Profilbild von odile

odile

Lesejury Star
offline

odile ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit odile über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2024

Was wäre wenn ...

Das Echo der Zukunft
0

Der erfolgsverwöhnte Workaholic Lars hat Probleme. Zwar leidet er schon seit Jahren an einer Lebensmittelallergie, aber noch nie hat ihn diese derart geschwächt. Mittlerweile wirkt sich seine schlechte ...

Der erfolgsverwöhnte Workaholic Lars hat Probleme. Zwar leidet er schon seit Jahren an einer Lebensmittelallergie, aber noch nie hat ihn diese derart geschwächt. Mittlerweile wirkt sich seine schlechte körperliche Verfassung aufs Geschäft aus und lukrative Kunden drohen abzuspringen. In dieser Notsituation kommt der Besuch seines alten Freundes Carl sehr gelegen. Und richtig, dieser hat eine Lösung. Doch dafür muss Lars über seinen Schatten springen.

Was wäre, wenn jeder von uns einen Doppelgänger hätte? In Martin S. Burkhardts Buch wird diese fantastische Vorstellung Realität. Dort existiert eine Parallelwelt. Nur in zwei Punkten unterscheidet sich diese von unserer. Jeder Doppelgänger hat einen gegensätzlichen Charakter und die Parallelwelt liegt mehrere Stunden in der Zukunft. Lars reagiert mit ungläubigem Kopfschütteln auf Carls Geheimnis. Trotz großer Zweifel lässt er sich von seinem Freund zu einer Stippvisite in die fremde Welt überreden. Und tatsächlich, der Übergang klappt problemlos. Lars verschafft sich dort die aktuellen Aktienkurse und kann mit diesem Insiderwissen in unserer Welt beachtliche Gewinne einfahren und seine Finanzagentur retten. Zunächst geht er, wie von Carl angemahnt, sehr vorsichtig mit seinem neuen Wissen um. Doch seine angeschlagene Gesundheit macht ihm weiterhin Probleme und das Verhältnis zu seiner Frau Sophie kühlt immer mehr ab. Aufgrund eines langsam wachsenden Verdachts setzt er einen Privatdetektiv auf sie an. Dessen Beobachtungen lösen eine Kette dramatischer Ereignisse aus.

Dies ist mein zweites Buch des Autors Martin S. Burkhardt. Sein Werk „Seelentausch“ hat mir Gänsehaut beschert und mich mit seinem Mix aus Grusel, Mystik und alten Geheimnissen gefesselt. Das neue Buch hat ein eher esoterisches Thema und ich war schon sehr gespannt, wie der Autor damit umgeht.

Ich wurde angenehm überrascht. „Das Echo der Zukunft“ basiert auf einem fantastischen Plot, der mich sofort gepackt hat. Martin S. Burkhardt hat eine spannende Geschichte geschrieben, die bald nicht mehr so unglaublich wirkt, wenn der Lesende sich darauf einlassen kann. Der klare, eher nüchterne Schreibstil unterstützt diesen Eindruck. Die relativ kurzen Kapitel halten die Spannung hoch und der Autor hält das schnelle Tempo bis zum Ende.

Der Hauptcharakter Lars war mir von Beginn an sympathisch. Schnell lernen wir ihn und seine Gedankenwelt kennen. Zwischenzeitlich kam er mir ein bisschen naiv bezüglich seiner Frau vor, aber das macht ihn nur authentischer. Auch seinen riskanten Plan, mit dem er sein Glück retten will, konnte ich gut nachvollziehen. Mit Carl hat er einen richtig guten Freund an seiner Seite, um den er zu beneiden ist. Die beiden haben mehr gemeinsam als Lars denkt. Genau deshalb kann Carl seinen Freund vor einem fatalen Fehler bewahren. Aus Sophie werde ich dagegen nicht richtig schlau. Wir erfahren zwar ihre Beweggründe, aber nicht, wie es dazu gekommen ist, dass sie derart kaltblütig grausam ist.
Das Cover passt ausgezeichnet zum Roman. Das Porträt einer hübschen Frau schwebt über dem Boden eines Pools. Dort, so erfahren wir bald, befindet sich der Übergang zur Parallelwelt.

Mit „Echo der Zukunft“ ist Martin S. Burkhardt ein spannender Fantasy-Thriller gelungen. Ich schätze neue Plots und dieser hat mich fasziniert. Manche Szenen sind brutal, aber nicht übertrieben gewalttätig. Die Geschichte endet anders als ich dachte. Der Schluss ist trotzdem nachvollziehbar und hat mich nicht enttäuscht. Besonders gefällt mir, dass der Autor mit seinem Plot reizvolle Gedankenspiele auslöst. Was wäre in solch einer Parallelwelt alles möglich? Würde ich die Möglichkeit nutzen, dorthin zu reisen? Um was zu tun? Gern hätte ich mehr über Carl erfahren. Wer war sein Mentor, wie hat er die Parallelwelt entdeckt und besucht er diese noch aus eigennützigen Gründen?

Ich vergebe 4,5 von 5 möglichen Sternen und eine klare Leseempfehlung für alle, die genug Fantasie haben, sich auf den fantastischen Plot einzulassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2024

Es gibt keine zwei gleichen Regenbögen

Die Goldene Schreibmaschine
0

Emily ist ein sympathisches, fantasiebegabtes Mädchen, das Bücher und Tiere liebt. Sie wohnt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern in Dubai arbeiten. Obwohl sie Oma Rose und Martin, ihren Glücksgroßvater, ...

Emily ist ein sympathisches, fantasiebegabtes Mädchen, das Bücher und Tiere liebt. Sie wohnt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern in Dubai arbeiten. Obwohl sie Oma Rose und Martin, ihren Glücksgroßvater, sehr liebt, vermisst Emily ihre Eltern schmerzlich. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, flüchtet sie an ihren Lieblingsort, die Anna-Amalia-Bibliothek. Eines Tages entdeckt sie dort den goldenen Schlüssel zu einer geheimen Bibliothek.

Mit diesem geheimnisvollen Fund beginnt ein magisches Abenteuer für Emily. Nach und nach erfasst sie die Macht, die ihr die Goldene Schreibmaschine, das Herzstück der Geheimbibliothek, verleiht. Wenn sie neue Textpassagen auf dem magischen Gerät anfertigt und damit Buchseiten ersetzt, verändert sie die Bücher und letztlich die Welt und auch sich selbst. Zunächst agiert sie vorsichtig, wird dann aber immer forscher. Sie erschafft sich glamouröse Freundschaften und neue Karrieren für ihre Eltern, die dadurch nicht auswandern müssen. Aber ihr Handeln hat auch negative Folgen. Oma Rose verliert ihren geliebten Job in der Bibliothek und Emily vernachlässigt ihre treuen Freunden Charly und Frederick sträflich. Obwohl sie bemerkt, dass ihr sadistischer Lehrer Dr. Dresskau der Geheimbibliothek auf der Spur ist, verliert sie den goldenen Schlüssel an ihn. Dresskau kennt Emilys Skrupel nicht. Er erschafft sich eine sagenhafte Karriere, macht sich zum Fürsten und befehligt eine paramilitärische Miliz, mit der er seine Mitmenschen schikaniert. Seine Traumfrau, Emilys Mutter, wird zu seiner Trophäe, die ihre Tochter jetzt mit Dresskaus Augen sieht. Emilys Unbehagen wächst ständig, doch die Geheimbibliothek wird so scharf bewacht wie Fort Knox. Gibt es noch eine Rettung vor Dresskaus Willkürherrschaft?

Carsten Henn hat wieder eine fantastische Geschichte geschrieben, die uns in ein spannendes Abenteuer entführt. Mühelos gelingt es ihm, eine wundervolle Welt zu erschaffen, in die er seine Lesenden hineinzieht. Mit seiner farbigen, bildhaften Sprache verbindet er Realität und Magie vortrefflich und verleiht seinen Charakteren Individualität. So findet Emily in ihrem ausgeprägten Ordnungssinn Halt, obwohl sie für ihre Eigenart gemobbt wird. Opa Martin leidet an beginnender Demenz, gleichzeitig ist er der Einzige, der spürt, dass die Welt aus den Fugen gerät. Überhaupt finde ich die Hauptcharaktere bis auf eine Ausnahme sehr gelungen. Den Bösewicht, den die Geschichte benötigt, finde ich zu eindimensional gezeichnet. Emily, aber auch die anderen Kinder sind der Willkür und den Launen Dresskaus von Beginn an wehrlos ausgesetzt. Niemand beschützt sie vor seinen Grausamkeiten, schon bevor er die Macht der Goldenen Schreibmaschine beherrscht. Andrerseits empfindet der Leser keinerlei Mitleid für ihn, obwohl er eine abscheuliche Kindheit und Jugend hatte.

Henn greift wichtige Themen auf wie Macht und ihr Missbrauch, das wahre Wesen von Freundschaft, die Konsequenzen, die unsere Taten nach sich ziehen und die Verantwortung, die wir dafür haben. Diese Pfeiler unseres sozialen Lebens bindet er so geschickt in seine Geschichte ein, dass die Folgen richtigen oder falschen Handelns an Emilys und Dresskaus Beispiel gut erklärt werden. Letztlich ergibt sich daraus auch die Lösung für Emilys Wunsch, ihre Welt zu retten.

Das zauberhafte Cover hat mich sofort angezogen. Es wirkt märchenhaft und stimmt gut auf die Geschichte ein. Jedes Kapitel beginnt mit dem Bild einer altmodischen Schreibmaschine mit eingespanntem Papierbogen.

Ich habe mich gern vom Autor in diese so reale und gleichzeitig so magische Welt entführen lassen. Hoffentlich folgen noch viele fantastische Erzählungen, die Junge und Junggebliebene bezaubern. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2024

Der Zweck heiligt die Mittel – oder doch nicht?

Broken Crystal
0

Die junge Milliardärstochter Crystal McCray hat sich den Umweltaktivisten von Eternal Earth angeschlossen. Als sich diese Bewegung zunehmend radikalisiert, beauftragen die besorgten Eltern mithilfe des ...

Die junge Milliardärstochter Crystal McCray hat sich den Umweltaktivisten von Eternal Earth angeschlossen. Als sich diese Bewegung zunehmend radikalisiert, beauftragen die besorgten Eltern mithilfe des FBI einen erfahrenen Söldner. Er soll die Gruppe infiltrieren und Crystal zurück zu ihrer Familie bringen. Was sich nach Routinearbeit anhört, geht spektakulär schief. So landet der Legionär, nennen wir ihn John Doe, ganz oben auf der Abschussliste des FBI.

Das Thema Klimaschutz hat in den letzten Jahren immer mehr die Aufmerksamkeit erhalten, die dringend angebracht ist. Zunehmend stellen sich engagierte Aktivisten die Frage, was sie noch tun können, um die Katastrophe zu verhindern. Tobias Miller wählte dieses Thema für seinen neuen Thriller. Die Eternal Earth-Group wird im Lauf der Geschichte immer militanter und schreckt schließlich auch vor Gewalt gegen Menschen nicht zurück. John Doe versucht, die Dynamik und Struktur der Gruppierung zu verstehen. Wer hat das Sagen? Ist Crystal tatsächlich nur das naive Groupie, wie ihre Eltern glauben? Welche Rolle spielt
das Kokain, das die Gruppe regelmäßig konsumiert? Das FBI nimmt seine Warnungen nicht richtig ernst, sondern rangelt lieber um Kompetenzen und Budgets. John Doe sieht keine Chance, Crystal zu überzeugen, sich von der Gruppe zu lösen und heimzukehren. Also versucht er die Lage zu deeskalieren und findet sich schließlich inmitten toter Aktivisten wieder. Ist Operation Crystal gescheitert?

Die Story beginnt rasant und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Tobias Miller versteht es glänzend, Spannung aufzubauen und seine Leser zu fesseln. Der Hauptcharakter kommt sehr authentisch bei mir an. Deshalb interessiert es mich tatsächlich, ob er seine Haut retten kann und seine Mission klappt. Das Thema Ökoterrorismus finde ich sehr aktuell und ein für mich spannender Plot. Millers Schreibstil gefällt mir. Er ist prägnant, hat Witz und kommt gleich zur Sache. Das übersichtliche, aber doch raffinierte Cover vervollständigt meinen guten Eindruck. Leider sind die Nebencharaktere eindimensionaler gezeichnet als die Hauptfigur und es gibt einige Längen im Mittelteil. Dafür entschädigt das tatsächliche Ende der Geschichte, das mir sehr gut gefallen hat.

Broken Crystal war mein erstes, aber nicht mein letztes Buch von Tobias Miller. Ich bin schon gespannt auf seinen nächsten Thriller.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2024

Nancys Entscheidung

Die Mitford Schwestern
0

Marie Benedict widmet den 6. Band ihrer erfolgreichen Buchreihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ den schillernden Mitford-Schwestern. Zwischen den beiden Weltkriegen waren die sechs exzentrischen ...

Marie Benedict widmet den 6. Band ihrer erfolgreichen Buchreihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ den schillernden Mitford-Schwestern. Zwischen den beiden Weltkriegen waren die sechs exzentrischen Töchter von David Freeman-Mitford, dem 2. Lord Redesdale, das skandalöse Zentrum der britischen High Society. Verwandt oder bekannt mit fast allen einflussreichen Größen der damaligen Gesellschaft nahmen sie keinerlei Rücksicht auf Konventionen. Heute wären sie wohl It-Girls oder Influencer. Der Roman umfasst neun Jahre aus dem Leben der Schwester, von 1932 bis 1941.

Zunächst lernen wir die drei älteren Geschwister Nancy, Diana und Unity kennen, die auch das ansprechende Cover zieren. Alle drei befinden sich in einer Umbruchsituation. Diana trennt sich gerade vom millionenschweren Guinness-Erben Bryan, um ganz offiziell als Geliebte des verheirateten englischen Faschistenführers Oswald Mosley zu leben. Nancy wird von ihrem Langzeitverlobten Hamish verlassen, den Diana zu diesem Schritt gezwungen hat. Die Debütantin Unity entdeckt den Faschismus für sich, was dramatische Folgen nach sich ziehen wird. Sie übersiedelt nach Deutschland, um akribisch Hitlers Leben in München zu verfolgen. Mit Strategie und Beharrlichkeit gelingt es ihr nicht nur den Führer kennenzulernen, nein, sie steigt in seinen engsten Kreis auf. Ihre zunehmende Faszination für Hitler bis hin zur Besessenheit verursachte Gänsehaut bei mir. Ähnlich ging es mir mit Dianas Hörigkeit gegenüber Mosley. Eine schöne, selbstbewusste Frau, die alles hat, erträgt jede Erniedrigung, um sich die Gunst ihres Lovers zu bewahren. Sie nutzt Unity und deren Nazifreunde skrupellos aus, um Mosleys Macht in Englands faschistischer Partei zu festigen und ihn so an sich zu binden. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt sie vor nichts zurück. Nancy lebt zunächst ein für ihre Gesellschaftsschicht typisches Leben und hat erste Erfolge als Schriftstellerin. Fatal wird für sie ihr Pech mit Männern, das zeitlebens anhält. Mit zunehmender Sorge beobachtet sie das Treiben ihrer Schwestern, da sie ahnt, dass es zum Krieg kommen wird. Im Lauf der Zeit sympathisieren immer mehr Mitfords mit den deutschen Faschisten, außer ihrer Schwester Jessica. Winston Churchill, der mit Nancys Cousine verheiratet ist und Nancys Zweifel spürt, appelliert an ihre Vaterlandsliebe.
Mit Eintritt Englands in den Krieg eskaliert die Lage. Unity unternimmt einen Selbstmordversuch in München, auf den Diana eher verärgert als mitfühlend reagiert. Nancy überwindet ihre Skrupel und spioniert undercover für Churchill. Sie schätzt Diana inzwischen als echte Gefahr für ihr Land ein. 1940 wird Mosleys Partei BUF verboten, ein Jahr später werden Diana und er interniert.

Die Idee, die einzelnen Kapitel jeweils aus der Sicht einer der Schwestern zu schildern, erweist sich als genial. Durch den Perspektivenwechsel fällt es leichter in die Geschichte hineinzufinden. Dabei ist Nancy die Haupterzählerin. Nur ihre Kapitel sind aus der Ich-Perspektive geschrieben. Der anschauliche, gute Schreibstil und die kurzen Kapitel erlauben ungestörtes Lesen. Benedict gelingt es mühelos, ihre Leser zu fesseln. Sie zeigt glaubhaft, wie sich ihre Hauptcharaktere entwickeln.
Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich die Schwestern waren. Schade, dass die jüngeren selten erwähnt werden. Gerade Jessica, die sich als überzeugte Kommunistin politisch sehr von ihren Schwestern unterschied und in die USA auswanderte, hätte ich mehr Raum gewünscht. Die Haltung der Eltern war für mich nicht nachvollziehbar. Der Vater entwickelt sich vom „Hunnenhasser“ zum Fürsprecher für Hitler im House of Lords. Die Mutter wird zur glühenden Nazianhängerin. Für meinen Geschmack fällt das Nachwort zu knapp aus. Ich hätte gern mehr Informationen darüber gehabt, was an dem Roman fiktiv ist, gerade, weil schon die reale Geschichte so unglaublich anmutet.

Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wie diese gutsituierten, wohlhabenden Frauen in den Bann derart radikaler politischen Ansichten geraten konnten. Können wir daraus Schlüsse für die aktuelle politische Situation ziehen? Nicht die Altnazis und Skinheads sind die größte Gefahr für unsere Demokratie. Eher die Dianas und Unitys unserer Zeit und ihre männlichen Pendants.

Ich empfinde diesen Band nicht als den besten der erfolgreichen Reihe. Trotzdem ist er, besonders für Geschichtsinteressierte, sehr lesenswert. Ich gebe gute 4 von 5 möglichen Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2024

Ein wirklich perfider Mord

Wilder Wein
0

Sein 8. Fall führt Commissaire Luc Verlain nach Sauternes, dem Mekka des Süßweins. Eine junge Ökowinzerin, Charlotte Malroix, wurde Opfer einer Gärgasvergiftung. Die Polizei vor Ort behandelt den Tod als ...

Sein 8. Fall führt Commissaire Luc Verlain nach Sauternes, dem Mekka des Süßweins. Eine junge Ökowinzerin, Charlotte Malroix, wurde Opfer einer Gärgasvergiftung. Die Polizei vor Ort behandelt den Tod als Unfall. Lucs Intuition sagt etwas Anderes und so beginnen er und sein Kollege Commandant Yacine Zitouna zu ermitteln.

Eigentlich hat sich Luc auf ein paar ruhige Tage gefreut, denn Anouk, seine Chefin und Lebensgefährtin, ist mit dem gemeinsamen Töchterchen Aurelie für ein paar Tage zu ihrem Vater nach Venedig gefahren. Doch die tote Winzerin sabotiert seine Pläne. Im Weindorf stoßen die Ermittler auf eine Mauer des Schweigens. Das Opfer, das Glyphosat und Pestizide bekämpfte, eckte nicht nur bei den konventionellen Winzern an. Charlotte hatte viele Feinde. Wurde einer davon zum Mörder? Eine ambitionierte Spurensucherin und der junge Gerichtsmediziner können den Tathergang rekonstruieren. Charlotte wurde tatsächlich ermordet. Lucs Bauchgefühl war richtig. Gemeinsam mit seinem Partner Yacine ermittelt er in verschiedene Richtungen. Eine heiße Spur entpuppt sich als falsch. Wurden die Ermittler gezielt in die Irre geführt? Mit der tatkräftigen Unterstützung von Anouk und des Journalisten Robert Dubois gelingt es Luc Verlain den kniffligen Fall zu lösen.

Das einladende Cover verlockt zur Reise nach Frankreich. Alexander Oetker versteht es einmal mehr, dem Leser französisches Lebensgefühl zu vermitteln. In jedem Kapitel spürt man seine hervorragende Kenntnis der Grande Nation und ihrer Bewohner. Seine Charaktere vermitteln uns ihr Savoir-vivre und die französische Mentalität. Luc hat seinen Platz im Leben gefunden, privat wie beruflich. Seine Lebensgefährtin Anouk, die jüngste Polizeichefin des Landes, genießt es bei diesem Fall, ihren Schreibtisch zu verlassen und mal wieder aktiv zu ermitteln. Yacine, der Pariser, hat sich nach knapp sechs Monaten bestens in Bordeaux eingelebt und bildet mit Luc ein harmonisches, erfolgreiches Team. Brigadier Hugo Pannetier wird dieses Mal von einer Grippe ausgebremst, lässt es sich aber nicht nehmen, quasi vom Krankenbett aus die nötigen Recherchen durchzuführen.

Der Autor hat gut recherchiert. Ganz nebenbei erfährt der interessierte Leser, warum in Sauternes im Château d’Yquem der teuerste Wein der Welt gekeltert wird (u.a. bis zu 13 Lesegänge pro Jahr, einzigartiges Mikroklima) oder welches der beste Jahrgang des 19. Jahrhunderts war. Auch die kulinarischen Kenntnisse von Alexander Oetker sind vom Feinsten. Nicht von ungefähr hat er ein preisgekröntes Kochbuch geschrieben. Luc und sein Team speisen vorzüglich, da läuft dem Leser das Wasser im Mund zusammen. Über allem kommt der Kriminalfall für meinen Geschmack dieses Mal ein wenig zu kurz. Es hat mich aber nicht groß gestört, denn für Spannung ist durchaus gesorgt. Mehrere Tatmotive werden aufgedeckt und es gibt mindestens eine falsche Fährte. Am Ende wird der Mord lückenlos aufgeklärt und alle Fragen beantwortet.

Eines steht jedenfalls fest. Ich werde Luc auch bei seinem 9. Fall begleiten. Vielleicht führt uns dieser ins französische Baskenland? Im Epilog bittet ein alter Bekannter, Commissaire Etxeberria aus Biarritz, Luc um Amtshilfe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere