erzählerisch dürftig und in vielen Teilen unglaubwürdig
Stonehenge - Die Kathedrale der ZeitIn seinem neuen Roman Stonehenge-Die Kathedrale der Zeit geht Ken Follett in der Geschichte deutlich weiter zurück als in seinen früheren historischen Romanen. Die Grundidee klingt spannend, da die Errichtung ...
In seinem neuen Roman Stonehenge-Die Kathedrale der Zeit geht Ken Follett in der Geschichte deutlich weiter zurück als in seinen früheren historischen Romanen. Die Grundidee klingt spannend, da die Errichtung des Megalith- Bauwerks von Stonehenge viele Fragen birgt und Raum für Fantasie lässt, in diesem Fall habe ich die Umsetzung jedoch als eher durchwachsen empfunden.
Follett versteht es zweifellos, historische Szenerien anschaulich darzustellen, das alltägliche Leben in der Steinzeit mit ihren Herausforderungen der damaligen Zeit wirkt greifbar. Die Charaktere sind für mich jedoch zu stereotyp angelegt, die unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen und sozialen Gefüge bei Waldmenschen, Bauern und Hirten wirken irritierend, als wären moderne Konzepte auf einen historischen Kontext projiziert.
Wer auf detaillierte Schilderungen zum Bau von Stonehenge hofft, wird enttäuscht, neben den Schilderungen zu Alltag und Konflikten der unterschiedlichen Gruppen, kommt dieser Aspekt zu kurz und erst zum Ende des Romans zum Tragen. Wenn eine historische Bauzeit von über 100 Jahren hier auf wenige Jahre zusammenschrumpft, nagt das stark an der Glaubwürdigkeit der Geschichte, auch wenn man einem Autor eines fiktiven Romans eine gewisse kreative Freiheit einräumen muss.
Auf mich wirkte das Szenario mit den drei Gruppen aus Waldmenschen, Bauern und Hirten auf einem überschaubaren Gebiet, in dem die anderen Gruppen in einerm halben bis ganzen Tag zu Fuß erreichbar sind, insgesamt unglaubwürdig. Dass die Menschen dann einen Tagesmarsch brauchen, um zu dem Tal mit den riesigen Steinen zu gelangen, dann aber einen der Steine in nur 2 Tagen zum Monument zu bewegen, macht es nicht besser. Im Vergleich zur Kingsbridge-Reihe erreicht Follett hier bei weitem nicht die von ihm gewohnte erzählerische Tiefe, die Geschichte erscheint zu sehr auf Effekte ausgerichtet.
Der Lesespaß wird zusätzlich getrübt durch die vielen Rechtschreibfehler und die schlechte Übersetzung, bei der mehrfach Namen und Begriffe verwechselt wurden. Ich habe ein Rezensionsexemplar gelesen, bei einem Kauf hätten mich diese Fehler erst Recht geärgert.