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Veröffentlicht am 09.01.2025

Nach dem Vorgängerroman bin ich leider ziemlich enttäuscht

Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen
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Ich habe "Frau Komachi empfiehlt ein Buch" wirklich geliebt und wollte deshalb natürlich das neue Buch der Autorin lesen. Doch auch, als ich mich an den Kurgeschichten-Stil gewöhnt hatte, konnte es mich ...

Ich habe "Frau Komachi empfiehlt ein Buch" wirklich geliebt und wollte deshalb natürlich das neue Buch der Autorin lesen. Doch auch, als ich mich an den Kurgeschichten-Stil gewöhnt hatte, konnte es mich leider nicht begeistern.

Zum einen finde ich den Klappentext mehr als irreführend, vor allem mit dem vorherigen Buch im Hinterkopf. Es wird meiner Auffassung nach suggeriert, Wataru und das Café spielen eine zentrale Rolle. Aber Wataru ist nur eine Figur von vielen und das Café taucht zwar immer mal wieder auf, konnte für mich aber nicht als wichtiges Element überzeugen (im Kontrast zur Bücherei im Vorgängerroman). Auch, dass es eher zart miteinander verwobene Kurzgeschichten sind, hatte ich nicht erwartet.

Die einzelnen Kapitel sind wirklich sehr kurz. Dadurch lassen sie sich zwar gut lesen, aber mir fehlte an vielen Stellen der Tiefgang. Und dann waren es schlicht viel (!) zu viele Figuren. Eine immer mit mindestens einer anderen verwoben, was ich eigenlich wirklich sehr mag, aber bei der schieren Menge an Charakteren ist es schwer, am Ende noch durchzublicken. Außerdem fühlten sich einige Verbindungen für mich zu konstruiert und die Weisheiten irgendwie platt an.

Mir waren die Figuren auch insgesamt zu wenig divers, muss ich sagen. Sie leben zwar teils an verschiedenen Orten und sind unterschiedlich alt, aber scheinen alle charakterlich sehr ähnlich zu sein. Eine Stelle gleich zu Beginn ist mir zudem sehr aufgestoßen, als einem Charakter gleich klar ist, dass die Frau seiner Begierde offensichtlich keine Liebesbriefe schreibt, weil diese an eine andere Frau addressiert sind - alles klar... 🙄

Eine schnelle Lektüre, die mich an eine andere berühmte Café-Reihe erinnert hat, zu der ich ähnlich ablehnend stehe. Wer so etwas aber prinzipiell mag und keinen langen Text lesen möchte, wird hier vielleicht besser zurechtkommen als ich. Für mich bleibt der Nachfolger weit hinter dem ersten Buch zurück. 💔

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Süchtigmachende Romance mit fantastischem Setting und tiefgründigen Figuren

Check & Mate – Zug um Zug zur Liebe
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Was für eine tolle Romance! Das war mein erstes Buch von Ali Hazelwood und es wird nicht mein letztes bleiben! Ich bin schlicht obsessed mit ihrem Characterbuilding und dem Talent, einer Handlung Spannung ...

Was für eine tolle Romance! Das war mein erstes Buch von Ali Hazelwood und es wird nicht mein letztes bleiben! Ich bin schlicht obsessed mit ihrem Characterbuilding und dem Talent, einer Handlung Spannung zu verleihen.

Spätestens seit "The Queen's Gambit" bin ich komplett fasziniert von Schach, auch wenn sich diese Faszination nach einem gescheiterten Versuch, irgendetwas zu verstehen, schnell wieder in Luft auflöste. 😅 Aber die Basis war da und ich sofort wieder hooked beim Lesen dieser Geschichte. Mich kriegen so schlaue Charaktere, die ein mir unbegreifliches Verständnis komplexer Zusammenhänge haben, einfach immer komplett!

Ganz besonders toll fand ich natürlich, dass es hier eine überaus smarte Protagonistin gibt, die ihrem männlichen Gegenspieler schnell zeigt, wie der Hase läuft. Mallory ist aber noch viel mehr als ein Schach-Wunderkind. Sie macht sich große Vorwürfe für den Weggang ihres Vaters und fühlt sich entsprechend für ihre kranke Mutter sowie die beiden jüngeren Schwestern verantwortlich. Die ärmlichen Lebensumstände fühlen sich beim Lesen wie die Sackgasse an, die sie auch sind. Ganz nebenbei ist sie bi, woraus aber erfrischenderweise gar keine große Sache gemacht wird - ebenso wenig wie aus ihrer lesbischen besten Freundin. ❤️

Auch Nolan gefällt mir außerordentlich gut. Er gab mir durchweg neurodivergente Vibes, das wurde aber weder bestätigt noch dementiert. Auch wenn das Buch als Enemies-to-Lovers vermarktet wird, fand ich es gar nicht wirklich feindlich. Beide Figuren haben eine ziemlich komplexe Hintergrundgeschichte, die Hazelwood meisterinnenhaft bruchstückweise enthüllt. Und Nolan wirkt zwar introvertiert, aber immer aufrichtig. Und ich fand es wirklich toll, dass er in gewissen Bereichen unerfahren und dahingehend gar nicht fragil ist - ein sehr angenehmes Kontrastprogramm zu übermäßig selbstsicheren Männern.

Es gibt entsprechend eigentlich keine spicy Szenen, was absolut Sinn macht. Ich habe die schlauen Hauptfiguren ebenso geliebt wie die Nebencharaktere und konnte nicht aufhören zu lesen. Die Einblicke in die Schachwelt, vor allem auch in den vorherrschenden Sexismus dieses männerdominierten Sports, fand ich einfach perfekt. Ein echtes 5-Sterne-Buch für mich. ❤️

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Wunderschöne und komplexe Welt, manchmal langatmig, aber oft mitreißend

The Hurricane Wars
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Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin (in letzter Zeit habe ich lediglich die Empyrean-Reihe gelesen) und war angesichts einiger Rezensionen in Bezug auf das komplexe Worldbuilding unsicher, ob mir "The ...

Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin (in letzter Zeit habe ich lediglich die Empyrean-Reihe gelesen) und war angesichts einiger Rezensionen in Bezug auf das komplexe Worldbuilding unsicher, ob mir "The Hurricane Wars" zusagen würde. Ich muss sagen, dass ich die Welt gar nicht so komplex fand bzw. im Vergleich zur Empyrean-Welt ähnlich vielschichtig. Zu Beginn sind die ganzen Begriffe aus teils neuen Sprachen natürlich herausfordernd, aber ich konnte mich schnell dran gewöhnen.

Sehr gut fand ich den Hinweis mancher Rezensionen, dass der furchtbare Krieg sich auf den ersten Teil und damit auf etwa 170 Seiten beschränkt. Den fand ich nämlich durchaus sehr zehrend und war froh, dem Ende entgegensehen zu können. Teil 2 widmet sich dann viel mehr dem Aufbau der Beziehung von Talasyn und Alaric sowie dem Erweitern von Talasyns Fähigkeiten/Macht.

Und da möchte ich schon zu einem großen Pluspunkt kommen, der mich das Buch trotz gewisser Kritikpunkte trotzdem hat genießen lassen: Die aufgebaute Welt mit allen magischen Kreaturen und der wunderschönen Natur hat mich so begeistert! Ich hatte schon den Eindruck, dass die philippinische Autorin hier ihre Heimat mit hat einfließen lassen und das führt sie im Nachwort auch wundervoll aus, ohne dabei aber desillusioniert zu sein. Diesen irgendwie realpolitischen Hintergrund kann mensch wirklich herausgelesen und das finde ich einfach stark. Außerdem mochte ich es sehr, dass es viele nicht-weiße Figuren gab.

Schade war wiederum, da schließe ich mich anderen Rezensent:innen an, dass Drachen eine vernachlässigbare Rolle spielen und auch sonst haben magische Wesen wenig Raum. Stattdessen, und das hat mich ziemlich irritiert, gibt es Einflechtungen moderner menschlicher Erfindungen, wie rudimentäre Fotoapparate. An einigen Stellen war die Grenze zwischen echter Welt und Fantasy für mich zu undeutlich, das hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Vielleicht wollte die Autorin aber auch hier eine Brücke schlagen zu unserer tatsächlichen Welt, um eine Moral übertragen zu können.

Auch nicht ganz warm wurde ich mit der Romance. Die Gedanken und Konflikte der beiden Protagonist:innen in Bezug aufeinander kamen mir repetitiv und langatmig vor. Es ist ein absoluter Slow Burn mit einer spicy Szene und für mich passte das Verhältnis nicht ganz. Wenn ich es vergleiche mit der Empyrean-Reihe: Da wurde der Slow Burn zumindest in "Fourth Wing" besser in ein Verhältnis gesetzt zu tatsächlicher Interaktion (bei Iron Flame würde ich das anders einschätzen haha). Hier dreht es sich für mich echt zu viel um die gegenseitige Abneigung und warum sie sich eigentlich hassen müssten, aber warum das irgendie nicht so ist und ob die andere Person eine:n überhaupt mag etc.
Nicht zuletzt bin ich kein Fan der Klischees (kleine zarte Frau vs. großer und extrem gut bestückter Mann 🙄), aber damit kann ich halbwegs leben. Es hätte für mich einfach schon mehr Beziehungsaufbau geben können, so hinterlässt es mich ein wenig unbefriedigt.

Trotzdem möchte ich der Autorin zugute halten, dass der Hintergrund um ein Zusammenarbeiten verfeindeter Reiche gegen ein noch schlimmeres Übel mich gecatcht hat. Generell konnte ich das Buch sehr schnell lesen, trotz anfänglicher Sprachbarrieren. Insgesamt also durchaus empfehlenswert mit einer wie ich finde schöneren Welt als bei Empyrean, aber mit unausgeschöpftem Potenzial auf Ebene der Figuren. Ich bin noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiterverfolge, weil mich natürlich wohl interessiert, was jetzt an Backgroundstory und Intrigen schon angedeutet wurde. Ich werde wohl einfach spontan entscheiden, auch wenn ich die Farbgestaltung des zweiten Teils wirklich grausig finde. 😅

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Veröffentlicht am 31.12.2024

Für mich die beste Weihnachtsgeschichte der Welt

Die Frau, die Weihnachten nicht mochte
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Dieses absolut fantastische Buch wäre doch tatsächlich fast an mir vorbeigegangen, obwohl ich bekennender Fan des Eichborn-Verlags bin. Und was für ein Glück, dass es anders gekommen ist, denn so hatte ...

Dieses absolut fantastische Buch wäre doch tatsächlich fast an mir vorbeigegangen, obwohl ich bekennender Fan des Eichborn-Verlags bin. Und was für ein Glück, dass es anders gekommen ist, denn so hatte ich einfach die allerbeste Weihnachtslektüre und schließe das Jahr so phänomenal ab wie es begonnen hat.

Aber nun versuche ich doch einfach mal ganz locker-flockig Worte zu finden für ein perfektes Buch. 🥲 Zoe Brisby ist Französin und mit genau diesem typisch französischen Humor schreibt sie auch. Ich liebe französische Komödien und hier trifft das auf absolut liebenswerte Figuren.

Ben möchte gern Lektor werden, arbeitet bislang in einem angesehenen Pariser Verlagshaus aber nur daran, Ablehnungsschreiben an Autor*innen zu versenden. Nach dem Lesen eines abgelehnten Manuskripts macht er sich begeistert auf die Suche nach dem Autor und landet in dem kleinen Dörfchen Arnac-la-Poste (übersetzt: Zock die Post ab), welches wirklich existiert und ich liebe alles daran.

Das Dorf ist (in Abweichung zur Realität) ein Weihnachtsdorf wie es im Buche steht. Es gibt etliche entsprechende Traditionen, Veranstaltungen und einfach eine extrem weihnachtlich-gemeinschaftliche Grundstimmung. Und ja, das erinnert natürlich an Whoville aus dem „Grinch“, aber eben auf Französisch. 😃

Ben hasst Weihnachten aus traurigen Gründen und soll nun der Tochter des gesuchten Autors genau dieses Fest wieder schmackhaft machen, denn das ist die Bedingung für eine Vertragsunterzeichnung. Im Zuge dieses Unterfangens entsteht eine ganz herzige Verbindung zwischen Ben und Laly, die wenig von einer klassischen Romanze hat.

Ben ist ein etwas quirky, verkopfter und absolut liebenswerter Charakter, der auf seiner Reise auch selbst heilen darf. Kombiniert wird das mit hilarious Nebenfiguren wie der esoterisch angehauchten Gasthausbesitzerin Angelica oder dem Bürgermeister Robert Courrier, der auf wundersame Weise fast jedes Gewerbe des Dorfes leitet. Genau dieser etwas schräge Humor und die leicht überspitzten Figuren machen das Buch für mich unglaublich unterhaltsam.

Wer französische Komödien mag, wird das Buch lieben. Und sicher liest es sich auch außerhalb der Feiertage gut, wenn mensch gerade etwas Wohltuendes braucht. Ich bin Fan und wünsche dem Buch noch viel mehr Aufmerksamkeit. ❤️

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein Alltag in all seiner Tragikomik, aber auch etwas anstrengend zu verfolgen

Kleine Probleme
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Den Aufhänger eines an der Fülle alltäglicher Aufgaben verzweifelnden Protagonisten fand ich sehr reizvoll. Und im Endeffekt hat Nele Pollatschek auch ziemlich genau das geliefert, ich bin aber trotzdem ...

Den Aufhänger eines an der Fülle alltäglicher Aufgaben verzweifelnden Protagonisten fand ich sehr reizvoll. Und im Endeffekt hat Nele Pollatschek auch ziemlich genau das geliefert, ich bin aber trotzdem ziemlich zwiegespalten, was meine Einschätzung angeht.

Eines muss ich der Autorin auf jeden Fall lassen: Sie kann sich unglaublich gut in ihren Protagonisten hineinversetzen. Das gibt dem Text oft etwas Rasantes, fühlt sich phasenweise aber auch an wie ein Fiebertraum. Lars wird im Klappentext als Vieldenker beschrieben und hell yes, das ist er! Da kann es angesichts der sehr vollen ToDo-Liste am letzten Tag des Jahres schon einmal passieren, dass beim Bettaufbau über die Bezeichnungen der einzelnen Bauteile philosophiert wird und neue Wortschöpfungen wie Knülp, Pleumel oder Wü kreiert werden (mein unangefochtener Favorit selbstverständlich: Henriette Hannelore von Hoffmannsthal - die besonderste unter den Schrauben). Oder dass im Zuge der dringend nötigen Steuererklärung über das eigene Lebenswerk, das patriarchale Konstrukt der Ehe oder einen vergangenen Streit mit der Partnerin sinniert wird.

Bei allen Gedankenverknotungen kristallisiert sich auch langsam heraus, dass Lars' Beziehung zu Johanna mindestens auf der Kippe steht und er sie mit einem überaus tatkräftigen 31. Dezember zurückgewinnen will. Und während ich bis zur Hälfte wirklich noch an einigen Stellen lachen musste, weil die ständige Ablenkung bei der Erledigung von Alltagsaufgaben mir nur allzu vertraut ist, wurde es mir am Ende einfach zu abstrus. Ich konnte der Handlung sowie den immer absurderen philosophischen Ausführungen nicht mehr so recht folgen und es wurden mir zunehmend übertrieben. Auch das Ende bleibt mir ein Rätsel und vielleicht ist genau das der Punkt (was findet im Kopf statt und was ist echt?), aber es war schlicht nichts für mich.

Insgesamt komme ich zu dem Ergebnis, dass die Geschichte durchaus tragikomisch daherkommt und heilsam sein kann für Menschen, die sich überfordert fühlen von der Masse an (alltäglichen) Aufgaben, sie aber für mich mit zu großen Schwächen endet und sich zunehmend zäh anfühlte. Es ist wirklich kein schlechtes Buch und ein wirklich außerordentliches Charakterportrait, aber es wird mir nicht sonderlich stark in Erinnerung bleiben.

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