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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.02.2019

Spannend, aber durchsichtig

Der Patriot
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Zum Inhalt:
Schweden nimmt sehr viele Flüchtlinge auf. Aus Sicht einer kleinen Gruppierung zu viele und diese beginnt, Journalisten zu töten, die ihrer Meinung nach als "Lügenpresse" die öffentliche Wahrnehmung ...

Zum Inhalt:
Schweden nimmt sehr viele Flüchtlinge auf. Aus Sicht einer kleinen Gruppierung zu viele und diese beginnt, Journalisten zu töten, die ihrer Meinung nach als "Lügenpresse" die öffentliche Wahrnehmung mit bewussten Falschmeldungen manipulieren. Als die mediale Aufmerksamkeit beginnt abzuebben, beschließen sie einen Terroranschlag, der die Öffentlichkeit vollständig auf ihre Linie bringen soll. Dabei rechnen sie jedoch nicht mit dem schwedischen Fremdenlegionär August, der nach einiger Zeit im Ausland beschließt, zurückzukehren... und aufzuräumen...

Mein Eindruck:
Trotz des Klappentextes, der die rechtsextremen Gewalttaten gegen den Autor Pascal Engman thematisiert, beginnt dieser sein Buch völlig unerwartet: Er zeigt differenziert Gedanken, Gefühle und Handlungen von vier Hauptpersonen: Ein Fremdenlegionär, eine Journalistin, ein Sohn im Hauptberuf und ein syrischer Taxifahrer, der seit zwanzig Jahren in Schweden lebt. Doch leider bleibt Engman diesem guten Ansatz, der allen Charakteren eine gewisse Vielschichtigkeit anhaften lässt, nicht lange treu. Seine Figuren werden allesamt schuldig, die Art und Weise der Begründung ihrer Taten ist jedoch durchsichtig, plakativ und politisch zu korrekt. Zwar ist zum Beispiel der Rechtsextremist ein Angehöriger der Oberschicht, jedoch gescheitert und durch Papas Börse lebend und der Selbstmordattentäter mit Migrationshintergrund ist im Grunde seines Herzens ein strebsamer, liebevoller Mensch und wird nur durch ersteren dazu gezwungen, Dutzende Menschen zu töten – mehr Vorschlaghammer geht praktisch nicht. Und genau damit erweist Engman der guten Sache einen Bärendienst. Die meisten Leser möchten selber nachdenken und sich ihre Meinung bilden und nicht durch eine Schwarz-Weiß-Malerei auf den Weg gebracht werden, - so richtig dieser Weg auch sein mag.
Stilistisch ist an dem Thriller nichts zu beanstanden. Die kurzen Kapitel, die sich zumeist mit einer Hauptperson – manchmal in Interaktion mit einer Nebenfigur – befassen, besitzen einen Drive, der den Spannungsbogen über das gesamte Buch straff gespannt hält. Dass der Autor als Reporter gelernt hat, Sprache einzusetzen, beweist Engman ein um das andere Mal.

Mein Fazit:
Ein bisschen weniger Schwarz und Weiß hätte der Geschichte die Farbe verleihen können, die sie verdient

Veröffentlicht am 01.02.2019

Tote Studentinnen in Dublin

Ich bringe dir die Nacht
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Zum Inhalt:
Zehn Jahre, nachdem Alisons Freund Will als Serienkiller verurteilt wurde, sterben zwei Studentinnen in Dublin auf eine ähnliche Art und Weise wie damals. Malone, ein irischer Polizist, fragt ...

Zum Inhalt:
Zehn Jahre, nachdem Alisons Freund Will als Serienkiller verurteilt wurde, sterben zwei Studentinnen in Dublin auf eine ähnliche Art und Weise wie damals. Malone, ein irischer Polizist, fragt sich, ob die Verhaftung damals nicht auf einem fatalen Irrtum und falschen Spuren beruhte und lässt sich auf einen Kontakt mit Will ein, welcher behauptet, Informationen zu haben. Doch Will möchte mit niemandem reden, außer mit Alison. Diese war seit der Zeit der Morde nicht mehr in Irland und lässt sich nur schwer von der Polizei zur Kooperation überreden. Doch schließlich fliegt sie nach Dublin, besucht Will, beginnt erst zu zweifeln, dann zu ermitteln und gerät schließlich in das Visier des (neuen?) Killers.

Mein Eindruck:
Catherine Ryan Howard bedient sich verschiedener Personen und Zeiten, um den Lesern die Sicht der Dinge zu schildern. In der Vergangenheit gibt es praktisch nur eine Hauptperson: Alison, die zusammen mit ihrer Kindheitsfreundin nach Dublin zieht, um dort das Studentenleben zu genießen. Die Protagonistin der Gegenwart ist zwar ebenfalls Alison; dieser Zeitpunkt befasst sich jedoch auch – in einigen, wenigen Kapiteln – mit den Gedanken von Will und denen des Täters. Und genau die Beschreibung der Gefühle und Gedanken ihrer Figuren ist das, was die Story ausmacht. Man bekommt einen sehr guten Eindruck des Widerstreits in Alisons Seele, der Verzweiflung Wills über sein Schicksal und die Beweggründe des Täters und hofft und bangt mit den Figuren. Diese sind bis in die Nebencharaktere so durchkomponiert, dass man praktisch pausenlos Möglichkeiten durchspielt und wieder verwirft. Dadurch, dass Howard geschickte Wendungen in ihre Geschichte einbaut, kann man nie sicher sein, ob der Schein vielleicht doch trügt, - und genau das sollte ein Psychothriller bieten.

Mein Fazit:
Ein perfektes Verwirrspiel

Veröffentlicht am 27.01.2019

Böse neue Welt

Wovon du nichts ahnst
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Zum Inhalt:
Nach einer Depression vor einigen Jahren ist die Ärzten Sarah wieder glücklich: Mann, drei Kinder und der Himmel lacht über Maine. Doch dann taucht eine Bekannte aus der Vergangenheit auf und ...

Zum Inhalt:
Nach einer Depression vor einigen Jahren ist die Ärzten Sarah wieder glücklich: Mann, drei Kinder und der Himmel lacht über Maine. Doch dann taucht eine Bekannte aus der Vergangenheit auf und mit ihr die Frage nach dem echten Facebook-Profil von Sarah. Das gefälschte Profil verschwindet bald, nicht jedoch das Unbehagen darüber. Denn es zeigt sich, dass der Initiator dieser Aktion noch ganz andere Ideen in petto hat mit dem Ziel, die Kleinstadtidylle von Sarah komplett zu zerstören.

Mein Eindruck:
Alex Lake ist ein absoluter Page-Turner mit seinem Thriller gelungen. Das Grauen kommt zwar erst einmal wie ein schlechter Scherz daher, wird dann aber immer bösartiger und damit für die Heldin, ihre Familie und die Leserschaft immer erschreckender. Zusätzlich erzeugt der Autor Spannung mit Einschüben der Gedanken des Psychopathen, der für die ganze Aktion verantwortlich ist und bringt seine Leser zum Grübeln: Ist es jemand aus der Familie, dem Freundeskreis, dem beruflichen Umfeld oder sogar Sarah selbst? Ja, dem geübten Krimileser schwant irgendwann die Lösung, trotzdem ist der Weg zum Ziel perfekt bereitet. In drei großen Kapiteln unterteilt, befasst sich das Buch zuerst mit dem Unbehagen, dann mit der Panik und schließlich mit der Auflösung. Obwohl im letzten Teil das „Wer“ bekannt ist, unterhält Lake noch wunderbar mit dem „Warum“ und dem „Was nun“.
Einzig das Ende ist dann doch übertrieben – selbst in einem Psychothriller müssen nicht übermenschliche Kräfte entwickelt werden.
Davon abgesehen ist das Buch nicht nur perfekte Unterhaltung, sondern zeigt in aller Deutlichkeit die Möglichkeiten, die soziale Medien und smarte Helferlein haben, einem das Leben interessant zu gestalten und zur Hölle zu machen.

Mein Fazit:
Ein Gefühl, das bleibt, - ein mulmiges

Veröffentlicht am 20.01.2019

Anfang super, klasse Schluss

Doggerland. Fehltritt (Ein Doggerland-Krimi 1)
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... aber eindeutig zu lang im Mittelteil!

Zum Inhalt:
Zu viel Alkohol am Abend, zu viel Vorgesetzter im Bett am Morgen. Und dann noch eine Leiche zum Mittagessen, - kurioserweise wird die Tote als Exfrau ...

... aber eindeutig zu lang im Mittelteil!

Zum Inhalt:
Zu viel Alkohol am Abend, zu viel Vorgesetzter im Bett am Morgen. Und dann noch eine Leiche zum Mittagessen, - kurioserweise wird die Tote als Exfrau vom Chef identifiziert und Kriminalkommissarin Karen steht damit vor mehreren Problemen: Sie könnte ihrem Vorgesetzten ein Alibi geben, will es aber nicht und sie muss die Leitung einer Truppe übernehmen, welche ihr nur in Teilen Kompetenz und Fähigkeit in ihrem Beruf zubilligt und in dieser Ansicht von der Leitung unterstützt wird. So kristallisiert sich ein Kampf an mehreren Flügeln heraus: Gegen die Führungsetage, gegen die Umstände und gegen einen Täter, der möglicherweise nicht nur einmal zugeschlagen hat.

Mein Eindruck:
Der Thriller beginnt schon mit zwei Kuriositäten: Einerseits natürlich der One-Night-Stand zwischen sich eigentlich nicht besonders sympathischen Kollegen, andererseits der Fakt als Standort eine Inselgruppe zu benennen, die es nicht mehr gibt und somit völlig frei in der Erfindung von Örtlichkeiten zu sein. Adolfsson nutzt die dadurch entstehende Möglichkeiten voll aus und erfindet Währung, Landschaft und eigene Festivitäten, um so das Bild einer skandinavischen Gemeinschaft zu zeichnen, die Charakterzüge von allen nordischen Ländern vereint und durch die Mischung etwas Eigenes ist. Dieser Teil des Buches ist nicht nur gut lesbar, sondern gefällt durch die Originalität. Auch der Fall kommt wirklich gut in Schwung, bis Karen ausgebremst wird. 200 Seiten, die wahrscheinlich echte Polizeiarbeit spiegeln, die Rückschläge, die kleinteiligen Ermittlungen, die mannigfaltigen Bosheiten, ... Ja, das mag objektiv korrekt im Arbeitsablauf sein, subjektiv führt es aber zu gähnender Langeweile beim Krimileser, welcher möchte, dass der Fall zu Potte kommt. Der Schluss mit Täterfindung ist jedoch so genial, dass man fast den drögen Mittelteil vergisst.

Dass natürlich auch dieser Ermittlerin eine schwere Bürde auf der Seele lastet, versteht sich bei einer skandinavischen Autorenschaft fast von selbst. Trotzdem muss man Adolfsson zu Gute halten, dass sie Karen wenigstens einen sehr unorthodoxen Freundes- und Verwandtenkreis zur Seite stellt, den sie zum Schluss des Buchs noch gekonnt erweitert. Ein zweiter Versuch sollte nur etwas mehr Schwung (und ein streichfreudigeres Lektorat) haben.

Mein Fazit:
Anfang und Ende Welt-, Mittelteil Kreisklasse

Veröffentlicht am 19.01.2019

Gute Unterhaltung

Allein deine Schuld
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Zum Inhalt:
Für die Sozialarbeiterin Suzanne kommt es dick: Zuerst stirbt ein von ihr betreutes Mädchen, dann wird sie in einer Fernsehsendung mit einem alten Fall vorgeführt und zum Schluss ist auch noch ...

Zum Inhalt:
Für die Sozialarbeiterin Suzanne kommt es dick: Zuerst stirbt ein von ihr betreutes Mädchen, dann wird sie in einer Fernsehsendung mit einem alten Fall vorgeführt und zum Schluss ist auch noch ihre Tochter, mit der sie am Morgen einen Streit hatte, verschwunden. Da sie dieses Verschwinden wegen einer Verkettung unglücklicher Umstände erst nach zwei Tagen bemerkt, gerät sie in das Visier der ermittelnden Beamten. Und auch in ihr eigenes, denn Suzanne hat Erinnerungslücken, und ihrem Gedächtnis fehlt ein gutes Stück der Zeit nach dem Streit.

Mein Eindruck:
Was Lewin in dem Buch wirklich gut gelingt, ist, ihre Erfahrung als Sozialarbeiterin in die Seiten zu packen. Denn man merkt wirklich bei den Beschreibungen, dass diese stimmig sind und gut den Stress und die innere Zerrissenheit dieses Berufes zeigen. Genervt hat allerdings, dass es anscheinend einen Wettbewerb gibt: „Wer kann sich die größten Probleme bei Ermittlern ausdenken?“ Auch diese Autorin nimmt beherzt mit unter anderem „ermordete Frau und schwierige Situation als dadurch alleinerziehender Polizist“ daran teil. Diese Nebenkriegsschauplätze haben nämlich keinen großen Einfluss auf Fall, Ermittlung und Täter und sind deshalb nur noch störendes Füllmaterial. Da Lewin jedoch eigentlich viele Personen mit Schatten auf der Seele, undurchsichtigem Verhalten und dadurch potenziell als Täter möglich einführt, hätte es das gar nicht gebraucht. Die Ambivalenz ihrer Hauptverdächtigen gelingt ihr dabei großartig, die Verwirrung ist komplett und es macht Spaß, sich daraus zu befreien und zum Schluss zu sehen, wie sich alles zueinander fügt. Einige Teilstücke sind jedoch nicht besonders glaubwürdig; - ein Pakt mit dem Teufel so wider die Natur, dass man als Leser doch eher irritiert als überrascht ist.
Doch trotz einiger Längen unterhält der Krimi mit einem furiosen Finale, in dem sämtliche Register eines guten Thrillers gezogen werden.
Beim Ende scheint dann doch das grundgütige Sozialarbeiter-Gen mit Lewin durchzugehen: Zuckersüß, so dass Diabetes-Gefahr herrscht.

Mein Fazit:
Manchmal ein Kaugummi – ausgelutscht und zäh – meistens jedoch gute und spannende Unterhaltung

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