Profilbild von nessabo

nessabo

Lesejury Star
offline

nessabo ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nessabo über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2025

Porträt einer Frau zwischen Glamour und Abhängigkeit

Teddy
0

Zum Hörbuch: Cathleen Gawlich fand ich als Sprecherin wirklich hervorragend gewählt. Ihre Stimme verkörperte für mich sehr gut, wie ich mir Teddy vorstelle: Eine Frau, die unterschätzt wird, aber eigentlich ...

Zum Hörbuch: Cathleen Gawlich fand ich als Sprecherin wirklich hervorragend gewählt. Ihre Stimme verkörperte für mich sehr gut, wie ich mir Teddy vorstelle: Eine Frau, die unterschätzt wird, aber eigentlich genau weiß, was sie will. Außerdem ist es ihr eindrucksvoll gelungen, anderen Figuren eigene Stimmen zu verleihen. Zusätzlich mochte ich die leichte Sassyness, mit der gesprochen wurde - das passte gut zum scheinbar Glamourösen der Handlung. Die Kapitel sind dank der Datumsangaben und auch der Einordnung des Jetzt sehr gut voneinander trennbar. Ein tolles Hörerlebnis!

Zum Buch selbst: Ich bin in meiner Einschätzung zur Protagonistin und zur Handlung selbst wirklich unentschlossen. Ich fand, dass der Handlungsaufbau schlau konstruiert ist - und zwar insofern, dass Teddy sehr lang die Spannung aufgebaut lässt und uns trotzdem am Anfang gleich klar wird, dass irgendetwas passiert ist. Dazu muss ich aber auch sagen, dass mir die Handlung zumindest im letzten Drittel doch etwas zu lang war, was mich im Hörbuch nicht großartig gestört hat, aber im Buch wahrscheinlich schon.

Mir fällt mein Urteil deshalb so schwer, weil Teddy keine einfache Figur ist. Sie wirkt, und das gilt auch fürs Hörbuch, interessanterweise gleichzeitig total naiv und kindlich, aber auch ziemlich abgebrüht. Sie scheint einerseits ein glamouröses Leben zu wollen und beneidet berühmte Persönlichkeiten um ihren Status, ihre Kleidung, ihr Make-Up und ihr Leben im Allgemeinen. Andererseits möchte sie vielleicht auch einfach ein gutes Leben führen und ist gar nicht so scharf auf den Ruhm?

Die Handlung spielt ja vor allem in den 60er-Jahren. Es geht viel um Politik, Diplomatie, Spionage sowie die Beziehung zwischen den USA und Russland. Und vor allem geht es um Männer. Teddy fällt da als Protagonistin ziemlich raus, wobei sie doch durchaus auch einige Attribute hat, die ich verglichen mit anderen Figuren als männlich beschreiben würde. Dazu möchte ich gar nicht so viel im Detail sagen, da lohnt sich auf jeden Fall die Lektüre selbst. Da es eine Männerwelt ist, erfahren wir beim Lesen auch Einiges an sexistischen Kommentaren, Einschränkung der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen und allerlei andere „Nettigkeiten“ dieser Zeit. Das hat mich phasenweise ganz schön wütend gemacht, doch dadurch, dass Teddy sich an alldem nicht wirklich zu stören scheint, war ich emotional einfach deutlich weniger involviert als ich es hätte sein können.

Ich denke, das Buch ist vor allem etwas für Menschen, die sehr gern Bücher mit starkem Charakterfokus lesen und sich auch an einer glamourösen und intrigenreichen Welt erfreuen. Die ganzen politischen Verstrickungen fand ich im Hörbuch manchmal etwas schwer zu erfassen, finde sie aber grundlegend sehr spannend. Manche Enthüllungen am Ende kamen mir irgendwie zu unspektakulär daher, vor allem verglichen mit ihrem vorherigen Spannungsaufbau. Ich kann abschließend weder sagen, dass ich total von den Socken noch dass ich enttäuscht bin. Für mich ein sehr solides Buch mit äußerst spannenden Elementen, welches ich gerne gehört habe und durchaus auch empfehle, das mich aber zumindest auf emotionaler Ebene zu wenig gecatcht hat, als dass es mich noch länger beschäftigen würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2025

Gut gemeint, aber leider flache und stereotype Umsetzung

Not Your Type
0

Ich habe bereits nachfolgende Bücher von Alicia Zett gelesen, die waren allerdings alle aus dem Young-Adult-Bereich und diese haben mir auch deutlich besser gefallen. Mein persönlicher größer Kritikpunkt ...

Ich habe bereits nachfolgende Bücher von Alicia Zett gelesen, die waren allerdings alle aus dem Young-Adult-Bereich und diese haben mir auch deutlich besser gefallen. Mein persönlicher größer Kritikpunkt liegt direkt in der unausgereiften Konstruktion von Charakteren und Sprache.

Die Charaktere sind ja alle aus dem Bereich „New Adult“, also in diesem Fall in ihren Zwanzigern. Ich finde aber Verhalten und Erzählstil viel mehr dem YA-Bereich zugehörig und das hat mich schon ziemlich genervt. Die Zwanziger sind für mich zwar immer noch ein Altersspektrum, in dem Menschen sich selbst finden und viele Unsicherheiten haben, aber hier fühlte es sich oft schon noch sehr jugendlich an.

Ursprünglich hätte ich trotzdem gesagt, dass ich die Charaktere überwiegend sympathisch fand. Beim Reflektieren über die Bewertung habe ich aber noch einmal festgestellt, dass es doch einige problematische Stereotype im Buch gibt, auf die bereits in anderen Rezensionen hingewiesen worden ist. Da ich die Autorin wie gesagt von späteren Werken her kenne und auch ihren persönlichen Lebensweg etwas verfolgt habe, bin ich mir sicher, dass sie das Buch heute anders schreiben würde. Trotzdem muss klar gesagt werden, dass das hier einfach wirklich keine gute Repräsentation von trans Personen ist.

Auch in der Handlung gab es für mich einige logische Fehler. Es hat mich schon direkt am Anfang genervt, wie absolut unglaubwürdig der Beginn des Roadtrips und Fynns Erscheinen ist. Und dann tröpfelt mir die Handlung auch zu sehr vor sich hin und besonders Marie und Fynn tänzeln viel zu lang um sich herum. Das Buch hätte für mich locker 150 Seiten weniger haben können.

Ich werte es als einen gut gemeinten ersten Versuch, der doch noch Einiges an Luft nach oben hat. Ich persönlich würde von der Autorin wahrscheinlich auch zukünftig eher YA lesen, wenn ich das gerade suche.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.05.2025

Eine flache, unnatürliche Geschichte, die mich sehr enttäuscht hat

30 Days, 10 Dates & 1 Drama
0

Es tut mir wirklich aufrichtig leid, weil ich die Werke von Jungautor*innen und im Speziellen queere Geschichten so ungern schlecht bewerten will - aber das Buch war eine herbe Enttäuschung für mich.

Der ...

Es tut mir wirklich aufrichtig leid, weil ich die Werke von Jungautor*innen und im Speziellen queere Geschichten so ungern schlecht bewerten will - aber das Buch war eine herbe Enttäuschung für mich.

Der Trope "Friends to Lovers" ist einer meiner liebsten und dann noch als queere Geschichte - meine Erwartungen waren hoch und ich habe eine cozy Romance erwartet. Doch für mich hakte es an so vielen Stellen, dass ich schon nach dem ersten Drittel genervt war und ab der Hälfte nur noch quergelesen habe, weil ich wissen wollte, wie sich die Beziehung zwischen den beiden Freundinnen intensiviert.

Da komme ich gleich zum ersten Punkt: Die Chemie passte für mich einfach GAR nicht. Selbst die Freundinnenschaft war für mich emotional flach, es wurde viel beschrieben, aber gefühlt habe ich da beim Lesen nichts - erst recht keine Anziehung! Das kam für mich so unglaublich aus dem Nichts (wobei ich natürlich wusste, was auf mich zukommt), dass ich wirklich sauer darüber war, wie unnatürlich sich das angefühlt hat.

Das war auch ein generelles Problem des Textes. Daisy ist sehr verkopft, das ist auch nicht grundsätzlich ein Problem für mich. Aber die Autorin hat für mich einfach viel zu viel auserzählt. Blicke, Gesten, Tonlagen - all das immer wieder auszuschreiben, machte den Roman für mich zu einer Herausforderung. Ich habe mich immer wieder gefühlt, als wäre ich 7 Jahre alt und müsste alles ganz genau erklärt bekommen. Und nicht falsch verstehen - Jugendliteratur hat absolut ihre Berechtigung, ich lese sie auch gerne. Aber wir haben hier 21-jährige Protagonistinnen, da muss auch der Erzählstil entsprechend angepasst werden. Ich habe schon YA-Romane gelesen, die emotional vielschichtiger waren und die Lesenden selbst zum Mitdenken/-fühlen angeregt haben.

Die Story hätte wirklich Potenzial gehabt, aber beim Lesen hatte ich nur das Gefühl, dass die gesamte Handlung einfach nur geschrieben werden muss, die Dates schnell abgehakt, damit es dann ganz am Ende auf die eigentliche Sache hinauslaufen kann. Dabei kritisiere ich nicht die Vorhersehbarkeit, die dem Genre absolut angemessen ist, sondern die fehlende Tiefe. Zu Nebenfiguren gibt es eigentlich gar keine Beziehung und das titelgebende Drama... Na, ich weiß ja nicht.

Ich gebe aus reinem Wohlwollen 2 Sterne, obwohl ich das Buch weder als YA- noch als NA-Roman empfehlen kann. Da gibt es deutlich bessere auf dem Markt, so leid es mir für Lea Kaib tut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.05.2025

Ein unglaubliches Werk, das persönlich erfahren werden muss

In ihrem Haus
0

Ich bin lange um die Rezension herumgeschlichen, weil ich meine Faszination für dieses Buch gar nicht wirklich in Worte fassen kann. Dabei bin ich gar nicht so ein großer Fan historischer Romane, aber ...

Ich bin lange um die Rezension herumgeschlichen, weil ich meine Faszination für dieses Buch gar nicht wirklich in Worte fassen kann. Dabei bin ich gar nicht so ein großer Fan historischer Romane, aber dieser ist einfach ein unglaubliches Werk, das völlig zu Recht für den Booker Prize nominiert war.

Zu Beginn dachte ich noch, das historische Setting um 1960 in den Niederlanden könnte mir zu langweilig sein - mehr hätte ich mich nicht täuschen können! Die Zeit ist meiner Meinung nach sehr akkurat abgebildet und mit der entsprechenden Sprache sowie Atmosphäre habe ich gerne mal meine Schwierigkeiten. Aber Yael van der Wouden hat mich so sehr in den Bann gezogen, dass ich quasi mit angehaltenem Atem gelesen habe.

Isabel wirkte mir am Anfang noch etwas distanziert und das ist sie ja schließlich auch, so isoliert wie sie lebt. Beim Lesen in ihrem Kopf zu sitzen war nicht immer einfach, aber sie kann als Protagonistin die Geschichte wirklich außerordentlich gut tragen. Eva hingegen ist eine unglaublich vielschichtige Figur, die so viel mit sich herumzutragen scheint und sich stückchenweise für uns Lesende entschlüsselt, dass ich nur von ihr schwärmen kann. Und nicht nur die beiden Figuren selbst sind für mein Empfinden makellos geschrieben, auch die Beziehungsdynamik zwischen den zwei Frauen sucht ihresgleichen in der Literatur.

Dabei ist die queere Anziehung mit all ihren Herausforderungen der damaligen Zeit so greifbar und echt beschrieben, dass mein Herz ordentlich mitgelitten hat. Die absolute Ambivalenz der inneren Gefühlswelt hat mich wirklich alles andere als kalt gelassen. Und doch ist der Roman noch so viel mehr, was hier unmöglich spoilerfrei beschrieben werden kann. Deshalb sage ich an der Stelle nur so viel: Das Erbe dieser Nachkriegszeit verwebt Eva und Isabel auf eine Art, die für mich schlicht beispiellos ist.

Eine sanfte und gleichzeitig harte Geschichte, die den Grat entlang möglicher Versöhnung in verschiedener Hinsicht auszuloten versucht und dabei auf mündige Leser*innen angewiesen ist. Denn dieser Pageturner ist keine passive Lektüre, sondern zerrt an den eigenen Überzeugungen. Die Spannung ist subtil und überlädt die feinen Zwischentöne nicht, von der Auflösung war ich trotzdem im positiven Sinne überwältigt.

Eine Ausnahmeautorin, die ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde und ein Buch, das ich als eines meiner Jahreshighlights gar nicht ausdrücklich genug empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.05.2025

Ein etwas plätscherndes Werk mit umarmenden und mutmachenden Impulsen

Trost
0

Ich bin mit meiner Rezension dieses Buches sehr hin- und hergerissen. Die Autorin war mir persönlich sehr sympathisch und ich habe einen riesengroßen Respekt davor, sich so offen und verletzlich zu zeigen. ...

Ich bin mit meiner Rezension dieses Buches sehr hin- und hergerissen. Die Autorin war mir persönlich sehr sympathisch und ich habe einen riesengroßen Respekt davor, sich so offen und verletzlich zu zeigen. Durch die immer wiederkehrenden Schilderungen ihrer eigenen Geschichte, die über die Krankheitsgeschichte hinausgeht, bleibt das Sachbuch emotional greifbar.

Außerdem bietet das Buch wirklich eine unglaubliche Sammlung an Impulsen und Ideen rund um ein Thema, dass uns alle in irgendeiner Form wohl schon betroffen hat und auf jeden Fall noch treffen wird: Trost. Ob tröstende oder getröstete Person - für beide Seiten sind hier unzählige Elemente dabei. Ich fand die Impulse rund um Aktivismus, aktives Zuhören beim Trösten und die tröstende Wirkung unserer tierischen Mitbewohner*innen (wobei ich hier auch tierrechtliche Kritik habe) am hilfreichsten. Weniger ansprechend war für mich wiederum alles rund um Spiritualität und Religion, aber das kann für andere natürlich einen sehr tröstenden Effekt haben.

Was mir das Lesen trotz der Tatsache, dass ich gerade wirklich Einiges an Trost gebrauchen könnte, schwer gemacht hat, ist die fehlende Struktur. Ich mochte die eher assoziativen Überschriften nicht so gerne und die Kapitel dazu sind auch relativ lang, während Hofmann viele verschiedene Themen behandeln. Dadurch entstand für mich nicht der Eindruck, dass es hier pro Kapitel zum Beispiel relativ klar um einen bestimmten Bereich geht. Das hätte mir beim Lesen aber auf jeden Fall geholfen, ggf. auch kürzere Kapitel. Innerhalb dieser springt die Autoren nämlich relativ oft zwischen verschiedenen Trostmöglichkeiten, den Gedanken öffentlicher Person sowie den eigenen Erfahrungen hin und her. An sich mag ich das Durchbrechen etwas trockener Theorie durch greifbare persönliche Erfahrungen und praktische Beispiele sehr gern. Hier hätte ich mir aber eine klarere Abgrenzung gewünscht, da ich zwischendrin immer wieder ein bisschen verloren war.

Das letzte Kapitel war wiederum ein wirklich sehr gut gewählter Abschluss für mich, die Kapitelbezeichnung traf es mit „Hoffen“ sehr gut. Die Sammlung von Möglichkeiten, die Hoffnung angesichts multipler Krisen nicht zu verlieren, eine tröstende Bezugsperson sowie sanft mit sich selbst zu sein, hat mir außerordentlich gut gefallen.

Die strukturelle Kritik oben reduziert zwar meine Bewertung, ich möchte aber trotzdem sagen, dass das natürlich eine sehr individuelle Präferenz meinerseits ist. Ich weiß an dem Buch sehr zu schätzen, dass es, und da bin ich mir sicher, für alle Menschen hilfreiche Gedanken bieten kann. Während mir manche Elemente eher egal waren, haben mich andere richtig aufgefangen und emotional sehr ergriffen. Diese werde ich also auch mitnehmen und noch in Zukunft über sie nachdenken, insgesamt ist es für mich aber nicht unbedingt ein Buch, das mich in Gänze nachhaltig beschäftigen wird.

Ich habe zu diesem Thema keine gute Vergleichsmöglichkeit, daher möchte ich das Buch trotzdem auch empfehlen - vor allem für Menschen, die sich gerne mit der schreibenden Person mitbewegen und nicht so sehr von einer Struktur abhängig sind. Die Schreibart ist weder zu trocken noch emotional zu überfordernd, von daher ist es grundsätzlich auf jeden Fall ein gut lesbares Werk, welches auch nicht zu lang ist und trotzdem tiefgründig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere