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Veröffentlicht am 10.07.2025

Ein spannendes Gedankenspiel auf fantastische und emotionale Weise umgesetzt

Im Leben nebenan
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Anne Sauer bleibt nach diesem Romandebüt auf jeden Fall eine Autorin, die ich im Auge behalte. Nicht nur schafft sie es, eine innovative Idee in Buchform zu bringen, sondern sie setzt diese dann auch noch ...

Anne Sauer bleibt nach diesem Romandebüt auf jeden Fall eine Autorin, die ich im Auge behalte. Nicht nur schafft sie es, eine innovative Idee in Buchform zu bringen, sondern sie setzt diese dann auch noch mit so viel Fein- und Taktgefühl um, dass es mich emotional kaum losgelassen hat. An den richtigen Stellen ist der Text stilistisch besonders, ohne zu extravagant zu sein und damit von der Emotionalität der Handlung abzulenken.

Die Geschichte dreht sich um Antonia und Toni - erstere im Heimatdorf mit frisch geborenem Kind und verheiratet mit ihrer Jugendliebe, letztere in der Stadt ohne Kinder und in einer festen, unkomplizierten Beziehung mit einem anderen Mann. Nur… es handelt sich um die gleiche Person und Antonia wacht eines Tages als Mutter auf, obwohl sie gestern noch als Toni ein kinderloses (oder -freies?) Leben führte. Die beiden Perspektiven laufen immer wieder ineinander, scheinen sich manchmal sogar fast zu kreuzen. Zwei Perspektiven, die irgendwie eine sind und doch auch wieder nicht - Knotenpotenzial für den Kopf, aber ich fand es genial und intelligent umgesetzt.

Es ist sehr klar, dass es sich hier um Fiktion handelt und trotzdem habe ich bangend auf eine logische Auflösung gewartet - so gut kann die Autorin schreiben. Beide Versionen der Protagonistin sind vielschichtig. Antonia struggelt in verschiedener Hinsicht mit ihrer Mutterrolle, obwohl sie sich diese als Toni gewünscht hatte - hat sie doch jahrelang vergeblich versucht, schwanger zu werden. Anne Sauer webt wiederholt gesellschaftliche Elemente in die Geschichte ein und schafft es, Eltern und Nicht-Eltern nebeneinanderzustellen ohne in ein Werten oder gar Vergleichen zu verfallen. Deshalb können meiner Meinung nach alle Lesenden ungeachtet der eigenen Situation etwas aus dem Roman ziehen.

Mich haben beide Seiten der Geschichte restlos überzeugt. Am Ende geht es weniger um die Frage „Kinder - ja oder nein?“, sondern vielmehr um Lebensentscheidungen und dem Umgang mit ihnen im Allgemeinen. Mal schwermütig und verzweifelt, mal hoffnungsvoll und proaktiv gehen beide Versionen der Protagonistin durch eine bestimmte Phase ihres Lebens. Die beiden Partner haben mir als Nebenfiguren gut gefallen, da auch sie sich jeglicher Eindeutigkeit entziehen und eben einfach menschlich sind - mit nervigen und liebenswerten Seiten.

Das Ende ist kryptisch, aber mir ist fast die Kinnlade herabgefallen, so gut fand ich es! Ich habe auch wirklich ein paar Tränchen verdrückt, die gar nichts mit einem besonders konkreten Drama zu tun haben, sondern sich einfach mit der sanften Echtheit der Geschichte begründen lassen. Ein großartiges Debüt, mit dem die Autorin zeigt, wie viel Mitgefühl und Verständnis sie für verschiedene Lebensentwürfe aufbringen kann!

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Gut lesbarer und lehrreicher Einstieg in ein wichtiges Thema

Mekka hier, Mekka da
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Melina Borčak schreibt wie sie spricht und das finde ich toll! Mit einem feinen Humor und sehr direktem Ton thematisiert sie hier ein Thema, zu dem wir sicher alle noch lernen können. Es geht dabei vor ...

Melina Borčak schreibt wie sie spricht und das finde ich toll! Mit einem feinen Humor und sehr direktem Ton thematisiert sie hier ein Thema, zu dem wir sicher alle noch lernen können. Es geht dabei vor allem um sprachliche Phänomene, wenn es zu antimuslimischem Rassismus kommt. Wo werden willkürliche Kategorien geschaffen, wo mit verschiedenen Ansprüchen gearbeitet? Warum werden immer wieder bestimmte Bilder reproduziert, wenn über den Islam oder Musliminnen geschrieben wird? Wie soll so eine große Gruppe von Menschen auch nur im Ansatz homogen sein? Auf diese und viel mehr Fragen geht Borčak gut zugänglich ein.

Dass der Fokus vor allem auf (Bild-)Sprache liegt, war mir vorher nicht bewusst. Das ist auch nicht schlimm, aber zur eigenen Einordnung vorher sicher hilfreich. Und ich habe beim Lesen so Einiges lernen dürfen, eigene Bilder im Kopf hinterfragt, aber auch oft genickt. Manchmal war es mir sprachlich ein wenig zu repetitiv und zäh, an anderen Stellen hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Besonders hervorzuheben ist natürlich das Kapitel zu Genozid, welches noch einmal besonders deutlich ist im Ton der Autorin - und das völlig berechtigt. Ich hatte in dem Feld ehrlicherweise durch den öffentlichen Diskurs noch einige Unsicherheiten und manche bleiben auch vorhanden. Und doch halte ich es für extrem wichtig, Expert
innen jeglicher Art zuzuhören und ihnen zu glauben. Die Lektüre hat dahingehend meine eigene Ambiguitätstoleranz noch einmal geschärft. Außerdem habe ich ein bisschen mehr über den Islam gelernt, was ich auch als Atheistin interessant fand. Klare Empfehlung und extra Sympathiepunkte für den Veganismus der Autorin. 🫶🏻

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Ein weiteres kurzweiliges Werk einer talentierten Autorin

Der alte Apfelgarten
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Zum Hörbuch:
Anja Kalischke-Bäuerle ist eine angenehme Hörbuchsprecherin. Ich höre Hörbucher immer auf mind. 1,5-facher Geschwindigkeit, weil es mir sonst zu langsam ist. Auch auf diese Stufe hört sich ...

Zum Hörbuch:
Anja Kalischke-Bäuerle ist eine angenehme Hörbuchsprecherin. Ich höre Hörbucher immer auf mind. 1,5-facher Geschwindigkeit, weil es mir sonst zu langsam ist. Auch auf diese Stufe hört sich die Stimme noch immer gut an. Manchmal klang mir vor allem Nina zu lieb für ihren anfänglichen Ärger und zwischen den einzelnen Figuren hätte ich mir noch ein wenig mehr Varianz gewünscht, um sie besser voneinander unterscheiden zu können. Das macht auch die Perspektivwechsel etwas schwer verständlich, da wäre eine Figureneinordnung am Anfang jedes Kapitels gut gewesen - aber das liegt natürlich nicht an der Sprecherin.

Zum Buch selbst:
Mein erster Kontakt mit Sharon Gosling war vor einem Jahr „Forgotten Garden“, was ich sehr mochte. Ich finde, dass Gosling ein Händchen für ganz besondere Landschaften hat, aber auch für zarte zwischenmenschliche Bande. An das konnte „Der alte Apfelgarten“ in vielerlei Hinsicht anknüpfen, wenngleich es für mich auch ein paar Dämpfer gab.

Aber erstmal zu all dem Guten. Das Setting ist einfach bemerkenswert schön, Gosling zeichnet mit ihren Worten kinderleicht Bilder in die Köpfe ihrer Leser*innen. Ich bin zwar gar nicht so ein Küstenkind, aber wie die Autorin schottische Natur beschreibt, macht mich doch sehnsüchtig.

Außerdem mochte ich die Wahl der Protagonistinnen sehr gern! Dass hier für eine Romance eine Schwesternschaft als zentrale Beziehung gewählt wurde, finde ich nämlich richtig toll. Bette und Nina sind spannende Figuren, alleinstehend und in Interaktion miteinander. Gosling zeigt damit, dass nicht immer die romantische Liebe im Zentrum stehen muss.

Wie schon bei ihrem vorherigen Werk hat mir generell gefallen, dass die meisten Figuren einfach warmherzig und undramatisch sind. Das bedeutet nicht, dass es kein Drama in der Handlung gibt (im Gegenteil!) , aber sie kommt eben weniger aus den Figuren selbst. Barnaby a.k.a. Superheld Seepocke und wie respektvoll die Erwachsenen mit ihm sowie seinen Bedürfnissen umgehen? Ich liebe alles daran! Auch Cam, Allie und Ryan sind liebenswerte Nebenfiguren, die ich immer wieder gern gelesen habe.

Der Roman ist eine gut lesbare Sommerlektüre und ich würde sie dafür auch jederzeit empfehlen. Dennoch hat mir der Vorgänger noch einen Ticken besser gefallen, weil da der Gemeinschaftsaspekt mehr zum Tragen kam. Außerdem muss ich die starke Überzeichnung des Antagonisten kritisieren. Die Figur fand ich völlig flach, eindimensional und vorhersehbar. Auch Bettes und Ryans Aufeinandertreffen und wie es dann endete, fand ich nicht gut geschrieben. Es war mir am Ende alles einfach ein wenig zu überspitzt dramatisch, ein bisschen weniger hätte es für mich auch getan.

Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung für diesen stimmungsgeladenen Roman in großartigem Setting und mit vielen netten Figuren. Das Apfelthema und die Geschichte rund um den Apfelgarten haben mich nebenher auch ziemlich fasziniert. Ich hatte eine angenehme, kurzweilige Lektüre und habe mich trotz meiner Kritikpunkte sehr gut unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Gute Grundlage, aber auf Figurenebene leider ziemlich schwach

Bis mein Herz wieder schlägt
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Ich habe große Erwartungen in dieses Buch gesetzt, weil es mich im Setting an „Wolke Sieben ganz nah“ erinnert hat, das ich letztes Jahr von vorn bis hinten geliebt habe. Diese Konkurrenz ist also schon ...

Ich habe große Erwartungen in dieses Buch gesetzt, weil es mich im Setting an „Wolke Sieben ganz nah“ erinnert hat, das ich letztes Jahr von vorn bis hinten geliebt habe. Diese Konkurrenz ist also schon hart, aber auch ungeachtet dessen konnte mich „Bis mein Herz wieder schlägt“ leider nicht überzeugen.

Besonders durch die erste Hälfte habe ich mich eher geschleppt. Die Zeitsprünge in hohem Tempo laufen immer nur auf Emerys Herzanfälle hinaus. Was danach passiert oder wie es den beteiligten Nebenfiguren währenddessen ergangen ist? Nebensächlich. Kann so entschieden werden, führt in der Konsequenz bei mir aber dazu, dass ich keine Nähe zur Geschichte aufbauen kann, weil sie bruchstückhaft und wenig plausibel wirkt.

Die zweite Hälfte hat mir besser gefallen, was zu großen Teilen daran lag, dass es ein paar spannungstreibende Elemente gab, deren Auflösung ich gerne erfahren wollte. Und ganz am Ende hab ich auch geweint, die Emotionalität kam mir insgesamt aber einfach viel zu spät.

Das ist einer meiner großen Kritikpunkte: Alles dreht sich nur um Emery, aber die bleibt mir bis zum Ende wenig greifbar. Sie scheint mir sehr lange sehr unreif zu sein, mit wenig Selbstreflexion und Empathie für ihre Herzensmenschen. Auch die Nebenfiguren bleiben mehr oder weniger ohne Profil. Sie bekommen allesamt 1-2 Charakterzüge, über ihre echten Emotionen erfahren wir wenig. Ich habe nichts gegen eine Protagonistin im Fokus, aber auch Nebenfiguren brauchen Tiefe, sonst leidet die gesamte Handlung.

Kritikpunkt 2: Die angekündigte Liebesgeschichte bzw. das Liebesdreieck kommt mir deutlich zu kurz für einen Liebesroman. Colin wird von Emery so schrecklich behandelt und tut mir einfach nur leid. Die Chemie zwischen Nick und Emery stellte sich für mich auch nicht so recht ein und die Romance war mir zu konstruiert - schließlich sehen die beiden sich ja auch immer nur eine kurze Zeit lang.

Der Roman lässt sich sprachlich gut lesen und ich würde auch nicht grundsätzlich von der Lektüre abraten. Mir persönlich drehte sich die Geschichte aber zu sehr um eine selbstbezogene Protagonistin mit wenig Wachstum und dafür mit viel emotionaler Distanz. Nebenbei werden auch immer mal wichtige Themen angesprochen, etwa die Diskriminierung queerer Menschen, doch auch die kommen mir schlicht zu kurz. Das Ende fand ich zu großen Teilen gut und emotional, wenngleich ich es mir auch ein wenig anders gewünscht hätte.

Und abschließend noch ein Wunsch an den Verlag: Inhaltswarnungen wären hier meiner Meinung nach angebracht gewesen.

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TW: Krebserkrankung, Tod, Blut, M0rd

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Spannende Ausgangssituation, mir jedoch zu zäh und emotional oberflächlich weitergeführt

Löwen wecken
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Es war mein erster Roman der Autorin und auch, wenn ich einige Kritikpunkte an ihm habe, bleibe ich weiter an Ayelet Gundar-Goshen dran, weil mich dieses moralisch Ambivalente literarisch grundsätzlich ...

Es war mein erster Roman der Autorin und auch, wenn ich einige Kritikpunkte an ihm habe, bleibe ich weiter an Ayelet Gundar-Goshen dran, weil mich dieses moralisch Ambivalente literarisch grundsätzlich total reizt.

„Löwen wecken“ wirft ein Scheinwerferlicht auf den Umgang mit bzw. die Haltung zu BIPoC-Geflüchteten in Israel. An der Stelle möchte ich auf jeden Fall auch anmerken, dass wir uns in Deutschland wohl kaum eines besseren Umgangs rühmen dürfen und so Einiges aus dem Roman für uns selbst reflektieren können.

Die Ausgangssituation ist so erzürnend wie spannend - ein weißer Neurochirurg überfährt nachts, scheinbar unbeobachtet, einen geflüchteten Eritreer und fährt einfach weg. Im weiteren Verlauf sieht er sich mit dessen Frau konfrontiert, die ihr Wissen um den Unfall zu nutzen weiß. Etan gerät daraufhin in ein komplexes moralisches Konstrukt aus Lügen gegenüber seiner Frau, altruistisch(?)-egoistischen Taten und Begierde.

Ich sehe, dass Gundar-Goshen ein Gespür hat für Ambivalenzen und das moralisch Graue. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, um den selbstgerechten Rassismus unter privilegierten weißen Israelis darzustellen. Und doch war mir das Werk zu ausschweifend und emotional auf Figurenebene zu flach, als dass es meinen Erwartungen hätte entsprechen können.

Wir sitzen nicht nur in Etans Kopf (was, gelinde gesagt, oft fast unerträglich ekelhaft ist), sondern bekommen auch Einblicke in Sirkit, die Frau des Getöteten, sowie Etans Frau Liat. Weitere Nebenfiguren kommen ebenfalls kurz dazu, deren Rolle hat sich mir aber nicht immer erschlossen. Am Ende führt die Autorin beeindruckenderweise ziemlich viele Fäden zusammen, aber das wäre insgesamt dennoch kompakter gegangen. Obwohl die Sprache klar ist, wird meiner Meinung nach zu viel mit detaillierten Bildern, Wiederholungen und ausschweifenden Gedankengängen gearbeitet, die das Lesen anstrengend gemacht haben.

Ganz schlimm und mehr als unangenehm fand ich die dargestellte Anziehung zwischen Etan und Sirkit. Keine Ahnung, ob die Autorin hier genau diese Gefühle bei den Lesenden erzielen wollte, aber ich hätte es nicht gebraucht. Die Emotionen der Figuren fand ich abgesehen von Wut und Ekel generell nicht oft greifbar, sodass mir da die Nähe fehlte. Sirkit und Liat waren die für mich weitaus spannenderen Figuren, besonders erstere bekommt am Ende nochmal einen netten Twist.

Ein tolles Grundgerüst, das mir deutlich kürzer wesentlich besser gefallen hätte. Es vermag schon, die Grenzen zwischen Gut und Böse, zwischen Opfer und Täter verschwimmen zu lassen, die Gedanken und Handlungen der Figuren selbst blieben mir dahingehend aber zu sehr an der Oberfläche. Wütend macht das Ende in jedem Fall und ich bleibe wie gesagt auch weiter interessiert an der Autorin.
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TW: Rassismus, Dr0genkriminalität, Kindstod, Blut/Wunden, M0rd

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