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Veröffentlicht am 21.01.2018

Spätfolgen

Das Lied der toten Mädchen (Jan-Römer-Krimi 3)
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Zum Inhalt:
Vor zwanzig Jahren wurde die Leiche eines hübschen, jungen Mädchens gefunden, neben ihr eine Spieluhr. Jetzt nehmen sich zwei Reporter – Jan und Stefanie - des Falles an, der damals ungelöst ...

Zum Inhalt:
Vor zwanzig Jahren wurde die Leiche eines hübschen, jungen Mädchens gefunden, neben ihr eine Spieluhr. Jetzt nehmen sich zwei Reporter – Jan und Stefanie - des Falles an, der damals ungelöst blieb. Sie entdecken, dass viele Leute im Spiel waren, die ihr Vorgehen um dubiose Vorgänge im Sauerland lieber geheim halten wollen. Und damit ist nicht nur der Todesfall gemeint.

Mein Eindruck:
Linus Geschke bedient zwei Anforderungen eines Thrillers perfekt: Ein packendes Eingangsszenario und ein furioses Ende – möglichst mit Überraschungen für Ermittler und Leser. Uneingeschränkt gelingt ihm dieses, aber im Mittelteil – und zwar in einem sehr ausführlichen Mittelteil – widmet er sich für meinen Begriff viel zu sehr dem teilverkorksten Privatleben seines Protagonisten. Augenzwinkernd sieht er ihm zu, wenn sich Jan bis zum Filmriss zuschüttet und seinen kindlichen Sohn mit Regeln zum effektvollen Schlagen füttern lässt. Auch wenn man kein pädagogischer Weichspüler ist, - diese Szenen sollten doch zu einem Stirnrunzeln der geneigten Leserschaft führen. Glücklicherweise beweist der Autor ein besseres Händchen, wenn er sich mit dem Umfeld von Tat und Täter heutzutage und zu damaliger Zeit befasst. Beweggründe werden deutlich, die Charaktere gut herausgearbeitet und der Lokal- und Zeitkolorit anschaulich geschildert. Besser als die weibliche (theoretische) Hauptperson: Über Stefanie, genannt Mütze, erfährt man nicht viel mehr, als dass sie hübsch und dunkelblond ist, gut recherchieren kann und immer eine Kopfbedeckung trägt. Möglicherweise behält sich Geschke das für einen Folgeband vor, es wäre auf jeden Fall angenehmer, etwas über ihren Hintergrund zu erfahren, als wieder einem Saufgelage seitens ihres Kollegen beizuwohnen.

Mein Fazit:
Interessante Ausgangsposition, überraschendes Ende, wegen zu viel Privatkokolores und genretypischer Probleme (nur) drei Sterne

Veröffentlicht am 01.01.2018

Unerwartet gelungen

Die Erbin
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Zum Inhalt:
Die Welt der Hochfinanz ist ein Haifischbecken – in Schweden wie im Rest der Welt. Und der größte Hai ist David Hammar, ein Raubfisch, der auf den nächsten Happen einen besonderen Appetit hat. ...

Zum Inhalt:
Die Welt der Hochfinanz ist ein Haifischbecken – in Schweden wie im Rest der Welt. Und der größte Hai ist David Hammar, ein Raubfisch, der auf den nächsten Happen einen besonderen Appetit hat. Dafür gibt es nicht nur wirtschaftliche Gründe, David ist bei diesem Coup auf Rache aus – Rache an den de la Grips, die ihn und seine Familie vor Jahren tief verletzt haben. Eigentlich eine kühl kalkulierte Aktion, bei der durchaus Kollateralschäden in Kauf genommen werden, aber dann begegnet David Natalia de la Grip und sein wohl durchdachter Plan ist nicht mehr so einfach durchzuführen.

Mein Eindruck:
Der Klappentext klingt sehr klischeehaft: Bad Boy, Milliardär, mit dunklem Geheimnis, trifft traumhaft schöne Frau und natürlich ist da auch diese animalische Anziehungskraft, die diese all ihre keuschen Gedanken ad acta legen lässt und dann geht es nur noch um das eine – in wahnsinnig luxuriöser Umgebung mit vielen kultivierten, intelligenten, reichen und erfolgreichen Menschen. Ja, auch das ist „Die Erbin“, aber unerwarteter Weise auch einiges mehr. Die Autorin hat gut recherchiert und vermag, wirtschaftliche Zusammenhänge einfach, aber nicht trivial darzustellen. Ihre Charaktere haben Tiefe und werden facettenreich geschildert. Sie machen – bis auf die absolut starrsinnigen Fälle – eine Entwicklung durch und selbst die Unsympathen agieren folgerichtig und ihrer zum Teil jahrhundertelangen Konditionierung entsprechend. Da dem Buch eine hochspannende Geschichte um Macht und Geschäfte gleichberechtigt neben dem Liebesgesäusel und den damit einhergehenden fleischlichen Gelüsten zugrunde liegt, macht es zumeist Spaß, in dieser Story zu versinken. Nur im Mittelteil gibt es (für meinen Geschmack) ein wenig zu viel Matratzen-Akrobatik mit der Gefahr, das Buch entnervt zur Seite zu legen. Der gute Schreibstil bewahrt zum Glück vor diesem Fehler.
„Die Erbin“ ist der Start einer Trilogie, deshalb lässt die Autorin einige Fragen unbeantwortet. Diese sind jedoch unerheblich, so dass sich niemand gezwungen sehen muss, die folgenden Bände zu lesen. Sollte Ahrnstedt ihrem Stil treu blieben, ist es jedoch bestimmt nicht schade um die Investition.

Mein Fazit.
Wirtschaftswissenschaftler mit Gefühlen – es passieren Zeichen und Wunder
4 Sterne

Veröffentlicht am 30.12.2017

Verwunschene Landschaft

Kein guter Ort
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Zum Inhalt:
Der Psychologe Arne Eriksen findet sein neues Betätigungsfeld in einer Klinik in Telemark. Durch seine Patientin Janne – süchtige Tochter eines Polizeichefs – fällt sein Augenmerk zufällig ...

Zum Inhalt:
Der Psychologe Arne Eriksen findet sein neues Betätigungsfeld in einer Klinik in Telemark. Durch seine Patientin Janne – süchtige Tochter eines Polizeichefs – fällt sein Augenmerk zufällig auf ein Hotel an der Rabenschlucht, das Schauplatz einiger Tode war. Bei dem letzten Ereignis vor 10 Jahren starben ein junges Mädchen und ihr Vater. Janne reagiert neugierig, Arne will helfen und beide beschwören Ereignisse herauf, die für sie und andere gefährlich werden – schließlich ist der Mörder von damals noch unerkannt.

Mein Eindruck:
Der dritte Teil der Serie um Arne Eriksen nimmt zwar öfter Bezug auf die beiden vorangegangenen Bücher, lässt sich aber gut ohne Vorkenntnisse lesen.
Diese Erzählung ist eine gut geratene Mischung aus Kriminalroman und esoterisch angehauchter Geschichte. Sehr schön nimmt Bernhard Stäber den Faden seiner norwegischen Wahlheimat auf, bei der sich die Menschen ihrer Umgebung, Vorfahren und den mystischen Gefühlen, die damit einhergehen, besonders bewusst sind. Unauffällig und unaufgeregt lässt der Autor seine Figuren in diesem Kosmos agieren, so dass auch einem kühlen, abgeklärten, deutschen Leser alle Vorkommnisse absolut einsichtig und folgerichtig erscheinen. Langsam und stetig wird dazu die Spannungsschraube angezogen, der eingängige Schreibstil macht es leicht, der Geschichte zu folgen. Gut gefällt, dass Stäber vielen seiner Charaktere gute und schlechte Seiten zubilligt – das macht die Personen glaubhafter als eine einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung. Leider kann er sich nicht der momentanen Mode entziehen, unbedingt eine tumbe Schar von Rechtsextremen irgendwie in die Geschichte zu prügeln, - und das auch noch buchstäblich. Wenn es der Story nützt, sind solche Aspekte angemessen, hier bedienen sie jedoch nur den moralischen Zeigefinger.
Der Schluss bietet einen sympathischen Ausblick und die Aussicht auf mehr Landschaft, mehr Menschen und mehr spannende Geschichten in Arnes Umfeld.

Mein Fazit:
Spannende Unterhaltung in schöner Landschaft

Veröffentlicht am 28.12.2017

Old School

Hamish Macbeth und das Skelett im Moor
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Zum Inhalt:
Der Dorfpolizist Hamish Macbeth wird als Urlaubsvertretung nach Cnothan geschickt. Dort herrscht eine abweisende Stimmung vor, die sich nicht nur gegen ihn richtet, sondern hauptsächlich einem ...

Zum Inhalt:
Der Dorfpolizist Hamish Macbeth wird als Urlaubsvertretung nach Cnothan geschickt. Dort herrscht eine abweisende Stimmung vor, die sich nicht nur gegen ihn richtet, sondern hauptsächlich einem zugezogenen Engländer gilt. Mit schlechter Laune ist es jedoch nicht lange getan – kurze Zeit später sieht sich Hamish einem Skelett gegenüber, - und dieses Skelett hat ein englisches Gebiss….

Mein Eindruck:
Die Liebhaber der klassischen, britischen Krimis im Stil von Agatha Christie oder Caroline Graham kommen hier voll auf ihre Kosten. Denn auch wenn der dritte Teil aus der Hamish Macbeth Serie erst 2017 in Deutschland veröffentlicht wurde, hat das Buch bereits fast 30 Jahre auf dem schottischen Buckel. Dementsprechend sind die Mordfälle keinesfalls albtraumtauglich und die ermittelnden Beamten haben keine größeren Probleme als polizeilichen Ehrgeiz und Standesdünkel. Aber genau das macht den Charme der Geschichte aus. Der Protagonist ist liebenswert altmodisch (und denkt über einen Heiratsantrag nach, weil er mit einer hübschen Frau im Bett gelandet ist), das weitere Personal knorrig und drollig, der Fall mit Humor geschildert und der Schluss zeigt sich mit Emanzipation: Die holde Maid rettet den Helden und zwar nicht mit Pferd und Rüstung, sondern mit schickem Automobil.
Beaton orientiert sich bei ihrem Schreibstil am „Easy Writing“ der Grand Dame des Kriminalromans. Ihre Sätze sind kurz, aussagekräftig und lassen sich genießen, ohne Kapriolen in den Gehirnwindungen ihrer Leser zu schlagen. Leider kommt die Auflösung des Falls im Gegensatz zu den ersten beiden Hamish Macbeth Bänden zu plötzlich und nicht unbedingt folgerichtig daher: Bei „Hamish Macbeth fischt im Trüben“ und „… geht auf die Pirsch“ konnte man mit ein bisschen Nachdenken selber den Täter erraten, hier muss man sich auf Hamishs Spürnase verlassen. Das sollte aber nicht davon abhalten, sich auf die nächsten Fälle Macbeths zu freuen, - seine roten Haare bieten einen unterhaltsamen Kontrapunkt zum Einheitsgrau der modernen Ermittler.

Mein Fazit:
Leichte Unterhaltung in guter, britischer Tradition

Veröffentlicht am 27.12.2017

Die Zukunft: Optimal optimiert !(?)

Die Optimierer
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Zum Inhalt:

In einer nicht allzu fernen Zukunft wählt man seinen Beruf nicht mehr nach Neigung und Können, sondern bekommt ihn nach Passgenauigkeit zugewiesen. Eine der dafür zuständigen Personen ist ...

Zum Inhalt:

In einer nicht allzu fernen Zukunft wählt man seinen Beruf nicht mehr nach Neigung und Können, sondern bekommt ihn nach Passgenauigkeit zugewiesen. Eine der dafür zuständigen Personen ist Samson Freitag. Systemgläubig und angepasst führt er ein für ihn befriedigendes Leben. Doch dann gerät ein kleines Sandkorn in das optimierte Getriebe und Stück für Stück fällt Samsons Wohlfühl-Utopie in sich zusammen.


Mein Eindruck:

Die perfekte Lektüre für alle, die es schon immer geahnt haben: Das perfekte Leben ist die perfekte Illusion und hinter der perfekten Fassade lauert das perfekte Grauen.

Hannig spielt gekonnt mit den Möglichkeiten, die sich schon aus heutiger Sicht bieten und webt daraus maliziös ein Netz, in dem sich ihr Protagonist wie das Beutetier einer Spinne verfängt. Zuerst zappelt er nur ein bisschen, dann wickelt ihn die Staatsmacht immer fester ein und schließlich wird ein Entkommen so gut wie unmöglich. Ein schnörkelloser, aber absolut nicht langweiliger Schreibstil, eine fantasievolle, aber nicht unrealistische Erfindungsgabe und die perfekte Balance aus Spannung und Humor führen zu großem Lesevergnügen. Mit Samson hat die Autorin eine Figur erschaffen, die es dem Leser nicht allzu leicht macht. Einerseits möchte man ihn ob seiner Naivität verachten, andererseits wächst das Mitleid mit einem Helden, der unschuldig in große Not gerät und erkennen muss, dass er trotz aller Gesetzestreue zur Persona non Grata wird – einem Paria in einer Gesellschaft, die jeden mit einem einzigen Scan in eine Schublade stecken kann.

Diese Ausweglosigkeit zieht die Leser in einen Bann, eine Spirale, die sich immer schneller dreht und zum immer Weiterlesen verführt. Und zum Glück ist der Schluss des Buchs noch nicht das Ende und eine Fortsetzung angekündigt, die hoffentlich noch einige offene Fragen beantwortet.


Mein Fazit:

Wer jetzt noch sagt „Alles gut mit der gläsernen Persönlichkeit, ich habe doch nichts zu verbergen“, hat den Schuss nicht gehört

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