Ganz große Unterhaltung, aber für mich passen die Männer dieser Reihe nicht
The Night We MetIch weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, ...
Ich weiß nicht, was genau es bei dieser Reihe ist, aber ich sehe hier schon eine leichte Veränderung im Stil der Autorin. Gleich bleibt natürlich, dass die Geschichten überhaupt nicht auf Spice bauen, sondern vielmehr auf aus dem Leben gegriffene Probleme, bei deren Bewältigung Therapie und psychische Stabilisierung eine Rolle spielen. Auch werden wie gewohnt ernste Themen angesprochen, die sehr passend in die romantische und gut lesbare Geschichte eingebettet werden.
Allerdings habe ich hier ein ähnliches Problem wie schon beim Vorgänger „Say You’ll Remember Me“: Die männliche Hauptfigur kippt mir zu sehr in ein Aufopfern. Es wird wortwörtlich gesagt: „So sollte es mit den Menschen sein, die man liebte. Dass man permanent das Bedürfnis verspürte, sich um sie zu kümmern.“ Das sehe ich nicht so und ich finde diesen Ansatz ehrlicherweise auch sehr problematisch. Ich verstehe, dass er in Romance funktioniert. Allerdings mag ich die Autorin ja gerade dafür, dass sie derartig platte Rollenbilder nicht nötig hat und ihre Figuren authentisch und aus dem Leben gegriffen sind.
Chris opfert einfach alles auf, macht jeden kleinen Handgriff für Larissa und auch wenn ich das gerade in Bezug auf ihre finanzielle Notlage teilweise verstehen kann, finde ich es deutlich übertrieben. Denn es wird zum Beispiel überhaupt nicht klar, was Larissa zur Beziehung der beiden beiträgt. Irgendwie erinnert mich das an typisches Männlichkeitsgehabe, bei dem die Männer „heldenhaft“ alles für ihre Partnerin übernehmen, während diese Partnerin gleichzeitig eher als eine Art Schatz fungiert, deren eigene Rolle in der Beziehung weitestgehend unklar bleibt. Aber eine gute Beziehung baut ja darauf, dass beide voneinander profitieren und sich nicht eine Seite aufopfern muss.
Das Problem hatte ich beim Vorgänger auch schon und ich bedaure sehr, dass die Autorin hier diese etwas platte, unkreative Richtung einschlägt. Ich hoffe wirklich, dass sie bald wieder auf vielschichtigere Charaktere setzt, die wirklich auf Augenhöhe sind. Denn Larissa ist eine echt gut geschriebene Figur und ihre Lebenssituation hat mich berührt. Nur innerhalb der Beziehung verblasst sie leider spürbar.
Auch wenn ich diesen Teil der Reihe etwas besser fand als den Vorgänger, ist mir auch hier wieder die kognitive Dissonanz in Bezug auf Tiere bitter aufgestoßen. Es wird sich liebevoll um einen (übrigens übertrieben brutalen!) Straßenhund gekümmert, während zu jeder Mahlzeit tote Tiere zu gehören scheinen. Mir hat das Lesen trotz dieser Kritikpunkte aber großen Spaß gemacht und ich bleibe Abby Jimenez aufgrund ihrer ernsten und gleichzeitig unterhaltsamen Schreibweise auf jeden Fall treu.
Ein lobendes Wort möchte ich noch verlieren für die Thematisierung von Alkoholismus, Depression und mentaler Gesundheit sowie ehrlichen Freundschaften zwischen cis Männern. Zwischendrin war ich etwas genervt davon, wie sich die Freundschaft zwischen Chris und Mike zu entwickeln schien. Das Ende hat mich aber wieder versöhnt und ich finde, solche erwachsenen Beziehungen zwischen Männern sollte es in Büchern öfter geben.