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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2022

Ausgeknockt

Frau Faust
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Eine berühmte Schriftstellerin wird ermordet aufgefunden, schnell ist klar, dass die Frau keine nette Person war und es einige Kandidaten gibt, die als Verdächtige in Frage kommen. Die Kriminalkommissarin ...

Eine berühmte Schriftstellerin wird ermordet aufgefunden, schnell ist klar, dass die Frau keine nette Person war und es einige Kandidaten gibt, die als Verdächtige in Frage kommen. Die Kriminalkommissarin Katharina Sismann, Kata genannt, kannte die Tote und hat ebenfalls keine hohe Meinung von ihr. Kata hat einige Probleme damit, die Ermittlung zügig durchzuführen, da sie mit eigenen Dämonen kämpft und durch Stimmungsschwankungen und Blackouts beeinträchtigt ist, denen sie seit dem Ende ihrer Karriere als Boxerin ausgesetzt ist.

Der Schreibstil und die Erzählweise gefielen mir total gut, ich bin durch das Buch nur so geflogen. Mit der Kriminalkommissarin jedoch hatte ich anfangs so meine Probleme, denn ihre Art und Weise sowie viele ihrer Handlungen waren mir oft zuwider. Dies änderte sich zwar im Laufe der Geschichte ein wenig, weil ich mein eigenes Denken in Frage gestellt und mich gefragt habe, ob ich genauso denken würde, wenn die Hauptfigur ein Mann gewesen wäre. Erstaunlicherweise wäre das nicht der Fall, wie ich zugeben muss. Trotz dieses Umstandes wäre es mir lieber gewesen, über manche Handlungen Katas weniger ausführlich lesen zu müssen.

Der Fall selbst war interessant, allerdings irritierte es mich, dass manche Stränge der Story im Sande verliefen; weder gab es eine Auflösung, noch ergaben diese für mich irgendeinen Sinn. Hier wäre tatsächlich weniger mehr gewesen. Die Auflösung habe ich so nicht erwartet, wobei mir einiges nicht ganz so logisch erschien und ich mir zudem tatsächlich eine andere Erklärung gewünscht hätte. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass die Thematik mich nicht übermäßig interessiert. Der Fall selbst wurde abgeschlossen, allerdings blieben hinsichtlich der Kriminalkommissarin viele Fragen offen, was Sinn macht, da es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt.

Fazit: Dieser Start einer neuen Buchreihe lässt noch viel Luft nach oben. Ich möchte aber dennoch mehr über diese ungewöhnliche Hauptfigur erfahren und freue mich auf die Fortsetzung. Von mir gibt es dreieinhalb Sterne.

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Veröffentlicht am 17.08.2022

Es ist deine Pflicht

Alles ist noch zu wenig
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Inge fällt in ihrem Haus die Treppe runter und liegt mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus. Sie ruft ihren Sohn Carsten an und verlangt, dass dieser sofort kommen soll, schließlich ist sie vierundachtzig ...

Inge fällt in ihrem Haus die Treppe runter und liegt mit einem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus. Sie ruft ihren Sohn Carsten an und verlangt, dass dieser sofort kommen soll, schließlich ist sie vierundachtzig Jahre alt und nicht mehr die Jüngste, da ist es doch das mindeste, dass Carsten sich um seine Mutter kümmert, am besten auch wieder nach Hause zieht. Nach Hause in das Dorf am Ende der Welt, wo es nichts gibt, davon aber ganz viel. Carsten fährt mit seiner fünfzehnjährigen Tochter Lissa für ein paar Wochen in die ostdeutsche Provinz, um in dieser Zeit eine Lösung für seine Mutter zu finden. Diese Wochen werden für alle Beteiligten nicht einfach sein.

Drei Generationen in einem Haus und dazu die Frage, ob Kinder dazu verpflichtet sind, sich um ihre Eltern zu kümmern, wenn diese nicht mehr dazu in der Lage sind. Dieser und vielen anderen Fragen geht die Autorin nach und dies tut sie in so erfrischender und humorvoller Weise, dass es eine große Freude für mich war, dieses Buch zu lesen. Da ist Inge, gefangen in ihren eingerosteten und fast schon fest betonierten Konventionen, die keinen Schritt von ihrer Meinung abweicht und ihre Ansichten vehement vertritt. Daneben Carsten, der sich auf nichts festlegen und auch keine Verantwortung übernehmen möchte, nicht für seine Tochter und schon gar nicht für die Mutter, mit der ihn nichts verbindet und die ihn überfordert mit ihren Forderungen, Ansprüchen und Aufgaben, die sie tagtäglich und nun auch noch Nachts erledigt haben will. Und da ist auch Lissa, die die Wahl hat zwischen Ferien mit ihrer Mutter und deren Liebhaber, oder aber einer Auszeit in der tiefsten Provinz.

Sehr humorvoll und mit viel Einfühlungsvermögen nähert sich die Autorin den Personen und lässt mich daran teilhaben, sodass ich das Gefühl habe, ich bin selbst mittendrin. Ich konnte den Standpunkt von Carsten verstehen, habe nachfühlen können, was Inge bewegt und habe geschmunzelt darüber, wie Teenager heute so sind. Ich war aber auch wütend auf Inge, habe mich über Carsten geärgert und das Verhalten von Lissa hat mich zur Weißglut gebracht. Dieses ernste Thema mit dem feinen Humor aufzulockern, war eine grandiose Idee und auch wenn ich mir das Ende ein wenig anders gewünscht hätte, macht dieser Ausgang für mich doch am meisten Sinn. Ob und wie die Fragen letztendlich beantwortet werden, lest ihr am besten selbst nach. Es lohnt sich! Von mir gibt es volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Keine heile Welt

Das siebte Mädchen
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Der Vater von Chloe wird wegen Mordes an sechs Mädchen festgenommen, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, dies ist fast zwanzig Jahre her. Chloe arbeitet inzwischen als Psychologin, hat eine eigene Praxis ...

Der Vater von Chloe wird wegen Mordes an sechs Mädchen festgenommen, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt, dies ist fast zwanzig Jahre her. Chloe arbeitet inzwischen als Psychologin, hat eine eigene Praxis und ist verlobt, ihre Dämonen hält sie in Schach. Als wieder ein Mädchen vermisst wird, kommen Erinnerungen hoch, die Erinnerungen an die schlimmste Zeit in ihrem Leben. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, ist schnell klar, dass die Praxis von Chloe der letzte Ort war, an dem es gesehen wurde. Chloe fragt sich, ob dies mit dem bevorstehenden Jahrestag der Verbrechen ihres Vaters zusammenhängt, und falls dies so ist, ob sie der Grund dafür ist.

Ich habe einen rasanten Thriller erwartet, aber anfangs kommt das Buch einfach nicht in die Gänge, wie man so schön sagt. Ich bekomme einen Einblick in das Leben von Chloe, deren Erinnerungen immer wieder die Gegenwart unterbrechen, sodass ich nach und nach erfahre, was vor zwanzig Jahren passiert ist. Diese Erinnerungen sind lange Zeit der Grund, der mich durchhalten lässt, weil die Geschichte oft sehr langatmig ist für mich. Ursächlich dafür ist, dass Chloe immer und immer wieder die gleichen Erinnerungen durchkaut und die neugewonnenen Erkenntnisse ebenfalls permanent gedanklich wiederholt. Das hat mein Lesevergnügen zu Beginn erheblich geschmälert, was daran liegt, dass ich es nicht mag, wenn man so unglaublich lange hinauszögert, worauf ich warte, dass es nämlich nervenaufreibend spannend wird. Fans von Spannungsliteratur kommen hier aber wahrscheinlich voll auf ihre Kosten.

Im letzten Drittel war es dann endlich soweit, es wurde aufregend, die Ereignisse überschlugen sich förmlich und das Buch verdiente sich die Bezeichnung Thriller. Ein Verdacht, den ich schon früh hatte, hat sich letztendlich nicht bestätigt, ich fand es aber super, wie elegant ich auf eine falsche Fährte geführt wurde. Die kurz danach folgende Wendung habe ich ebenfalls nicht kommen sehen, die Überraschung war perfekt, wenn auch eher nicht wirklich innovativ. Ich hätte mir am Ende das ein oder andere Ergebnis anders gewünscht, aber eigentlich war der Abschluss doch sehr stimmig. Von mir gibt es solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Rasanter Actionthriller

Game On - Der Einsatz ist dein Leben
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Während einer Live-Sendung der Talkshow-Moderatorin Jordan Briggs ruft ein Mann an und bietet Jordan an, mit ihm ein Spiel zu spielen. Was nach einem harmlosen Spaß klingt, entwickelt sich schnell zu einem ...

Während einer Live-Sendung der Talkshow-Moderatorin Jordan Briggs ruft ein Mann an und bietet Jordan an, mit ihm ein Spiel zu spielen. Was nach einem harmlosen Spaß klingt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Ernst, als kurze Zeit später Bomben gezündet werden und Menschen sterben. Schnell ist klar, dass der Anrufer ein bestimmtes Ziel verfolgt, aber welches, bleibt lange Zeit sein Geheimnis. Officer Cole Hudley, der ins Gebäude des Radiosenders kommt, um Jordan einen Strafzettel auszustellen, wird in die Sache hineingezogen. Leicht macht es ihm die sehr eigenwillige Jordan nicht, zumal sie gerade andere Probleme hat.

Ich habe selten einen Thriller gelesen, der mich von der ersten Sekunde an und dann durchgehend so gut unterhalten hätte. Abwechselnd und in unregelmäßigen Abständen wechselt die Perspektive zwischen Jordan und Cole, fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, der mich fast wahnsinnig macht und so die Spannung permanent oben hält. Dabei sind die Kapitel mit dem jeweiligen Namen überschrieben, sodass es keine Verwechslung gibt. Immer, wenn ich denke, es könnte keine Steigerung mehr geben, beweist der Autor mir das Gegenteil. Als etwa in der Mitte der Geschichte eine mögliche Erklärung im Raum steht, wird es plötzlich so emotional, sodass ich Mühe habe, meine Sympathie für die ein oder andere Person aufrechtzuerhalten. Mein Herz zerbricht in tausend Teile und gefühlsmäßig ist da ein riesiges Chaos in mir. Anscheinend war das aber noch nicht alles, ich habe das Gefühl, es geht jetzt erst richtig los, und das tut es auch. An eine Pause ist nicht zu denken, ich kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen! Das letzte Drittel setzt noch einmal einen drauf, es ist unglaublich, was da noch alles passiert, stellenweise ist die Spannung kaum noch auszuhalten. Das Finale ist so unglaublich, dass mir fast die Worte fehlen. Natürlich geht es nicht ohne Emotionen, die letztendlich bei mir überfließen. Aber lest lieber selbst. Von mir gibt es fünf Sterne mit Sternchen und eine Leseempfehlung. Grandios!

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Veröffentlicht am 12.08.2022

Wenn es brennt…

Die Arena
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Benjamin Grossmann, Europachef eines amerikanischen Streaminganbieters in Paris, vermisst sein Handy und hat schnell den in seinen Augen Schuldigen ausgemacht. Er folgt dem halbwüchsigen Jungen, stellt ...

Benjamin Grossmann, Europachef eines amerikanischen Streaminganbieters in Paris, vermisst sein Handy und hat schnell den in seinen Augen Schuldigen ausgemacht. Er folgt dem halbwüchsigen Jungen, stellt ihn zur Rede und attackiert ihn, als dieser leugnet, etwas mit dem Diebstahl zu tun zu haben. Am nächsten Tag kursiert im Internet ein Video über Polizeigewalt, eine Polizistin tritt eine am Boden liegende Person mit Schwung in die Seite. Diese Person ist tot. Entsetzt stellt Benjamin fest, dass es sich bei dem Toten um den mutmaßlichen Dieb seines Handys handelt.

Ich habe schwer in das Buch reingefunden. Dies liegt daran, dass die Autorin eine sehr bildliche und ausschweifende Erzählweise gewählt hat. Zusätzlich zur eigentlichen Geschichte gibt es immer wieder Informationen aller Art zu verarbeiten und viele Hinweise auf vermeintlich wichtige oder unwichtige Ereignisse, die die Autorin zusätzlich eingeflochten hat. Hinzukommen die Beschreibungen der Örtlichkeiten, die für meine Begriffe überhand genommen haben. Dies mag für Liebhaber von Kulturreisen, besonders für solche, die sich für Paris erwärmen, total interessant sein, mich rissen diese ungewohnt klingenden Straßen-, Gassen-, Platz-, Gebäude- und sonstigen Namen immer wieder aus der Konzentration. Diese Kritikpunkte resultieren meines Erachtens daraus, dass Négar Djavadi Schriftstellerin, aber auch Drehbuchautorin und Regisseurin ist.

Die eigentliche Story wiederum war grandios. Die Autorin legt den Finger in die Wunde und zeigt die Welt so, wie sie ist. Die Gesellschaftskritik sickert aus fast jeder Seite, ironisch und unterhaltsam bekommt jeder sein Fett weg. Sie zeigt uns, wie nah Armut und Reichtum, Freude und Trauer, Glück und Tragik nebeneinander liegen. Sie hält uns den Spiegel vor und zwingt uns zu sehen, wie und wer wir sind.

„Wenn du einmal begriffen hast, dass nicht alle Menschen rechtliche Ansprüche haben, weder hier noch in Los Angeles, Sydney, Rom, Brasilia, Naypyidaw oder Soweto, dass Gerechtigkeit in erster Linie eine Frage der Herkunft und der Postanschrift ist, dann siehst du die Welt nicht mehr mit denselben Augen.“ (Seite 219)

Wir werden in die Welt der Armen und der Reichen, aber auch der Migranten und der Gangs katapultiert, wo jeder gegen jeden und alle gegen den Rest sind; diejenigen, die es geschafft haben, triumphieren, der Rest resigniert oder lebt nur dumpf vor sich hin. Die Polizei ist machtlos, die Politik produziert nur heiße Luft und schürt in der Regel noch mehr Hass, als notwendige Lösungen anzubieten. Ich würde gerne behaupten, dass die Story überspitzt ist, aber das Gegenteil beweisen mir täglich die Nachrichten aus der ganzen Welt.

Dies war keine leichte Lektüre, der Aufbau war oft chaotisch und manchmal wusste ich am Anfang eines Kapitels nicht, welche Person überhaupt gemeint war. Dies und meine eingangs geschilderten Kritikpunkte führen damit zu einem Abzug in der Wertung, der mich die goldene Mitte nehmen und solide drei Sterne vergeben lässt. Wer meine Kritik nicht nachvollziehen kann, rechnet gerne einen Stern hinzu, denn wie immer ist es mein Empfinden, das mich so bewerten lässt.

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