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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

Viele Verdächtige, viele Motive, viele Wendungen und viel Spannung

Home Before Dark
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Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, ...

Der Stand-alone-Thriller “Home before Dark” bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Zum einen begleitet man als Leser:in die 24-jährige Marsibil im Jahr 1977, die zurück in ihren Heimatort zu ihren Eltern kehrt, um den zehnjährigen Jahrestag des Verschwindens ihrer zwei Jahre älteren Schwester Stina zu begehen. Vor zehn Jahren hatte Marsi einen Brieffreund, mit dem sie sich am Abend des Verschwindens ihrer Schwester hatte treffen wollen. Schon lange quält sie der Verdacht, dass ihre Brieffreundschaft mit dem Verschwinden von Stina zu tun haben könnte. Erzählt hat sie jedoch niemandem von ihren Schuldgefühlen. Als Marsi nun auf einmal wieder einen Brief von ihrem ehemaligem Brieffreund erhält, beginnt sie, nach Antworten und ihrer Schwester zu suchen.

Die zweite Zeitebene spielt zehn Jahre zuvor, rund um das Verschwinden von Stina. Diese Ebene konzentriert sich auf Stinas Leben und ihre Perspektive in der Zeit kurz vor ihrem Verschwinden. Es geht um erste Erfahrungen mit Jungs, üble Streiche, Freundschaft und Familie.

Beide Perspektiven und Zeitebenen wechseln sich ab, sodass man als Leser:in sehr langsam eine Ahnung bekommt, was 1967 passiert sein könnte. Allerdings bekommt man diese Ahnung eigentlich doch nicht, weil es unheimlich viele potenziell Verdächtige, Motive und auch Wendungen gibt. Ich habe das als durchaus spannend empfunden, allerdings doch etwas erschlagend. Der Thriller zeichnet sich vor allem durch die unterschwellige Düsternis aus, die sich vor allem auch im Zuhause der Schwestern durchzieht. Die Eltern versuchen, Marsi von ihren Nachforschungen abzuhalten und verhalten sich wie so viele andere Personen zum Teil sehr merkwürdig.

An einigen Stellen war es mir etwas too much, spannend fand ich es aber immer. Auch der Schreibstil ist fesselnd und war für mich sehr gut zu lesen. Das Ende ist etwas speziell, aber je länger ich darüber nachdenke, eigentlich sehr passend.

Veröffentlicht am 16.05.2026

Starker, spannender dritter Teil um die Gruppe 4

Nebelbeute
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Mila, ein Part des Teamleitungstandems der Gruppe 4, macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrem Erzfeind Toblach. Dafür fährt sie allein in die Berge, in ein kleines Bergdorf. Die Einheimischen ...

Mila, ein Part des Teamleitungstandems der Gruppe 4, macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrem Erzfeind Toblach. Dafür fährt sie allein in die Berge, in ein kleines Bergdorf. Die Einheimischen sind wortkarg und Fremden gegenüber eher skeptisch. Systematisch sucht Mila nach Toblach, der vor einigen Jahren zwei Mädchen entführt hatte, die Mila nicht schützen konnte. Kurz nach ihrer Ankunft in dem Bergdorf geschieht ein Mord: Ein Mann wird übel zugerichtet und öffentlich präsentiert. Die örtliche Polizei beginnt zu ermitteln und auch Milas Kolleg:innen der Gruppe 4 bekommen Wind von den Geschehnissen in den Bergen. Als dann auch noch tagelang kein Lebenszeichen von Mila kommt, reist die Gruppe 4 rund um Jakob an, unterstützen die Ermittlungen der örtlichen Polizei und setzen gleichzeitig alles daran, Mila lebend zu finden…

Nachdem ich die ersten beiden Bände um die Gruppe 4 verschlungen habe, hatte ich entsprechend hohe Erwartungen an Teil 3. Und „Nebelbeute“ hat diese absolut nicht enttäuscht. Ich mag die Protagonist:innen wirklich gerne und finde ihre Entwicklung und ihr Zusammenwachsen zu einem im Ernstfall gut funktionierenden Team sehr gut beschrieben.

Der Schreibstil lässt sich gewohnt gut und flüssig lesen. Auch von der Spannung her steht der dritte Teil der Reihe seinen Vorgängern in Nichts nach. Obwohl bereits der Klappentext verrät, dass Mila verschwindet, fand ich den Handlungsstrang um sie sehr spannend. Das Finale hat nochmal zusätzlich angezogen und die Story hatte natürlich auch noch eine gelungene, überraschende Wendung parat.

Für mich ist „Nebelbeute“ ein von vorne bis hinten gelungener Thriller, der sich nahtlos in die Reihe um Mila und Jakob einfügt. Ich hoffe und freue mich auf einen weiteren Band!

Veröffentlicht am 08.05.2026

Geballte Frauenpower

Tödliche Freundinnen
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Melanie, genannt Mel, und Chloe sind ein Paar, halten ihre Beziehung mit sechzehn aber noch geheim. Als es an Chloes Sweet Sixteen Party zu einem folgenschweren Vorfall kommt, der für den Kleinkriminellen ...

Melanie, genannt Mel, und Chloe sind ein Paar, halten ihre Beziehung mit sechzehn aber noch geheim. Als es an Chloes Sweet Sixteen Party zu einem folgenschweren Vorfall kommt, der für den Kleinkriminellen Toby Dunne tödlich endet, verändert sich das Leben der beiden Teenager fundamental. Sie schweigen zu der verhängnisvollen Nacht. Einige Jahre später verschwindet Chloe plötzlich und taucht unter, ohne dass jemand ihren Aufenthaltsort oder ihre Gründe kennt. Während sie sich in der Provinz in Kanada versteckt, wird Mel zu einer ausgezeichneten Privatdetektivin in ihrem US-amerikanischen Heimatort. Als Chloes einflussreicher Vater schwer erkrankt, beauftragt er Mel mit der Suche nach seiner Tochter. Mel gelingt es tatsächlich Chloe aufzuspüren – doch das ist erst der Beginn einer turbulenten und gefährlichen Reise für die Beiden.

Der Thriller bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Die eine beschäftigt sich mit der Zeit rund um die Sweet Sixteen Party, die das Leben der beiden Protagonistinnen auf den Kopf gestellt hat. Die andere Zeitebene beginnt drei Jahre nach Chloes Verschwinden, also zu dem Zeitpunkt, als Mel sich auf die Suche nach Chloe begibt. Zusätzlich wird noch aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt – zumeist aus der von Chloe und der von Mel. Dies macht es manchmal kompliziert, aber auch spannend. Nur langsam wird klarer, was die Flucht von Chloe überhaupt ausgelöst hat und was rund um die Sweet Sixteen Party passiert ist. Mir hat das nur langsame Entblättern der Hintergründe gut gefallen.

Ich finde außerdem, dass sich der Schreibstil der Autorin sehr gut lesen lässt. Sie schreibt so, dass ich mir als Leserin die Gegebenheiten und die Situationen sehr gut vorstellen konnte, obwohl das Geschriebene sehr weit von meiner Lebensrealität entfernt ist. Die Sprache ist den unterschiedlichen Personen angepasst, sodass die Dialoge durchaus authentisch wirken. Für einen Thriller ist natürlich besonders wichtig, dass er spannend ist. Mich hat „Tödliche Freundinnen“ sehr gefesselt. Gegen Ende hat das Tempo auch nochmal angezogen. Die Liebesgeschichte zwischen Mel und Chloe hat Raum bekommen, meinem Empfinden nach war das aber über weite Strecken noch im Rahmen. Ich mag es in Thrillern zumeist eigentlich nicht, wenn eine Lovestory das Thrillergeschehen überschattet. Da dies nicht der Fall war, die entsprechende Spannung zwischen den beiden Protagonistinnen natürlich aber eine Rolle gespielt hat, war das für mich stimmig.

Ein anderer Punkt hat mich dafür allerdings etwas gestört: Ich finde die Entwicklung der beiden Teenager zu kaltblütigen, abgezockten Kampfmaschinen schon sehr extrem. Insbesondere bei Chloe ist der Sprung von gut behüteter Prinzessin aus einflussreichem und gutem Hause besonders eklatant. Ich gehe mit, dass extreme Situationen zu extremen Verhaltensänderungen und Entwicklungen führen können – mir war das bei diesem Thriller aber tatsächlich zu wenig explizit herausgearbeitet und deswegen für mich etwas unglaubwürdig.

Ansonsten hat mir der Thriller aber gut gefallen. Ich wollte zu jeder Zeit wissen, wie es weitergeht und habe mich gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 19.04.2026

Sommer in Augu

Krakenkind
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Es ist Sommer im Jahr 1996 und eigentlich ist die Polizistin Sanna auf dem Sprung nach Gotland. Sie möchte mit ihrem Freund zusammenziehen, wird dann aber zu einem brutalen Überfall auf eine Frau in Augu ...

Es ist Sommer im Jahr 1996 und eigentlich ist die Polizistin Sanna auf dem Sprung nach Gotland. Sie möchte mit ihrem Freund zusammenziehen, wird dann aber zu einem brutalen Überfall auf eine Frau in Augu gerufen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen und der Staatsanwältin beginnt sie zu ermitteln. Es soll nicht das einzige Verbrechen in der kleinen Gemeinde bleiben…

Langsam und atmosphärisch entspannt sich ein Geflecht aus Beziehungen und Verwicklungen in Augu. Besonders an diesem Thriller sind die Perspektiven ungewöhnlich vieler Personen, die abgebildet werden und die dazu führen, dass man als Leser:in nur langsam einen Überblick über die Verhältnisse und Geschehnisse bekommt. So ist ein Miträtseln gut möglich. Neben den Perspektiven der Ermittlerinnen Sanna und der Staatsanwältin wird aus Sicht vieler weiterer Charaktere aus dem Ort die Geschichte erzählt. Das macht es nicht unbedingt schnell im Erzähltempo, aber ich fand viele der Charaktere sehr interessant, sodass ich bezüglich der Charakterentwicklungen sehr auf meine Kosten gekommen bin.

Den gesamten Thriller „Krakenkind“ zeichnen für mich die atmosphärische Beschreibung sowie die eher gemächliche und vor allem sehr multiperspektivische Erzählweise aus. Obwohl diese drei Aspekte sicherlich auch negativ aufgefasst werden können, habe ich sie als sehr positiv wahrgenommen. Auch wenn es vielleicht weniger klassische Thriller-Elemente gibt, habe ich das Buch von Seite Eins an als unterschwellig spannend und die Geschehnisse als bedrohlich wahrgenommen.

Auch in dem vierten Teil der Reihe kommt, wie im dritten Band schon, nur Sanna als Ermittlerin vor. Dadurch fehlt natürlich die interessante Dynamik zwischen Sanna und Eir Pedersen. Trotzdem mag ich die Erzählweise von Maria Grund und werde sicherlich auch einen fünften Teil lesen.

Ich empfehle das Buch gerne, vor allem Menschen, die atmosphärische und sich langsam entwickelnde Thriller mögen und sich auf diesen etwas speziellen und vielperspektivischen Aufbau einlassen mögen.

Veröffentlicht am 19.04.2026

Authentische Beschreibung des Politbetriebes und des Investigativjournalismus

Die Stockholm-Protokolle
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Julia, politische Investigativjournalistin bei einer großen schwedischen Zeitung, und Alfred, Kommunikationsexperte im Windkraftsektor, leben gemeinsam mit ihren beiden Kindern in Stockholm. Eigentlich ...

Julia, politische Investigativjournalistin bei einer großen schwedischen Zeitung, und Alfred, Kommunikationsexperte im Windkraftsektor, leben gemeinsam mit ihren beiden Kindern in Stockholm. Eigentlich sind sie dabei, sich neu aufzustellen – Julia wurde nach einer schief gelaufenen Recherche in der Redaktion degradiert und will sich nun mehr um die Kinder kümmern, während Alfred beruflich durchstarten soll. Als Alfred überraschend das Angebot bekommt, Pressesprecher des Ministerpräsidenten zu werden, zögert er nicht lange. Zum Entsetzen seiner Frau. Julia befürchtet, dass das Angebot mit ihren Recherchen zusammenhängt und sie so unter Kontrolle gehalten werden soll. Sie selbst bekommt einen Hinweis auf auffällige Muster im Kontext von Reisen nach Brüssel des Ministerpräsidenten. Während sich Julia in die Recherchen rund um den schwedischen Ministerpräsidenten und dessen Netzwerk stürzt, lernt Alfred sich im Haifischbecken der großen Politik zu behaupten. Und stößt ebenfalls auf Unregelmäßigkeiten.

Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Ich finde den Plot durchaus komplex, das Lesen habe ich aber als leicht empfunden. Allzu lange Leseunterbrechungen würde ich vermeiden, zu komplex sind dann doch die Verstrickungen und zu viele Personen spielen eine Rolle. Bei längeren Pausen muss man sich da dann erst einmal wieder hineinfinden.

Insgesamt finde ich den schwedischen Politbetrieb und die Ränkespiele, die Manipulation und die Intrigen, um maximale Macht zu erreichen oder zu erhalten, sehr authentisch beschrieben. Schön ist das nicht – aber das Thema ist ja auch nicht schön. Ich habe ganz nebenbei noch einiges über die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe in Schweden erfahren, die sehr realitätsnah mit in die Geschichte eingeflossen sind.

Sehr spannend fand ich auch die Protagonist:innen. Während mir Julia zu keiner Zeit sympathisch war, habe ich für Alfred über die Zeit etwas mehr Sympathie entwickeln können. Die mir etwas weniger sympathischen Protagonist:innen waren für mich beim Lesen aber überhaupt nicht schlimm, denn anders als bei anderen Büchern, hatte es für mich keine Auswirkungen, dass ich die beiden Hauptpersonen nicht besonders mochte. Ich habe trotzdem mitgefiebert, zwar weniger bezüglich der Frage, wie es den beiden persönlich ergeht, aber sehr in Bezug auf ihre Recherchen. Die Spannung hat sich für mich komplett aus den Recherchen und der politischen Gemengelage sowie den Ränkespielen gespeist.

Ohne zu spoilern: Mir gefällt auch das Ende gut, es passt zum realistisch und authentisch beschriebenen Politbetrieb. Das Ende hätte aus meiner Sicht auch sehr enttäuschend werden können – dem war zum Glück nicht so.

„Die Stockholm-Protokolle“ ist meines Erachtens kein klassischer Thriller. Das Buch beschreibt die Verwicklungen in der schwedischen und europäischen Spitzenpolitik und den investigativen Politjournalismus. Dies entwickelt durchaus Spannung und sorgt für einen gewissen Thrill. Leser:innen des Buches sollten jedoch Lust auf eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Politik, Geheimnissen und Intrigen haben. Wenn das ansprechend klingt, kann man als Leser:in gut unterhalten werden.