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Veröffentlicht am 13.01.2025

Gelsenkirchener Verwirrspiel

Eric Holler: Gelsenkiller!
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Warum in Gelsenkirchen? Innerhalb von drei Wochen verschwinden drei junge Frauen spurlos aus der „Schalke“-Hochburg. Weder werden Lösegeldforderungen gestellt noch, glücklicherweise, Leichen gefunden. ...

Warum in Gelsenkirchen? Innerhalb von drei Wochen verschwinden drei junge Frauen spurlos aus der „Schalke“-Hochburg. Weder werden Lösegeldforderungen gestellt noch, glücklicherweise, Leichen gefunden. Die Faktenlage ist ebenso dünn wie die Personaldecke, weshalb sich Hauptkommissar Manfred Werthofen gezwungen sieht, den örtlichen Privatdetektiv Eric Holler um Mithilfe zu bitten. Kaum hat er dafür die Genehmigung seines Chefs Bruno Paschke, mischt sich auch schon das BKA ein und verlangt, dass Werthofen quasi nur „auf Sparflamme“ ermittelt. Warum?

„Eric Holler: Gelsenkiller“ ist der dritte Band der 1. Staffel der Reihe Gelsenkrimi von Roman Just. Für mich war es das erste Buch des Autors und ich habe mich mühelos zurechtgefunden.

Wie der Leser rätselt auch Eric Holler, was die Einmischung des BKA bedeutet. Um eine Antwort auf seine Fragen zu bekommen, zapft er seinen Kontakt beim CIA ein, dem er einst selbst angehörte. Der Kommissar wiederum wundert sich, wie gleichgültig dem zuständigen BKA-Mann das Schicksal der jungen Frauen zu sein scheint. Auch Bruno Paschke schöpft Verdacht, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht und lässt Werthofen mehr Spielraum als vom BKA gewünscht. Hollers Informant fördert spannende unerwartete Fakten zutage, die Holler zu auf den ersten Blick fantastischen Schlüssen veranlassen.

Was zunächst wie ein gewohnter Krimi beginnt, entpuppt sich bald als etwas viel Komplizierteres. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Der Autor legt ein rasantes Tempo vor und baut rasch einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende hält. Sein nüchterner, direkter Sprachstil passt ebenso zum Konzept dieses Krimis wie die kurzen Kapitel. Von den Charakteren gewinnen nur Eric Holler und Manfred Werthofen an Tiefe. Während der nüchterne Privatdetektiv ein Mann mit zahlreichen Geheimnissen ist, scheint der Kommissar ein aufrechter, geradliniger Mann mit einer anstrengenden Frau zu sein. Die anderen Protagonisten bleiben flach.

Mein Fazit

Die Geschichte entwickelt sich rasant und zieht den Leser rasch in ihren Bann. Am Anfang fällt es nicht nur dem Kommissar schwer, Hollers Interpretationen der Faktenlage zu folgen. Die Kombinationsgabe und das Bauchgefühl des Detektivs beeindrucken wiederholt. Glücklicherweise ist Werthofen offen und intelligent genug, das Unfassbare zu denken. Gemeinsam können die beiden Männer eine Katastrophe verhindern.

Andeutungen zu Hollers Vergangenheit lassen vermuten, dass da noch lose Fäden vorhanden sind. Sein Freund beim CIA scheint ihm dazu eine bestürzende Nachricht übermittelt zu haben. Es bleibt also spannend bei Eric Holler und seinen Geheimnissen. Der abgeschlossene Fall lässt erahnen, dass sich eine Freundschaft zwischen den so unterschiedlichen Charakteren Holler und Werthofen entwickelt. Wir werden sehen.

Die Geschichte ist spannend und unterhaltsam, ohne Frage. Leider bleiben die Protagonisten neben den beiden Hauptfiguren sehr blass. Auch der Zufall spielt an entscheidender Stelle eine für meinen Geschmack zu große Rolle.

Ich vergebe gute vier von fünf Sternen. Die Reihe hat aus meiner Sicht großes Potenzial.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2025

Der Mörder ist immer der Gärtner?

Blut und Blümchen - Mord hat immer Saison
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Christian Humberg entführt uns in "Blut und Blümchen - Mord hat immer Saison" in die spezielle Welt der Schrebergärtner, einen Mikrokosmos voller kauziger Charaktere, unerwarteter Ereignisse und skurriler ...

Christian Humberg entführt uns in "Blut und Blümchen - Mord hat immer Saison" in die spezielle Welt der Schrebergärtner, einen Mikrokosmos voller kauziger Charaktere, unerwarteter Ereignisse und skurriler Situationskomik. Der ungewöhnliche Schauplatz hat sofort mein Interesse an diesem Cosy Crime geweckt.

Das Cover passt hervorragend zu einem Gartenkrimi. Ein schmuckes Holzhäuschen vor malerischer Kulisse, im Hintergrund ein Badesee. Utensilien wie Schlauch und Gießkanne, inmitten von gepflegten Beeten, verweisen auf einen Schrebergarten.

Die junge Nele Blum plant einen Neubeginn im verschlafenen Dorf Schönrath im Bergischen Land. Mit der örtlichen Kleingartenanlage „Hortensia“ verbindet sie schöne Erinnerungen. Während ihrer Kindheit und Jugend haben ihre Großeltern „Stiefmütterchens Rast“, das kleine Vereinslokal geführt. Doch seit deren Tod vor zwei Jahren ist die Gaststätte verwaist. Das will Nele jetzt ändern. Bei der Besichtigung der Räumlichkeiten finden die „Hortensia“-Präsidentin Uschi Gabinsky, Nele und das Gärtner-Urgestein Karl Paschulke eine Leiche im Obergeschoss des Lokals. Wer ist der Tote?

Nele ist eine sympathische junge Frau, die sich mit der Wiedereröffnung von „Stiefmütterchens Rast“ einen Traum erfüllt. Auch die übrigen Charaktere wirken stimmig. Ob Uschi, die tüchtige Präsidentin, die langjährigen Hobbygärtner Bohnen-Karl, Kartoffel-Paul und Tehzett, die darin wetteifern, das schmackhafteste Gemüse zu züchten oder Erik Gertner, der gutaussehende, aber überforderte Polizist. Der locker-leichte Schreibstil überzeugt und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Spannung ist, wie in Cosy Crime üblich, gut auszuhalten, aber durchaus vorhanden.

Mein Fazit

Der launige Gartenkrimi ist sehr leicht zu lesen und ermöglicht kurzweilige Pausen vom Alltag.

Die Atmosphäre in der Kleingartenanlage und im beschaulichen Dorf fand ich sehr gut eingefangen. Der harte Kern der Vereinsmitglieder wirkt sympathisch und glaubwürdig. Da ich in meiner Kindheit öfters in einer Kleingartenanlage zu Besuch war, habe ich so manches gleich wieder erkannt. Allerdings haben mich Nele und Eric als Ermittlerteam noch nicht überzeugt. Natürlich hat die junge Wirtin ein großes Interesse daran, den Fall schnell aufzuklären und ihr Lokal zu eröffnen. Es erscheint mir aber unglaubwürdig, dass ein bodenständiger Polizist einer ihm fast Unbekannten das Verhör von Verdächtigen weitgehend überlässt. Hier hat der Krimi noch Entwicklungspotenzial. Die Aufklärung des Falls erfolgte für mich etwas abrupt, was der Kürze des Cosy Crime geschuldet ist. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte gutgetan und mehr Raum für Erklärungen und Verwicklungen geboten. Naturgemäß bleiben beim Auftaktband einer Buchreihe zunächst Fragen offen, wie bspw. Neles Beweggründe für einen radikalen Neubeginn. Dies wird sich im Verlauf der Reihe sicher ändern.

Insgesamt hat mir die Geschichte aber gut gefallen. Speziell der Schauplatz „Hortensia“ und die schrulligen Kleingärtner mit den lustigen Namen waren mir sofort sympathisch. Auf die weiteren Fälle bin ich schon gespannt. Ich vergebe gute 4 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle Fans von kurzweiligem Cosy Crime.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 07.01.2025

Ein Muss für jede Leseratte mit Fantasie

Das Buch der verbotenen Träume
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Dawn Walker lebt seit drei Jahren in tiefer Trauer. Damals verunglückte ihr geliebter Partner Henry tödlich. Seit diesem traumatischen Erlebnis hat sie keine Seite mehr gelesen, obwohl sie im Winter in ...

Dawn Walker lebt seit drei Jahren in tiefer Trauer. Damals verunglückte ihr geliebter Partner Henry tödlich. Seit diesem traumatischen Erlebnis hat sie keine Seite mehr gelesen, obwohl sie im Winter in der örtlichen Bücherei arbeitet. Eines Tages beobachtet Dawn, wie ihr Lieblingsnutzer der Bibliothek, Flicken-Joseph, ein geheimnisvolles lilafarbenes Buch auf der Straße verliert. Sie nimmt es mit, um es ihm zurückzugeben. Dawn glaubt, Joseph habe es absichtlich verloren, damit sie es findet und ihre Blockade überwindet. Sie beginnt tatsächlich in dem geheimnisvollen Fund zu lesen und löst damit eine Kette unvorhersehbarer Ereignisse aus, die nicht nur ihre Welt bis in die Grundmauern erschüttern.

„Das Buch der verbotenen Träume“ ist der fünfte Band der Bücherwelt-Reihe von Mary E. Garner. Ich finde, er kann auch von Neueinsteigern gut gelesen werden. Allerdings erhöht die Kenntnis der Vorbände den Lesegenuss. Warum? Das erkläre ich noch.

Zunächst erlebt Dawn durch ihre wieder gewonnene Lesefreude einige ungewöhnliche Situationen. Sie träumt so realistisch von Henry, dass sie ihn zu berühren glaubt. Dann wird ihr beinahe das lila Buch von einer mysteriösen jungen Frau gestohlen und Flicken-Joseph sucht verzweifelt, was er verloren hat. Doch da kann sich Dawn schon nicht mehr von der lila Schrift trennen. Ihr bizarrstes Erlebnis ist das Zusammentreffen mit Bambi, der Figur des Autors Felix Salten in dessen Buchwelt. Kurz danach kommt ein attraktiver Fremder in die Keswicker Bücherei und überbringt Dawn die Einladung einer literarischen Vereinigung in London. Dort in Mrs. Gateway's Fine Books befindet sich das einzig bekannte Portal zur Bücherwelt. Dawn erfährt, dass sie als eine Walker, die Fähigkeit hat, dorthin zu reisen. Und es gelingt. Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen ist Dawn von ihrer neu entdeckten Fähigkeit nicht nur angetan. Zu sehr haben sie die Jahre der Trauer gezeichnet. Sie will sich nicht auf Neues einlassen, sondern in ihrem Kummer verharren. Erst ein Hilferuf ihrer Schwiegermutter und Freundin Elisabeth ändert ihre Meinung. Sie nimmt ihr Talent an und damit beginnt das neue Abenteuer ...

Mary E. Garner gelingt es mühelos, ihre Leser von Beginn an zu fesseln. Mit ihrem authentischen, präzisen Schreibstil, der manchmal fast poetisch anmutet, baut sie auf wenigen Seiten einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende des Buches hält. Überraschende Wendungen und Verwicklungen halten den Lesespaß hoch, ebenso das Zusammentreffen mit bekannten und neuen Charakteren, ob Mensch oder Buchfigur. Auch dieses Mal droht der Bücherwelt Gefahr, aber auch wir Menschen, die in der sogenannten Zwillingswelt leben, sind bedroht.

Mrs. Gateway's Fine Books in London zu betreten, fühlt sich für mich stets wie eine Heimkehr an. Mary E. Garner hat mit der Bücherwelt-Reihe ein ganz eigenes, magisches Universum geschaffen. Träumt nicht jeder begeisterte Leser insgeheim davon, seinen Lieblingen in der Bücherwelt zu begegnen? Die Autorin macht das möglich und webt damit einen fantasievollen Zauber, dem eine passionierte Leseratte kaum widerstehen kann. Im „Buch der verbotenen Träume“ lernen wir neue Charaktere kennen wie Dawn, Jo March aus Little Women oder den Zauberer Merlin. Die Kenner der Reihe begegnen liebgewonnenen bekannten Protagonisten wieder wie Gwen, Rufus, M oder Haushund. Erneut macht eine große Bedrohung eine riskante Mission des Bundes erforderlich. Doch dieses Mal ist die Gefahr größer als jemals zuvor.

Für mich ist das „Buch der verbotenen Träume“ das bisher beste der Reihe. Niemals zuvor war die Bücherwelt gefährlicher und düsterer. Wir lernen gruselige, gemeine Bösewichte näher kennen, gleichzeitig sind die Verteidiger entschlossener und mutiger als zu erwarten war. Einige Charaktere erleben erstaunliche Entwicklungen, sowohl Menschen wie Buchfiguren, und wachsen über sich hinaus. Gleichzeitig erleben wir deutlich mehr Emotionen als in den früheren Bänden. Erneut bricht die Autorin eine Lanze für Toleranz, Diversität, Loyalität und Zusammenhalt, Eigenschaften, die auch angesichts größter Gefahren zum Sieg verhelfen können. Das Buch endet mir einem atemberaubenden Showdown und lässt keine Wünsche oder Fragen offen.

Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Band der Reihe und bin zuversichtlich, dass dieser erscheinen wird. Schließlich wurde die Geschichte der Grabber noch nicht erzählt.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 04.01.2025

Ein schwieriges Erbe

Das geheimnisvolle Testament
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Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann ...

Graf Heinrich Ferdinand von Kirchhoff-Aisterthal hat sein Leben an der Seite von Ehefrau und Söhnen gründlich satt. Die Gesellschaft seiner jungen Geliebten Stanzi zieht er eindeutig vor. Doch wie kann er sein Leben diesen Wünschen anpassen, ohne gesellschaftlichen Selbstmord zu begehen? Der Graf entwickelt einen perfiden Plan, der darin gipfelt, dass sich seine bedauernswerte Gemahlin und die beiden Söhne Emil und Helmuth mittellos am Gemüsemarkt von Mayfair wiederfinden. Wie soll es nun für sie weitergehen?

„Das geheimnisvolle Testament“ ist ein Spin-Off der Regency-Heroes-Reihe von Sophia Farago. Der Roman kann gut für sich allein gelesen werden und deshalb wählte ich ihn für meinen Ausflug in ein neues Genre aus.

Das Regency umfasst die Zeit von 1810 bis 1820 in Großbritannien und Irland. In dieser Zeit starker sozialer, politischer und industrieller Umbrüche spielt die Geschichte von Emil und Harriet. Durch einen verantwortungslosen Vater gerät der junge Adelige samt Bruder und Mutter unverschuldet in eine prekäre Lage. Mittellos in einem fremden Land gelingt es ihm und seinen Angehörigen nur mit Mühen zu überleben. Dank ihrer Eigeninitiative und durch ihr gewinnendes Wesen, gelingt es den Dreien, Freunde und deren Unterstützung zu gewinnen. Auch vor der ungewohnt harten Arbeit auf einem Gemüsemarkt schrecken die Jungen nicht zurück. Auf diese Weise bekommen sie allmählich ihr Leben wieder in den Griff. Doch lange Zeit wissen sie nicht, wem sie ihre missliche Lage zu verdanken haben und wie ihre Zukunft aussehen wird.

Harriet dagegen gerät durch das für Frauen perfide damalige Erbrecht in eine scheinbar unerträgliche Situation. Da sie nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters, eines Earls, nicht erbberechtigt ist, wird ein weit entfernter Verwandter neuer Earl, Nutznießer des Vermögens und ihr Vormund. Als dieser will er sie schnellstmöglich an den Meistbietenden verschachern.

Sophia Farago versteht es, ihre Leser ins Regency zu versetzen und das Schicksal der beiden Jugendlichen hautnah miterleben zu lassen. Mit ihrem authentischen Schreibstil und den glaubwürdig gezeichneten Charakteren gelingt es ihr, einen Spannungsbogen aufzubauen und das Interesse an der Geschichte des jungen Paares zu wecken. Geschickt bindet sie die Helden ihrer erfolgreichen Regency-Heroes-Reihe in das Geschehen ein. Die Einblicke in die Gesellschaft und die Umstände der damaligen Zeit fand ich sehr aufschlussreich. Man spürt die gründliche Recherche der Autorin. Das Personenverzeichnis am Buchende erleichtert es dem Leser, sich zurechtzufinden. 

Gern hätte ich mehr über das weitere Schicksal der großherzigen Wirtin erfahren, die der ausländischen Grafenfamilie hilft, ganz im Gegensatz zu einigen Mitgliedern deren eigener Gesellschaftsschicht. Ohne die uneigennützige Hilfe dieser Frau wäre es Emil und den Seinen noch sehr viel schlechter ergangen.

Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten und eine Leseempfehlung an alle Fans von Regency Romance.

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Frauenpower Nord-Süd

Traxl und der tote Lebemann
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Während einer feuchtfröhlichen Party in einem großen Münchner Mietshaus wird der Hausbesitzer erstochen. Die Kripo muss aus über hundert Feiernden die Tatverdächtigen herausfiltern. Wer profitiert vom ...

Während einer feuchtfröhlichen Party in einem großen Münchner Mietshaus wird der Hausbesitzer erstochen. Die Kripo muss aus über hundert Feiernden die Tatverdächtigen herausfiltern. Wer profitiert vom Tod des schwerreichen Steuerberaters? Da die Mordkommission chronisch überlastet ist, muss das neue Dreamteam Draxl-Schammach bald allein ermitteln …

„Traxl und der tote Lebemann“ ist der Auftakt einer neuen Krimiserie von Wolfgang Oppler mit der taffen Kriminalhauptkommissarin Pia Traxl in der Titelrolle. Es ist mein erstes Buch des Autors, der als einer der Münchner Turmschreiber mein Interesse geweckt hat.

Kommissarin Pia Traxl zeigt schon auf den ersten Seiten des Buches, was in ihr steckt. Wie schon das Cover mit dem Boxhandschuh andeutet, handelt es sich beim Hauptcharakter um eine wehrhafte, im Wortsinn schlagfertige Frau. Im Prolog wird sie während einer Undercover - Aktion von einem ihr unbekannten LKA-Kommissar festgenommen und an Streifenbeamte übergeben. Diese fahren mit ihr in den Perlacher Forst, um sie einzuschüchtern. Es hat mir sehr gut gefallen, wie Pia ihnen zeigt, wo der Hammer hängt, ohne sich als Polizistin zu outen. Sie war mir von Beginn an sehr sympathisch, mit ihren Kanten und Eigenheiten. Dies gilt auch für ihre neue Kollegin Bentje, die, völlig überraschend für Pia, ein Team mit ihr bildet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten entwickelt sich die bayrisch-friesische Zusammenarbeit vielversprechend.

Opplers Charaktere in Haupt- und Nebenrollen überzeugen, ebenso wie sein anschaulicher, klarer Schreibstil. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Köstlich ist etwa zu lesen, wie Pia einen lästigen Verehrer abschreckt. Das Verbrechen erweist sich als vielschichtiger als zuerst angenommen. Dank überraschender Wendungen bleibt der Spannungsbogen hoch und die Neugier auf den Fortgang des Krimis hält an.

Als Leser findet man schnell ins Geschehen hinein. Der Fall lässt sich nicht so schnell aufklären wie gewünscht und die Abteilung ächzt unter der Arbeitsbelastung als bald ein zweiter Fall dazu kommt. Druck und Einmischung von oben sowie Unstimmigkeiten unter den Kollegen erschweren die Ermittlungen. Die Vorgänge und Schwierigkeiten werden nachvollziehbar dargestellt. Während sich Pia fragt, woher sie den toten Steuerberater bloß kennt, tauchen immer neue Verdächtige auf. Das Mordopfer scheint ordentlich Dreck am Stecken gehabt zu haben und bald wird die Abteilung für Wirtschaftskriminalität Teil des Ermittlerteams. Ist Gier das Mordmotiv oder steckt etwas Anderes hinter der Gewalttat?

Mein Fazit

Ich habe den Krimi sehr gern gelesen. Die gelungene Mischung aus glaubwürdigen Protagonisten, sympathischen Ermittlerinnen, spannendem Kriminalfall und reichlich Lokalkolorit ist genau mein Ding. Da ich selbst vor Jahren in München gelebt habe, konnte ich mich von der Ortskenntnis des Autors überzeugen. Es hat Spaß gemacht, in Münchens Straßen und Kneipen zu ermitteln. Der trockene Humor der Pia Traxl, ihre manchmal spröde Art, hat mich genauso angesprochen wie Bentjes Tatkraft und Unbekümmertheit. Zu sehen, wie die beiden als Team zusammenwachsen, sich ergänzen und anfreunden, hat mir gut gefallen. Amüsant sind die sprachlichen Missverständnisse, vor die der bayrische Dialekt die norddeutsche Kommissarin immer mal wieder stellt.

Letztlich wird der Fall, der sich als wesentlich komplexer entpuppt als anfänglich vermutet, zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst. Fragen werden beantwortet und Beweggründe aufgezeigt. Pia erzielt noch tiefer gehende Ermittlungsergebnisse, doch sie kann mit der offiziellen Lösung des Falls leben.

Münchens Unterwelt muss sich warm anziehen. Das neue bayrische – friesische Dreamteam aus Meisterschützin und schlagkräftiger Boxerin hat es in sich. Ich vergebe die volle Punktzahl und werde beim nächsten Fall gern wieder mit ermitteln. Sehr reizvoll wäre es, Pia und Bentje auf ihrem geplanten Trip nach Tönning zu begleiten.

Die beiden Frauen haben mich rundum überzeugt – bloß meinen Wurstsalat werde ich auch künftig ohne Sauerrahm zubereiten.

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