Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
offline

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Widersprüchlich

Zwischenschritte
0

Brigitte ist am Boden zerstört, seit ihr Sohn Michael vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam. Sie verlässt Haus und Mann und reist nach Frankreich, das Land, das ihr Sohn geliebt hat. Dort trifft ...

Brigitte ist am Boden zerstört, seit ihr Sohn Michael vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam. Sie verlässt Haus und Mann und reist nach Frankreich, das Land, das ihr Sohn geliebt hat. Dort trifft sie auf den über fünfzehn Jahren jüngeren Buchhändler Christian, der ebenfalls eine sehr emotionale Zeit durchmacht. Die beiden so unterschiedlichen Menschen nähern sich einander an, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht.

Dieses Buch lässt mich zwiespältig zurück. Die beiden Hauptprotagonisten haben mich leider nicht erreicht, obwohl es thematisch sicherlich einiges mitzufühlen gibt. Aber - und natürlich folgt nun das Aber, das ich gerne versuche, zu begründen. Brigitte trauert ihrem Sohn hinterher, den sie allerdings seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat, mit dem sie lange keinen Kontakt hatte. Christian trauert, obwohl es keinen wirklichen Trauerfall in seinem Leben gibt. So richtig sympathisch sind sich beide nicht, sodass ich die Anziehung an dieser Stelle nicht nachvollziehen kann. Bedauerlicherweise finde auch ich Brigitte und Christian nicht liebenswert genug, was schwierig ist, wenn es um Gefühle zwischen ihnen und auch solche geht, die ich beim lesen empfinden sollte und wollte, was mir jedoch nicht gelang.

Ich könnte nun so weitermachen, was dazu führen würde, dass ich die komplette Geschichte verrate, diese spoilere, wie es heutzutage so schön heißt, was ich hier natürlich vermeiden will. Am besten macht sich die Leserin und der Leser selbst ein Bild. Gute Unterhaltung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.08.2025

Grandioser Reihenstart

Dunkle Sühne
0

Am späten Abend des 04. Juli findet ein Feuerwerk statt, in der gleichen Nacht verschwinden zwei Teenager. Eines der vermissten Mädchen ist die Tochter der besten Freundin von Debuty Emmy Clifton, die ...

Am späten Abend des 04. Juli findet ein Feuerwerk statt, in der gleichen Nacht verschwinden zwei Teenager. Eines der vermissten Mädchen ist die Tochter der besten Freundin von Debuty Emmy Clifton, die wiederum die Tochter des zuständigen Sheriffs ist. Emmy quält sich mit Schuldgefühlen, weil sie kurz vor dem Verschwinden der Mädchen eines von ihnen abgewiesen hat, als diese mit ihr sprechen wollte. Bald ist klar, dass die Mädchen viele Geheimnisse hatten, und dass manche Bewohner von North Falls alles dafür tun würden, dass ihre eigenen düsteren Verfehlungen nicht ans Licht kommen.

Karin Slaughter gehört für mich zu den besten Autorinnen, wenn es um Thriller geht. Ihre neben zahlreichen Einzelbänden bereits dritte Reihe zeichnet sich durch eine unfassbar komplexe Geschichte aus, in einem perfekten Tempo erzählt, die mit einer Reihe von unerwarteten Wendungen dafür sorgt, dass es keine Atempausen auf dem Weg zur Lösung gibt. Ihre Figuren sind vielschichtig, jeder Nebencharakter fein gezeichnet, nie weiß man als Leser, wer wichtig oder völlig nebensächlich ist. Die Spannung steigt mit jeder Seite, der permanente Nervenkitzel bringt mich fast um den Verstand, und als ich schon sicher bin, alles durchschaut zu haben, setzt die Autorin noch einmal nach und erstaunt mich mit ihrem Einfallsreichtum. Und das nicht nur einmal.

Mit diesem Reihenauftakt hat Karin Slaughter erneut bewiesen, dass sie eine Meisterin ihres Fachs ist. Ich kann es kaum erwarten, dass es weitergeht in North Falls, und freue mich unbändig drauf. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.08.2025

Falsche Erwartungen

Das Leben fing im Sommer an
0

Der fünfzehnjährige Chris ist verliebt, ausgerechnet in Debbie, das seiner Meinung nach schönste Mädchen der Schule. Plötzlich interessiert sich Debbie für ihn und neben seiner großen Leidenschaft für ...

Der fünfzehnjährige Chris ist verliebt, ausgerechnet in Debbie, das seiner Meinung nach schönste Mädchen der Schule. Plötzlich interessiert sich Debbie für ihn und neben seiner großen Leidenschaft für Fußball ist da nur noch dieses Mädchen in seinem Kopf. Ein Sommer beginnt, wie es noch keinen solchen gab. Zumindest für Chris nicht.

Bedauerlicherweise hatte ich gänzlich falsche Vorstellungen, um was es im Buch geht, habe lediglich den Text auf der Rückseite gelesen und nicht den Klappeninnentext. So ist mir nicht aufgefallen, dass Christoph Kramer über sein fünfzehnjähriges Ich schreibt, das mitten in der Pubertät und auf der Suche nach der ersten großen Liebe ist. Dies nimmt mehr als das halbe Buch in Anspruch, dann erst folgt der im Klappentext erwähnte Roadtrip, der in meinen Augen aber nur ein halber war. Überwiegend beschäftigt sich der Protagonist mit einem Mädchen, seiner Akne und damit, dass da ja noch der Fußball ist. Als Jugendbuch wahrscheinlich eher zu empfehlen, für mich persönlich leider nicht das richtige.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.08.2025

Sommer, Sonne, Ärger

Blaues Wunder
0

»Eine 70-Millionen-Euro-Yacht, ein Haufen Angestellter, exquisite Küche, traumhafte Unterkünfte und sieben Personen, die alle etwas zu verbergen haben.« (Seite 115)

Der Banker Walter Bronstein lädt zwei ...

»Eine 70-Millionen-Euro-Yacht, ein Haufen Angestellter, exquisite Küche, traumhafte Unterkünfte und sieben Personen, die alle etwas zu verbergen haben.« (Seite 115)

Der Banker Walter Bronstein lädt zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter zusammen mit dessen Ehefrauen auf seine luxuriöse Superyacht ein. Walters Frau Rachel und der gemeinsame Sohn David vervollständigen die Reisegesellschaft. Keiner der Gäste ahnt, worum es geht, warum die beiden Kontrahenten eingeladen wurden und ihre Frauen unbedingt dabei sein sollten. Erst nach und nach realisieren sie, dass es um mehr geht als einen Urlaub auf dem Meer. Es geht um alles oder nichts.

»Es heißt, Frauen seien manipulativ. Ich glaube, das müssen sie sein. So wie Wasser Stein nach und nach erweicht und aushöhlt, schlicht weil ihm die Kraft fehlt, ihn einfach zu zerschlagen. Meine Fäuste schüchtern niemanden ein. Was mich gefährlich macht, ist mein Verstand.« (Seite 70)

Die Frauen sind es, die in diesem Drama mit wenigen Akten die Hauptrolle spielen. Nora und Franziska machen den ersten Schritt, kurze Zeit später kommt Rachel hinzu und vervollständigt die illustre Runde. Und die hat es in sich, denn die unumstrittenen Stars des Stücks waren bisher die Männer. Die Alphatiere. Die Macher. Deren Frauen ein Accessoire, eine Beilage, ein Nichts im Vergleich mit ihnen waren, den Herren der Schöpfung, ihrer Frauen größtes Glück. Nicht.

Die wechselnde Perspektive war hier sehr klug gewählt, durch die Erzählungen der Frauen ergab sich erst allmählich ein klares Bild, was die Spannung quälend langsam aufbaute und mich wahnsinnig machte, weil das so genial gelungen ist. Kleine und große Geheimnisse, manche so ungeheuerlich, dass es fast zum fremdschämen war, auf den ersten Blick schillernde Persönlichkeiten, die auf den zweiten nicht halten konnten, was die Verpackung versprach. Das und noch viel mehr machten das Buch zu einem Genuss, das war wirklich wunderbar. Lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Fiktion trifft Realität

Das Geschenk
0

Als die deutsche Bundesregierung ein Gesetz beschließt, wonach Jagdtrophäen nicht mehr eingeführt werden dürfen, schickt der Präsident von Botswana 20000 Afrikanische Elefanten nach Berlin, um klarzumachen, ...

Als die deutsche Bundesregierung ein Gesetz beschließt, wonach Jagdtrophäen nicht mehr eingeführt werden dürfen, schickt der Präsident von Botswana 20000 Afrikanische Elefanten nach Berlin, um klarzumachen, dass das vorgenannte Gesetz den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzieht. Der Bundeskanzler ist alarmiert, ein neues Ministerium wird gegründet und das Tauziehen um Zuständigkeiten geht los. Schnell ist klar, dass es nicht nur um die Elefanten geht, sondern dringlichere Probleme im Raum stehen.

Im Jahr 2024 entbrannte ein Streit wegen angeblicher Pläne des Bundesumweltministeriums, ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen zu beschließen. Da in vielen afrikanischen Ländern die Jagd auf Wildtiere einen nicht unerheblichen Teil des Einkommens darstellt und man mit Lizenzen viel Geld verdient, würde ein solches Einfuhrverbot einen großen Schaden anrichten. Botswana leidet unter einer Überpopulation an Elefanten. Die Menschen zerstören den Lebensraum der Tiere und diese wiederum dringen zum Beispiel auf die Äcker der Bauern und fressen die komplette Ernte auf. Es gibt regelmäßig Zusammenstöße von Mensch und Tier. Aus dieser und rund um diese Meldung hat Gaea Schoeters eine Geschichte konstruiert.

Nachdem mich »Trophäe« letztes Jahr mehr als begeistert hat, war ich voller Vorfreude auf das neue Buch der Autorin. Dieses fing vielversprechend an, denn auch wenn die Meldung an sich real war, so sind die Vorgänge im Buch selbstverständlich fiktiv. Die Themen selbst sind es aber nicht, ob Klimawandel, Tierschutz, Dürre, Hunger oder wirtschaftliche Probleme und Folgen der Industrialisierung; alles wurde in die Story gepackt, aber wegen der Kürze der Erzählung nur angeschnitten und nicht zu Ende geführt. Zu vieles wollte Gaea Schoeters erzählen, zu vieles anprangern und zu wenig Platz hatte sie dafür, was zu Lasten des Gesamtbildes ging. Dazu wurde es letztendlich sehr politisch, drehte sich im Kreis und endete so, dass es mir missfiel. Insgesamt gab es hier zu viel Schwarz und Weiß, da fehlten mir die Grautöne. Leicht und amüsant zu lesen, der Grundgedanke wirklich toll, aber an den phänomenalen Vorgänger kommt es, auch gefühlsmäßig, leider überhaupt nicht dran. Dennoch ein schönes Gedankenexperiment.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere