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Veröffentlicht am 08.05.2024

Spannend und historisch interessant

Kopfgeld
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Die Journalistin Edith Marheinecke ist mit ihrer Kamera auf dem Weg zur Ausgabestelle, es ist Juni 1948, im Ruhrgebiet wird das neue Geld ausgegeben, die D-Mark ersetzt die Reichsmark. Unterwegs kann Edith ...

Die Journalistin Edith Marheinecke ist mit ihrer Kamera auf dem Weg zur Ausgabestelle, es ist Juni 1948, im Ruhrgebiet wird das neue Geld ausgegeben, die D-Mark ersetzt die Reichsmark. Unterwegs kann Edith nicht widerstehen und fotografiert, an Motiven fehlt es ihr hierbei nicht. Kurze Zeit später kommt sie zum Schauplatz eines Unfalls; ein Mann geriet vor eine Straßenbahn, schnell stellt sich heraus, dass er gestoßen worden ist. Auf dem Weg zurück zur Redaktion wird Edith überfallen, die kostbare Kamera wird ihr gestohlen, sie selbst bleibt zum Glück unverletzt. Die Frage ist, ob der Dieb es auf die Kamera, oder aber die Fotos abgesehen hat, die vielleicht zufällig etwas abbilden, was auf die Täterperson schließen lässt.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil einer Reihe mit der Journalistin Edith Marheinecke. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, wichtige Informationen zu der besonderen Frauenfigur, die Sabine Hofmann erschaffen hat, werden immer wieder eingestreut, aber nichts aus dem vorherigen Band verraten, das zur Aufklärung des Falls, um den es dort ging, beigetragen hat. Viele Beteiligte trifft man hier wieder, worüber ich mich sehr gefreut habe. Besonders das Wiedersehen mit den Beamten der Polizei habe ich genossen, Oberinspektor Dietrichs ist mein Favorit, wenn es um die auch hier durchgeführten Ermittlungen geht.

Das vorliegende Buch ist als Roman gekennzeichnet, dies wird der Geschichte aber meiner Meinung nach nicht gerecht, denn abgesehen von den akribisch recherchierten Fakten, was die damalige Zeit angeht, zeichnet sich dieser Teil der Buchreihe durch eine überraschend hohe Spannung aus, die sich durch das gesamte Buch zieht. Dabei gibt es verschiedene Erzählstränge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, die sich aber im weiteren Verlauf aufeinander zubewegen, um sich erst zu kreuzen und dann in einer Auflösung zu münden, die keine Fragen offen lässt. Ich bleibe begeistert zurück und hoffe, dass ich nicht allzu lange auf den nächsten Band warten muss.

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Veröffentlicht am 06.05.2024

Verschließe deine Tür

Der Eindringling
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Ein Unbekannter bricht in die Wohnungen von Frauen ein, trinkt oder isst dort etwas, stiehlt mehr oder weniger wertloses Zeug und verschwindet unbemerkt. Keine noch so gute Sicherheitsmaßnahme und kein ...

Ein Unbekannter bricht in die Wohnungen von Frauen ein, trinkt oder isst dort etwas, stiehlt mehr oder weniger wertloses Zeug und verschwindet unbemerkt. Keine noch so gute Sicherheitsmaßnahme und kein Schloss kann ihn aufhalten, jede Alarmanlage überwindet er mühelos. Lincoln Rhyme könnte bei seiner Ergreifung helfen, wurde aber suspendiert, gegen ihn wurde eine Ermittlung wegen Beweisfälschung eingeleitet. Dazu heizt eine anonyme Person im Internet die Stimmung an, die Stadt ist in Aufruhr und der unbekannte Täter kurz davor, jemanden zu töten. Die Zeit drängt.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich bereits um den fünfzehnten Teil der großartigen Buchreihe mit Lincoln Rhyme und seiner Frau Amelia Sachs. Der im Rollstuhl sitzende Kriminalist und die toughe rothaarige Detective, die früher ein Mannequin war, ergänzen sich auch in diesem Band hervorragend, dazu gibt es natürlich ein Wiedersehen mit den üblichen Verdächtigen, die mir mal mehr und mal weniger ans Herz gewachsen sind. Die vorherigen Bücher muss man nicht zwingend gelesen haben, um der Geschichte folgen zu können, wenn etwas wichtig ist für den aktuellen Fall, wiederholt der Autor dies, um das Gedächtnis der Leserschaft aufzufrischen.

Wie bei Jeffery Deaver üblich, setzt dieser nicht auf blutige Schockeffekte, die gute alte Laufarbeit sowie das Sammeln und Auswerten von Beweisen stehen im Vordergrund. Es gibt mehrere, parallel laufende Erzählstränge, interessante Verwicklungen und natürlich auch einen Widersacher, der mit allen Wassern gewaschen ist. Mehrere Wendungen geben der Story die nötige Abwechslung, die Charaktere sind toll ausgearbeitet und an Spannung fehlt es nicht. Eigentlich, muss ich sagen, denn eine Besonderheit des Autors ist es, ungewöhnliche Szenarien zu kreieren, um die Leser zu täuschen, bevor er mit einer unerwarteten Wendung zur Stelle ist. Diese Vorgehensweise ist nun nach fünfzehn Büchern der Reihe ein wenig abgenutzt, da man dies erwartet, was dazu führt, dass das Überraschungsmoment fast gar nicht vorhanden ist. Dies möchte ich bemängeln, weil so der Ausgang jeder Situation von vornherein feststeht, was den Nervenkitzel ein wenig dämpft. Ansonsten aber war es wie üblich eine tolle Story, die mich sehr gut unterhalten hat, sodass ich bereits jetzt der Fortsetzung entgegenfiebere.

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Veröffentlicht am 05.05.2024

Das flüchtige Glück

Seltsame Blüten
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Irland, 1973. Kit und Paddy Gladney sind einfache Leute, ihr kleines Cottage gehört Paddys Arbeitgeber, zusätzlich liefert der über Sechzigjährige im Dorf die Post aus. Erst spät hat das gläubige Paar ...

Irland, 1973. Kit und Paddy Gladney sind einfache Leute, ihr kleines Cottage gehört Paddys Arbeitgeber, zusätzlich liefert der über Sechzigjährige im Dorf die Post aus. Erst spät hat das gläubige Paar ein Kind bekommen, welches das größte Glück im Leben ihrer Eltern ist. Umso höher das Entsetzen, als Mary, die Moll genannt wird, mit zwanzig über Nacht verschwindet, ohne Abschied einen Bus nach London nimmt und unauffindbar bleibt. Erst fünf Jahre später kommt Moll zurück, als wäre nichts geschehen. Gerade lassen Klatsch und Tratsch darüber nach, als der Dorfpolizist an die Tür klopft und ungeheuerliche Neuigkeiten überbringt.

„Sie ging auf die sechzig zu, die Paddy bereits hinter sich gelassen hatte, und Moll war das Wunder in ihrer Lebensmitte gewesen, ihr Lächeln von Gott, und jetzt war Moll weg, und auf ihren Schultern spürten sie das schreckliche Gewicht all der Dinge, die sie über die Welt nicht wussten.“ (Seite 18)

Was da kurz nach der Rückkehr von Moll aus England zutage kommt, darauf möchte ich nicht näher eingehen, weil es zwar einerseits Einfluss nimmt auf die gesamte Familie und seine Kreise zieht in die Nachbarschaft, um nicht zu sagen, es betrifft das ganze Dorf, ich andererseits aber die Überraschung darüber, um was es sich handelt, keinem Leser und keiner Leserin nehmen möchte. Man gestatte mir im übrigen einen kleinen Zwischenruf, der zwar nichts mit der Geschichte zu tun hat, aber angesichts meines ersten Satzes dieses Abschnitts angebracht ist: Wem mein erster Satz bereits zu lang und zu verschachtelt sein sollte, wird sich bei der Lektüre sehr wundern, denn manche Sätze dort nehmen eine halbe Seite ein. Ich liebe das, auch wenn es manchmal etwas anstrengend sein kann. Mit voller Konzentration auf das Buch sollte dies aber nun wirklich kein Problem sein.

Das Leben der Familie im weiteren Verlauf wird von Donal Ryan so anschaulich beschrieben, dass ich oft das Gefühl habe, dabei gewesen zu sein. Die Abschnitte handeln von jeweils einem Mitglied der Familie, vermischen sich aber im Laufe der Zeit, wenn es zum besseren Verständnis passt. Als dies zum ersten Mal passiert, bin ich kurz irritiert, gewöhne mich aber schnell daran. Das Buch zieht mich kontinuierlich in seinen Bann, ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch interessanter werden kann, als einige Dinge passieren, die mich erstaunen, entzückt lese ich ohne Pause weiter und erfreue mich daran.

Die Hochs und Tiefs, die Freuden, das Leid, Zufälle und Absichten, das Miteinander und auch das Alleinsein, das ganze verdammte Leben kann so unglaublich spannend sein. Auf den letzten Metern erfahre ich noch so einiges, von dem ich nicht wusste, dass es relevant ist, rückblickend erscheint einiges, das unwichtig schien, ganz anders, werden Momente weniger schlimm oder andersrum. Immer wieder bin ich überwältigt, wütend, erstaunt, peinlich berührt und manchmal weine ich still vor mich hin. Alle Fragen werden beantwortet, sogar die, von denen ich nicht ahnte, dass ich die Antwort wissen will. Je näher das Ende kommt, desto weniger wünsche ich es herbei, denn ich könnte endlos weiterlesen. Aber nichts ist unendlich und so lasse ich los, lege das Buch beiseite und lächle vor mich hin. Große Freude überkommt mich und das ist doch des Lesens Sinn. Großartig!

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Veröffentlicht am 02.05.2024

Explosives Klima

Die Strafe
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In dem Müllkeller eines Hochhauses verbrennt eine Frau, der Ausgang wurde blockiert und an die Wand geschrieben steht: Ich sehe, was du tust! Durch den darauffolgenden Brand in einem Bordell, bei dem ein ...

In dem Müllkeller eines Hochhauses verbrennt eine Frau, der Ausgang wurde blockiert und an die Wand geschrieben steht: Ich sehe, was du tust! Durch den darauffolgenden Brand in einem Bordell, bei dem ein erfolgreicher Rechtsanwalt stirbt, ergeben sich Hinweise darauf, dass beide Brände absichtlich gelegt wurden, um Umweltsünder zu bestrafen. Franka Erdmann und Alpay Eloglu ermitteln fieberhaft, denn anscheinend war das erst der Anfang.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Reihe mit den Ermittlern Erdmann und Eloglu. Man muss die ersten beiden Teile nicht unbedingt gelesen haben, um folgen zu können. Das Privatleben spielt zwar eine Rolle, aber nur eine untergeordnete, wichtige Informationen aus zurückliegenden Büchern werden gelegentlich eingestreut. Das ungleiche Ermittlerduo kommt menschlich sehr sympathisch rüber und harmoniert meistens gut zusammen. Erfreulicherweise wechselt die Perspektive zwischen den beiden Ermittlern, aber auch anderen Personen, von denen eine eindeutig etwas mit den Taten zu tun hat. Dies bringt Abwechslung und lädt immer wieder zum raten ein, allerdings kam ich der Lösung erst sehr spät etwas näher.

Thematisch war ich anfangs vom Buch nicht angetan, begegnet mir das Thema Klima im wahren Leben zurzeit permanent, was natürlich absolut richtig und wichtig ist, womit ich mich aber lieber auf anderen Wegen beschäftigen möchte. Glücklicherweise wurde es nicht in den Vordergrund gestellt, sondern geschickt in die Geschichte eingebaut, sodass es mich kurze Zeit später nicht mehr übermäßig gestört hat. Den Verlauf der Ermittlung empfand ich diesmal trotzdem ein wenig zäh, es gab einfach zu viele uninteressante Abschnitte, die mich nicht gefesselt haben. Dennoch trug mich der wirklich großartige Schreibstil durchs Buch, ich fieberte auf das Finale hin und war zufrieden mit der Auflösung. Mehr Krimi als Thriller, aber dadurch nicht weniger lesenswert. Ich freue mich auf die Fortsetzung, die nächstes Jahr erscheinen soll!

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Veröffentlicht am 30.04.2024

Spiel oder stirb

Five Minds
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In einer fernen Zukunft wird das Problem der Überbevölkerung gemeistert, indem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, das Platzproblem zu lösen. Bereits als Siebzehnjährige müssen sich die Menschen ...

In einer fernen Zukunft wird das Problem der Überbevölkerung gemeistert, indem verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, das Platzproblem zu lösen. Bereits als Siebzehnjährige müssen sich die Menschen für eine von vier Existenzformen entscheiden; wie zum Beispiel Alex, Ben, Kate, Mike und Sierra dies getan und sich für einen Multiplen entschieden haben, was heißt, dass fünf Personen sich einen Körper teilen. Die wichtigste Währung in dieser Welt ist die Zeit und um diese spielen die Mitglieder des Multiplen in einem Todespark gegen andere Teilnehmer. Plötzlich verschwindet eine Person, ein Toter taucht auf und dann läuft alles schief, was schief laufen kann. Ein Mitglied des Multiplen spielt ein falsches Spiel, der Einsatz ist nichts weniger als das Leben.

„Als wir Krankheiten besiegt hatten, haben wir den Tod zurückgedrängt. Wenig später konnte uns nichts mehr töten, ausgenommen Pech und Alter. Sehr hohes Alter. Die Folge war eine Bevölkerungsexplosion. Ein Planet, der schon angeschlagen war, stand vor dem Aus.“ (Seite 97)

Was für eine abgefahrene Idee! Fünf Personen teilen sich einen Körper, jede von ihnen bekommt dafür fünfundzwanzig Jahre gutgeschrieben, sodass der Multiple über 140 Jahre lebt. Da kann man es fast verschmerzen, dass pro Mitglied täglich lediglich vier Stunden zur freien Verfügung stehen, bevor es einen Wechsel gibt. Übrigens fand ich die anderen drei Möglichkeiten ebenfalls durchaus interessant, hier lobe ich den Einfallsreichtum des Autors. Soweit so gut. Anfangs hatte ich befürchtet, dass ich gegebenenfalls Probleme damit haben würde, zu verstehen, wie der exakte Ablauf diese Prozedur und vieler anderer Prozesse im Buch wäre. Diese Sorge war absolut unbegründet, denn der Autor verstand es meisterlich, auch die kompliziertesten Vorgänge einfach sowie verständlich zu formulieren und zu erklären.

„Aber so einleuchtend ist die Mathematik hier nicht. Wir bekommen weitere einhundertfünfundzwanzig Jahre, jedoch nur vier Stunden täglich, also hat jeder von uns alles in allem rund zwanzig Jahre.“ (Seite 109)

Aus verschiedenen Perspektiven ergab sich nach und nach ein Bild der aktuellen Situation, unterbrochen wurde die Handlung durch Rückblenden zum ersten Treffen der fünf Protagonisten vor über zwei Jahrzehnten sowie durch andere Rückblicke, die vergangene Geschehnisse thematisierten. Die Mitglieder hatten Spiele zu absolvieren, die mir wahrscheinlich mindestens so gut gefielen, wie der spielenden Person, wenn nicht sogar noch besser, denn ich hatte im Gegensatz zu ihnen nichts zu verlieren, schon gar nicht meine Lebenszeit.

Die abwechslungsreiche Handlung sowie unerwartete und überraschende Wendungen rundeten das Bild ab, auf die tatsächliche Auflösung wäre ich wohl nie gekommen, und auch das Ende mochte ich sehr. Für mich ein grandioser Genre-Mix, der nichts weniger verdient, als eine Verfilmung, sich bis dahin aber damit begnügen muss, dass ich meine Begeisterung in die Welt rufe. Lesen!

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