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Veröffentlicht am 26.06.2025

Erschreckend realistisch

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Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn ...

Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn einer bedrohlichen Serie von Meldungen, die die ganze Welt erschüttern. Es mehren sich die Fake-News, Menschen bekommen Anrufe und Video-Botschaften, die so echt aussehen, dass niemand mehr unterscheiden kann, was Wahrheit oder Lüge ist. Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung, es ist unklar, ob es einen Ausweg aus dieser Situation gibt.

»Es war schlichtweg unmöglich geworden, sich zu informieren, eine objektive Meinung zu bilden und realistische Schlüsse aus all den Deepfakes zu ziehen, die wie eine zerstörerische Flutwelle alles mit sich rissen, was einem Halt hätte geben können.« (Seite 195)

Zu Beginn wurde ich förmlich erschlagen von der Fülle an Personen, Orten, Situationen und Ereignissen, die auf den ersten hundert Seiten beschrieben werden. Da half auch das vorne stehende Personenregister nicht, das nur eine bestimmte Anzahl der Beteiligten beinhaltet. Ich kann hier verraten, dass es nicht wichtig ist, sich jeden Namen zu merken, der Augenmerk liegt auf den Geschehnissen, die wichtigsten Akteure ergeben sich im weiteren Verlauf fast von selbst. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, außen vor zu sein, bald schon lichteten sich die Reihen und die Geschichte zog mich in ihren Bann.

Das Szenario, das Peter Grandl sich hat einfallen lassen, ist so faszinierend wie genial, in erster Linie aber ungeheuer erschreckend, weil es überhaupt nicht unwahrscheinlich klingt, worüber er schreibt. Künstliche Intelligenz, Fake-News, Bilder und Videos, die etwas abbilden, das nicht sein dürfte, das wir aber doch gerade mit eigenen Augen sehen und betrachten können, heutzutage gehört dies alles bereits zu unserer Realität. Hinzu kommt eine Prise Genialität, garniert mit einem großen Schuss Wahnsinn, viele interessante Charaktere sowie ein genialer Plot und schon haben wir einen Thriller, der für mich bereits jetzt die Liste der besten Bücher im Genre anführt dieses Jahr. Zusammengefasst: ein wahres Meisterwerk!

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Klein, fein und informativ

Frida Kahlo - Junge Kunst 43
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Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ...

Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ist den meisten wahrscheinlich auch, dass ihr Vater Guillermo in Wahrheit Wilhelm Kahlo hieß, der mit 19 Jahren aus Pforzheim nach Mexiko-Stadt auswanderte und dort ein Atelier betrieb. So vieles gibt es über die Künstlerin, das ich nicht wusste, obwohl die Auswahl an einschlägiger Literatur fast grenzenlos ist, was der Grund dafür ist, dass ich mich nie drangesetzt habe. Zu groß und zu wuchtig war mir persönlich die Menge an Informationen, sodass ich es bisher dabei belassen hatte, mich an ihren Bildern zu erfreuen, immer wenn ich diese irgendwo sah. Dies hat sich nun geändert und ich finde es wunderbar!

Der 1907 gegründete (man beachte das Gründungsjahr!) Klinkhardt & Biermann Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Künstler und ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Hierbei ist das Motto der beiden Gründer Werner Klinkhardt und Georg Biermann Programm: »Nur weniges, aber dies wenige soll mit größter Sorgfalt ausgewählt und ausgestattet werden.« Und das trifft ganz besonders auf die zurzeit insgesamt 46 Bände umfassende Reihe »Junge Kunst« zu, der Band 43 beschäftigt sich mit Frieda Kahlo. Kurz und knapp, dabei aber ausreichend informativ, erfuhr ich viele Besonderheiten über die Künstlerin, ihr Leben, die Tragödien darin sowie insbesondere ihre außergewöhnlichen Bilder, von denen einige im Buch abgebildet sind. Eine Biografie der 1954 viel zu früh gestorbenen Malerin vervollständigt die schöne Ausgabe, angehängt ein Archiv mit Fundstücken und Dokumenten. Für mich der Beginn einer großen Leidenschaft. Lesen!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Mehr Roman als Krimi

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Ein Luxusauto kommt von der Straße ab und fängt Feuer, der Fahrer verbrennt. Kurze Zeit später brennt ein Wohnhaus, ein weiterer Brandanschlag folgt. Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr österreichischer ...

Ein Luxusauto kommt von der Straße ab und fängt Feuer, der Fahrer verbrennt. Kurze Zeit später brennt ein Wohnhaus, ein weiterer Brandanschlag folgt. Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr österreichischer Kollege, Chefinspektor Bernhard Krammer, finden durch Zufall Parallelen, jedoch nichts konkretes, was auf einen Zusammenhang hindeuten würde. Die Zeit läuft ihnen davon, als ein anonymes Schreiben weitere Anschläge ankündigt.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den fünften Teil der Reihe mit Alexa Jahn und Bernhard Krammer, die grenzübergreifend ermitteln, woraus sich der Titel der Buchserie ergibt. Zumindest dieser Band kann nicht unabhängig von den vorherigen Büchern gelesen werden, denn die vielen Andeutungen und Hinweise besonders auf den vierten Teil nehmen viel Raum ein. Auch die Beziehung zwischen den Hauptpersonen, aber auch die zu den Nebenfiguren, erklärt sich erst, wenn man die Serie chronologisch liest.

Dem vielversprechenden Beginn des Buches folgte bei mir ganz schnell die Ernüchterung, denn so richtig losgehen wollte die Geschichte nicht. Seitenweise ging es um den vorherigen Fall und die damit zusammenhängenden Einzelheiten, erst nach über achtzig Seiten kehrten wir zu den aktuellen Geschehnissen zurück. Leider war meine Freude nur von kurzer Dauer, denn nun ging es um Beziehungen der Personen zueinander oder solchen zu Dritten; Gefühle, Befindlichkeiten und Mutmaßungen gaben sich die Hand und ich mir fast die Kugel. So hatte ich mir den Krimi nicht vorgestellt.

Im letzten Drittel kam doch noch Bewegung in die Sache und es wurde ermittelt. Meine Laune war da bedauerlicherweise bereits im Keller, so richtig wichtig war mir der Ausgang nun eher nicht. Ja, es wurde dramatisch, und nein, eine große Überraschung war die Auflösung nicht. Im nächsten Teil wünsche ich mir mehr Krimi und weniger Roman, und auch die viele Gefühlsduselei brauche ich persönlich nicht, zumindest nicht in diesem hohen Maße wie hier. Für Fans der Reihe ein Muss, für Neueinsteiger leider eher nichts.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Nur ein Mädchen

Geliebte Mutter – Canım Annem
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Aynur wird mit neunzehn Jahren verheiratet, ihr Bruder, der sie unbedingt loswerden will, sucht ihr Alvin als Ehemann aus, einen ungebildeten jungen Mann aus einer frommen Familie, mit dem sie nach Deutschland ...

Aynur wird mit neunzehn Jahren verheiratet, ihr Bruder, der sie unbedingt loswerden will, sucht ihr Alvin als Ehemann aus, einen ungebildeten jungen Mann aus einer frommen Familie, mit dem sie nach Deutschland zieht, wo dieser unter Tage arbeitet. Ihre beiden Kinder Meryem und Ada schlagen Jahrzehnte später beide unterschiedliche Wege ein, der Kontakt zu den Eltern schläft ein, und als der Tod des Vaters im Raum steht, müssen sie sich entscheiden zwischen Hass und Vergebung.

»Ich war glücklich: das Glück einer Frau, die es geschafft hat, einen fast vierzig Jahre andauernden Hindernislauf zu überstehen. Ich bin Mensch, ich bin Frau, ich bin Tochter, ich bin Aus- und Aufsteigerin, Migrantin. Ich bin Meryem, mit Alvins Tod endlich angekommen.« (Seite 23)

Dies ist ein Mutter- und Tochter-Roman, aber nicht nur, denn weit nach hinten holt die Autorin aus und lässt Meryem zwar regelmäßig zu Wort kommen, erzählt aber auch über das Leben von Aynur, der Mutter, und wie sie zu der geworden ist, die Meryem liebt, aber auch verachtet, die sie hasst, aber dennoch regelmäßig vermisst und die sich letztendlich entscheiden muss, welche Gefühle vorrangig an die Oberfläche dürfen, wenn es um ihre Familie geht. Es geht um Zwangsheirat und Liebe, um Hoffnungen und Wünsche, aber auch gebrochene Versprechen und Sucht, Gewalt findet regelmäßig statt. Traurig, verstörend, erschütternd und berührend. Für mich ein Buch, das zu den besten gehört, die ich dieses Jahr gelesen habe. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Schöne Hässlichkeit

Achtzehnter Stock
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Wandas Leben hat nichts mit dem Leben zu tun, das sie sich ausgemalt hat; statt nach den Drehs erfolgreicher Filme auf Filmpremieren und Partys unterwegs zu sein, hängt sie mit ihrer fünfjährigen Tochter ...

Wandas Leben hat nichts mit dem Leben zu tun, das sie sich ausgemalt hat; statt nach den Drehs erfolgreicher Filme auf Filmpremieren und Partys unterwegs zu sein, hängt sie mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie im Hof einer Berliner Platte fest, wohnt dort im achtzehnten Stock und das auch nur schwarz zur Untermiete. Durch Zufall bekommt sie eine Chance, die glitzernde Welt der Reichen und Schönen zu betreten, ein entsprechendes Filmangebot liegt vor, aber ihre Herkunft scheint ihr dabei im Weg.

»Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.« (Seite 61)

Dieses Buch ist wie eine sozialkritische Studie und genauso zwiegespalten lässt es mich zurück, was ich übrigens großartig finde, um das mal voranzustellen. Wandas Träume, ihre Wünsche, ihre Sehnsucht nach Normalität und einem sorglosen Leben für ihre Tochter und sich, berührten mich. Gleichzeitig wollte ich sie aber schütteln, ihr ins Gesicht schreien, dass sie sich zusammenreißen soll, wenn sie sich wieder gehen ließ, sich treiben ließ, sich Dinge ausmalte, die so fern der Realität waren, dass ich fast lachen musste, aber eben nur fast. Wenn sie die Zweifel übermannten, die Sorgen erdrückten, wollte ich sie trösten, irgendwie. Wenn sie geschubst wurde, abgedrängt, wenn ihr Unrecht geschah, wollte ich sie schützen, einfach so. Und trotzdem gab es Abschnitte, wo ich sie nicht mochte. Die Daumen gehalten habe ich trotzdem. Ist doch klar.

Ein Roman über Freundschaft und Heimat, über Träume und Grenzen, aber auch Hoffnung und Glück. Ein Roman, der mich fast euphorisch zurücklässt mit einem Lächeln im Gesicht, weil er vollkommen anders war als erwartet und gerade deshalb so wunderbar. Lesen!

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