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Veröffentlicht am 27.11.2017

Irrungen und Wirrungen im Leben von Frank Stremmer

Das Jahr der Frauen
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Eigentlich hatte PR-Mann Frank Stremmer, Anfang 40, keine Vorsätze für das neue Jahr 2013 gefasst. Doch was soll man antworten, wenn der Psychotherapeut, Dr. Yves Niederegger, trotzdem welche hören möchte? ...

Eigentlich hatte PR-Mann Frank Stremmer, Anfang 40, keine Vorsätze für das neue Jahr 2013 gefasst. Doch was soll man antworten, wenn der Psychotherapeut, Dr. Yves Niederegger, trotzdem welche hören möchte? Zwölf Frauen in zwölf Monaten: Wenn dies gelingt, will Stremmer die Legitimation zum Selbstmord. Die provokant formulierte Wette wird schnell zur fixen Idee.

Mit „Das Jahr der Frauen“ ist Christoph Höhtker auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2017 gelandet.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Frank Stremmer. Unterteilt ist sie – passend zur Anzahl der Monate - in zwölf Abschnitte.

Mit dem Einstieg ins Buch habe ich mich schwergetan. Das liegt einerseits am unsympathischen Hauptprotagonisten, ein Antiheld, der einige Widersprüche in sich birgt. Das bietet zwar durchaus ein Potenzial für eine interessante Geschichte, hat mich in diesem Fall aber nicht überzeugt. Denn Stremmer ist ein Mann, der sich nicht gut konzentrieren kann und immer wieder abschweift - auch in seinen Schilderungen. Dies spiegelt sich in der Schreibweise des Romans wider. Seine Gedankensprünge und sein Abdriften sind abrupt, zum Teil verwirrend und für mich nur begrenzt nachzuvollziehen. Dadurch fiel es mir schwer, den Gedanken Stremmers zu folgen. Einige Fragen bleiben auch nach dem Ende offen. Womöglich ist es zum besseren Verständnis nötig, zuerst „Die schreckliche Wirklichkeit des Lebens an meiner Seite“ und „Alles sehen“ von Christoph Höhtker zu lesen, da es dort ebenfalls um Frank Stremmer geht.

Andererseits konnte mich auch die Handlung über weite Teile nicht fesseln, obwohl mir die Grundidee des Romans sehr zusagt. Doch die Umsetzung konnte bei mir leider nicht punkten. Anders als vermutet stehen die Frauen nämlich nicht im Mittelpunkt der Geschichte, denn es geht auch um Franks Arbeitsplatz, erfundene Biografien, den Kontakt zu seinem Therapeuten und sonstige Begegnungen. Dies sorgt zwar zunächst für Abwechslung und Kurzweil. Dadurch ging jedoch im Laufe der Geschichte der rote Faden verloren. Einige Wiederholungen machten es außerdem anstrengend, der Handlung zu folgen. Positiv finde ich dagegen, dass gesellschaftskritische Elemente enthalten sind.

Außergewöhnlich ist die Sprachgewandtheit des Autors. Schöne Bilder werden erzeugt. Fremdsprachliche Passagen werden eingeflochten, was ich als gelungenes Stilmittel empfunden habe. Einige Textstellen sind brillant formuliert. Andere dagegen irritieren und lassen den Leser ratlos zurück: Wie kann man beispielsweise „fast“ an etwas denken?

Ich habe den Roman als Hörbuch, eine ungekürzte Lesung, verfolgt, bei dem Sprecher Erich Wittenberg seine Aufgabe hervorragend gemeistert hat.

Meinen Geschmack getroffen haben auch das kunstvolle Cover und der eingängige Titel des Romans.

Mein Fazit:
„Das Jahr der Frauen“ ist kein durchweg schlechtes, aber ein sehr spezielles Buch, das dem Leser viel abverlangt. Es ist ein Roman, der sicherlich polarisiert, zu dem ich aber leider keinen Zugang finden konnte.

Veröffentlicht am 26.11.2017

Sieben Freunde und ein mysteriöser Todesfall

Das verborgene Spiel
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Dellecher College im US-Bundesstaat Illinois, Ende der 1990er-Jahre: Der junge Schauspieler Oliver Marks wird zwar immer nur mit Nebenrollen abgespeist, ist aber dennoch zufrieden. Er gehört einer Gruppe ...

Dellecher College im US-Bundesstaat Illinois, Ende der 1990er-Jahre: Der junge Schauspieler Oliver Marks wird zwar immer nur mit Nebenrollen abgespeist, ist aber dennoch zufrieden. Er gehört einer Gruppe von insgesamt sieben Studenten seines Jahrgangs an, die die Liebe zu William Shakespeare eint und eine eingeschworene Gemeinschaft bildet. Doch eines Tages treibt einer von ihnen tot im See…

Mit „Das verborgene Spiel“ ist M.L. Rio ein lesenswerter Debütroman gelungen.

Meine Meinung:
Der Roman ist wie ein Theaterstück in fünf Akte mit mehreren Szenen eingeteilt - ein Konzept, das mich angesprochen hat. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart, in der Oliver nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird, und in den Jahren 1997/1998.

Nicht nur der Aufbau, sondern auch der Schreibstil des Romans ist besonders, denn immer wieder sind Zitate aus Stücken von William Shakespeare eingeflochten. Diese kreative Idee brachte zwar vor allem anfangs den Leserfluss etwas ins Stocken. Mit der Zeit jedoch habe ich daran Gefallen gefunden.

Ich habe auch einige Seiten gebraucht, um in die Geschichte einzutauchen. Nach einem langsamen und wegen der Vielzahl der Personen etwas verwirrendem Start konnte mich die Handlung aber zunehmend fesseln. Der Autorin ist es gelungen, eine Geschichte voller Geheimnisse spannend zu erzählen, sodass ich bis zum Schluss gerätselt habe, was es mit dem Unglück genau auf sich hatte. Die Handlung konnte mich mehrfach überraschen, das Ende war stimmig.

Die Charaktere sind ungewöhnlich, aber durchaus reizvoll. Sie sind interessant gezeichnet, was zur Spannung beigetragen hat.

Der Titel weicht zwar stark vom Original ab, ist allerdings treffend gewählt. Ein weiterer Pluspunkt ist für mich das geschmackvolle Cover.

Mein Fazit:
„Das verborgene Spiel“ ist ein kreativer und vielschichtiger Spannungsroman, den ich vor allem Fans von Shakespeare ans Herz legen kann.

Veröffentlicht am 13.11.2017

Eine düstere Zukunftsvision

Leere Herzen
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Braunschweig im Jahr 2025: Die Besorgte-Bürger-Bewegung hat die Wahlen gewonnen und beschließt ein Effizienzpaket nach dem anderen, das zulasten der Grundrechte geht. Das Bedingungslose Grundeinkommen ...

Braunschweig im Jahr 2025: Die Besorgte-Bürger-Bewegung hat die Wahlen gewonnen und beschließt ein Effizienzpaket nach dem anderen, das zulasten der Grundrechte geht. Das Bedingungslose Grundeinkommen wurde eingeführt. Viele haben sich mit den Umständen abgefunden und den Glauben an eine bessere Zukunft verloren. So auch Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi, beide desillusioniert und pragmatisch. In der Zeit der Perspektivenlosigkeit haben die beiden gemeinsam eine kleine Firma, „Die Brücke“, aufgebaut, die sie unter dem Deckmantel einer Heilpraxis betreiben. In Wahrheit floriert in den unscheinbaren Büroräumen aber das Geschäft mit dem Tod. Alles läuft gut, bis unliebsame Konkurrenz auftaucht. Britta und Babak setzen alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer skrupellos auszuschalten…

Juli Zehs dystopischer Roman „Leere Herzen“ ist Polit- und Psychothriller zugleich.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte in 29 Kapiteln, deren Länge ich als angenehm empfunden habe. Sprachlich konnte mich der Roman absolut überzeugen. Der flüssige Schreibstil wirkt zunächst einfach und nüchtern, ist aber auf den zweiten Blick wesentlich detailreicher und raffinierter.

Schon ab dem ersten Kapitel war die Neugier auf die Geschichte geweckt und Spannung erzeugt, die dafür gesorgt hat, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Das Bild, das von der nicht allzu ferner Zukunft gezeichnet wird, ist provokant und etwas überspitzt, aber grundsätzlich durchaus vorstellbar. Dabei geht es um heute schon aktuelle Themen. Immer wieder kommt die Kritik an der Gesellschaft und deren Politikverdrossenheit durch. Dadurch ist der Roman mehr als nur bloße Unterhaltung. Er hat mich sowohl zum Nachdenken angeregt als auch schockiert. Einen Spiegel will uns die Autorin vorhalten, denn schon ganz am Anfang heißt es: „Da. So seid ihr.“

Mit Britta dreht sich die Geschichte um eine interessante Hauptprotagonistin. Authentisch und facettenreich werden auch die Personen der Geschichte beschrieben. Dargestellt wird eine Generation, deren Herzen leer sind und die ihre Überzeugungen verloren. Sie gibt dem Roman den treffenden, ansprechenden Titel. Inhaltlich passend dazu ist auch das reduzierte Cover, das ich sehr gelungen finde.

Mein Fazit:
Mit „Leere Herzen“ ist Juli Zeh in mehrfacher Hinsicht ein sehr lesenswerter Roman gelungen, der mich absolut überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 12.11.2017

Die amouröse Jagd auf die schöne Helene

Metrofolklore
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Als lesbische Archäologiestudentin mit Mitte 20 in Berlin hat man es nicht leicht. Wie erobert man da die schöne, aber heterosexuelle Kommilitonin Helene, die noch dazu mit dem Dekan des Fachs eine Affäre ...

Als lesbische Archäologiestudentin mit Mitte 20 in Berlin hat man es nicht leicht. Wie erobert man da die schöne, aber heterosexuelle Kommilitonin Helene, die noch dazu mit dem Dekan des Fachs eine Affäre hat? Und als wäre die unglückliche Verliebtheit in die unerreichbare Angebetete nicht schon Problem genug, gilt es auch noch, die eigene Partnerin, die ältere Anika, zu besänftigen, die mit ihrem dringenden Kinderwunsch nervt. Ist die Beziehung noch zu retten? Und ob Ovid und Co. wohl Tipps für diese verzwickte Lage parat haben?

Mit „Metrofolklore“ hat Patricia Hempel einen ungewöhnlichen Debütroman vorgelegt.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive, gespickt mit originellen Hashtags und Zitaten von Ovid und anderen. Auffallend ist ohne Zweifel der erfrischende, moderne Schreibstil. Die direkte, drastische, teils derbe Ausdrucksweise zieht sich durch alle Seiten und macht sicherlich den Reiz dieses Romans aus. Er hat das Buch für mich zur amüsanten Lektüre gemacht und mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht. Interessante Wortspiele und -neuschöpfungen haben meinen Geschmack getroffen. Sprachlich gelungen finde ich auch die Kapitelüberschriften.

Die Handlung ist bewusst überspitzt dargestellt. Ihr Buch will Patricia Hempel als Satire auf den Pop-Roman verstanden wissen, als eine Persiflage auf Drogen, Alkohol und andere destruktive Dinge. Dementsprechend viel Raum nehmen diese im Roman ein – meiner Meinung nach ein wenig zu viel, wobei ich die Intention dahinter nachvollziehen kann. Einige Wiederholungen führen auch dazu, dass mich die Handlung, die in Teilen etwas skurril anmutet, nicht ganz so sehr überzeugen konnte wie die Sprache. Den Schluss wiederum fand ich sehr gelungen.

Mein Fazit:
„Metrofolklore“ ist ein Buch, das aus der Masse heraussticht. Für mich ist es eine kurzweilige Lektüre, die alleine schon aus sprachlicher Hinsicht lohnt.

Veröffentlicht am 10.11.2017

Aza und die Gedankenspirale

Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
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Wie viele Teenager besucht Aza Holmes eine Highschool in Indianapolis. Doch die 16-Jährige ist anders. Sie leidet unter einer Angststörung, zum Beispiel einer Phobie vor Körperflüssigkeiten, und an Zwängen. ...

Wie viele Teenager besucht Aza Holmes eine Highschool in Indianapolis. Doch die 16-Jährige ist anders. Sie leidet unter einer Angststörung, zum Beispiel einer Phobie vor Körperflüssigkeiten, und an Zwängen. Sie verbinden sich zu einem Gedankenstrudel, der die Halbwaise beschäftigt. Sie möchte sich deshalb zunächst nicht an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett, dem Vater ihres Bekannten Davis, beteiligen. Dieser ist vor einer bevorstehenden Hausdurchsuchung wie vom Erdboden verschluckt. 100.000 Dollar winken als Belohnung für Hinweise. Deshalb überredet ihre beste Freundin Daisy Ramirez sie, das Geheimnis um Pickett aufzuklären. Für Aza beginnt somit ein Abenteuer. Dabei merkt sie, dass es auch eine Reise zu sich selbst ist, nämlich in die Gedankenspirale, der sie entkommen will.

Mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ ist John Green wieder ein wundervoller Jugendroman gelungen.

Meine Meinung:
Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive in 24 Kapiteln, die eine angenehme Länge haben. Der Erzählstil ist wieder einmal typisch für den Autor. Sprachlich konnte mich der Roman absolut begeistern. Viele tiefsinnige und zum Teil auch poetische Formulierungen sind darin zu finden.

Aza ist ein ungewöhnlicher, aber sehr reizvoller Charakter. Das Verhalten eines Menschen mit psychischer Krankheit wird sehr authentisch beschrieben. Man kann gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen. Für Außenstehenden ist das Verhalten der Hauptprotagonistin schwer zugänglich. Doch der Autor hat es sehr gut geschafft zu vermitteln, wie sich das Leben mit Ängsten und Zwängen gestaltet. Das fand ich sehr berührend und hat mich zum Nachdenken gebracht. Und obwohl Aza durch ihre Krankheit ein schwieriger Mensch ist, wurde sie mir sehr sympathisch.

Die Handlung ist nicht so spannend, wie es zunächst klingt. Dennoch habe ich mich nicht gelangweilt und habe das Buch nur ungern zur Seite gelegt. Das liegt auch daran, dass neben Azas Erkrankung weitere Themen wie Freundschaft und Liebe eine Rolle spielen. Traurige Passagen wechselten sie mit solchen ab, bei denen ich schmunzeln musste. An einigen Stellen wird es auch philosophisch. Diese Kombination habe ich als sehr unterhaltsam und bewegend empfunden.

Die limitierte deutsche Erstauflage ist nach meiner Ansicht von der Gestaltung sehr gelungen. Wenn auch inhaltlich passend, finde ich den deutschen Titel allerdings etwas sperrig.

Mein Fazit:
John Green hat mit „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ einen Roman geschrieben, der auch für Erwachsene eine berührende Lektüre ist. Mich konnte Azas Geschichte begeistern. Ich kann das Buch definitiv empfehlen.