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Veröffentlicht am 06.02.2025

Mord und Dolce Vita

Vino, Mord und Bella Italia! Folge 6: Der süße Klang von Rache
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Anna genießt mit Loris, Tameo und Hündchen Peppo einen schönen Tag am Meer. Die Musik eines Strandsängers, der dort fehl am Platz zu sein scheint, fasziniert sie. Als Anna den Musiker später im Promenadencafé ...

Anna genießt mit Loris, Tameo und Hündchen Peppo einen schönen Tag am Meer. Die Musik eines Strandsängers, der dort fehl am Platz zu sein scheint, fasziniert sie. Als Anna den Musiker später im Promenadencafé wieder trifft, lädt sie ihn spontan zu einem Auftritt im Restaurant ihrer Freundin Giovanna ein. Sie ahnt freilich nicht, wen sie einlädt und was da auf Fontenaia zukommt ...

„Der süße Klang von Rache“ ist bereits der sechste Teil der Reihe „Vino, Mord und Bella Italia!“ von Christian Homma und Elisabeth Frank. Auch Neueinsteiger können problemlos mit diesem Band starten. Ich habe es seinerzeit so gemacht und nicht bereut.

Der Musiker entpuppt sich als Mauro Moschella, ein vor Jahren sehr populärer Sänger in Italien. Das Konzert wird ein voller Erfolg und Giovannas Restaurant besuchen so viele Gäste wie schon lange nicht mehr. Leider kommt es nach dem musikalischen Event zu einem schweren Unfall mit Todesfolge. War es Mord?

Zahlreiche Verdächtige, überraschende Wendungen und ein motiviertes Ermittlerteam sorgen für Spannung. Sogar den gefürchteten Bürgermeister Fontenaias Massimo Franco kann Commissario Vico mit einem strategischen Kniff für die Ermittlung einspannen. Trotz gemächlichen Tempos und Dolce Vita ist die Tätersuche spannend, denn die Autoren haben sich ein paar clevere Finten ausgedacht.

Mir gefällt die klare, bildhafte Sprache des Autorenteams. Ich war sofort wieder mittendrin in der Geschichte. Die Atmosphäre, das Ambiente, Land und Leute, alles passt. Die Charaktere wirken glaubwürdig, allen voran die sympathische, patente Anna und das liebenswürdige Gespann Tameo und Peppo. Mir gefällt, dass sich die Charaktere weiter entwickeln. Hat uns Annas Journalistenkollege Adriano Rossi beim letzten Fall positiv überrascht hat, so toppt ihn Commissario Vico dieses Mal. Mit einer längst überfälligen Gardinenpredigt hat ihn seine Schwester, Giuliana, dazu verdonnert, die Stärken seines Teams zu fördern, statt seine Untergebenen immer nur zu kritisieren. Vico beschließt, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen und verunsichert damit sein Team gewaltig. Erst allmählich gewöhnen sich Flavia, Marco und Anna an den „neuen“ Commissario. Doch das Team arbeitet jetzt noch effizienter, was dem aktuellen kniffligen Fall zugutekommt.

Mein Fazit

Jeder, der Cosy Crime schätzt, ist hier richtig. Dolce Vita in der Toskana, gewürzt mit einem Kriminalfall, das liest sich sehr vergnüglich. Dabei kommt die Spannung nicht zu kurz. Fontenaia ist weiterhin ein gemütliches italienisches Dorf, in dem der abenteuerlichste Klatsch gedeiht und Veränderungen nur langsam Fuß fassen. Immerhin wird Annas Pool endlich fertig.
Der „neue“ Commissario gefällt mir ausgezeichnet. Nun wird eine Romanze zwischen ihm und Anna wesentlich wahrscheinlicher. Zumal Vico sich allmählich in Fontenaia heimisch fühlt. Oder macht doch der fesche Loris das Rennen, der gerade seine künstlerische Seite offenbart hat? Es bleibt spannend. Ich warte schon auf die Fortsetzung.

Ich habe den Ausflug in die Toskana sehr genossen und vergebe 5 Sterne mit einer Leseempfehlung an alle Fans von Dolce Vita und Cosy Crime.

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Das Abenteuer geht weiter ...

Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medaillon
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"Die magische Bibliothek der Buks – Das verfluchte Medaillon" ist der zweite Band der Reihe von Nina George und Jens J. Kramer. Er schließt nahtlos an Band eins an. Da auf einen Rückblick verzichtet wird, ...

"Die magische Bibliothek der Buks – Das verfluchte Medaillon" ist der zweite Band der Reihe von Nina George und Jens J. Kramer. Er schließt nahtlos an Band eins an. Da auf einen Rückblick verzichtet wird, empfehle ich dringend, mit Band eins „Das verrückte Orakel“ zu beginnen. Nur so kann man das zweite Abenteuer mit den Buks, kleinen Buchschutzgeistern, in vollem Umfang genießen.

Die Ausgangssituation ist folgende: Nola befindet sich im Buch „Die abenteuerliche Reise des Quentin Tauros“, um Geraldine zu suchen, die versehentlich in dieser Geschichte gelandet ist. Finn wiederum ist seiner Zwillingsschwester gefolgt, sodass sich jetzt alle drei im selben Buch, aber getrennt voneinander, befinden. Ihre Freunde Mira und Thommy wiederum sind in ihr Zuhause zurückgekehrt, um sich dort schwierigen Befragungen zu stellen. Sie verschweigen die Wahrheit und halten ihr Versprechen, die Existenz der Geheimen Bibliothek und der Buks nicht zu verraten. Inzwischen spitzt sich die Lage zu. Immer mehr Bücher werden von der schrecklichen Bleichkrankheit befallen und der Buchmeister, Geraldines Vater, der ein Heilmittel sucht, bleibt verschollen. Um die Bücher zu retten, sehen sich die Buks zu einem unvorstellbaren Schritt gezwungen: Sie schicken Attila, Sherlokko und Rebella Buk ins Draußen!

Immer wieder werden, glücklicherweise, Geschichten geschrieben, die mit überschäumender Fantasie, großer Kreativität und überraschenden Wendungen ihre Leser fesseln. Wir finden uns hier in einer Welt wieder, in der Bücher unbekannt sind, Fantasie abgelehnt wird und Träumen als suspekt gilt. Alle befolgen starre Regeln und werden ständig überwacht, da das Mitführen von Handys für Kinder Pflicht ist. Was als praktisch und der Sicherheit dienend verkauft wird, dient tatsächlich der totalen Kontrolle des Ministeriums über die Menschen.

Das Autorenteam schreibt bildhaft und versteht es, eine magische Atmosphäre zu schaffen. In der Geschichte stecken viele Weisheiten, die ganz ohne belehrenden Ton daherkommen. Immer wieder werden andere Bücher und Autoren erwähnt oder zitiert. Das hat mir gut gefallen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz: Ich sage nur Hugo Viktor. Die Protagonisten sind durchweg glaubhaft gezeichnet, ob der freche Finn, der nachdenkliche Thommy, die empathische Mira oder Thommys freundliche Großeltern. Die einzelnen Buks sind jeder für sich liebenswert und in ihrer Vielfalt und Diversität beeindruckend.Ich liebe ihre Diskussionen untereinander.

Das bezaubernde Cover und die liebevolle Ausstattung mit Lesebändchen, den hübschen in den Text eingestreuten kleinen Zeichnungen und Porträts der Buks auf den Innenseiten des Einbands lassen das Buch hochwertig wirken.

Ich habe dieses neue Abenteuer mit den Buks sehr genossen. Das rundum stimmige Ende und der Ausblick aufs „Danach“ haben mir sehr gut gefallen. Für mich scheint die Geschichte damit abgeschlossen, aber vielleicht haben die Autoren doch noch eine magische Idee für eine Fortsetzung? Ich wäre sofort dabei oder wie Reimling Buk vielleicht sagen würde: Großes Freuen mit neuen Abenteuern?

Ich vergebe die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle Buchliebhaber mit Fantasie von 10 bis 100.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Nordic Fantasy - Snehild Grauwolfs Reise geht weiter

Snehild - Der Ruf der Unterwelt
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Die junge Seherin Snehild lebt wieder am Königshof von Himlinge. Sie genießt die Gunst Aslaks, der seit einem halben Jahr über Sialand herrscht. Doch den jungen König plagen böse Träume, die ihn beeinträchtigen. ...

Die junge Seherin Snehild lebt wieder am Königshof von Himlinge. Sie genießt die Gunst Aslaks, der seit einem halben Jahr über Sialand herrscht. Doch den jungen König plagen böse Träume, die ihn beeinträchtigen. Von dem jungen Prinzen, dessen Scharfsinn und Klugheit sie einst faszinierte, ist nur noch wenig übrig. Er verliert allmählich den Verstand und wird zur größten Bedrohung seines Reiches, dessen Bewohner er terrorisiert. Snehild erkennt, dass sie eingreifen muss, doch dazu kommt es vorerst nicht. Eine alte Feindin verflucht die junge Seherin. Um ihr Leben zu retten, muss Snehild an Midgards gefürchtetsten Ort reisen: Helheim.

„Snehild - Der Ruf der Unterwelt“ ist der zweite Band der Reihe von Anne-Marie Vedsø Olesen. Ich rate, mit dem ersten Band anzufangen. Dadurch wird das Verständnis erleichtert und der Lesespaß vergrößert.

Als Snehild geheilt und mächtiger denn je, zurückkehrt, muss sie sich der Realität stellen. Sie hat einen großen Fehler begangen. Ihren Favoriten Aslak hat seine Macht ängstlich und bösartig gemacht. Er erweist sich als unfähiger, ja gemeingefährlicher König. Den wesentlich geeigneteren Roald hat Snehild damals unterschätzt. Jetzt will sie diese Entscheidung korrigieren – um jeden Preis. Wer Ungeheuer bekämpft, sollte darauf achten, nicht selbst eines zu werden. Diesen weisen Ratschlag gibt der alte Gode Faxe Snehild als Warnung mit auf ihren Weg als er sie in der Runenmagie unterweist. Nicht von ungefähr. Inzwischen hat sie nicht nur den Tod Arns, sondern auch die Opfer Aslaks zumindest teilweise auf dem Gewissen. Dies ist ihr bewusst und macht ihr zu schaffen.Trotzdem zögert sie nicht.

Anne-Marie Vedsø Olesen erzählt bildhaft und atmosphärisch. Die Beschreibung Helheims samt seiner Ungeheuer hat mich beeindruckt. Besonders Hel war ganz anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Durch die verschiedenen Handlungsstränge und die dadurch bedingten Orts- und Perspektivenwechsel weiß der Leser stets, was wo aktuell passiert. Das hat mir gut gefallen und erhält die Spannung. Band Zwei endet an der dafür perfekten Stelle. Die Weichen für Band Drei sind gestellt, obwohl die Autorin auf einen richtigen Cliffhanger verzichtet hat.

Mich hat Snehild erneut gut unterhalten. Ihre Entwicklung geht weiter. Aber manche ihrer Handlungen konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Warum betrinkt sie sich, bspw. gemeinsam mit ihrer Erzfeindin? Aber das ist wohl ihrer Jugend geschuldet. Dagegen fand ich ihren Mut in und vor Helheim sehr beeindruckend. Berührend war Hjalmars Ende. Wie er sein Schicksal noch wenden konnte, obwohl das unmöglich schien, war sehr emotional.

Die starke Fokussierung auf Gewalt und Missbrauch wäre in diesem Maß nicht erforderlich. Schnell begreift der Leser die Bedrohung und dass, das Leben in Midgard nicht einfach ist.
Schmerzlich vermisst habe ich ein Glossar und eine Übersichtskarte. Die wären angesichts der zahlreichen Namen und Orte eine echte Hilfe.

Es bleibt spannend. Wie wird Ragnfried ihr Wissen nutzen? Was wird aus Aslaks ungeborenem Kind und dessen ehrgeiziger Mutter? Was bedeuten Snehilds Begegnungen mit Loki? Und wann wird Berghilds „Entdeckung“ bekannt?

4,5 von 5 Sternen von mir und eine Empfehlung an alle Fantasy-Fans, die mit der Darstellung von Gewalt klarkommen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Jeder geht, aber von jedem muss etwas bleiben

Keilsberg
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Dieser Satz, den eine fremde Frau auf einem Friedhof zu ihm sagt, bleibt Paul im Gedächtnis. Dabei hat er gerade ganz andere Sorgen. Seine Freundin Julie hat ihn vor Monaten ohne Vorwarnung verlassen und ...

Dieser Satz, den eine fremde Frau auf einem Friedhof zu ihm sagt, bleibt Paul im Gedächtnis. Dabei hat er gerade ganz andere Sorgen. Seine Freundin Julie hat ihn vor Monaten ohne Vorwarnung verlassen und ist seither spurlos verschwunden. Auch Michael, ihr Bruder und sein Chef, hat angeblich nichts von seiner Schwester gehört. Paul lässt sich gehen, seine Gedanken kreisen ausschließlich um die verlorene Geliebte, er bringt für nichts mehr Interesse auf. In dieser Situation stößt er bei einem Spaziergang zufällig auf einen englischen Soldatenfriedhof und lernt das ältere Ehepaar Ochs kennen. Diese Begegnung wird weitreichende Folgen für Paul haben ...

„Keilsberg“ ist das Romandebüt von Sebastian Mense. Eine wichtige Rolle in diesem Buch spielt seine Heimatstadt Kassel, bzw. der nahegelegene, wenig bekannte Soldatenfriedhof. Dort sind britische und russische Opfer des Kriegsgefangenenlagers Keilsberg aus dem 1. Weltkrieg bestattet.

Einer dieser Gefangenen war der englische Soldat Thomas Barley. Durch Lieselotte Ochs gerät der Briefwechsel zwischen Tom und seiner Mutter in Pauls Hände. Sie bittet ihn als studierten Anglisten, um die Übersetzung ins Deutsche. Toms Briefe gewähren verstörende Einblicke in das Lagerleben der Kriegsgefangenen. Seine Mutter Madelaine wiederum berichtet über die Lage im England des Jahres 1915. Paul beginnt über Thomas Barley zu recherchieren. Warum passen die Briefe inhaltlich oft nicht richtig zusammen? Was geschah mit Thomas Barley?

Sebastian Mense schreibt flüssig und bildhaft. Seine Charaktere wirken glaubwürdig und haben Tiefe. Die einfühlsame Beschreibung der Situation der Gefangenen, der Schrecken und Entbehrungen, die sie erdulden mussten, berührt. Die Lage der Bevölkerung in Deutschland und England, ihre Gefühle, Ängste wie Hoffnungen, sind anschaulich beschrieben. Man spürt die gründliche Recherche des Autors. Der laufende Wechsel der Perspektiven und der zwei Zeitebenen sorgt für anhaltende Spannung.

Besonders interessant fand ich die Entwicklung Pauls. Zunächst verharrt er im Selbstmitleid und seine Gedanken kreisen ausschließlich um Julie. Doch allmählich findet er in sein Leben zurück. Er schafft es, endlich loszulassen, sein Schicksal wieder selbst in die Hände zu nehmen und eine überfällige Entscheidung zu treffen. Als er endlich ein Lebenszeichen seiner Ex-Freundin sieht, kappt er mühelos die letzte Verbindung zu ihr. Zeitgleich mit seinem „Cold Case“ löst er auch seine eigenen Probleme.

Vielleicht treffen wir Paul ja wieder? Mich hat der Roman sehr gut unterhalten und ich habe Neues über den 1. Weltkrieg erfahren, obwohl ich schon einiges zu diesem Thema gelesen habe. Vielleicht recherchiert Paul auch künftig zu (anderen) historischen Themen? Ein Wiedersehen würde mich freuen, obwohl ich das nach den ersten Kapiteln nicht gedacht hätte.

Ich vergebe die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung an alle historisch Interessierten. Aber nicht nur an diese.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Siegen um jeden Preis?

The Favourites
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Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall ...

Layne Fargo erzählt uns die mitreißende Geschichte eines jungen Eistanz- und Liebespaares, vom steinigen Aufstieg in höchste Höhen, die Sportler erreichen können, bis hin zum ernüchternden tiefen Fall und dem folgenden kräftezehrenden Comeback. Werden Kat und Heath den ersehnten Olympiasieg doch noch schaffen?

Das glamouröse, vorwiegend in Gold gehaltene Cover zieht die Blicke auf sich. Nur die Frau des Eistanzpaares ist zu sehen. Vom männlichen Part sieht man hauptsächlich die Hand, die ihre Taille umfängt und stützt. Damit wird die Botschaft des Buches bereits übermittelt. Obwohl wir scheinbar die Geschichte eines Eistanzpaares vor uns haben, geht es tatsächlich im Wesentlichen um sie, Katharina Shaw.

Schon als Vierjährige entdeckt sie ihre Leidenschaft für den Eistanz. Als sie Heath kennenlernt, der aus ähnlich bescheidenen Verhältnissen wie sie selbst stammt und bei Pflegeeltern aufwächst, sieht sie eine Möglichkeit, ihren Traum zu realisieren. Sie überredet Heath, statt Eishockey Eistanz zu betreiben. Obwohl sie kein Geld haben, finden die beiden eine Trainerin. Als Heath zu anderen Pflegeeltern soll, überredet Kat ihren Vater, die Vormundschaft für ihn zu übernehmen. So können sie weiter trainieren. Dann kommt der nächste Schlag, Katharinas Vater stirbt. Da sie noch zu jung ist, um ihr Erbe anzutreten, muss sie bei ihrem Bruder leben, der Alkohol- und Drogenprobleme hat. Er hasst Heath und macht Kat das Leben zur Hölle. Trotzdem trainieren die beiden unbeirrbar weiter und schaffen es tatsächlich, zu den nationalen Meisterschaften zu kommen. Ihre Karriere nimmt an Fahrt auf und Kats Idol, die Doppelolympiasiegerin im Eistanz, Sheila Lin wird auf sie aufmerksam. Nach vielen Aufs und Abs erreichen sie ihr großes Ziel, die Olympiateilnahme in Sotschi …

Die Geschichte zieht den Leser schnell in ihren Bann. Layne Fargo schreibt flott und bildhaft. Ihre Charaktere wirken in Haupt- und Nebenrollen weitgehend lebendig und glaubwürdig. Selten wurde die Welt des Hochleistungssports in der Spitzengruppe in ihrer Dramatik, Härte und mit ihren Skandalen, so packend beschrieben. Der ständig vorhandene Druck unter dem die Sportler stehen, die umfassende Beobachtung und Verfolgung durch Presse und Paparazzi und die allgegenwärtigen Intrigen. Ständige Forderungen von Trainern, Verbänden, Fans und Sponsoren an die Athleten. Es wundert nicht, dass sich immer wieder Dramen in dieser Blase abspielen. Dazu kommt noch, dass Kat und Heath seit ihrer Jugend eine sogenannte „Amour Fou“ verbindet. Ihre Leidenschaft verschafft ihnen für ihren sportlichen Werdegang Vor-, aber auch Nachteile.

Der Roman ist aus der Perspektive von Kat geschrieben. Der Wechsel zwischen Interviews/Kommentaren diverser Eistanzgrößen und erzählenden Abschnitten erweist sich als kluger Coup und schafft zusätzliche Spannung. Es hat mich nicht überrascht, dass die Autorin vor ihrer Schriftstellerkarriere u.a. als Dramaturgin tätig war. Die Kommentare zwischen den Kapiteln lassen die Erzählung noch authentischer wirken.

Mein Fazit

„The Favourites“ liest sich spannend und hat mich gut unterhalten. Die Einblicke in die Welt des Spitzensports sind faszinierend und verstörend zugleich. Man spürt die gute Recherche der Autorin, die uns hinter die Fassade des Glamours blicken lässt und die Schmerzen und Emotionen beschreibt, die im Rampenlicht einfach weggelächelt werden. Gegen Ende nimmt der Roman nochmals richtig an Fahrt auf und lässt Intrigen und Manipulationen eskalieren ...

Am meisten imponiert hat mir die Entwicklung Kats von der zielorientierten Eiskönigin zu einer einfühlsamen Frau, die ihren Weg im Leben und in ihrer Partnerschaft letztendlich gefunden hat.

Manchen Passagen am Anfang und im Mittelteil hätten ein paar Seiten weniger gutgetan, der eine oder andere Nebencharakter könnte etwas mehr Tiefe haben, speziell die Konkurrenten neben den Lins. Aber wer sich für Leistungsport und Leidenschaft interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

„Der Roman, über den 2025 alle reden werden“, mit diesem Satz wird der Roman vorab gehypt. Ob das zutreffen wird? Ich bin gespannt, wie die Leserschaft entscheiden wird.

Von mir bekommen „The Favourites“ 4,5 von 5 Sternen.

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