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Veröffentlicht am 15.11.2022

Die Ausrede

Spur 33
1

Den als erste am Tatort eintreffenden Polizeibeamten bietet sich ein grausames Bild, drei Leichen befinden sich im Haus, dem ersten Anschein nach hat der Sohn des Paares erst Mutter und Vater erschossen ...

Den als erste am Tatort eintreffenden Polizeibeamten bietet sich ein grausames Bild, drei Leichen befinden sich im Haus, dem ersten Anschein nach hat der Sohn des Paares erst Mutter und Vater erschossen und dann sich selbst; erweiterter Suizid lautet der Fachbegriff für diese unvorstellbare Tat. Erst nach und nach kommt bei den Ermittlungen heraus, dass der mutmaßliche Täter kein einfacher Mensch war, der junge Mann war aggressiv, nahm Drogen, liebte Waffen aller Art und haderte mit sich und seiner Umwelt. Die Schwester des Verdächtigen indes ist davon überzeugt, dass ihr Bruder der gemeinsamen Mutter niemals Leid angetan hätte, egal was die Indizien sagen. Als auffällt, dass Leons Handy fehlt, kommen den ermittelnden Beamten ebenfalls erste Zweifel am Tathergang.

Zuerst einmal möchte ich dringend davon abraten, den Text im Innenumschlag des Buches zu lesen. Dieser Auszug aus dem Buch spoilert ungemein, was mich sehr geärgert hat, denn diese Information, die erst im letzten Drittel auftaucht, hätte ich gerne selbst erfahren. Ich verstehe nicht, warum man diesen Text gerade dort angebracht hat. Nun aber zum Buch selbst. Der Kriminalroman basiert auf einer wahren Begebenheit, an die ich mich zwar erinnert habe, allerdings nicht mehr an alle Einzelheiten, was die Auflösung angeht. Die Autorin versteht es meisterhaft, die bekannten Fakten zu einer unglaublich spannenden Geschichte zusammenzufassen und die fehlenden so zu ersetzen, dass man das Gefühl hat, dass es genau so passiert sein könnte. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet sie die Geschehnisse, kommentiert, ergänzt, fragt nach. So entsteht ein Gesamtbild, das mich entsetzt, erschüttert und angewidert zurücklässt. Bemängeln möchte ich hierbei lediglich, dass ich durch die vielen Zeitsprünge oft etwas irritiert war, weil diese nicht kenntlich gemacht sind und ich dadurch manchmal nicht wusste, um welchen Zeitraum es geht. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau, denn ansonsten war das Buch perfekt. Natürlich gibt es dafür die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung. Für True Crime-LeserInnen ist dieses Buch sowieso ein Muss.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Joggst du schon, oder läufst du noch?

Die Letzten werden die Ersten sein
1

Remington Alabaster ist 64 Jahre alt, in Pension, dies allerdings eher unfreiwillig, als er seiner Frau mitteilt, einen Marathon laufen zu wollen. Er, der Zeit seines Lebens nie Sport gemacht, nie einen ...

Remington Alabaster ist 64 Jahre alt, in Pension, dies allerdings eher unfreiwillig, als er seiner Frau mitteilt, einen Marathon laufen zu wollen. Er, der Zeit seines Lebens nie Sport gemacht, nie einen Meter gelaufen ist. Serenata wiederum musste das Joggen wegen Arthrose in beiden Kniegelenken aufgeben und hadert sehr mit ihrem Schicksal. Dies ist eigentlich kein Grund, Remington mit so viel Spott und Häme zu begegnen, aber sie kann eben nicht aus ihrer Haut. Als Remingtons Vorhaben droht, exzessiv zu werden, kann Serenata nur ohnmächtig zuschauen, wie ihr Mann dem Abgrund entgegenschlittert.

„Bei einem jüngeren Mann hätte das rote Stirnband vielleicht verwegen gewirkt, bei Remington mit seinen vierundsechzig Jahren sah es nach einer Verkleidung aus, die jeder Kinogänger auf den ersten Blick entschlüsselt hätte: Dieser Typ ist ein Vollidiot.“ (Seite 27)

Remington nimmt sein Ziel verbissen in Angriff und zieht sein Vorhaben knallhart durch. Serenata wiederum schwankt zwischen Neid und Missgunst sowie dem Gefühl, ihre Ehe scheitern zu sehen, wenn sie dem kein Ende bereiten kann. Anfangs konnte ich ihre Bedenken nicht nachvollziehen, schwankte zwischen Unverständnis und Wut. Nach und nach solidarisierte ich mich aber mit ihr, konnte ihre Gründe verstehen und auch ihren Unmut. Diese wirklich nicht ganz einfache Person schlich sich in mein Herz, was wahrscheinlich am meisten mich erstaunt hat.

Seit Jahren begeistert mich Lionel Shriver mit ihren Büchern. Der Humor ist oft grandios, die Geschichten haben aber meistens einen ernsten Hintergrund. Hier fehlt zwar ein wenig die Leichtigkeit der letzten Bücher, was mir allerdings sehr gefallen hat, denn der Grat, in die Lächerlichkeit abzurutschen, ist bei diesem Thema ganz schmal und das hat die Thematik sicherlich nicht verdient. Für mich persönlich war dies eines der besten Bücher der Autorin und ich bin jetzt schon gespannt, welches Gebiet sie sich beim nächsten mal vornimmt. Volle Punktzahl und eine Leseempfehlung gibt es diesmal von mir.

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Veröffentlicht am 13.11.2022

Verbotene Liebe

Das verborgene Paradies
1

In dem Alpendorf Borgo San Michele kreuzen sich die Wege von Susanna und Daniele im Jahre 1610 bereits im Kindesalter. Ob die dramatische Geburt von Susanna oder ein traumatisches Erlebnis von Daniele ...

In dem Alpendorf Borgo San Michele kreuzen sich die Wege von Susanna und Daniele im Jahre 1610 bereits im Kindesalter. Ob die dramatische Geburt von Susanna oder ein traumatisches Erlebnis von Daniele im Alter von fünf Jahren, beide Ereignisse führen dazu, dass die Schicksale der beiden für immer miteinander verbunden sind. Als Susanna im Jahr 1633 verhaftet und der Hexerei sowie des Mordes an ihrem Mann beschuldigt wird, eilt Daniele zu ihrer Rettung. Die Verteidigung von Susanna gestaltet sich schwierig, denn die Macht der Kirche ist groß und die Macht einzelner Männer noch größer.

Ich habe Anfangs lange gebraucht, um in die Geschichte reinzufinden. Nach einem dramatischen und sehr spannenden Prolog sprang die Geschichte immer wieder zwischen Personen und Zeiten hin und her, und auch wenn jedes Kapitel mit der entsprechenden Jahreszahl versehen wurde, war mir persönlich zu Beginn einfach zu viel Unruhe drin. Erst nach und nach entfaltete die Geschichte ihren Sog, erklärte sich, was passiert ist. Der historische Hintergrund war hierbei wie immer toll recherchiert, die Rolle der Kirche etwa lässt mich angewidert und entsetzt zurück. Intrigen, Geheimnisse, Machtmissbrauch und Grausamkeit ziehen sich durch das Buch, aber auch Liebe und Hoffnung schimmern immer wieder durch. Ein dramatisches Finale rundet die Geschichte ab und lässt mich nachdenklich zurück.

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Veröffentlicht am 11.11.2022

Zahn um Zahn

Stille blutet
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Die Nachrichtensprecherin Nadine Just liest während der Nachrichten eine Ankündigung des eigenen Todes vor, aus Ungläubigkeit ist sie nicht in der Lage, sich live zu bremsen, sodass diese Sequenz kurze ...

Die Nachrichtensprecherin Nadine Just liest während der Nachrichten eine Ankündigung des eigenen Todes vor, aus Ungläubigkeit ist sie nicht in der Lage, sich live zu bremsen, sodass diese Sequenz kurze Zeit später auf allen Kanälen zu sehen ist. Als Nadine zwei Stunden später von ihrem Ex-Freund Tibor tot aufgefunden wird, ist noch nicht klar, dass dies nur der Anfang einer bizarren Mordserie ist. Die junge Ermittlerin Fina hat indes eine schweren Stand als Neuling und einzige Frau in der Mordkommission. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich durchsetzen und dabei auf ihr Bauchgefühl hören kann, das oft einer anderen Meinung ist, als der ihr zugeteilte Kollege.

Dies ist der erste Teil einer neuen Buchreihe von Ursula Poznanski, aber bereits jetzt kann ich eine Fortsetzung kaum abwarten. Die Ermittler hatten Ecken und Kanten und besonders Fina habe ich ins Herz geschlossen. Ich bin sehr neugierig darauf, wie es bei ihr beruflich, aber gerne auch etwas mehr im privaten Bereich weitergeht. Den Fall selbst fand ich sehr interessant und die Art und Weise der Ausführung raffiniert. Bis zuletzt hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, welche der Personen in Betracht kommen könnte, die Morde begangen zu haben. Die Auflösung war überraschend, hat mich aber auch etwas traurig zurückgelassen, denn die Opfer waren keine netten Menschen und auch wenn sie natürlich keinen Tod verdient hatten, so gab es bei mir ein wenig Verständnis für die Wut, die sie ausgelöst haben, wenn auch nicht für die Taten an sich.

Obwohl es in der Mitte einen kleinen Hänger gab, was die Spannung angeht, konnte mich das Buch im letzten Drittel erneut abholen und fesseln. Von mir gibt es dafür viereinhalb Sterne und natürlich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 09.11.2022

Ein schwerer Abschied

Der Zorn sei dein Ende
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Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch ...

Der letzte Fall vor dem Ruhestand entpuppt sich für Peter Decker als eine Fortsetzung der Ermittlung im letzten Buch. Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass eine der vermissten Personen nun doch tot ist. Währenddessen wird Teresa, die Mutter von Peters Pflegesohn Gabe, überfallen und ihr jüngstes Kind entführt. Deren gewalttätiger Ex-Mann Chris Donatti ist sofort zur Stelle, um seiner großen Liebe, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, zu helfen. Dabei ist er bereit, alles zu tun, damit Teresa zu ihm zurückkommt, und schreckt auch vor Gewalt nicht zurück.

Abwechselnd sprang die Geschichte zwischen der Ermittlung von Decker und dem Entführungsfall hin und her, wobei die Story rund um Teresa, die Ex-Frau von Chris Donatti, den meisten Raum einnahm. Die Perspektiven wechselten, wobei mich irritierte, dass Teresa dabei als einzige Ich-Erzählerin fungierte. Ebenso irritierend fand ich die Ermittlung selbst, die ich mit dem letzten Teil der Reihe eigentlich bereits abgeschlossen wähnte. Zur Spannung trug der alte Fall jedenfalls nicht bei, die eher gemächliche Handlung fand ich fast ermüdend. Positiv hervorheben möchte ich an dieser Stelle, dass es genügend Erklärungen und Wiederholungen gab, die mir geholfen gaben, mich an das letzte Buch sowie insbesondere den Werdegang von Chris Donetti zu erinnern. Dennoch fand ich nicht so richtig in das Geschehen rein.

Dies hätte das grandiose Finale der wunderbaren Buchreihe mit Rina Lazarus und Peter Decker werden sollen, leider blieb ich am Ende etwas enttäuscht zurück. Statt eines Kriminalromans bekam ich einen Mix aus True Crime und Mafiastory, wobei letztere tatsächlich überwiegend zur Abwertung führt. Der Teil nämlich, der sich um Rina sowie Peter nebst Familie und Freunden drehte, war zwar viel zu kurz, aber von den Dialogen her gewohnt gut; der feine Humor wie immer wohl dosiert und mit witzigen Spitzen versehen. Der Donatti-Teil wiederum katapultierte mich in einen Groschenroman, der sich hauptsächlich um Rache, Verrat und vorrangig Sex drehte. Viel Sex. Sehr viel Sex. Kombiniert mit den oft erstaunlich schlechten Dialogen, ergab dies kein großes Lesevergnügen für mich. Die Autorin wollte hier wohl unbedingt zeigen, was für ein böser Junge Chris Donatti ist, hat aber dadurch tragischerweise eher eine Karikatur seiner selbst erschaffen, was schade und unnötig war, denn aus den vorherigen Büchern war bereits klar ersichtlich, was für ein Mensch Chris war und ist.

Die Geschichte explodierte dann förmlich auf der Zielgeraden, die letzten hundert Seiten waren eine Höllenfahrt, was mich gleichermaßen überraschte wie erfreute. Hier entfaltete sich das Talent der Autorin, das der Grund dafür ist, dass ich diese Buchreihe seit fast fünfundzwanzig Jahren gelesen und geliebt habe. Das erste Buch ist übrigens 1986 erschienen, also vor über sechsunddreißig Jahren! Das Ende war schön und passend, aber auch tragisch und traurig. Der Abschluss nicht ganz so, wie ich es erwartet hatte, aber er rundete die Geschichte von Peter und Rina, ihrer Familie und Freunden gut ab. Es war eine tolle Reise, die nun zu Ende ist. Danke dafür. Von mir gibt es dreieinhalb Sterne.

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