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Veröffentlicht am 11.02.2026

Warum muss der Abbé sterben?

Der Kommissar und der Mord von Valognes
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Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe ...

Philippe und Odette heiraten! Abbé Jean-Marie traut das glückliche Paar auf der malerischen Grande-Île und feiert vergnügt mit der Hochzeitgesellschaft. Nur vier Tage später findet Commissaire
Philippe Lagarde den Geistlichen tot im Pfarrhaus. Erhängt. Seine Zweifel am Selbstmord des Abbés bestätigen sich bald. Erschüttert beschließt Philippe, seinen Freund und Kollegen Ludovic Leroc, bei den Mordermittlungen zu unterstützen.

"Der Kommissar und der Mord von Valognes" ist der 15. Fall, in dem Maria Dries ihren Ermittler Philippe Lagarde auf Mörderjagd schickt. Wie erhofft, hat mich der spannende Krimi gut unterhalten. Er ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos lesbar.

Wer tötet einen beliebten Abbé? Bald findet Lagarde erste mögliche Tatverdächtige. Da ist der Vater, dem die Tochter weggenommen wurde, weil der Geistliche die häusliche Gewalt gegen das Kind zur Anzeige brachte. Ein weiteres Motiv könnten die Probleme des Abbés mit dem Zölibat sein. Wer war die Frau, die er regelmäßig traf? Wenige Tage später wird ein pensionierter Lehrer tot aufgefunden. Erwürgt wie der Geistliche. Leroc und Lagarde versuchen herauszufinden, ob die beiden Mordopfer sich kannten. Die Ermittlungen führen sie bis auf eine abgelegene kleine Insel vor der bretonischen Küste und in eine tödliche Falle.

Maria Dries schreibt flüssig und bildhaft. Das Lokalkolorit nimmt einen angemessenen Raum ein, nicht nur Land und Leute, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten. Ihre Charaktere sind stimmig und bodenständig. Philippe Lagarde ist ein sympathischer, kultivierter Mensch, der nach einer schweren Verletzung den aktiven Polizeidienst quittiert hat. Jetzt unterrichtet er an der Akademie von Rennes und fungiert gelegentlich als Berater der Ermittlungsbehörden. Seiner Frau, der erfolgreichen Gastronomin und Spitzenköchin Odette, unterschlägt er gern, in welch gefährliche Situationen er bei seinen Ausflügen in die Welt der Mordermittler gerät. So auch dieses Mal.

Die Geschichte wird aus verschieden Perspektiven und mit Rückblicken in die Vergangenheit, Anfang des 21. Jahrhunderts erzählt. So schält sich für den Leser allmählich ein Tatmotiv heraus. Bis zum Showdown hält die Spannung an. Lagarde und Leroc können schließlich den schwierigen Fall logisch aufklären. Es bleiben keine Fragen offen. Mir hat gut gefallen, dass nicht nur das Motiv, sondern auch der Auslöser der Mordserie erklärt wird.

Jetzt kann der Commissaire beruhigt seine Hochzeitsreise antreten. Bei der Höhlentour in der Ardèche würde ich Odette und Philippe gern begleiten. Aber wer weiß, vielleicht entdecken sie dort einen gemeuchelten Höhlenforscher?

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Wie viele Mörder beherbergt eine Seniorenresidenz?

Betreutes Morden
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Wer wäre besser für die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Altersheim geeignet als eine Serienmörderin im Ruhestand? Carol ist fest davon überzeugt, dass sie die ideale Ermittlerin abgibt. Eigentlich ...

Wer wäre besser für die Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls im Altersheim geeignet als eine Serienmörderin im Ruhestand? Carol ist fest davon überzeugt, dass sie die ideale Ermittlerin abgibt. Eigentlich bleibt ihr auch nichts Anderes übrig, denn seit alle im Heim ihre Vergangenheit kennen, reagieren sie seltsam in ihrer Gegenwart. Jetzt hat Gregory stets einen Cricketschläger bei sich und Catherine einen Stein in der Socke. Dabei hat Carol ihrem mörderischen Hobby längst abgeschworen. Nach 35 Jahren im Knast genießt sie ihre Freiheit und sucht Freunde. Ihr ist klar, dass daraus nichts wird, solange sie mordverdächtig ist. Also beginnt sie zu ermitteln.

Der Schauspieler und Comedian Fergus Craig veröffentlicht seit 2021 Krimis. „Betreutes Morden“ ist der erste ins Deutsche übersetzte. Seine Senioren haben es in sich, nicht nur die Serienkillerin in Rente.

Sheldon Oaks ist eine luxuriöse Seniorenresidenz, die besonders anziehend auf Ermittler und Juristen wirkt. Als Carol nach langer Haft ein gemütliches Plätzchen für ihren Ruhestand sucht, kauft sie sich ausgerechnet hier eine Wohnung. Woher sie dafür nach über 35 Jahren Knast die Kohle hat, erfahren wir später. Sie lebt sich rasch ein und genießt ihre neue Umgebung. Dass der Mord in der Wohnung über ihr all das gefährdet, spürt sie sofort, als einer ihrer Mitbewohner sie outet. Die Polizei nimmt sie umgehend in Gewahrsam und freut sich über die schnelle Lösung des Falls. Doch mangels Beweisen muss Carol schnell wieder freigelassen werden. Bald ermittelt sie gemeinsam mit der Juristin und Ex‑Innenministerin Margret, dem früheren Detective Chief Inspector Gregory und der ehemaligen Rechtsmedizinerin Catherine. Dann erschüttert ein zweiter Mord Sheldon Oaks. Doch erst nach dem dritten Todesfall wird die Mordserie aufgeklärt. Die Lösung ist logisch, aber der Fall war deutlich kniffeliger als es zu Beginn aussah.

Fergus Craig schreibt flüssig und originell. Seine teils skurrilen Beschreibungen sind unterhaltsam und mitunter richtig witzig. Ob der Business-Sprech eines verwöhnten Erben oder der Rache-Sex eines Paares jenseits der 70. Überhaupt liebt der Autor das Stilmittel der Überzeichnung, aber manchmal übertreibt er etwas. So nervt Geoffrey zumindest am Anfang zu heftig, um noch sympathisch zu sein und Carol vertraut ihrem Tagebuch ein, zwei verstörende Details an, die für einen Cosy Crime zu heftig und völlig unnötig sind.

Schnell wird klar, der Mensch im Altersheim ist weder weiser noch abgeklärter. Auch dort befindet sich ein Querschnitt der Gesellschaft. Während die eine als ein Täter gesucht wird, sofort die Rassismuskarte zieht, versteifen sich die anderen auf Carol. Natürlich ohne den geringsten Beweis. Amüsant sind die Gedanken, die sich die Beschuldigte dazu und über andere Themen macht. Tatsächlich mausern sich Carol und ihre drei Mitstreiter zu einem fähigen Ermittlerteam und ziehen alle Register. Catherine und Margret nutzen ihre weit reichenden Kontakte, während unsere ehemalige Mörderin das senile alte Mütterchen gibt und so Verdächtige zu unbedachten Äußerungen provoziert. Wie bei vielen Cosy Crimes passen das britische Flair und der spezielle Humor hervorragend. „Betreutes Morden“ erinnert in Teilen an den „Donnerstagsmordclub“ wie an „Mrs Potts Mordclub“, nur ist der Humor bissiger und die Rentner etwas unkonventioneller.

Tatsächlich ist dieser Cosy Crime aber eine Hymne an die Freundschaft und so ist auch das Ende erklärbar. Doch besteht realistische Hoffnung, dass wir bald im zweiten Fall ermitteln dürfen und dann auch die Charaktere besser kennenlernen.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Wenn die Lady mit dem Butler ...

Nightingale
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Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der ...

Was erwartet eine junge Frau aus Massachusetts, die einen echten englischen Lord heiratet? Lydia schwebt nach ihrer aufregenden Hochzeitsreise auf Wolke Sieben. Die Verhaftung ihres Mannes, kurz nach der Rückkehr nach Ravensridge, dem Stammsitz der Familie, holt sie unsanft in die Realität zurück. Lord Nigel Nightingale soll seine ehemalige Geliebte ermordet haben. Lady Lydia zweifelt keine Sekunde an ihrem Mann und ergreift die Initiative ...
Mit "Nightingale: Tod im Musensaal" ist Danielle Weidig ein unterhaltsamer Auftakt ihrer neuen Cosy Crime-Reihe gelungen.

Eine italienische Künstlerin, die Malerin Florentine Moretti, wird tot im Musensaal des Kunstmuseums von Whispering Pines gefunden. Nahe der Leiche prangt ein Graffiti "Tod den Nightingales". Bald stellt sich heraus, dass die junge Frau vergiftet wurde. Alle Indizien weisen auf Lord Nigel als Täter hin. Da sie keine Sekunde an der Unschuld ihres Mannes zweifelt, wohl aber an der Kompetenz der Polizei, beginnt Lydia selbst zu ermitteln. Tatkräftig wird sie dabei vom vielseitigen Butler ihrer Schwiegermutter, Godfrey, unterstützt. Dank ihres Könnens als Maskenbildnerin und Schauspielerin gelingt es der unerschrockenen Lydia neue Beweise zu finden. Godfrey erweist sich dabei als wertvoller Helfer. Doch je näher sie der Lösung des Falles kommt, umso größer wird die Gefahr, in die sie sich begibt.

Lydia, eine unkonventionelle US-Amerikanerin, hat aus Liebe, nicht aus Kalkül ihren englischen Lord geheiratet. Sehr spontan bzw. unüberlegt, wie es Lydias Mutter nennt. Ihre zukünftige Rolle an der Seite eines britischen Adligen hat sie dabei nicht bedacht. Anders als in Boston, scheint ihr Leben in Whispering Pines zukünftig aus Charity Events und Teekränzchen mit ihrer snobistischen Schwiegermutter zu bestehen. So energisch wie sie die Entlastung Nigels angeht, bezweifle ich sehr, dass sie auf ihren geliebten Beruf verzichten und sich künftig auf gepflegtes Nichtstun und Repräsentieren beschränken wird. Neben unserer sympathischen Heldin hat mir vor allem der unerschütterliche Butler imponiert, der fast immer seine Haltung bewahrt und stets für überraschende Lösungen gut ist. Godfrey ist tatsächlich ein Mann für alle Fälle. Seine Phraseologismus-Schwäche, das bedeutet, er verdreht Sprichwörter wie "Reden ist Silber, Schweigen Platin" lockert seine steife Perfektion charmant auf. Die anderen Charaktere bleiben noch etwas flach, was sich in den späteren Fällen bestimmt ändern wird. Nur die Buchhändlerin Zara Baptiste und der clevere Kater Winston stechen heraus. Danielle Weidig schreibt flüssig und versteht es hervorragend, Ravensridge und Whispering Pines vor unseren Augen entstehen zu lassen. Sehr gut ist Lydias Unbehagen in ihrer neuen Rolle nachzuvollziehen.

Der Mordfall Moretti wird dank Lydia und Godfrey logisch aufgeklärt und Nigel völlig entlastet. Die Hintergründe des Verbrechens bzw. das Tatmotiv haben mich nicht völlig überzeugt und die Identität des Mörders war mir relativ früh klar. Trotzdem hat mich der Cosy Crime gut unterhalten. Lady Lydia und Butler Godfrey sind ein echtes Dreamteam und Ermittler mit großem Potenzial. Und Kater Winston hat mal wieder bewiesen, dass Katzen schlauer sind als Menschen.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Eine Geburtstagsfeier eskaliert

Stürmische Klippe
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Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier ...

Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier aufhalten, wünscht die Politikerin keinerlei Aufsehen. Hilke Hasselbrecht, die Leiterin der Mordkommission, eine Freundin Armgarts, ist ebenfalls vor Ort und entscheidet, vorerst das LKA nicht zu informieren. Stattdessen ruft sie ihre Mitarbeiterin, Kriminaloberkommissarin Liv Lammers, zu Hilfe. Schon dieses regelwidrige Verhalten am LKA vorbei, lässt den erfahrenen Krimileser aufmerken. Und das ist erst der Anfang einer brisanten Ermittlung.

Sabine Weiß lässt ihre Kommissarin Lammers im 10. Fall ermitteln. Wie schon der Prolog ankündigt, stehen Liv turbulente Tage bevor. Zusätzlich belastet sie die überraschende Verhaftung ihres Lebensgefährten Sebastian.

In „Stürmische Klippe“ müssen gleich zwei schwere Verbrechen aufgeklärt werden. Während Liv ihre Chefin bei den „diskreten“ Ermittlungen in der Sylter Nobelvilla unterstützt, wird in der Nebenhandlung ihr Partner, der Rechtsmediziner Sebastian, verhaftet. Er hat eine seiner Schutzbefohlenen, die er wiederholt wegen der Folgen häuslicher Gewalt in der Rechtsmedizinischen Ambulanz behandelt hat, nach einer Messerattacke gefunden und erstversorgt. Da Sebastian blutüberströmt ist und auch die Tatwaffe angefasst hat, wird er prompt als verdächtig in Untersuchungshaft genommen. Noch weiß er nicht, was ihn dort erwartet.

Inzwischen zieht ein schwerer Sturm auf, der alle Anwesenden in Zabrowskys Villa festhält. Während die Politikerin und ihre illustren Gäste hinter verschlossenen Türen über die Zukunft Sylts verhandeln, bemühen sich Liv und ihre Chefin den Attentäter zu entlarven. Mehrere der Gäste und Angestellten erscheinen verdächtig. Zudem verfügt Zabrowsky über ein unsympathisches, brüskes Naturell. In der Villa überschlagen sich die Ereignisse und Liv versteht die Handlungsweise ihrer Chefin immer weniger. Erst als es zu spät ist, alarmiert diese das LKA ...

Sabine Weiß schreibt flüssig und versteht es vorzüglich, Spannung aufzubauen. Das heraufziehende Unwetter spiegelt die Atmosphäre in der Villa. Von Feierlaune ist längst nichts mehr zu spüren. Angst und Misstrauen machen sich breit, die durch das Eingesperrtsein noch verstärkt werden. Die bedrohliche Stimmung eskaliert in einem brutalen Mord. Die Charaktere überzeugen, ob Bodyguard oder schwerreicher Unternehmer. Sie alle haben unterschiedliche Beweggründe und hüten Geheimnisse. Die Geschichte wird fortlaufend aus wechselnden Perspektiven erzählt und ermöglicht es so, die verschiedenen Handlungsweisen nachzuvollziehen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Sabine Weiss auf aktuelle gesellschaftliche Probleme Bezug nimmt, seien es Umweltprobleme, die negativen Folgen des Massentourismus, der Ausverkauf landschaftlich schöner Gegenden zuungunsten der Ureinwohner, Korruption oder Femizide. Fein herausgearbeitet hat die Autorin die Diskrepanz zwischen den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Notdiensten und Technischem Hilfswerk, die Leben und Infrastruktur retten wollen und den egozentrischen VIPs, die sich nur um ihre Luxusautos und Erstausgaben sorgen.

Auch das Lokalkolorit kommt erfreulicherweise nicht zu kurz. Die Beschreibung der einmaligen Landschaft, die lokale Architektur, örtliche Sagen und nicht zuletzt das Sölring oder Sylterfriesisch finden ihren Platz in diesem Roman.

Zum Schluss werden beide Fälle logisch aufgeklärt und fast alle Fragen beantwortet. Gestört hat mich, dass zwei Szenen auf dem Höhepunkt der Spannung abgebrochen und dann mit dem Bericht vom gelungenen Abschluss fortgesetzt wurden. Auch wäre etwas weniger Hektik im Mittelteil gut gewesen. Gern hätte ich noch erfahren, wie es den Protagonisten, vor allem den Tätern und einem fragwürdigen Ermittler, weiter ergangen ist. Aber das erfährt der Leser vielleicht in Band 11.

Für mich war es die erste Ermittlung mit Kommissarin Liv Lammers und ich habe mich erstaunlich gut zurechtgefunden. Lediglich etwas Background zum Kollegenkreis von Liv und Sebastian hat mir vielleicht gefehlt. Insgesamt hat mir „Stürmische Klippe“ so gut gefallen, dass jetzt Livs Fälle 1-9 meine Leseliste weiter anschwellen lassen.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Friesenschnack und falsche Fährten. Oma Emmi undercover
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Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Ein brutaler Überfall erschüttert die kleine friesische Gemeinde Hagermoor. Auf der Toilette der Kirche wurde ein unbekannter junger Mann ins Koma geprügelt. Dorfpolizist ...

Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Ein brutaler Überfall erschüttert die kleine friesische Gemeinde Hagermoor. Auf der Toilette der Kirche wurde ein unbekannter junger Mann ins Koma geprügelt. Dorfpolizist Redolf sieht sich erstmals mit einem echten Verbrechen konfrontiert. Gut, dass ihn Oma Emmi nach Kräften und mit unorthodoxen Mitteln unterstützt.

Mirjam Wiesemann entführt uns in „Friesenschnack und falsche Fährten“ in eine abgelegene Ecke Ostfrieslands. Ihr esoterisch angehauchter Cosy Crime eignet sich gut als unterhaltsame Lektüre bei einem kräftigen Schwarztee mit Kluntjes und Wölkje.

Dorfgendarm Redolf Puschen genießt gerade ein Festmahl bei Oma Emmi als ein Telefonanruf die Idylle stört. Ein Unbekannter wurde in der Kirche zusammengeschlagen. Damit ist der Ostersonntag gelaufen, denn Redolf musste bisher nur Bagatelldelikte regeln und fühlt sich sofort überfordert. Auch das Zusammentreffen mit den Leeraner Kommissaren am Tatort läuft nicht wie gewünscht, da ihn Oma vor den Kollegen wie einen kleinen Jungen betüdelt. Emmis übergriffige Art sorgt auch im weiteren Verlauf des Krimis für Verärgerung bei ihrem einzigen Enkel. Dabei meint sie es doch nur gut mit ihrem Redi und nutzt ihr gesamtes „esoterisches Waffenlager“, um den Fall, der mittlerweile eine Mordermittlung ist, für ihn zu lösen.

Die Autorin erzählt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihre Figuren haben mir gut gefallen. Allen voran der zaghafte, überforderte Redolf, der seine Unsicherheiten mit Heimatfilmen aus den 1950ern, Songs seiner Lieblingssängerin Sandra und Feierabendbier bekämpft. Im Lauf der Ermittlungen entdeckt der Mittdreißiger ungeahnte Fähigkeiten bei sich und wird erwachsen. Oma Emmi ist eine schillernde Persönlichkeit, die man so nicht in Hagermoor erwarten würde. Zum Leidwesen ihres Enkels bringt sie sich nicht in die Dorfgemeinschaft ein und die Gottesdienste sind ihr viel zu langweilig. Sie ist nicht nur eine begnadete Köchin, sondern interessiert sich auch sehr für Esoterik. Von Tarotkarten über Klangschalen bis hin zum Pendel ist ihr Arsenal gut bestückt. Die taffe Kommissarin Tietje und der eloquente, vielseitige Ermittler Leopold komplettieren das Team auf Tätersuche.

Nach einigen Wendungen wird der Fall zufriedenstellend aufgeklärt. Für mich kam das Ende etwas abrupt und deshalb nicht restlos überzeugend. Die Logik allerdings stimmt, an Motiv und Täter habe ich nichts auszusetzen. Der Fall kommt mit wenig Gewalt aus, wie es für einen Cosy Crime passt.

Mich hat der Krimi insgesamt gut unterhalten. Von etwas weniger Innenschau von Redlof und nur gelegentlichen Zankereien mit Oma hätte der Fall profitiert. So blieb die Spannung teilweise auf der Strecke. Die Charaktere und das Setting fand ich dagegen so gelungen, dass ich auf einen weiteren Fall des Ermittlerquartetts hoffe. Sehr würde mich beispielsweise interessieren, wer oder was den Österreicher Leopold nach Leer gebracht hat.

Ein Glossar für die friesischen Begriffe sowie ein paar Rezepte für Emmis und Eddas Köstlichkeiten könnte ich mir als Ergänzung sehr gut vorstellen.

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