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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein letztes Versprechen

In tiefster Nacht
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Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ...

Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ist Kierce verheiratet, als Detective suspendiert und unterrichtet Kriminologie, als plötzlich das Mädchen von damals, nun eine erwachsene Frau, in seinem Kurs auftaucht und wieder verschwindet. Neben der Erleichterung darüber, dass Anna lebt, erwacht in Kierce das Verlangen danach, herauszufinden, was damals in Spanien geschah.

Seit Jahrzehnten ist Harlan Coben ein Garant für Thriller voller überraschender Wendungen und dafür, dass ich für seine Bücher gerne die Nacht zum Tag mache, weil ich sie nicht aus der Hand legen kann. Auch mit dem vorliegenden Buch war es nicht anders, der Autor ließ den sympathischen Sami erzählen und erhöhte die Spannung dadurch, dass dieser hier was wegließ, da etwas verschwieg und dort mit Absicht eine Kleinigkeit vergaß. Zusammen mit dem großartigen Humor ergab dies eine aufregende Geschichte, die mich in den Wahnsinn trieb, weil ich so dringend wissen wollte, was damals wirklich geschah. Der einzige Kritikpunkt ist der, dass Sami manchmal zu ausschweifend war. Insgesamt aber ein toller Thriller, nach dessen Ende es bei mir Diskussionsbedarf gab. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Eindrucksvoll und wuchtig

Simon Radowitzky
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Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn ...

Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn eines jüdischen Arbeiters verließ er bereits mit zehn Jahren unfreiwillig die Schule, um arbeiten zu gehen und die Familie zu unterstützen. Bald darauf lernte er Lyudmyla kennen, die Tochter des Schmiedes, für den er arbeitete und der ihm einen Schlafplatz und zu essen gab. Durch sie kam er mit sozialrevolutionären Ideen in Berührung.

»Hätte Agustín Comotto sich diese Geschichte ausgedacht, wäre er sicherlich dafür kritisiert worden, maßlos zu übertreiben. Es scheint unglaubwürdig, dass so vieles in einem Leben zusammenkommt (so viel Ungerechtigkeit, so viel Gewalt, so viel Kampf, so viel Treue den eigenen Idealen gegenüber - so viel Schmerz in einem einzigen Körper).« (Vorwort von Liliana Ruth Feierstein, Buenos Aires im Winter 2019)

Sechs Jahre brauchte Agustín Comotto, um zu recherchieren, zu schreiben und zu zeichnen. Herausgekommen ist ein phantastisches Werk über das Leben einer Persönlichkeit, über die ich bis dato nichts gehört habe, über die ich aber nun, nachdem ich die Graphic Novel förmlich verschlungen habe, mehr wissen möchte. Die eindrucksvollen schwarzweißen Bilder, das gezielt eingesetzte Rot, die Brutalität und der Widerstand, die aus den Seiten springen, dies alles bescherte mir unvergessliche Lesestunden. Dabei ist das Werk anspruchsvoll und fordernd, keine leichte Lektüre, aber lehrreich und spannend. Gerne empfehle ich es weiter. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Erschreckend realistisch

Reset
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Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn ...

Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn einer bedrohlichen Serie von Meldungen, die die ganze Welt erschüttern. Es mehren sich die Fake-News, Menschen bekommen Anrufe und Video-Botschaften, die so echt aussehen, dass niemand mehr unterscheiden kann, was Wahrheit oder Lüge ist. Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung, es ist unklar, ob es einen Ausweg aus dieser Situation gibt.

»Es war schlichtweg unmöglich geworden, sich zu informieren, eine objektive Meinung zu bilden und realistische Schlüsse aus all den Deepfakes zu ziehen, die wie eine zerstörerische Flutwelle alles mit sich rissen, was einem Halt hätte geben können.« (Seite 195)

Zu Beginn wurde ich förmlich erschlagen von der Fülle an Personen, Orten, Situationen und Ereignissen, die auf den ersten hundert Seiten beschrieben werden. Da half auch das vorne stehende Personenregister nicht, das nur eine bestimmte Anzahl der Beteiligten beinhaltet. Ich kann hier verraten, dass es nicht wichtig ist, sich jeden Namen zu merken, der Augenmerk liegt auf den Geschehnissen, die wichtigsten Akteure ergeben sich im weiteren Verlauf fast von selbst. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, außen vor zu sein, bald schon lichteten sich die Reihen und die Geschichte zog mich in ihren Bann.

Das Szenario, das Peter Grandl sich hat einfallen lassen, ist so faszinierend wie genial, in erster Linie aber ungeheuer erschreckend, weil es überhaupt nicht unwahrscheinlich klingt, worüber er schreibt. Künstliche Intelligenz, Fake-News, Bilder und Videos, die etwas abbilden, das nicht sein dürfte, das wir aber doch gerade mit eigenen Augen sehen und betrachten können, heutzutage gehört dies alles bereits zu unserer Realität. Hinzu kommt eine Prise Genialität, garniert mit einem großen Schuss Wahnsinn, viele interessante Charaktere sowie ein genialer Plot und schon haben wir einen Thriller, der für mich bereits jetzt die Liste der besten Bücher im Genre anführt dieses Jahr. Zusammengefasst: ein wahres Meisterwerk!

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Klein, fein und informativ

Frida Kahlo - Junge Kunst 43
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Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ...

Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ist den meisten wahrscheinlich auch, dass ihr Vater Guillermo in Wahrheit Wilhelm Kahlo hieß, der mit 19 Jahren aus Pforzheim nach Mexiko-Stadt auswanderte und dort ein Atelier betrieb. So vieles gibt es über die Künstlerin, das ich nicht wusste, obwohl die Auswahl an einschlägiger Literatur fast grenzenlos ist, was der Grund dafür ist, dass ich mich nie drangesetzt habe. Zu groß und zu wuchtig war mir persönlich die Menge an Informationen, sodass ich es bisher dabei belassen hatte, mich an ihren Bildern zu erfreuen, immer wenn ich diese irgendwo sah. Dies hat sich nun geändert und ich finde es wunderbar!

Der 1907 gegründete (man beachte das Gründungsjahr!) Klinkhardt & Biermann Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Künstler und ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Hierbei ist das Motto der beiden Gründer Werner Klinkhardt und Georg Biermann Programm: »Nur weniges, aber dies wenige soll mit größter Sorgfalt ausgewählt und ausgestattet werden.« Und das trifft ganz besonders auf die zurzeit insgesamt 46 Bände umfassende Reihe »Junge Kunst« zu, der Band 43 beschäftigt sich mit Frieda Kahlo. Kurz und knapp, dabei aber ausreichend informativ, erfuhr ich viele Besonderheiten über die Künstlerin, ihr Leben, die Tragödien darin sowie insbesondere ihre außergewöhnlichen Bilder, von denen einige im Buch abgebildet sind. Eine Biografie der 1954 viel zu früh gestorbenen Malerin vervollständigt die schöne Ausgabe, angehängt ein Archiv mit Fundstücken und Dokumenten. Für mich der Beginn einer großen Leidenschaft. Lesen!

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Mehr Roman als Krimi

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Ein Luxusauto kommt von der Straße ab und fängt Feuer, der Fahrer verbrennt. Kurze Zeit später brennt ein Wohnhaus, ein weiterer Brandanschlag folgt. Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr österreichischer ...

Ein Luxusauto kommt von der Straße ab und fängt Feuer, der Fahrer verbrennt. Kurze Zeit später brennt ein Wohnhaus, ein weiterer Brandanschlag folgt. Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr österreichischer Kollege, Chefinspektor Bernhard Krammer, finden durch Zufall Parallelen, jedoch nichts konkretes, was auf einen Zusammenhang hindeuten würde. Die Zeit läuft ihnen davon, als ein anonymes Schreiben weitere Anschläge ankündigt.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den fünften Teil der Reihe mit Alexa Jahn und Bernhard Krammer, die grenzübergreifend ermitteln, woraus sich der Titel der Buchserie ergibt. Zumindest dieser Band kann nicht unabhängig von den vorherigen Büchern gelesen werden, denn die vielen Andeutungen und Hinweise besonders auf den vierten Teil nehmen viel Raum ein. Auch die Beziehung zwischen den Hauptpersonen, aber auch die zu den Nebenfiguren, erklärt sich erst, wenn man die Serie chronologisch liest.

Dem vielversprechenden Beginn des Buches folgte bei mir ganz schnell die Ernüchterung, denn so richtig losgehen wollte die Geschichte nicht. Seitenweise ging es um den vorherigen Fall und die damit zusammenhängenden Einzelheiten, erst nach über achtzig Seiten kehrten wir zu den aktuellen Geschehnissen zurück. Leider war meine Freude nur von kurzer Dauer, denn nun ging es um Beziehungen der Personen zueinander oder solchen zu Dritten; Gefühle, Befindlichkeiten und Mutmaßungen gaben sich die Hand und ich mir fast die Kugel. So hatte ich mir den Krimi nicht vorgestellt.

Im letzten Drittel kam doch noch Bewegung in die Sache und es wurde ermittelt. Meine Laune war da bedauerlicherweise bereits im Keller, so richtig wichtig war mir der Ausgang nun eher nicht. Ja, es wurde dramatisch, und nein, eine große Überraschung war die Auflösung nicht. Im nächsten Teil wünsche ich mir mehr Krimi und weniger Roman, und auch die viele Gefühlsduselei brauche ich persönlich nicht, zumindest nicht in diesem hohen Maße wie hier. Für Fans der Reihe ein Muss, für Neueinsteiger leider eher nichts.

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