise Kaldan noch Potenzial für die nächsten Bände bietet. Die journalistische Perspektive von Heloise und die klassische Ermittlungsarbeit durch die Polizei hat die Autorin sehr gut zusammengebracht und mich damit komplett überzeugt.

Ich finde die Kombination Journalistin und Kommissar an sich spannend, empfinde Krimis um solche Duos aber oftmals als etwas zu konstruiert. Dies habe ich im ersten Teil der Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer überhaupt nicht so empfunden und auch die doch sehr starken privaten Verflechtungen in den Fall habe ich als glaubwürdig empfunden. Ich hoffe sehr, dass die Beziehung zwischen Heloise und Erik im Nachfolgeroman genauso authentisch bleibt.

Veröffentlicht am 18.04.2021

Fast ein Jahrhundert (Familien)geschichte

Wo wir Kinder waren
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Der Roman besteht aus zwei sich abwechselnden Erzählsträngen. In der Hälfte der Kapitel wird die Familiengeschichte der Spielzeugproduzentenfamilie Langbein erzählt. Der Roman beginnt im Jahr 1910. In ...

Der Roman besteht aus zwei sich abwechselnden Erzählsträngen. In der Hälfte der Kapitel wird die Familiengeschichte der Spielzeugproduzentenfamilie Langbein erzählt. Der Roman beginnt im Jahr 1910. In diesen Kapiteln ist es möglich, die Generationen bis kurz vor dem Mauerfall zu begleiten. In der anderen Hälfte der Kapitel räumen Eva, Iris und Jan, Erben und Nachfahren der Spielzeugproduzenten in der Gegenwart das Stammhaus aus. Raum für Raum arbeiten sie sich durch das Haus, sortieren, putzen und hängen ihren Erinnerungen an ihre Kindheit und die gemeinsame Zeit in dem Haus und mit den Verwandten nach.

Der Autorin ist es ausgezeichnet gelungen, mir fast ein Jahrhundert deutsche Geschichte aus Sicht einer Familie aus dem Spielzeuggewerbe in Thüringen näher zu bringen. Da ich erst deutlich nach der Wiedervereinigung geboren bin, habe ich selbst keinen Bezug zu dem Spielzeug aus Sonneberg. Die sich über die Jahrzehnte stark verändernde Spielzeugproduktion konnte ich mir dank der detaillierten Beschreibungen aber bildlich vorstellen. Besonders der technische Fortschritt und die sich damit verändernde Produktion war für mich sehr greifbar.
Das Festhalten an Prinzipien und der unbedingte Wille seitens der Langbeins das Familienunternehmen um jeden Preis zu halten, ist sehr gut transportiert worden. Die ProtagonistInnen scheinen authentisch und gerade die Perspektive der Charaktere aus den historischen Kapiteln habe ich gut nachvollziehen können.

Im Vergleich zu den historischen Kapiteln habe ich den in der Gegenwart spielenden Erzählstrang als etwas schwächer empfunden. Dies hat auch dazu geführt, dass sich für mich leider keine richtige Dynamik und Spannung entwickelt hat.

Der Roman lässt sich sehr gut lesen, der Schreibstil ist angenehm und die Charaktere glaubwürdig und authentisch. Die unterschiedlichen Zeiten und Brüche sind vorstellbar beschrieben und ich habe beim Lesen viel gelernt. Einzig habe ich ein wenig Spannung vermisst. Ein wirklicher Sog hat sich für mich leider nicht entwickelt.

Veröffentlicht am 18.04.2021

Schöner, berührender Roman

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz
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Zelda ist 21 Jahre alt und hat eine Fetale Alkoholspektrumstörung. Ihre Woche ist fest durchgeplant, Regeln und feste Strukturen helfen ihr. Sie hat einen Freund, der ebenfalls eine FAS hat. Zelda ist ...

Zelda ist 21 Jahre alt und hat eine Fetale Alkoholspektrumstörung. Ihre Woche ist fest durchgeplant, Regeln und feste Strukturen helfen ihr. Sie hat einen Freund, der ebenfalls eine FAS hat. Zelda ist Expertin für alles, was mit Wikingern zu tun hat. Ihr Vater spielt in ihrem Leben keine Rolle und ihre Mutter ist an Krebs gestorben. Gemeinsam mit ihrem Bruder Gerd lebt sie in einer eher schwierigen Gegend. Gerd studiert Wirtschaft und kümmert sich um seine Schwester so gut er kann. Als er zunehmend unter Druck gerät, in kriminelle Machenschaften verwickelt wird und sein Studium vernachlässigt, greift Zelda ein. Dabei wird sie selbstständiger und auch Themen wie die eigene Sexualität und Selbstbestimmung spielen eine Rolle.

Die Protagonistin ist eine liebenswürdige Heldin, deren Entwicklung authentisch beschrieben wird. Auch Gerd und dessen (Ex-)Freundin Anni, die von Zelda AK47 genannt wird, sind detailliert gezeichnete Charaktere. Natürlich werden Klischees bedient, dennoch werden einige auch aufgelöst und somit als Klischee und Überspitzung enttarnt.
Obwohl ich mich wenig für Wikinger interessiere, habe ich es als spannend und auch gut gemacht empfunden, wie der Autor Zeldas Liste auf dem Weg zur Legende wie einen roten Faden für den Roman nutzt.
Andrew David MacDonald gelingt es gut, Zeldas Wunsch nach eigener Sexualität und den Vorbehalten, die ihr Bruder hat, zu beschreiben. Generell hatte ich das Gefühl, in Zeldas Gedankenwelt komplett involviert zu sein und habe ihre Gefühle, Gedanken, Ideen und Handlungen als in den allermeisten Fällen authentisch und nachvollziehbar empfunden.

Als besonders erwähnenswert habe ich die Differenzierung des Autors wahrgenommen, der sehr deutlich macht, das FAS nicht gleich FAS ist. Gleichzeitig ist deutlich geworden, wie hilfreich und wichtig bestimmte Institutionen sind (wie das Stadtteilzentrum mit entsprechenden Angeboten in dem Roman).

Während mich Buchtitel und Cover zunächst eher wenig angesprochen haben, hat mich der Schreibstil und die Geschichte überzeugt. Die ProtagonistInnen sind detailliert beschrieben und haben mich in den Bann gezogen.

Veröffentlicht am 10.04.2021

Ansprechende Rezepte

Hensslers schnelle Nummer
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Das Kochbuch beinhaltet 100 Rezepte, die den Anspruch haben, schnell und einfach zubereitet werden zu können. Aufgeteilt ist das Buch in die Kategorien „Kartoffeln“, „Fisch & Meeresfrüchte“, „Fleisch“, ...

Das Kochbuch beinhaltet 100 Rezepte, die den Anspruch haben, schnell und einfach zubereitet werden zu können. Aufgeteilt ist das Buch in die Kategorien „Kartoffeln“, „Fisch & Meeresfrüchte“, „Fleisch“, „Gemüse“, „Pasta“, „Salate“, „Für Zwischendurch“ und „Desserts“. Zu jedem Rezept ist angegeben, wie viele Zutaten zuzüglich einiger Grundzutaten wie Öl oder Salz benötigt werden, die Zubereitungszeit und ob es sich um ein vegetarisches Gericht handelt.

Ich habe bisher kein TV-Format von Steffen Henssler verfolgt und hatte auch nicht das Gefühl, ein Buch über Steffen Henssler in den Händen zu halten. Es gibt einige Bilder des Kochs, aber im Fokus sind die Rezepte. Die Idee einfach und schnell zubereiteter und trotzdem abwechslungsreicher und nahrhafter Speisen finde ich für den Alltag gut. Die Aufteilung in die Kategorien habe ich als sehr sinnvoll empfunden, positiv hervorzuheben finde ich die eigene Kategorie „Kartoffeln“.
Die Bilder sind sehr ansprechend und appetitanregend. Ich esse wenig Fleisch und scheue in der Regel die Zubereitung, habe aber bei einigen der Rezepte mit Fleisch durchaus Lust, diese zuzubereiten. Die Beschreibungen der einzelnen Zubereitungsschritte sind knapp und aussagekräftig, also genau so, wie ich es in einem Rezept haben möchte. Die Seiten sind sehr übersichtlich gestaltet, die Tipps hilfreich. Beim Kochen bleibt das Buch problemlos aufgeschlagen liegen.

Nach Ausprobieren einiger Rezepte scheint mir die angegebene Zeit etwas knapp bemessen. Die Menge der Zutaten ist für zwei Personen angegeben und wirkt durchaus reichlich. Ansonsten finde ich es super, dass die Grundmenge für zwei Personen berechnet ist und nicht wie so oft sonst für vier Personen. Verdoppeln finde ich generell einfacher, als wenn ich halbieren muss und dann Mengen brauche, die oft nicht zu kaufen sind (z.B. einen halben Blumenkohl).

Einige Rezepte empfinde ich als doch etwas zu aufwendig für ein „schnelles“ Essen, trotzdem würde ich das Kochbuch empfehlen. Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet und die Bilder ansprechend.

Veröffentlicht am 28.03.2021

Zu hohe Erwartungen?

Unter Wasser Nacht
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Nach dem Tod ihres Sohnes Aaron leben Sophie und Thies weiter auf einem Hof im Wendland, im Nebenhaus wohnen Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Die vor Aarons Tod sehr eng befreundeten Paare ...

Nach dem Tod ihres Sohnes Aaron leben Sophie und Thies weiter auf einem Hof im Wendland, im Nebenhaus wohnen Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Die vor Aarons Tod sehr eng befreundeten Paare haben sich seit dem Verunglücken von Aaron voneinander entfernt, genauso wie sich auch Aarons Eltern fremd geworden zu sein scheinen. Als dann die geheimnisvolle Mara auftaucht, die auf fast alle Protagonisten einen ungeheuren Einfluss hat, kommt langsam heraus, was am Fluss mit Aaron wirklich passiert ist.

Mich hat dieser Roman vom Cover und von der Inhaltsbeschreibung her sehr gereizt und so bin ich mit entsprechend hohen Erwartungen gestartet. Die ersten Kapitel haben mich auch überhaupt nicht enttäuscht, die Beschreibungen der Flusslandschaft und des heimeligen Hofs haben mir fast das Gefühl gegeben, vor Ort zu sein. An irgendeinem Punkt hat mich der Sog des Buchbeginns aber verloren. Vermehrt habe ich mich in einigen Kapiteln schwergetan, die handelnden Personen zu verstehen und ihre Handlungen nachzuvollziehen. Während ich die Protagonisten zu Beginn noch als durchweg spannend empfunden habe, hat dies bei einigen leider auch nachgelassen. Vor allem die Charaktere Mara und Thies haben bei mir immer mehr unbeantwortete Fragen aufgeworfen. Auch die häufigen Perspektivwechsel haben mit der Zeit eher den Lesefluss gestört als dass sie wie zu Beginn die Spannung gesteigert hätten.

Irgendwann waren es mir dann auch etwas zu viele Zufälle, die Geschichte um Mara ist mir zu konstruiert und hat mich eher von dem eigentlich sehr spannenden Thema des Umgangs mit dem Tod des Kindes abgelenkt. Die Herangehensweise an die Frage, wie unterschiedlich mit einem großen Unglück umgegangen werden kann, hat mir aber trotz einiger Abstriche gut gefallen. Auch hat mich der Schreibstil genauso wie die Charakterbeschreibungen der meisten Protagonisten sehr überzeugt.

Schlussendlich befürchte ich, dass meine Erwartungen an den Roman zu hoch oder vielleicht einfach falsch waren.