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Veröffentlicht am 27.02.2026

„Die beste Detektivgeschichte des Jahres“ – The Times Literary Supplement, 1. November 1941

Miss Betony in Gefahr
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Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende ...

Miss Emma Betony steht vor einer schweren Entscheidung. Trotz ihrer drohenden Altersarmut schreckt sie davor zurück, das angebotene Zimmer in der Toplady-Seniorenresidenz zu akzeptieren. Zwei eingehende Briefe erleichtern ihre Wahl. Einmal das erneute Schreiben einer Partnerschaftsvermittlung im durchsichtigen Umschlag, die sie niemals kontaktiert hat und das ihr peinlich ist. Zum anderen der Hilferuf einer ehemaligen Schülerin, Grace Aram, die dringend den Beistand der älteren Freundin in ihrem Mädchenpensionat benötigt. Also eilt Miss Betony nach Dorset um zu helfen. Dort findet sie eine Situation vor, mit der sie nicht gerechnet hat.

Dorothy Bowers hat in Oxford Geschichte studiert und nach dem Abschluss als Lehrerin und Reporterin gearbeitet. Sie schrieb Gedichte und fünf Kriminalromane, von denen der 1941 erschienene Band „Miss Betony in Gefahr“ der erfolgreichste ist. Er brachte ihr die Aufnahme in den renommierten Detection Club ein, zu dessen Mitglieder Dorothy L. Sayers, G. K. Chesterton und Agatha Christie zählten. Leider starb die Autorin bereits 1948 im Alter von 46 Jahren.

Miss Betony muss feststellen, dass die Dinge in der Privatschule von Grace Aram anders liegen als gedacht. Die Freundin benötigt nicht nur eine zusätzliche Lehrkraft, sondern vor allem eine Vertraute. Das Anwesen, das sie für ihr Mädcheninternat Makeways angemietet hat, um den Bomben in London zu entkommen, bringt eine schwerwiegende Verpflichtung mit sich. Zwei hochbetagte Damen, die sich weigern, das ehemalige, jetzt aufgelöste Pflegeheim zu verlassen, müssen von Miss Aram übernommen werden bzw. diese muss für ihre Betreuung vor Ort sorgen. Das gestaltet sich neben dem Schulbetrieb als schwierig. Seit kurzem wurden zudem auf eine der alten Ladys mehrere Giftanschläge verübt. Miss Betony soll Grace bei der Suche nach dem potenziellen Mörder helfen. Bald stellt sich Emma die Frage: Wer ist der große Ambrosio? Anscheinend kontaktieren alle Damen des Anwesens diesen ominösen Hellseher - von der Schülerin bis zur alten Dame.

Miss Betony ist eine gebildete Frau, Anfang der Sechzig, die in ihrem Beruf als Gouvernante und Lehrerin schon einiges erlebt hat. Sie pflegt das Image der unscheinbaren, alten Frau, dabei ist sie intelligent, fähig und hat schon etwas von der Welt gesehen. Die Autorin hat mit ihrer Heldin einiges gemeinsam. Beide stammen aus ähnlichen Verhältnissen, Betonys Vater war Gemüsehändler, der von Bowers Bäcker. Beide haben als Lehrerinnen gearbeitet und im Krieg materielle Not kennengelernt. Auch die anderen Charaktere sind gut getroffen. Grace, die verbitterte Waise, die sich als vom Leben benachteiligt sieht, die geschwätzige Krankenschwester Swain, die erfahrene Hausmutter Deakin oder der eingebildete, schroffe Dr.Bold.

Da die Geschichte vor mehr als 60 Jahren geschrieben wurde, unterscheidet sich die Sprache deutlich von modernen Erzählungen. Doch die Neubearbeitung erfolgte geschickt und macht die Lektüre des Buches, das jetzt erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegt, lesenswert. Die Einblicke in längst vergangene Zeiten empfinde ich als aufschlussreich und spannend. Fans solcher alter Schätzchen, die bereit sind, sich auf Vintage-Krimis einzulassen, werden hier gut bedient.

Dorothy Bowers war eine Verfechterin von Kriminalromanen, in denen alle Hinweise unauffällig in die Geschichte einfließen. Diesem Anspruch wird sie in „Miss Betony in Gefahr“ gerecht. Die Atmosphäre in Makeways wird immer düsterer und angespannter. Ein unerwarteter Todesfall öffnet Miss Betony die Augen über das wahre Geschehen. Der Krimi endet in einem spannenden Showdown und der mysteriöse Fall wird restlos aufgeklärt.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Mord auf hoher See

Trügerisches La Rochelle
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Clément Chevalier verbringt seinen freien Samstag mit harter körperlicher Arbeit, denn er hilft seinem Schwager Bertrand beim Säubern und Wenden der schweren Austernsäcke. Doch bald stört sein Handy und ...

Clément Chevalier verbringt seinen freien Samstag mit harter körperlicher Arbeit, denn er hilft seinem Schwager Bertrand beim Säubern und Wenden der schweren Austernsäcke. Doch bald stört sein Handy und ruft ihn zu einem ungeklärten Todesfall. Der ungewöhnliche Schauplatz des möglichen Verbrechens: Das riesige Errichterschiff „Rochefort“, von dem aus Windräder installiert werden. Ein Schnellboot der Polizei bringt den Kommissar und sein Team zum Tatort, da Kommandant Vignaud Helikopterflüge nur im äußersten Notfall genehmigt. Das Ziel ist bald erreicht. Doch wie an Bord kommen? Mittels eines waghalsigen Manövers, das nur ein Teil seiner Kollegen mitmacht, gelangt Chevalier auf das Schiff, das nicht im Wasser liegt, sondern auf sechs hohen Stelzen steht. So schwierig wie der Tatort zu erreichen war, so kompliziert gestalten sich die Ermittlungen.

Jean-Claude Vinet schickt seinen Commissaire Chevalier im vierten Fall auf ein Installationsschiff für einen Offshore-Windpark. Der originelle Tatort verleiht dem Verbrechen eine zusätzliche Facette. Nachdem ich mich mit der Technik des überraschenden Settings vertraut gemacht hatte, ein Video erwies sich in meinem Fall als sehr hilfreich, wurde ich spannend unterhalten.

Wie kam der unbeliebte Sicherheitsbeauftragte Alain Poyet ums Leben? War es ein Unfall, Mord oder Totschlag? Der schwer erreichbare Schauplatz des Todesfalls birgt auch einen Vorteil: Schnell ist klar, dass nur einer der 73-köpfigen Besatzung an Bord der Täter sein kann, den Chevalier mittlerweile sucht. Denn Poyet starb nicht durch einen Unfall.

Die Sprache des Autors ist eingängig und facettenreich. Der Leser lernt nicht nur Aufbau und Funktion eines Installationsschiffes kennen, auch die Diskussion über die Vor- und Nachteile von Windkraft gegenüber Atomenergie und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung werden thematisiert.

Die Charaktere sind für mich überzeugend. Da ich auch die anderen Fälle von Commissaire Chevalier gelesen habe, waren sie mir schon vertraut. Für Neueinsteiger in die Serie erweist sich das Namensverzeichnis am Ende des Krimis als hilfreich. Für sie wird der Start in die Reihe auch dadurch erleichtert, dass der Werdegang Chevaliers, seine Vergangenheit, seine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sowie seine private Situation, kurz erklärt werden. Der Kommissar ist ein Familienmensch, der aber auch für sein Team da ist, hier für seine Kollegin Sophie und deren Sohn. Chevaliers Privatleben lockert die Ermittlungen auf, ohne dass es zu viel Raum einnimmt.

Die Tätersuche erweist sich schwierig trotz des abgeschotteten Schauplatzes. Verschiedene Verdächtige und Motive geraten in den Fokus der Ermittler und werden wieder verworfen. Die Überprüfung der Kameras vor Ort ist zeitaufwändig, aber wenig ergiebig und die Befragung der Crew erweist sich als zäh. Die misstraut Außenstehenden und hält zusammen. Der Arbeitgeber und Eigner der „Rochefort“ erweist sich als fragwürdig. Nicht nur wird versucht, das Gutachten zur Schuldfrage bei einem Arbeitsunfall massiv zu manipulieren, die Arbeiter werden auch ohne ihr Wissen ausgespäht

Am Ende wird der Fall gelöst, der für mich überraschende, aber durchaus überzeugende Mörder gefasst. Die Ermittlungen, die zu einem guten Teil, aber nicht nur, auf der „Rochefort“ stattfanden, haben mich gefesselt. Die Spannung blieb bis zum Abschluss der Ermittlungen bestehen. Das spezielle Setting und seine, für mich, bedrückende, düstere Atmosphäre tragen zum Reiz des Krimis entscheidend bei. Als Gegenpol wird das Lokalkolorit von La Rochelle, seine Bewohner, die schöne Landschaft, das leckere Essen etc. gut eingefangen. Ein paar Fragen am Rande bleiben offen, so zur geheimnisvollen Vergangenheit von Cléments Mutter oder zum fragwürdigen Umgang des unbeliebten Kommandanten Vignaud. Aber auch ohne diese Mini-Cliffhanger bliebe ich der Reihe weiterhin treu.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Fünf tote Geier fressen vierundzwanzig Katzen im Mondschein

Das Signal
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Viola erwacht in einem schlimmen Albtraum. Sie liegt im Krankenhaus, weil ihr alter Weinkeller eingestürzt ist und sie unter seinen Trümmern begraben hat. Ihr linkes Bein muss amputiert werden. Die junge ...

Viola erwacht in einem schlimmen Albtraum. Sie liegt im Krankenhaus, weil ihr alter Weinkeller eingestürzt ist und sie unter seinen Trümmern begraben hat. Ihr linkes Bein muss amputiert werden. Die junge Frau ist am Boden zerstört und ebenso fassungslos wie ihr Ehemann Adam. Doch trotz allen Kummers fragt sie sich bald, wie der Unfall passieren konnte. Warum sollte sie in ein abgesperrtes, einsturzgefährdetes Gewölbe gehen? Und das bleibt nicht die einzige Ungereimtheit, die ihr auffällt.

„Das Signal“ ist der neueste Thriller von Ursula Poznanski. Ich war schon sehr gespannt auf das Buch und wurde nicht enttäuscht.

Wie reagiert eine aktive, erfolgreiche Mittdreißigerin, die plötzlich mit einer schweren körperlichen Einschränkung konfrontiert wird? Mit Depressionen oder Paranoia? Viola ist zunächst schwer angeschlagen und verunsichert. Der Schatten vor der Tür, die Geräusche in der Nacht. Sind sie real? Bald erkennt sie, dass es so nicht weitergehen kann und beschließt, ihr neues Leben in den Griff zu bekommen. Schnell merkt sie, dass ihre Pflegerin Otilia, sie nicht nur versorgt, sondern auch überwacht und bespitzelt. Ihr Mann hat die Betreuerin ohne Rücksprache mit Viola eingestellt und besteht, angeblich aus Sorge, auf ihrer Weiterbeschäftigung. Seine Frau meint ein verändertes Verhalten Adams ihr gegenüber zu spüren. Sie ist emotional im Zwiespalt. Fortan macht sie nicht nur fleißig ihre Übungen, sondern sinnt auch auf eine Möglichkeit, sich Gewissheit zu verschaffen. Über Adam, über Otilia und über den Grund für ihren Unfall, an den sie sich nicht erinnern kann. Antworten auf diese Fragen tun not, denn auch Viola hütet ein brisantes Geheimnis.

Ursula Poznanski schafft es, schleichend eine düstere, immer bedrohlichere Atmosphäre aufzubauen, in der eine Art Katz-und-Maus-Spiel abläuft. Der Hauptcharakter Viola gerät zunehmend unter Druck und scheint in einer ausweglosen Situation gefangen. Doch die junge Frau verfügt über Kreativität, Intelligenz und einen starken Charakter. Sie beißt die Zähne zusammen, wägt ab, welche Optionen ihr bleiben, welche am vielversprechendsten sind und wie sie sich und ihr Geheimnis schützen kann. Auch die anderen Charaktere wirken glaubwürdig. Doch die Figur, mit der ich stets mitfieberte, ist Viola. Wird sie es schaffen, Antworten zu bekommen? Wird sie überleben? Mit ihrem klaustrophoben Beinah-Kammerspiel hat mich Ursula Poznanski erneut in ihren Bann geschlagen. Etliche Winkelzüge und Wendungen sorgen für dauerhafte Spannung. Die Bedrohung wächst subtil, der eher leise Thriller kommt mit wenig Gewalt aus. Nichts ist so, wie es scheint. Scheinbar Sinnloses wird plötzlich verständlich.

Ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Viola weitergeht. Die Spannung hält bis zuletzt und das Ende ist schlüssig. Von mir gibt es die volle Punktzahl.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

I love Cheddar

Mord & Breakfast
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Melody arbeitet als Journalistin in London. Sie glaubt fest daran, dass sie mit ihrem aktuellen Artikel den ersehnten Karrieresprung schaffen wird. Doch es kommt anders als erwartet, sie wird unter einem ...

Melody arbeitet als Journalistin in London. Sie glaubt fest daran, dass sie mit ihrem aktuellen Artikel den ersehnten Karrieresprung schaffen wird. Doch es kommt anders als erwartet, sie wird unter einem fadenscheinigen Vorwand gefeuert. Jetzt steht sie vor dem Nichts und weiß nicht, wovon sie ihre Miete zahlen soll. Da kommt ihr das Erbe einer Verwandten, die sie kaum kannte, wie gerufen. Also reist sie nach Schottland. Die Hinterlassenschaft von Tante Mabel entpuppt sich als luxuriöse Bed & Breakfast-Pension samt einer stattlichen Geldsumme und der Bulldogge Cheddar. Melody beschließt, ein paar Wochen in Seagull Bay zu bleiben. Um sich das Erbe zu sichern, aber auch um Antworten auf einige Fragen zu finden. Ihre unstillbare Neugier bringt sie bald in verzwickte Situationen.

Anne Gordon nimmt uns in „Mord & Breakfast“ mit nach Schottland in das charmante kleine Hotel „Coastal Inn“ in traumhafter Umgebung. Die Heldin Melody hat Glück im Unglück als ihr ein stattliches Erbe zufällt, gerade als sie durch eine üble Aktion arbeitslos wird. Doch ganz so unkompliziert wie gedacht, erweist sich die Hinterlassenschaft von Tante Mabel nicht. Schnell findet Melody heraus, dass ihre Verwandte über die Einwohner von Seagull Bay Dossiers angelegt und ihren Wohlstand zumindest teilweise durch Erpressung erworben hat. Noch schwerer wiegt Melodys Erkenntnis, dass Mabel nicht nur unbeliebt war, sondern offensichtlich ermordet wurde. Davon will der behäbige DS Johnson allerdings nichts wissen. Um dem Killer auf die Spur zu kommen, sieht Melody sich daher gezwungen, Mabels Kartei zu studieren.

Von der legendären Miss Marple wissen wir, dass ein scharfsinniger Beobachter allerhand Verbrechen in scheinbar idyllischen Dörfern entdeckt. Seagull Bay scheint in dieser Hinsicht St. Mary Mead noch in den Schatten zu stellen. Wie Melody nach und nach Antworten auf ihre Fragen bekommt und mehr Informationen findet als sie möchte, ist vergnüglich zu lesen. Anne Gordon schreibt flüssig und bildhaft. Ihre Charaktere verfügen teilweise über ein erstaunliches kriminelles Talent. Melody selbst wurde mir im Lauf der Geschichte immer sympathischer und einige ihrer Handlungen fand ich kreativ und erfrischend, vor allem ihr „Geschenk“ für Jonathan. Für das Problem mit Mabels Kartei findet sie kreative, aber passende Lösungen. Den anderen Charakteren fehlt es (noch?) an Tiefe, was sich in den nächsten Bänden vermutlich ändern wird.

Mich hat „Mord & Breakfast“ gut unterhalten. Das Lokalkolorit, von Haggis bis Highland Games, wird anschaulich vermittelt. Ganz zu schweigen von der atemberaubenden Landschaft. Melody findet hier unerwartet ein Zuhause und verliebt sich. Nicht alle ihre Fragen werden beantwortet, so die nach ihrem Vater. Allerdings finde ich, dass es dem vergnüglichen Wohlfühl-Krimi leider etwas an Spannung fehlt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass ein Cosy Crime mit wenig Gewalt auskommen sollte. Das ist hier gut umgesetzt. Aber es mangelt der Geschichte an gefährlichen Situationen, die letztlich die Würze jeden Krimis ausmachen. Trotzdem werde ich dem angekündigten zweiten Band eine Chance geben. Schon wegen Cheddar, der liebenswerten kleinen Bulldogge, die nicht nur Melody, demente, alte Ladys und trotzige Teenager bezaubert hat, sondern auch mich.

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Veröffentlicht am 20.02.2026

Mord ist ihr Hobby

Alpenmord und Almgedudel
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Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem ...

Die Brunners machen Urlaub im schönen Tirol. Die 4-köpfige Familie besteht aus Vater Franz, der als Allgemeinarzt arbeitet, der Lehrerin Brigitte und ihren Kindern, Max und Rebecca. Wie sie da aus ihrem nostalgischen VW-Oldtimerbus steigen, wirken sie wie das Klischee einer Musterfamilie. Dafür spricht auch, dass die sechzehnjährige Tochter und ihr zwei Jahre älterer Bruder die Ferien freiwillig mit den Eltern verbringen. Mit der Wahl des Quartiers hat Brigitte voll ins Schwarze getroffen, denn die Pension Mili entpuppt sich als wahres Idyll. Auch die Speckknödel der Pensionswirtin munden vorzüglich. Der anschließende Verdauungsspaziergang in die Tiefenbachklamm offenbart eine wunderschöne Landschaft, die zur Erholung einlädt. Alles ist einfach perfekt - bis auf die Leiche, die mausetot am Fuß der Schlucht liegt.

Was anderen den Urlaub gründlich vermiesen würde, lässt diese Familie aufblühen. Wie wir erfahren, interessieren sich alle vier sehr für Mord. Das geht vom Erfinden skurriler Todesfälle als Ratespiel bis hin zum Nachspielen von Verbrechen im Rahmen eines Krimidinners. Sozusagen als Experten zweifeln die Brunners das Urteil der Polizei - bedauerlicher Unfall! - an. Fallstudien mit einem selbstgebauten Dummy bestätigen ihre These: Der Tote in der Tiefenbachklamm wurde ermordet! Bedauerlicherweise interessiert sich die Polizei nicht im Geringsten für die Erkenntnisse der „verrückten Wiener.“ Was bleibt ihnen also übrig?

Was jetzt folgt, ist ein wahres Feuerwerk an taktischen Ermittlungsschritten. Dabei scheut Familie Brunner kein Opfer. Ob der Umzug von der kuschligen Pension ins sterile Luxushotel eines Verdächtigen oder die erste Teilnahme an einer Demonstration, die Wiener Amateurermittler sind dabei. Tatsächlich wird ihre Liste an möglichen Motiven und Tätern schnell länger, was zu teilweise skurrilem, aber immer kreativem Vorgehen führt. Wirklich erstaunlich, was die Brunners alles ans Licht bringen. Leider geraten unsere Spürnasen durch ihre Beharrlichkeit in tödliche Gefahr. Ein rasanter Showdown zu ihrer Rettung beginnt. Werden die Brunners überleben?

Der Autor Tim Eckhaus hat die Gruppe der Amateurdetektive um eine toughe Familie erweitert, deren Fähigkeiten sich trefflich ergänzen. Vater Franz bringt die anatomischen Fachkenntnisse mit, während Mutter Brigitte einen McGyver dank ihrer handwerklichen Fähigkeiten alt aussehen lässt. Sohn Max ist für die Sparten Sport und Charme zuständig und Tochter Rebecca punktet als menschliche „Wikipedia“. Eckhaus schreibt flüssig und humorvoll. Als Österreicher kennt er die Vorbehalte seiner Landsleute gegenüber den Einwohner ihrer Hauptstadt und spart nicht an entsprechenden Spitzen. Auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Die schöne Landschaft und die köstliche einheimische Küche werden ausdrücklich gewürdigt.

Am Ende werden unsere Hobbyermittler aus ihrer misslichen Lage befreit und der Täter gefasst. Bis zum Schluss hat mich dieser Cosy Crime vergnüglich und kurzweilig unterhalten. Der Krimi kommt mit erfreulich wenig Gewalt aus und ist trotzdem spannend. Da „Alpenmord und Almgedudel“ der Auftaktband für eine neue Reihe ist, kann ich mich auf das nächste Abenteuer der Brunners freuen. Ich bin schon gespannt, in welche landschaftlich schöne Region mich Tim Eckhaus dann entführt.

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