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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2025

Ein Coming-of-Age-Roman mit Tiefgang

Der Große Gary
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Rob Perrys Der große Gary ist ein Roadtrip-Roman der leisen Töne, der durch seine warmherzige Mischung aus Coming-of-Age, Abenteuer und einer besonderen Mensch-Tier-Beziehung besticht. Die Geschichte geht ...

Rob Perrys Der große Gary ist ein Roadtrip-Roman der leisen Töne, der durch seine warmherzige Mischung aus Coming-of-Age, Abenteuer und einer besonderen Mensch-Tier-Beziehung besticht. Die Geschichte geht um Benjamin, der mit gerade mal 18 Jahren schon ziemlich viel Einsamkeit und Ängste mit sich herumschleppt. Sein Leben im Caravan Park an der Ostküste Englands wirkt erstmal trostlos, und dann kommt alles auf einmal: ein toter Wal am Strand, ein herrenloser Windhund, der sich nicht mehr abschütteln lässt, und ein Lieferfahrer, der Benjamin plötzlich mitten in eine ziemlich verrückte Geschichte zieht.

Was ich an diesem Roman so mochte, ist die Mischung: Da sind ernste Themen wie Benjamins Angststörung und seine Isolation, aber gleichzeitig so viele herzerwärmende Momente, dass man beim Lesen ständig ein kleines Lächeln im Gesicht hat. Es geht oft etwas schief, aber irgendwie fügt sich am Ende doch alles – und das macht die Geschichte so charmant. Besonders die Beziehung zwischen Benjamin und Gary hat mich berührt.

Der Roadtrip selbst ist spannend und voller kleiner Überraschungen, und Benjamin macht in den wenigen Tagen eine beeindruckende Entwicklung durch. Am Ende bleibt die Geschichte bewusst etwas offen, was sicher nicht jedem gefällt, für mich aber gut gepasst hat – wie im echten Leben eben.

Der große Gary ist eine stille, aber fesselnde Geschichte, die mit originellen Figuren, einem Hauch Spannung und einer großen Portion Herz punktet. Sie zeigt, dass Mut nicht laut sein muss und dass Freundschaft auch zwischen Mensch und Tier heilende Kraft entfalten kann. Ein Buch, das berührt und gleichzeitig unterhält.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Mut, Magie und eine Liebe, die stärker ist als das Schicksal

How to Fight Fate: Ist es wahre Liebe, wenn das Schicksal den Seelenpartner vorherbestimmt? Enemies-to-Lovers-Romantasy Young Adult Buch ab 14 Jahren mit Farbschnitt nur in der 1. Auflage (Fate Dilogie, Bd. 1)
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Schon das Setting von How to Fight Fate hat mich sofort gepackt: eine Welt, in der das Schicksal alles bestimmt – wer du bist, wen du liebst, wie lange du lebst. Allein dieser Gedanke ist so faszinierend ...

Schon das Setting von How to Fight Fate hat mich sofort gepackt: eine Welt, in der das Schicksal alles bestimmt – wer du bist, wen du liebst, wie lange du lebst. Allein dieser Gedanke ist so faszinierend wie bedrückend, denn ohne Seelenpartner ist man in Anima quasi wertlos. Mit dieser düsteren Prämisse startet Saskia Louis direkt spannend in die Geschichte.

Im Mittelpunkt steht Kiana, eine Schicksalsnovizin, die sich so sehr auf ihre Seelenzeremonie freut und davon träumt, an der Seite ihres Seelenpartners die Zukunft vorherzusehen. Doch dieser Traum zerbricht, kaum dass sie ihren Seelenverwandten gefunden hat – er stirbt, und damit scheint auch Kianas Hoffnung auf Glück verloren. Genau hier hat mich Kianas Charakter richtig beeindruckt: Statt aufzugeben, beschließt sie zu kämpfen, sich ihr Leben zurückzuholen und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie ist eine starke, mutige Protagonistin, die nie passiv bleibt und an jeder Herausforderung wächst.

Besonders die Dynamik zwischen Kiana und Tyron ist gut dargestellt. Ihre Liebesgeschichte ist keine klassische „perfekte“ Romanze, sondern fühlt sich echt an – mit Höhen, Tiefen, Streit und Leidenschaft. Saskia Louis zeigt sehr schön, dass Liebe mehr ist als Seelenverwandtschaft; sie bedeutet Arbeit, Entwicklung und gegenseitiges Vertrauen. Das hat der Geschichte eine Tiefe gegeben, die ich bei vielen Romantasy-Romanen manchmal vermisse.

Auch die Freundschaft zwischen den drei Novizen – Kiana, Nevin und Tyron – hat mir gut gefallen. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen, und es macht Spaß, Stück für Stück mehr über ihre Hintergründe zu erfahren. Sie ergänzen sich perfekt und wachsen als Team zusammen, was die Geschichte noch lebendiger macht.

Das Worldbuilding ist spannend und originell. Ich hätte mir teilweise sogar noch mehr Details über die drei Orden, die Schicksalsfäden und die Bedeutung der Seelenpartnerschaften gewünscht, weil die Ideen so viel Potenzial haben. Aber vielleicht kommt da noch mehr im nächsten Band – und nach diesem Cliffhanger am Ende bin ich definitiv neugierig auf die Fortsetzung!

Mein Fazit: How to Fight ist eine Mischung aus Romantasy, Abenteuer und einer starken Botschaft: Die Zukunft ist nicht festgeschrieben. Kianas Mut und Entschlossenheit machen sie zu einer Heldin, die man gerne begleitet, und die Geschichte bietet eine tolle Balance aus Spannung, Gefühl und Magie.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Selbstliebe statt Selbstaufopferung

Too Much!
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Too Much! von Terri Cole ist ein Sachbuch für alle, die sich in übermäßigem Kümmern und Helfen wiedererkennen – und endlich lernen möchten, wieder mehr für sich selbst da zu sein. Mit viel Empathie und ...

Too Much! von Terri Cole ist ein Sachbuch für alle, die sich in übermäßigem Kümmern und Helfen wiedererkennen – und endlich lernen möchten, wieder mehr für sich selbst da zu sein. Mit viel Empathie und Klarheit beleuchtet Cole die Wurzeln überfunktionalen Verhaltens. Dabei schafft sie ein tiefes Verständnis für unsere Anziehung zu narzisstischen Menschen und macht deutlich, wie alte Verletzungen und Traumata uns in dieses Muster führen können.

Besonders wertvoll sind die zahlreichen praktischen Übungen zur Selbsterkenntnis und Verhaltensänderung, die Leser:innen Schritt für Schritt an die Hand nehmen. Cole bietet Strategien für emotionale Abgrenzung, Resilienz und Selbstfürsorge – nicht als starres Regelwerk, sondern als Einladung, wieder mit der eigenen inneren Stimme in Kontakt zu kommen.

Der Schreibstil ist nahbar, verständlich und ermutigend. Anstatt zu belehren, begleitet Cole ihre Leser:innen liebevoll auf dem Weg zu mehr Selbstachtung. Jedes Kapitel schließt mit einer kompakten Zusammenfassung und Vertiefung.

Sie lädt ein, Verantwortung abzugeben und das Loslassen als Befreiung statt Schwäche zu begreifen. Das Buch öffnet damit einen Raum, in dem Verletzlichkeit nicht länger als Makel gilt, sondern als Schlüssel zur Heilung.

Too Much! ist ein stärkendes Buch für alle, die sich aus dem Kreislauf des Über-Engagierens befreien und wieder Kraft, Freiheit und Lebensfreude in ihr Leben einladen wollen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Bedingt kindgerecht

Selma, du machst das falsch!
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Das Cover des Buches gefällt mir sehr. Farblich schön gestaltet und vor allem die besondere Haptik durch die spürbaren Fäden des Spinnennetzes ist ein Highlight. Die Illustrationen im Buch haben mir zum ...

Das Cover des Buches gefällt mir sehr. Farblich schön gestaltet und vor allem die besondere Haptik durch die spürbaren Fäden des Spinnennetzes ist ein Highlight. Die Illustrationen im Buch haben mir zum Teil nicht mehr so gut gefallen, da sie meiner Meinung nach für Kinder zu abstrahiert sind. Die Geschichte an sich ist recht tiefgründig und vom Prinzip her wirklich toll. Dennoch ist mir der Verlauf der Geschichte - Selma ist und bleibt ein Außenseiter - doch recht melancholisch. Selbst bei mir als Erwachsene - blieb ein gewisses beklemmendes Gefühl nach dem Lesen der Geschichte zurück: Selma ist komplett aus dem Umfeld ihrer Freunde und Familie draußen, um im Weltall ihre Spinnennetze zu fabrizieren. Die einsame Konstellation mindert m. M. nach die wertvolle Message der Geschichte, seine Einzigartigkeit zu leben. Deswegen leider für von mir nur 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Raffiniert verknüpfte Absichten & menschliche Abgründe

Finale Curioso
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In Finale Curioso von Ralph Neubauer steht ein mehrfacher Mord in einer Bozener Villa im Mittelpunkt. Inmitten von Korruption und Machtmissbrauch müssen bekannte Figuren aus der Reihe für Klarheit sorgen. ...

In Finale Curioso von Ralph Neubauer steht ein mehrfacher Mord in einer Bozener Villa im Mittelpunkt. Inmitten von Korruption und Machtmissbrauch müssen bekannte Figuren aus der Reihe für Klarheit sorgen. Dennoch kommt vieles anders als gedacht. Parallel dazu treibt ein Betrüger sein Unwesen in Südtirol, während ein ehemaliger Polizeibeamter mit einem rätselhaften Diebstahl konfrontiert wird.

Besonders gut gefallen hat mir, wie der Autor diese drei sehr unterschiedlichen Straftaten miteinander verwebt und aufzeigt, wie alles miteinander in einem Gefüge verbunden ist. Man fühlt sich als Leser zeitgleich als Ermittler und wird dennoch von den Geschehnissen überrascht.

Etwas getrübt wird das Lesevergnügen durch die sehr ausschweifende Beschreibung der Musikkapelle und einige andere Passagen, die für meinen Geschmack etwas zu langatmig geraten sind.

Trotzdem: Für alle Südtirol-Kenner und Krimi-Fans ist dieser Roman eine klare Empfehlung – atmosphärisch, abwechslungsreich und clever konstruiert.

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