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Veröffentlicht am 07.11.2024

Toller Mix aus Fakten und Fiktion

Berlin, Siegesallee
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Drei junge Männer lernen sich im Frühjahr des Jahres 1914 in Berlin kennen, gemeinsam eint sie die Hautfarbe und der Wille, die Verbrechen der Deutschen in den Kolonien zu rächen. Jeder von ihnen hat einen ...

Drei junge Männer lernen sich im Frühjahr des Jahres 1914 in Berlin kennen, gemeinsam eint sie die Hautfarbe und der Wille, die Verbrechen der Deutschen in den Kolonien zu rächen. Jeder von ihnen hat einen Grund für seinen Hass, gemeinsam schmieden sie Pläne. Florentine vom Baum wächst behütet auf, als zweites Kind eines reichen Fabrikanten fühlt sie sich als Frau nicht frei genug und begehrt auf. Als sie die drei Männer kennenlernt, bietet sie ihnen ihre Hilfe an. Das Quartett bringt nachts Soldaten um, aber als eine Reaktion ausbleibt, ändern sie ihren Plan: Der Kaiser ist es, der sterben muss!

«Führten sie denn nicht sehr unterschiedliche Leben? Er selbst, auf eine Laufbahn als Geistlicher wartend, die er nicht wirklich anstrebte, dann die junge Frau kurz vor der Verheiratung, der Diener des so kaiserbegeisterten Künstlers und schließlich Friedrich hier, der Bote von Herrenoberbekleidung. Ein einziges Mal nur hatten sie sich in dieser Zusammensetzung getroffen, damals im Botanischen Garten, als sie beschlossen hatten, den jungen Soldaten zu töten.« (Seite 74)

Der Völkermord der deutschen Kolonialherren vor über 110 Jahren in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, stellt den Rahmen für die vorliegende Geschichte. Ich muss zugeben, dass ich bis dato zwar nicht völlig ahnungslos, aber doch kaum unterrichtet darüber war, was damals geschehen ist. Wenn ich bisher an Kolonien dachte, dann waren es meistens englische, französische und spanische Kolonialmächte, die mir in den Sinn kamen. Die Ergebnisse meiner Recherchen jedoch zeigten mir ein Bild, das abscheulicher und menschenunwürdiger nicht sein könnte. Man braucht dieses Vorwissen aber nicht unbedingt, um den Roman von Max Annas verstehen und der Geschichte folgen zu können.

Das Geschehen im Buch spielt sich nur über wenige Monate, genauer gesagt von März 1914 bis Juni desselben Jahres, ab. Die Handlung aber überschneidet sich und wird zusätzlich durch Briefe eines der jungen Beteiligten unterbrochen, die aus späteren Zeiten stammten. Dies hat mich zu Beginn etwas irritiert, war aber überraschenderweise stimmig, passte vorzüglich zu dem beschriebenen Jahrhundert und befeuerte die Spannung ungemein. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto aufgeregter wurde ich, weil ich so neugierig darauf war, worauf das Ganze hinsteuert. Das letzte Drittel war so spannend, dass aus einem Kriminalroman fast ein Thriller wurde. Hätte ich dem Buch nicht zugetraut, als ich den Klappentext gelesen hatte, aber der Mix aus historischen Fakten und der fiktiven Erzählung eines Mordkomplotts war, besonders wegen der authentischen und interessanten Charaktere, einfach großartig. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Wiedersehen mit Pietro Gerber

Haus des Vergessens
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Ein Junge wird mutterseelenallein im Wald gefunden, es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der vor acht Monaten mit seiner Mutter verschwunden ist. Das Kind spricht nicht, sodass die zuständige Richterin ...

Ein Junge wird mutterseelenallein im Wald gefunden, es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der vor acht Monaten mit seiner Mutter verschwunden ist. Das Kind spricht nicht, sodass die zuständige Richterin den Kinderpsychologen Pietro Gerber hinzuzieht, damit dieser Nico mittels Hypnose zum Sprechen bringt. Dies klappt anders als erwartet, denn der Junge legt ein verstörendes Geständnis ab, woraufhin er weggesperrt werden soll. Gerber glaubt nicht an ein Verbrechen und setzt alles daran, die Unschuld des Kindes zu beweisen, was schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann.

»Am Ende könnte sich die Wahrheit womöglich als viel einfacher und zugleich grauenhafter erweisen, als wir es uns vorstellen können.« (Seite 56)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Reihe mit dem Kinderpsychologen Pietro Gerber, den man den Kinderflüsterer nennt. Ich empfehle, bei Interesse unbedingt mit dem ersten Teil anzufangen, um ein besseres Gefühl für Gerber zu bekommen, aber auch, weil sich ein gewisser roter Faden durch die Bücher zieht. Hinzu kommt, dass es permanent Anspielungen und Hinweise auf vergangene Ereignisse gibt, die einen großen Einfluss auf das Privatleben des Psychologen genommen haben. Um den Gesamtzusammenhang zu verstehen macht es also Sinn, die Reihenfolge einzuhalten.

Ich bin gut in die Geschichte gestartet, musste mich aber sehr konzentrieren, weil Carrisi es anscheinend sehr darauf angelegt hat, von vornherein eine Atmosphäre aufzubauen, die undurchsichtig, um nicht zu sagen kompliziert ist. Hinzu kam, dass er sich immer mehr darin verloren hat, mir die Grundlagen der Hypnose näherzubringen, was im mittleren Teil zusätzlich darin mündete, fast ein Referat über Parasomnie zu halten, worunter man unerwünschte und unangemessene Verhaltensauffälligkeiten, die überwiegend aus dem Schlaf heraus auftreten, versteht. Nun kann ich verstehen, dass der Autor seine umfassenden Recherchen, vor denen ich den Hut ziehe, auch gewürdigt haben möchte, allerdings haben mich die Fakten und Erklärungen förmlich erschlagen.

Nachdem die Lehrstunden abgehakt waren, kam das von mir vermisste Tempo in die Geschichte rein, das einen Nervenkitzel nebst großer Spannung mitbrachte. Ach, was habe ich mich gefreut, dass nun Leben in die Bude kam, war geradezu euphorisch, als sich herauskristallisierte, wo die Lösung lag. Diese Kapitel entschädigten mich für die vorherige Durststrecke, wenn dies auch leider nicht ausreicht, um das Buch insgesamt zu einem Highlight zu machen. Danach folgten noch einige Antworten, aber wie es bei dieser Reihe so üblich ist, noch viel mehr Fragen, die unbeantwortet blieben. Der böse Cliffhanger verrät, dass es weitergeht und ich gebe zu: Ich freue mich darauf!

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Veröffentlicht am 04.11.2024

Schmerz, Zorn, Rache

Yoko
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Yoko hat die Metzgerei ihres verstorbenen Vaters zu einer Glückskeksmanufaktur umgebaut, mit ihrem kleinen Unternehmen erfüllte sie sich einen Traum. Als sie eines Abends nach der Auslieferung ihrer Glückskekse ...

Yoko hat die Metzgerei ihres verstorbenen Vaters zu einer Glückskeksmanufaktur umgebaut, mit ihrem kleinen Unternehmen erfüllte sie sich einen Traum. Als sie eines Abends nach der Auslieferung ihrer Glückskekse in ein chinesisches Restaurant zwei Männer dabei überrascht, wie diese einen kleinen Hund misshandeln, schreitet sie ein, ohne zu ahnen, dass diese Handlung das Leben, das sie kennt, für immer verändern wird. Yoko droht zu zerbrechen, entscheidet sich dann aber für Wut, Zorn sowie Rache und nimmt das Gesetz in die eigene Hand.

»Egal, wie oft Yoko es durchspielt, was in den nächsten Minuten passieren könnte, es endet immer in einer Katastrophe. Sie kann die Lawine, die auf sie zurollt, nicht stoppen, ihre Tritte gegen die Laderaumtür zeigen keine Wirkung. Nur ein letztes sinnloses Aufbäumen ist es.« (Seite 33)

Zu Beginn habe ich mich mit dem Schreibstil des Autors sehr schwergetan, diese abgehakte Sprache und die kurzen Sätze empfand ich als kühl und emotionslos, was aber nur auf den ersten Blick so erscheint. Erst als ich mich zusammenriss und selbst vor die Wahl stellte, mich entweder daran zu gewöhnen und weiter zu lesen oder das Buch abzubrechen, machte es Klick. Ich habe mich auf das Experiment eingelassen und tatsächlich konnte ich ab da völlig in die Geschichte eintauchen, war total fasziniert und konnte kaum glauben, dass es jemals anders gewesen ist. Im Gegenteil habe ich zum Schluss hin regelrecht gefeiert, wie genial die Erzählweise war.

Holla, die Waldfee, was für ein Höllenritt. Vorab kann ich sagen, dass dieses Buch nichts für sensible Leser und Leserinnen ist. Eine Triggerwarnung schenke ich mir, auf dem Buchdeckel steht mehr als deutlich der Hinweis, dass es ein Thriller ist und dieser sollte ausreichend sein. Es ist ein brutales Buch, grausam und blutig geht es zu, manches wird beschrieben und anderes angedeutet, zimperlich darf man da wirklich nicht sein. Die Story lässt mich begeistert zurück, ich konnte mir die Richtung gar nicht vorstellen, die die Geschichte genommen hat, habe aber jede Minute, auf jeder Seite, genossen. Viel zu früh kam das letzte Kapitel, wie gut, dass es weitergeht und dies noch nicht das Ende war. Ich freue mich darauf!

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Veröffentlicht am 03.11.2024

Gewohnt blutig und brutal

Der Schlachter (Tom-Bachmann-Serie 4)
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Noch bevor der wöchentliche Markt öffnet, stolpert die Metzgersfrau über einen Toten, versteckt unter ihrem Stand. Der Leiche wurde ein Stück aus dem Bauch herausgeschnitten und auch sonst ist diese in ...

Noch bevor der wöchentliche Markt öffnet, stolpert die Metzgersfrau über einen Toten, versteckt unter ihrem Stand. Der Leiche wurde ein Stück aus dem Bauch herausgeschnitten und auch sonst ist diese in einem solch fürchterlichen Zustand, dass die Sondereinheit des BKA, die sich mit außerordentlich grausamen Fällen, die einer besonderen Geheimhaltung bedürfen, beschäftigt, hinzugezogen wird. Tom Bachmann, Spezialist für Psychokiller, ist schnell klar, dass dies erst der Anfang ist und der unbekannte Täter nicht von selbst aufhören wird.

„Plötzlich trat der Unbekannte aus der Dunkelheit hervor, und jetzt konnte Frank in dem schwachen Licht erkennen, woher das Geräusch kam. In der linken Hand hielt er einen Wetzstahl, in der rechten ein langes Messer. Schwungvoll, geradezu professionell, fuhr er mit der Klinge über den Wetzstahl, um sie zu schärfen.“ (Seite 12)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Teil der Serie um Tom Bachmann und auch wenn der laufende Fall in sich abgeschlossen ist, würde ich empfehlen, mit dem ersten Band anzufangen, weil die Kindheit von Tom Bachmann sowie einigen anderen Personen aus dessen Vergangenheit immer wieder thematisiert wird. Es werden zwar Informationen wiederholt, allerdings nicht so ausführlich und vollständig wie in den Vorbänden, sodass der Lesende unwillkürlich das Gefühl haben muss, dass wichtige Fakten fehlen, um den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Für sensible Menschen empfehle ich übrigens den Griff zu einem anderen Buch.

Bereits von Anfang an schont Chris Meyer mich nicht, fast unmittelbar katapultiert sie mich in eine Situation, die mich vor Ekel fast das Buch zur Seite legen lässt. Fast, weil es zwar ziemlich blutig zugeht, aber das meiste Geschehen sich durch die plastische Beschreibung mehr in meinem Kopf abspielt, als in schriftlicher Form. Ich bin fasziniert und abgestoßen zugleich, freue mich auf eine ungewöhnliche Geschichte und werde nicht enttäuscht. Zwischen den laufenden Ermittlungen erfahre ich einiges aus der Vergangenheit einer Person, die Tom Bachmann früher näher stand. Diese Rückblenden sind verstörend, erklären aber ziemlich genau, warum diese Person so geworden ist, wie sie ist. Immer mehr Fakten kommen ans Licht, manche davon überraschen mich sehr, besonders im Zusammenhang mit Tom und seiner Herkunft.

Die Auflösung ist schlüssig, ich bin mehr als verblüfft über die Lösung, die die Autorin mir präsentiert. Die folgenden Enthüllungen nehme ich entgeistert und erfreut zur Kenntnis, denn zumindest bin ich nun sicher, dass es auf jeden Fall weitergehen wird. Ich freue mich sehr darauf!

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Veröffentlicht am 30.10.2024

Adventskalender des Grauens

Das Kalendermädchen
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Die auf Gewaltverbrechen spezialisierte Psychologin Olivia Rauch sucht verzweifelt nach der leiblichen Mutter ihrer Adoptivtocher Alma, die lebensgefährlich erkrankt ist. Dabei stößt sie in der unter Verschluss ...

Die auf Gewaltverbrechen spezialisierte Psychologin Olivia Rauch sucht verzweifelt nach der leiblichen Mutter ihrer Adoptivtocher Alma, die lebensgefährlich erkrankt ist. Dabei stößt sie in der unter Verschluss gehaltenen Adoptivakte auf den Vermerk, dass deren Identität unter keinen Umständen verraten werden darf, weil dies das Leben der Mutter von Alma gefährden würde. Olivia hat keine Wahl und macht sich trotzdem auf die Suche, bei der sie auf die Geschichte des Kalendermädchens stößt, einer jungen Frau, die vor Jahren in der Weihnachtszeit schlimme Dinge erlebt hat, als sie sich in der Hand eines Psychopathen befand. Wider besseren Wissens setzt Olivia Himmel und Hölle in Bewegung, um alles darüber zu erfahren. Ein großer Fehler, wie sie bald am eigenen Leib spüren wird.

Wer nach einem Thriller sucht, der eine schlaflose Nacht bereitet, wird mit dem vorliegenden Buch fündig, da man dieses, einmal mit dem Lesen angefangen, einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Bereits das erste Kapitel versprach eine großartige Geschichte und Schlag auf Schlag ging es ohne eine kleine Atempause weiter. Sebastian Fitzek gönnte weder seinen Figuren noch mir eine ruhige Minute, immer wieder hat er eine unerwartete Wendung eingebaut, die mir nicht selten die Haare zu Berge stehen ließ; vom prickelnden Nervenkitzel fange ich gar nicht erst an, selbstredend war dieser durchgehend vorhanden. Ich raste förmlich durch die Seiten, wurde kalt erwischt, als eine unglaubliche Enthüllung ans Licht kam und dachte bereits, dass ich wüsste, wie es ausgeht, als es... Nein, das musst du schon selbst lesen, wenn du wissen willst, was da geschah. Komm näher, mach mit beim Adventskalender des Grauens, wenn du dich traust. Aber Vorsicht, das machst du auf eigene Gefahr!

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