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Veröffentlicht am 12.06.2025

Kann Verbrechen Ehen retten?

Die Müllers und die Pekingente
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Die Ehe von Petra und Kalle Müller ist definitiv am Ende. Sie stürzt sich in ihre Arbeit als Lehrerin, er verbringt seine Freizeit mit Dackelrüde Hildegard (hinter dem Namen verbirgt sich eine längere ...

Die Ehe von Petra und Kalle Müller ist definitiv am Ende. Sie stürzt sich in ihre Arbeit als Lehrerin, er verbringt seine Freizeit mit Dackelrüde Hildegard (hinter dem Namen verbirgt sich eine längere Geschichte). Selbst die inzwischen flügge gewordenen Kinder Ben und Caro befürchten das Schlimmste. Warum sonst schenken sie ihren Eltern einen gemeinsamen Urlaub in Ostfriesland? Alle Versuche, die Reise in den Norden zu verhindern, scheitern und so findet sich ein gestresstes Paar nebst Dackel im gebuchten Hotel ein. Auch dort zicken sie weiter und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Dann buddelt Hildegard am Strand und ab sofort ist die Ehekrise zweitrangig.

Ilka Gerdes versteht es hervorragend, die Befindlichkeiten eines in die Jahre gekommenen Paares zu beschreiben. Seien es seine geliebten beigen Westen mit den vielen Taschen oder ihre ständigen Kurzmeditationen, etwas nervt immer. Die Autorin schreibt locker und mit Humor. Es macht Spaß, die ständigen Geplänkel der Eheleute zu verfolgen.

Gerade als der Leser sich allmählich fragt, sollte das nicht auch eine Krimikomödie sein, gräbt Hildegard ein verdächtiges Paket aus. Obwohl Herr Müller eigentlich weiß, worum es sich handelt, die örtliche Presse berichtete ausführlich, steckt er den Fund spontan in seinen Rucksack. Ab sofort hat er keine ruhige Minute mehr, denn Kalle fühlt sich von der Drogenmafia verfolgt. Als er Petra ins Vertrauen zieht, versucht sie ihm zu helfen - obwohl sie sich doch gerade getrennt haben. Als dann der Gatte in große Gefahr gerät, erwacht die Löwin in ihr ...

Ilka Gerdes zeichnet die beiden Müllers sehr lebensecht.Wahrscheinlich bin ich dem Ehepaar schon mal begegnet. Auch die anderen Charaktere, z. B. der „very“ gut aussehende Polizist Faust, Petras Verehrer, haben mir gefallen.

Abgesehen von ein paar kleinen Längen fand ich die Krimikomödie aus Ostfriesland sehr unterhaltsam. Ich könnte mir vorstellen, die Müllers erneut zu treffen. Dieses Mal vielleicht als Privatschnüffler, unterstützt von Hildegard?

Erfreut habe ich mittlerweile gelesen, dass eine Reihe geplant ist.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ligurischer Albtraum

Ligurisches Erbe
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Bestsellerautor Sebastian Wolf fährt mit seiner Terrierhündin Jackie nach Ligurien, um seinen neuesten Thriller zu schreiben. Zuletzt war er vor 10 Jahren in der Casa Principessa, dem Ferienhaus seines ...

Bestsellerautor Sebastian Wolf fährt mit seiner Terrierhündin Jackie nach Ligurien, um seinen neuesten Thriller zu schreiben. Zuletzt war er vor 10 Jahren in der Casa Principessa, dem Ferienhaus seines Freundes Martin im kleinen Dorf Montalto Ligure. Damals war er mit seiner Frau Ella dort und gemeinsam genossen sie unbeschwerte Tage in der Sonne Italiens. Seit 6 Jahren ist Sebastian Witwer und er hat gemischte Gefühle, was die Rückkehr an diesen speziellen Ort betrifft. Während er sich in seiner Bleibe gemütlich einrichtet, wird in der örtlichen Kirche San Giovanni Battista Padre Crosetto erdrosselt. Sein Tod markiert den Beginn einer grausamen Mordserie im pittoresken Dorf Montalto Ligure.

„Ligurisches Erbe“ ist das Romandebüt des Sachbuchautors, Journalisten und Historikers Armin Fuhrer und der Auftaktband zu seiner Reihe „Krimiautor Sebastian Wolf ermittelt“.

Allzu schnell folgt dem ersten Mord der zweite. Dieses Mal trifft es eine ältere Frau, die in der Nähe ihres Hauses beim Blumengießen erdrosselt wird. Die Polizei ist ratlos. Es gibt keine verwertbaren Spuren. Nur die Täterschaft desselben Mörders in beiden Fällen scheint festzustehen. Der Leser weiß, dass dies zutrifft. Denn in den kursiv gedruckten Passagen des Textes erhalten wir Einblick in die Gedankenwelt des Mörders. Was diesen antreibt und zum Töten zwingt, erscheint bizarr, aber absolut tödlich. Inzwischen begegnet Wolf den Erinnerungen an glücklichere Zeiten, lernt aber auch die sympathische Melanie kennen, die deutsche Wirtin des einzigen Ristorante in Montalto Ligure. Hat er das Flirten noch drauf?

Der Autor schreibt flüssig und bildhaft. Seine Beschreibung von Land und Leuten wirkt authentisch. Die Buchcharaktere sind stimmig: Der sensible Erfolgsautor Sebastian, der allmählich aus seinem emotionalen Schneckenhaus herausfindet, die sympathische Melanie, die ebenfalls schon Tragisches erlebt hat, der missmutige, ignorante Commissario Brignone, der aufgeschlossene, ehrgeizige Ispettore Flavotti oder der zuverlässige Lehrer und Bürgermeister Rossetto. In die Figur von Sebastians bestem Freund, dem Geschichtsprofessor Martin, kann der Autor sein Wissen als Historiker einfließen lassen. Zumal dessen Kenntnisse und Verbindungen eine wichtige Rolle für den Fall spielen.

Der Krimi hat mich gut unterhalten, wenn ich auch das Mordmotiv sehr speziell fand. Die Passagen aus der Perspektive des Täters haben mir da nur bedingt weiter geholfen. Erstaunlich aus meiner Sicht ist das unüberlegte Handeln des Commissarios, der jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lässt und anscheinend willkürlich Leute festnehmen lässt. Handelt so ein Kriminalbeamter mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, bloß weil ihm die Hitze zusetzt und er keinen Tatverdächtigen findet? Völlig unverständlich war für mich aber die nicht nachvollziehbare Veränderung des Hauptcharakters im letzten Teil des Buches. Kaum besteht für sein eigenes Leben Gefahr schon sorgt er sich nicht mehr um seine Mitmenschen, auch nicht um die, die ihm nahestehen. Seine Konzentration auf die eigene Sicherheit und sein fehlendes Kümmern ermöglichen den letzten Mord. Ich will nicht spoilern, aber warum handelt Wolf nicht verantwortungsbewusster? Warum lässt er in einer derart gefährlichen Situation sein Handy in der Küche liegen? Für mich passt dieses gedankenlose, egoistische Verhalten überhaupt nicht zu ihm. Auch setzen ihm die Folgen seines Unterlassens wenig zu und das Leben geht einfach weiter.

Der Autor verfügt über einen angenehmen flüssigen Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Hinsichtlich der Charakterentwicklung seiner Hauptfigur und des Spannungsbogens sehe ich noch Luft nach oben. Bis auf seinen folgenschweren Fehler und sein egoistisches Verhalten als Gefahr droht, hat sich Sebastian Wolf mit seiner quirligen Jackie durchaus für weitere Fälle empfohlen.

Von mir gibt es 3,5 Punkte. Ohne Wolfs nicht nachvollziehbares, gedankenloses Verhalten wäre meine Bewertung deutlich positiver.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Skurrile Urban Fantasy vom Feinsten

Ursula und das V-Team
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Fremdenführer Adam hockt in Günthers Kneipe und ertränkt seinen Liebeskummer in Kölsch. Schon ziemlich angetrunken, wundert er sich nicht über die seltsam gewandete junge Frau, Ursula, die ihn anspricht. ...

Fremdenführer Adam hockt in Günthers Kneipe und ertränkt seinen Liebeskummer in Kölsch. Schon ziemlich angetrunken, wundert er sich nicht über die seltsam gewandete junge Frau, Ursula, die ihn anspricht. Mit Unterstützung von Wirt Günther, der seinen Feierabend wittert, schleppt sie ihn ab. Erst als er in einem Bus sitzt, den eine toughe ältere Frau, Una, halsbrecherisch lenkt, realisiert Adam, dass er zugesagt hat, mit in eine Schlacht zu ziehen. Während der wilden Fahrt lernt er seine Mitkämpferinnen kennen, die ziemlich divers sind: Die kesse Bug, die zögerliche Wish, die gegensätzlichen Zwillinge Joy und Sash, die kreative Masina und Trinity, die entweder isst oder schläft. Sie erzählen dem verblüfften Adam, dass er als Jungmann die fehlende elfte Jungfrau in ihrem Kampf gegen eine wilde Horde Geisterhunnen ersetzt.

Als ich gelesen habe, dass C. K. McDonnel mit Wonderwife aka Elaine Ofori ein Buch über Kölns Stadtpatronin Ursula schreibt, konnte ich mir das nicht vorstellen. Ich kenne und schätze den Autoren vor allem durch seine skurrile Bestseller-Serie um die fiktive Zeitung THE STRANGER TIMES. Und jetzt eine Geschichte über katholische Legenden? Caimh hat mich mal wieder überrascht.

Für Nichtkölner: Laut der Legende, die als Vorlage für diese Geschichte dient, war Ursula eine Prinzessin, die aus einem romanisch-britischen Adelsgeschlecht stammte und im 4. Jahrhundert lebte. Zusammen mit 10 weiteren Jungfrauen machte sie eine Wallfahrt nach Rom. Auf der Rückreise kamen sie durch Köln und erlitten im Kampf gegen die Hunnen im Jahr 383 den Märtyrertod. Da durch dieses Opfer Köln von der Zerstörung verschont blieb, wurde Ursula zur Schutzpatronin der Stadt.

Das irische Autorenpaar adaptiert die Legende und versetzt sie in die Gegenwart. Seit der Zeit der ersten Ursula findet die Hunnenschlacht weiterhin alle 18 Jahre statt. Der geheimnisvolle „Scharlachrote Rat“ rekrutiert regelmäßig zwölf zehn-jährige Mädchen, lässt sie aus Hebes Kelch des Vergessens trinken und drillt sie acht Jahre lang zu Kämpferinnen. Dann findet die Schlacht statt. Wer überlebt, trinkt wieder aus dem Kelch und wird heimgeschickt. Doch in diesem Jahr läuft nichts glatt. Zwei der Mädchen verschwinden, sodass trotz der Ersatzkämpferin eine Jungfrau für den Kampf fehlt. Durch das Anwerben von Adam findet die Schlacht trotzdem statt, bricht aber kurz nach Beginn ab. Una ist verschollen und Adam besessen. Was tun?

Nachdem ein Vertreter des Rats die Schlacht für beendet erklärt und sich für Adam, Una und die verschwundenen Jungfrauen Anna und Delilah nicht interessiert, beschließen Ursula und ihr Team, vorerst nicht aus Hebes Kelch zu trinken und sich selbst um die ihren zu kümmern.

Spätestens ab jetzt überschlagen sich die Ereignisse. In seiner unnachahmlichen Art bevölkert das irische Paar die Stadt mit allerlei magisch begabten Protagonisten, guten wie bösen, die mindestens drei Fronten bilden. Fantastische Orte wie das „Hotel Athena“, gut getarnt und wehrhaft, existieren unerkannt mitten unter den Kölnern. In rasantem Tempo läuft die Geschichte ab. Der Rat will die Jungfrauen loswerden, jemand anderer sie mithilfe eines Golems umbringen, während sie von einer dritten Fraktion Hilfe bekommen. Was auch passiert, Ursula und ihr beeindruckendes Team verfolgen unbeirrt ihre eigene Agenda.

Die Geschichte wird mit viel Wortwitz, Fantasie und in skurrilen Bildern erzählt. Ähnlich gut wie in „The Stranger Times“ und doch ganz anders. Die Charaktere überzeugen. Sie sind sehr individuell gestaltet und verfügen über teilweise verblüffende Fähigkeiten. Die Geschichte endet mit einem furiosen Showdown. Für Teil zwei bleiben vertretbare Cliffhanger. Trotzdem hoffe ich auf eine baldige Fortsetzung. Ich habe es geliebt, dieses Buch zu lesen. Es besticht durch seinen skurrilen Humor, der bei mir voll ins Schwarze trifft. Volle Punktzahl! Für alle Fans von C.K. McDonnel ein Muss.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Die dunkle Romanze geht weiter

Verworren: Schneewittchen und das MC Biest
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Die Geschichte geht genau dort weiter, wo uns der fiese Cliffhanger von Band 1 zurückgelassen hat. Zur Erinnerung: Finn, Annikas zweijähriger Sohn, wurde von einer konkurrierenden Bande entführt, um Ronny, ...

Die Geschichte geht genau dort weiter, wo uns der fiese Cliffhanger von Band 1 zurückgelassen hat. Zur Erinnerung: Finn, Annikas zweijähriger Sohn, wurde von einer konkurrierenden Bande entführt, um Ronny, seinen vermeintlichen Vater und Chef der Bikergang Sons of Ragnarök erpressen zu können. Dieser fährt mit Annika, wie gefordert, zum vereinbarten Übergabeort. Dort kommt es zu einem folgenschweren Schusswechsel, der einigen der Marruecas das Leben kostet. Annika, die ihren Sohn mit ihrem Körper sichert, wird trotz Schutzweste verletzt. Die Ereignisse und ihre Verletzung setzen der jungen Frau schwer zu. Sie ist jetzt bereit, wirklich alles zu tun, um ihren Sohn zu schützen. Nur wenige Stunden nach Finns Befreiung lässt Ronny, Annika einige amtliche Papiere unterzeichnen.

Nach „Verloren: Schneewittchen und das MC Biest“ erscheint mit „Verworren: Schneewittchen und das MC Biest“ der zweite Band der Reihe „MC Sons of Ragnarök“ von Katlyn S. Coen.

Durch die Kindesentführung wird Annika aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Sie wohnt jetzt aus Sicherheitsgründen bei Ronny im Hauptquartier der Bikergang, das sie nicht verlassen darf. Für sie ist trotz Finns Rettung noch kein Ende des Schreckens in Sicht. Annika ist verletzt, ihre Freundin Elif und Tochter Gözde bleiben seit Finns Entführung spurlos verschwunden, die Kontaktdaten ihrer einstigen Retterin Mechthild sind unwiederbringlich verloren.

Wir erfahren, welch’ dramatische Umstände, Annika zum Heimkind machten. Ihre Vergangenheit, die sich schon in Band 1 als sehr belastend erwies, war noch wesentlich traumatischer als vermutet. So erklärt sich für mich die Seelenverwandtschaft der beiden Hauptcharaktere, da Ronny ebenfalls ein sehr spezielles Familienleben und eine kaputte Kindheit vorzuweisen hat. Auch körperlich finden die beiden zueinander.

Der durchgehende Perspektivenwechsel zwischen den Hauptfiguren erweist sich erneut als kluger Schachzug, der die Spannung hochhält. Katlyn S. Coen schreibt locker und direkt. Ihrer Geschichte merkt man an, dass die Hintergründe gut recherchiert sind. Als Überschriften der kurzen Kapitel dienen passende Songtitel, die über eine Playlist bei den genannten Kanälen abgerufen werden können.

Das mir noch nicht sehr vertraute Genre beschreibt mehr Gewalt als meine gewohnte Lektüre. Einige Szenen fand ich abstoßend, aber für die Authentizität der Erzählung wichtig. Mit dem Thema Pädophilie und dem Schicksal eines kleinen Jungen bin ich nahe an meine Grenze gekommen. Da diese Szenen aber nicht der Effekthascherei dienen und mich die Geschichte wirklich gepackt hat, werde ich trotzdem weiterlesen und hoffen, dass es für mich händelbar bleibt. Denn ich bin schon gespannt auf Band 3.

4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans von Dark Romance.

Zum Abschluss noch eine Frage. Was für Finanzbeamtinnen aus dem Schwabenland kennt die Autorin? Interessiert mich wirklich, ich komme aus der Region.

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Veröffentlicht am 07.06.2025

Frau Appeldorn auf Mörderjagd

Frau Appeldorn und der tote Kapitän
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Bei einer kleinen Karambolage auf dem Parkplatz, E-Bike gegen Einkaufswagen, lernen sich Frau Appeldorn und Arne Clasen kennen. Obwohl eigentlich sie Schuld am Unfall hat, lädt er sie zum Essen ein. Der ...

Bei einer kleinen Karambolage auf dem Parkplatz, E-Bike gegen Einkaufswagen, lernen sich Frau Appeldorn und Arne Clasen kennen. Obwohl eigentlich sie Schuld am Unfall hat, lädt er sie zum Essen ein. Der Abend im Restaurant verläuft so harmonisch und inspirierend, dass Mareike Appeldorn beginnt, sich in den charmanten Arne zu verlieben. Ihr Glück währt leider nur kurz, denn der ehemalige Kapitän Carlsen muss wegen dringender Familienangelegenheiten an die Ostsee reisen. Ein kaltblütiger Mörder verhindert seine Rückkehr. Die unglückliche Mareike Appeldorn verspürt den unwiderstehlichen Drang, dieses grausame Verbrechen aufzuklären. Das glaubt sie ihrem ermordeten Schwarm schuldig zu sein. Mit der schmerzhaften Fußverletzung, die sie sich bei der Karambolage zugezogen hat, kann sie allerdings kein Auto steuern. Sie benötigt einen Chauffeur, der sie vom Rheinland an die Ostsee bringt. Wer wäre dafür geeigneter als ihr Nachbar? Alican Büyüktürk verspürt nicht die geringste Lust auf eine neue riskante Mordermittlung. Aber was hat er einer Naturgewalt wie Frau Appeldorn entgegenzusetzen?

Vera Nentwich lässt ihre Amateurdetektivin Mareike Appeldorn in ihrem dritten Fall ermitteln. „Frau Appeldorn und der tote Kapitän“ führt sie und Nachbar Büyüktürk an die Ostseeküste.

Frau Appeldorn ist keine rheinische Frohnatur. Die ehemalige Chefsekretärin ist zielstrebig bis zur Sturheit, clever, dickköpfig und manipulativ. Aufgeben ist keine Option. Sie verfügt über große mentale Stärke, aber wenig Flexibilität. Wenn sie ihren Willen nicht bekommt, stampft sie gelegentlich mit dem Fuß auf, ohne sich bewusst zu machen, wie infantil das ist. Gefährlicher wird es, wenn sie unüberlegt losprescht und sich, aber auch andere in Gefahr bringt. Nachbar Alican Büyüktürk, emeritierter Germanistikprofessor, handelt überlegter, meidet Risiken, kann genießen und ist empathisch. In Auseinandersetzungen mit seiner Nachbarin zieht er meist den kürzeren.

Die Autorin schreibt flüssig und löst das Kopfkino aus. Der Leser atmet die salzhaltige Luft ein und schmeckt das leckere Fischbrötchen auf der Zunge. Es ist nachvollziehbar, dass Herr Büyüktürk seinen Urlaub in dieser schönen Region lieber genießen möchte anstatt zu ermitteln. Der Kriminalfall erweist sich als ziemlich kniffelig und gefährlich. Es gelingt der Autorin einige Wendungen einzubauen, sodass die Auflösung am Ende überrascht. Das bzw. die Verbrechen werden aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet.

Frau Appeldorns Ermittlungen haben mich gut unterhalten. Allerdings hätte mehr Humor und weniger Verbissenheit der Geschichte gutgetan. Ich bin gespannt, ob sich Nachbar Alican auf eine weitere Ermittlung einlässt, nach dem, was er einstecken musste.

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