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Veröffentlicht am 12.09.2023

Zurückhaltender Reihenauftakt

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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In dem heißen Sommer im Jahre 1994 wird in einem Stockholmer Vorort eine junge Frau vergewaltigt und erdrosselt. Der Kriminalhauptkommissar Tomas Wolf ist der erste am Tatort, allerdings ziemlich abgelenkt ...

In dem heißen Sommer im Jahre 1994 wird in einem Stockholmer Vorort eine junge Frau vergewaltigt und erdrosselt. Der Kriminalhauptkommissar Tomas Wolf ist der erste am Tatort, allerdings ziemlich abgelenkt durch Umstände, die in seiner Vergangenheit liegen. Der Journalistin Vera Berg geht es nicht anders, sie hat sich in eine fast ausweglose Situation gebracht, die belastend ist, obwohl sie ihre Energie besser in den neuen Job stecken sollte, den sie gerade angetreten hat. Bei Veras Recherchen zu einem Überfall auf eine Migrantin kreuzen sich ihre Wege mit Tomas Wolf, die Fälle ähneln sich so frappierend, dass man einen Nutzen aus der Zusammenarbeit ziehen würde. Dies könnte allerdings an den vielen Geheimnissen scheitern, die beide verbergen.

Das vorliegende Buch ist der erste Teil einer schwedischen Buchreihe, die zwei ehemalige Journalisten zusammen geschrieben haben. Dies ist im Hinblick auf eine der Hauptpersonen im Buch, nämlich die Journalistin Vera, von Vorteil, da man merkt, dass einiges an Insiderwissen in die Story eingeflossen ist, was ich äußerst interessant fand. Bevor mich die Geschichte eingefangen hat, vergingen allerdings über hundertfünfzig Seiten, ehrlich gesagt war ich kurz davor, das Buch an die Seite zu legen, weil es nicht so richtig losging, obwohl der Prolog durchaus eine spannende Geschichte versprach. Bereits da gab es aber nur Andeutungen, sodass ich zwar einerseits neugierig darauf war, alle Hintergründe zu erfahren, andererseits das Gefühl hatte, zu lange hingehalten zu werden. Zum Glück gab es bald genug andere Gründe, weiterhin am Ball zu bleiben, einige Kapitel weiter nahm der Krimi mich gefangen und ich konnte die Geschichte endlich mehr genießen.

Wer einen rasanten Pageturner erwartet, könnte enttäuscht werden, sehr langsam und gemächlich entwickelt sich der Fall, die privaten Probleme und Schwierigkeiten der beiden Protagonisten nehmen überwiegend den größten Teil der Story in Anspruch. Dies ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass beide Personen vorgestellt werden und ihre Vergangenheit beleuchtet, ich empfand jedoch viele Absätze sehr in die Länge gezogen und manche Wiederholungen als völlig unnötig, übrigens auch, was die Ermittlungen betraf. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Autoren würden mir nicht zutrauen, mir die einfachsten Dinge diesbezüglich zu merken. Natürlich kann dieses Gefühl auch trügerisch sein, aber aufgefallen ist mir dies oft genug, um es zu erwähnen.

Insgesamt hat mich der Kriminalroman gut unterhalten können, der Fall endete schlüssig, alle Fäden fanden zusammen. Der fürchterliche Cliffhanger am Ende lässt mich fast verzweifelt zurück, denn natürlich möchte ich nun dringend wissen, wie es weitergeht, werde mich aber wohl bis Ende Oktober 2024 gedulden müssen, wenn die Fortsetzung mit dem Titel Wintersonnenwende erscheint. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 11.09.2023

Tierischer Lebenssinn

Frankie
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Frankie ist ein Streuner, der eines Tages zufällig an einem Haus vorbeikommt, in dem ein Mann mit einem Faden spielt, der von der Decke hängt. Neugierig kommt der Kater näher, stört den Menschen in seinem ...

Frankie ist ein Streuner, der eines Tages zufällig an einem Haus vorbeikommt, in dem ein Mann mit einem Faden spielt, der von der Decke hängt. Neugierig kommt der Kater näher, stört den Menschen in seinem Tun und wird verletzt. So fängt sie an, die Geschichte von Frankie und Gold, die der Kater selbst erzählt.

Ein wenig verweint klappe ich das Buch zu und bin traurig, dass es zu Ende ist. Der flapsige Erzählstil hat dazu beigetragen, mir das Thema Trauer und Depression näherzubringen, ohne dramatisch oder pathetisch zu sein, was daran liegt, dass ein Kater erzählt und kein Mensch.

„Das Leben und die Liebe sind schon schwer genug. Und dann hat man mal `n guten Plan und `n bisschen Hoffnung, und dann kommen die Menschen mit ihrem Realismus um die Ecke und machen alles wieder kaputt. Ich glaub, die Welt wäre schöner ohne den ganzen Realismus. Is' so.“ (Seite 94)

Die Ansichten des Katers waren passend und tierisch genug, vor allem aber oft witzig, ohne übermäßig komisch zu sein, was zum Thema gut gewählt war. Viele lustige Momente ergaben sich im Alltag, Stichwort: Situationskomik. Ernster Hintergrund, wichtiges Thema und eine Geschichte von Freundschaft, Geborgenheit und der Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich gebe zu, mich ein wenig in Frankie verliebt zu haben, weiß aber natürlich, dass ich gegen Puschnelka Schnurrilenko keine Chance haben würde. So bleibt mir nur die Hoffnung, dass es ein Wiedersehen gibt mit Frankie, dem Kater, diesem liebenswerten Lebenssinn. Volle Punktzahl und eine Leseempfehlung gibt es dafür gerne von mir.

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Veröffentlicht am 08.09.2023

Melancholisch schön

Böses Glück
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Diese Sammlung mit fünfzehn Kurzgeschichten der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen empfand ich tragisch traurig, stellenweise düster und oft hoffnungslos. Überwiegend waren es Frauen, welche die ...

Diese Sammlung mit fünfzehn Kurzgeschichten der dänischen Schriftstellerin Tove Ditlevsen empfand ich tragisch traurig, stellenweise düster und oft hoffnungslos. Überwiegend waren es Frauen, welche die Hauptrolle in den Stories spielten, aber nicht nur. Frauen, deren Rolle klar vorgegeben, deren Leben vorbestimmt war, die dies wussten, aber zu schwach waren, dagegen aufzubegehren. Manchmal brachen Gefühle aus ihnen heraus, bestimmte Handlungen bahnten sich ihren Weg, stark, hoffnungsvoll, nur um kurz darauf im Keim erstickt zu werden, mutlos und klar darüber, dass eine Meuterei aussichtslos wäre oder den Kraftakt nicht wert.

Die Themen im Buch sind unterschiedlich, es geht um Armut, Einsamkeit, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, aber auch Depression, Krankheit und unerklärliche Wut. Kleine Einblicke in Leben von Frauen, Männern und Kindern; ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche füllen die Seiten, ihre Sorgen und Nöte ziehen sich durch das Buch. Wo der Anfang und wo das Ende, dies war nicht immer klar, aber darum ging es auch nicht. In manchen Geschichten erkannte ich eigene Erlebnisse, andere blieben mir fremd, zogen leise vorbei, mit dem Hauch einer Melancholie eine Traurigkeit nach sich ziehend, die ihre Spuren hinterlässt, um dann zu vergehen und eine Erinnerung dazulassen. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.09.2023

Unwiederbringlich zerstört

Dinge, die wir brennen sahen
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Veronica, die Ronnie genannt wird, und Esther wohnen in Durton, einer Kleinstadt im ländlichen Australien. Die zwölfjährigen Mädchen sind beste Freundinnen und verbringen die meiste Zeit zusammen. An einem ...

Veronica, die Ronnie genannt wird, und Esther wohnen in Durton, einer Kleinstadt im ländlichen Australien. Die zwölfjährigen Mädchen sind beste Freundinnen und verbringen die meiste Zeit zusammen. An einem heißen Freitagnachmittag verlassen beide gemeinsam die Schule, aber nur Ronnie kommt zu Hause an, Esther ist verschwunden. Als ihre Leiche Tage später gefunden wird, ist das Entsetzen groß und schnell klar, dass nicht alles so friedlich ist in dieser Kleinstadt, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Die von der Autorin gewählte Erzählweise fand ich erst etwas eigen, im Nachhinein kann ich aber sagen, dass diese viel dazu beigetragen hat, eine Atmosphäre zu schaffen, die perfekt zur Geschichte gepasst hat. Aus verschiedenen Blickwinkeln wurde die Tat beleuchtet, ob Mütter der Freundinnen, die ermittelnde Beamtin oder Kinder der Kleinstadt, die zum Teil namentlich nicht genannt wurden; deren Gedanken und Sichtweisen fanden in der Erzählung alle ihren Platz und trotz des Umstandes, dass Gegenwart und Vergangenheit eine Rolle spielten, hatte ich nie das Gefühl, dass diesbezüglich etwas unklar war. Lediglich die vielen Namen und damit zusammenhängende Bekanntschafts- sowie Verwandtschaftsverhältnisse haben zu Beginn dazu geführt, dass ich manchmal stutzte und nicht genau wusste, wie diese einzuordnen sind. Dies legte sich aber im Laufe des Buches, sodass einem ungestörten Lesevergnügen nichts mehr im Wege stand.

Erst nach und nach klärte sich, wer was mit wem oder gegen etwas zu tun haben könnte, vieles reichte weit in die Vergangenheit, einiges lag aber nur ein paar Stunden zurück. Je mehr ich über die Menschen erfuhr, desto mehr ergab alles rückblickend einen Sinn, einige Ereignisse schienen nebensächlich zu sein, spielten aber plötzlich eine Rolle, wenn ein neues Puzzleteil seinen Platz fand, weil eine der Personen ihr Schweigen brach. Es gab Vermutungen, Verdächtigungen, Anschuldigungen und Gerüchte, vergessene Kleinigkeiten und unterdrückte Wut. Obwohl ich wusste, welches Schicksal Esther ereilt hat, traf mich das Kapitel darüber mit voller Wucht. Je mehr Einzelheiten ans Licht kamen, desto entsetzter war ich, meine Gefühlspalette wechselte von Trauer über Schmerz zu Wut. Diese Auflösung habe ich nicht erwartet, das Finale war leise, herzzerreißend und lässt mich traurig zurück. Ein schmerzhaft schönes Buch, das von mir die volle Punktzahl bekommt und als Highlight ein extra Sternchen dazu.

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Veröffentlicht am 06.09.2023

Barnis Abenteuer

Der kleine Hudrywuschell Barnabas
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Barnabas ist ein Hudrywuschell, dies sind kleine Wesen, die in der Lage sind, die Menschen zu besuchen, indem sie durch Spiegel in ihre Welt kommen. Paul und Sarah sind ganz schön erschrocken, als Barni ...

Barnabas ist ein Hudrywuschell, dies sind kleine Wesen, die in der Lage sind, die Menschen zu besuchen, indem sie durch Spiegel in ihre Welt kommen. Paul und Sarah sind ganz schön erschrocken, als Barni sich ihnen das erste Mal zeigt, nach anfänglichen Schwierigkeiten werden die drei aber gute Freunde und erleben einige Abenteuer zusammen.

Die Sprache der Autorin ist bildhaft, sodass ich sofort das kleine Wesen vor Augen habe, das sich mir gegenüber zu Beginn des Buches selbst beschreibt. Das Buch eignet sich sehr gut zum vorlesen, ein Mix aus Fantasy und Märchen, der mich schnell in seinen Bann zieht und gut unterhält. Es gibt viele lustige Situationen, aber auch an dramatischen Szenen wurde nicht gespart. Insgesamt eine schöne Geschichte für Kinder ab 8 Jahren, die auch mir sehr viel Spaß gemacht hat. Das Ende verspricht eine Fortsetzung durch einen Cliffhanger, der hoffen lässt, dass es genauso spannend weitergeht. Volle Punktzahl gibt es dafür von mir.

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