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Veröffentlicht am 04.06.2026

Ein anstrengender, aber lesenswerter Weird-Girl-Rausch

She’s a Star!
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Geschichten über und mit obsessiven Figuren sind für mich immer ein Grenzfall. Gut geschrieben saugen sie mich absolut ein und fordern mich moralisch heraus. Weniger gut geschrieben wird es einfach nur ...

Geschichten über und mit obsessiven Figuren sind für mich immer ein Grenzfall. Gut geschrieben saugen sie mich absolut ein und fordern mich moralisch heraus. Weniger gut geschrieben wird es einfach nur anstrengend. Meredith Hambrock hat mit „She’s a Star“ ein Werk geliefert, das überwiegend in die erste Kategorie fällt und welches auf alle mir bekannten Romane dieser Art noch einmal eine Schippe draufsetzt.

Die erste Hälfte fand ich unglaublich stark! Über die Ich-Perspektive sitzen wir in Jessamyns Kopf und sind ihrer Wahrnehmung ausgeliefert. Schon relativ früh konnte ich mir nicht mehr sicher sein, was wirklich wie stattgefunden hat und was lediglich der Interpretation unserer Protagonistin entspricht. Denn es kristallisiert sich zunehmend heraus, dass Jessamyn eine unzuverlässige Erzählerin ist, die immer mehr einem Wahn verfällt, der sie (und uns) irgendwann fast völlig einnimmt. Nur durch Reaktionen der Nebenfiguren kam ich immer wieder ins Grübeln, ob die Realität nicht eine andere ist.

Die Nebenfiguren bleiben überwiegend blass. Das ist aufgrund der selbstbezogenen Erzählperspektive eine schlüssige Entscheidung. Dennoch muss mensch den enormen Fokus auf eine Figur natürlich mögen. Das Tempo ist von Beginn an hoch, der Ton direkt mit einem bissigen und durchaus gesellschaftskritischen Witz, der mir sehr gut gefallen hat. Dadurch, dass wir so nah an den Gedanken der Hauptfigur dran sind, entsteht eine bedrückende und intensive Atmosphäre.

In der zweiten Hälfte verlor die Geschichte aber ein wenig an Atem. Die Gedankenspiralen wiederholen sich und entschleunigen die Geschichte - meiner Meinung nach eher zum Nachteil der Erzählung. Später zieht das Tempo glücklicherweise wieder an; die Handlung wird immer ernster, wahnhafter und maximal unhinged - bis am Ende alles eskaliert.

Dieser Roman ist Arbeit! Jessamyn ist eine herausfordernde Hauptfigur, die mehr als eine fragwürdige Entscheidung trifft und doch immer wieder mein Mitgefühl hatte. Ihr ist Schlimmes widerfahren und ich bedaure es doch ziemlich, dass die feministische Komponente des Ganzen nahezu bedeutungslos wird neben all der Obsession. Da hätte ich mir mehr konsequenten Biss gewünscht, allerdings macht die Verdrängung aus Sicht der Erzählerin schon Sinn. Bei allem Ernst der Realität ist der gewählte Humor nahezu bitter, was wirklich gut zum Tragödiencharakter der Geschichte passt.

Wer sich ordentlich fordern lassen möchte von dieser Anti-Heldin und überwiegend temporeiche Geschichten mag, die ungefiltert in menschliche Abgründe schauen, sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein unglaublich innovativer und zugänglicher Auftakt

Ever & After, Band 1 - Der schlafende Prinz
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Ich bin nicht die allergrößte Fantasy-Leserin, aber die Reihe wurde so gut besprochen, dass ich meine Neugier nicht mehr zügeln konnte. Und das war eine wirklich hervorragende Entscheidung!

Stella Tack ...

Ich bin nicht die allergrößte Fantasy-Leserin, aber die Reihe wurde so gut besprochen, dass ich meine Neugier nicht mehr zügeln konnte. Und das war eine wirklich hervorragende Entscheidung!

Stella Tack hat hier ein Werk geliefert, das so innovativ ist wie ich es lange nicht mehr gelesen habe. Die Handlung rund um die Nachfahr*innen der Märchenfiguren ist wunderbar ausgedacht und konstruiert. Es gibt einfach so viele Details, die teilweise auch derart abweichen von den Originalmärchen, dass es eine unfassbare Leistung der Autorin ist.

Außerdem schreibt Tack so zugänglich, dass es mir wirklich ein Genuss war! Das liegt sicher auch am modernen Setting und ich fand das toll gewählt, weil ich mich so gleich von Beginn an auf die Geschichte einlassen konnte und mich nicht erst durch das Worldbuilding kämpfen musste. Dabei mangelt es aber überhaupt nicht an Komplexität! Einige Stellen habe ich mehrfach gelesen, um die Referenzen auch wirklich begreifen zu können.

Fan bin ich natürlich auch von der Protagonistin Rain, die eine zeitgemäße und rebellische Komponente in die Geschichte bringt. Sie ist absolut glaubwürdig und sympathisch geschrieben, das gleiche gilt aber auch für die diversen Nebenfiguren. Der Inhalt ist stellenweise schon überraschend brutal für ein Buch ab 14 Jahren und da dürfte es für mich gern eine Spur zurückhaltender sein, aber insgesamt bin ich durchgerauscht und freue mich nun auf Band 2!

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Einige tolle Kurzgeschichten mit Twist

Ein gutes Gespür
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Bei Kurzgeschichtensammlungen wird es immer so sein, dass manche besser gefallen als andere. Das war auch bei diesem Band so, aber dennoch schätze ich derartige Texte zwischendrin sehr, weil sich auf so ...

Bei Kurzgeschichtensammlungen wird es immer so sein, dass manche besser gefallen als andere. Das war auch bei diesem Band so, aber dennoch schätze ich derartige Texte zwischendrin sehr, weil sich auf so wenigen Seiten oft ein bemerkenswertes literarisches Talent zeigt.

Jess Gibson hat hier einige sehr starke Geschichten geliefert, in denen sie eine zuerst recht gewöhnliche Welt zeichnet, nur um sie am Ende in wenigen Sätzen komplett zu verrücken. Besonders die ersten Kurzgeschichten fand ich diesbezüglich ganz stark.

Nach dem tollen Start gab es aber auch einige Geschichten, die für mich etwas blass erschienen und deren Aussage ich nicht wirklich greifen konnte. Andere haben mich wiederum mit ihrer Atmosphäre begeistert. Was ich mir insgesamt aber mehr gewünscht hätte, ist das auf dem Klappentext erwähnte Rebellische. In einigen Kapiteln habe ich das intensiver erwartet, obwohl ich die Impulse insgesamt gut fand.

Eine nette Lektüre für zwischendurch und für alle mit weniger Lesezeit. Die Autorin schafft es mit ihren Kurzgeschichten wiederholt, die eben erst gefällte Meinung über die Figuren völlig zu kippen und das habe ich genossen, auch wenn mich das Buch wahrscheinlich nicht mehr lange beschäftigen wird. Das finde ich für diese Art von Roman aber sehr in Ordnung.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Eine kluge, liebevolle und hoffnungsspendende Perspektive

Liebe Wilhelmine oder Plädoyer fürs Kinderkriegen in der Klimakrise
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Ich liebe die Reihe des Kjona-Verlags und ehrlicherweise weiß ich da nie, wieso ich etwas von der Wertung abziehen sollte, weil es eben immer Meinungsbeiträge sind, die bislang doch stets meine eigene ...

Ich liebe die Reihe des Kjona-Verlags und ehrlicherweise weiß ich da nie, wieso ich etwas von der Wertung abziehen sollte, weil es eben immer Meinungsbeiträge sind, die bislang doch stets meine eigene Perspektive erweitert haben. Auch dieser Band hat das absolut erfüllt.

Ich bin sehr gefestigt und zufrieden in meiner Überzeugung, selbst keine Kinder zu wollen. Das soll aber nicht bedeuten, dass mir Eltern- und Kinderperspektiven egal sein dürfen - im Gegenteil. In einer solidarischen, gleichberechtigten Welt müssen all die verschiedenen Bedürfnisse irgendwie zusammengebracht werden. Diese Ansicht teilt auch Marisa Becker und schreibt deshalb in ihrem Essay eindringlich und liebevoll von einer Zukunft, die für alle aktuellen und noch kommenden Generationen lebenswert ist.

Dass die Klimakrise real ist, vergisst sie dabei selbstverständlich nicht. Sie balanciert jedoch stets gut zwischen realem Ernst und freundlichem Optimismus. Wie sie selbst schreibt, haben Menschen für viele Dinge schon kluge Lösungen gefunden und maßgeblich daran beteiligt sind immer auch die neuen Generationen, die frischen Wind in Debatten und Innovationen bringen. Becker wirft die wirklich berechtigte Frage auf, für wen es sich denn zu kämpfen lohnt, wenn nicht für die noch kommenden Menschen?

Sie widerlegt Mythen rund um Kinder als Klimasünde und Überbevölkerung, ohne dabei je den Ernst der Lage zu verkennen. Dennoch gelingt es hier gut, die Verantwortung der Einzelnen vor allem auf die Systemkritik und eine Neuausrichtung ebendiesen Systems auszurichten. Becker bleibt sachlich, aber auch zugewandt und ich habe ihre Gedanken gern gelesen. An keiner Stelle habe ich mich in meiner eigenen Entscheidung bevormundet gefühlt, im Gegenteil. Die Autorin ergreift Partei dafür, dass alle Menschen die Kinderentscheidung selbst treffen können und adultistisch sowie rassistisch begründete Narrative bei dieser Entscheidung keine Rolle spielen sollten.

Ihr wertschätzender Blick auf insbesondere Eltern und Kinder hat mich berührt, ihre Impulse meinen Horizont erweitert. Denn Kinder suchen sich ihre Welt nicht aus, wir müssen sie für sie so gestalten, dass sie lebenswert ist und bleibt. Das schmale Werk lege ich wirklich allen Nicht-Eltern wie auch Eltern ans Herz. Es macht Hoffnung und Mut - und davon können wir schließlich nie genug haben.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Otoo überwältigt erneut mit präziser Sprache und immenser Dichte

So, in etwa, ist es geschehen
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Nach „Adas Raum“ ist dies mein zweiter Roman der Autorin und ich komme aus der Begeisterung gar nicht mehr heraus. Dieses schmale Werk könnte dichter nicht sein, während es Unterhaltung und politische ...

Nach „Adas Raum“ ist dies mein zweiter Roman der Autorin und ich komme aus der Begeisterung gar nicht mehr heraus. Dieses schmale Werk könnte dichter nicht sein, während es Unterhaltung und politische Schlagkraft präzise ausbalanciert.

Allein der Aufbau der Geschichte ist fantastisch! Wir kennen das Ende und werfen von da aus einen Blick in die Stunden bevor Amata ihren Chef Brockhaus umbringt. Doch es wird noch besser! Otoo hat sich für eine raffinierte Erzählstruktur entschieden, welche die Ich-Erzählerin, Kommentare aus dem Off und ergänzende Anhänge höchst unterhaltsam miteinander verbindet.

In vier Kapiteln arbeitet sich Amata auf atemlose Weise zunächst an verschiedenen Dimensionen der Wahrheit entlang, schweift immer mal ab und ist dabei eine spannende sowie vielschichtige Figur. Die Erzählweise ist fast schon nüchtern, was hervorragend zum absoluten Schuldeingeständnis der Protagonistin passt. Ergänzt wird ihr Monolog durch Anmerkungen der Herausgeberin, sodass es sich beim Lesen anfühlte, wie ein Buch im Buch zu lesen.

Absolut grandios wird es dann in den Anhängen, die zum einen ein Nachwort der Herausgeberin sowie die äußerst ausschweifende Audiotranskription des Opfers umfassen. Letztere gibt uns einen SEHR guten Eindruck davon, was Amata während der gemeinsamen Autofahrt ertragen musste - ich habe mich quasi in Rage gelesen! Ob Amatas Konsequenz dann schlussendlich gerechtfertigt scheint, darf dank der geschickten Ergänzungen offen debattiert werden.

Das Werk fasst nicht einmal 150 Seiten und ist entsprechend unfassbar dicht geschrieben. Otoo setzt ihre Worte wie kaum eine andere. Jedes Wort trifft, jeder Satz ist wohlüberlegt. Die Autorin macht einen gesellschaftskritischen Rundumschlag, der seine Wirkung nicht verfehlt, aber überhaupt nicht trocken ist. Kurze Geschichten funktionieren für mich nicht immer, aber hier könnte es besser nicht sein. Ein Roman, der mich atemlos gefesselt und restlos begeistert hat. Definitiv eine Empfehlung, die sicherlich auch von einem wiederholten Lesen profitiert, um die volle Dimension des Geschriebenen erfassen zu können.

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