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Veröffentlicht am 09.12.2021

Spannende Unterhaltungsliteratur mit innerdeutscher Geschichte

Die Dorfschullehrerin
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Die Hauptperson Helene Werner, 29 Jahre jung, fängt als Dorfschullehrerin in einem hessischen Dorf direkt an der innerdeutschen Grenze an. Das Ganze spielt 1961 vor und nach dem Mauerbau. Helene hat dabei ...

Die Hauptperson Helene Werner, 29 Jahre jung, fängt als Dorfschullehrerin in einem hessischen Dorf direkt an der innerdeutschen Grenze an. Das Ganze spielt 1961 vor und nach dem Mauerbau. Helene hat dabei ein Ziel: Sie will ihre kleine Tochter, die jenseits der Grenze in einem thüringischen Dorf bei Helenes Vater lebt, wiederhaben.

Die Flucht ihrer Tochter und natürlich auch ihres Vaters ist geplant. Auch Helene war aus der DDR geflohen. Die Umstände, wie diese Konstellation zustande gekommen ist, sind sehr tragisch und werden im Laufe des Buches klar.

In diesem Buch wird ein Stück deutsch-deutscher Geschichte erzählt. Ich finde, dass das aus beiden Aspekten, sowohl West als auch Ost, ziemlich gleichberechtigt dargestellt wird. Durch die sehr persönlichen Erlebnisse und Schicksale ist das recht gut gelungen. Ich habe gemerkt, dass die Autorin sehr viel Herzblut hineingesteckt hat.

Die Figuren sind sehr gut charakterisiert, so dass ich mich mit den meisten davon identifizieren und bis auf wenige Ausnahmen ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Die Hauptheldin, Helene Werner, war mir von Anfang an sympathisch. Allerdings finde ich sie fast ein wenig zu positiv dargestellt. Alles, was sie in ihrer neuen Heimat anpackt, gelingt gleich. Sie wirkt fast wie ein Engel. Ein paar kleine Unzulänglichkeiten hätten ihr nicht geschadet und sie stattdessen etwas realistischer gemacht.

Die Personen aus dem hessischen Dorf wirken auf mich sehr authentisch, insbesondere die Darstellung des hessischen Dialektes fand ich irgendwie niedlich. So kann man sich die Leute gleich besser vorstellen. Die Dialoge wirken lebensecht.

Der Schreibstil der Autoren gefällt mir sehr. Vor allem die Art, wie das Buch aufgebaut ist. Es geht gleich mit Handlung los, ohne erst lange zu erklären, wer die Personen sind oder wie sie aussehen. So ist das ganz nach meinem Geschmack. Deshalb fiel es mir immer schwer, das Buch zwischendurch wegzulegen.

Die Geschichte ist ziemlich spannend aufgebaut und auch das Herz kommt nicht zu kurz. Die Dynamik steigt immer mehr an. Die Wechsel zwischen West und Ost werden schneller. Das Ganze ist sehr schlüssig beschrieben.

Es gibt am Ende eine überraschende Auflösung und dabei keinen Cliffhanger, der die Leser*innen zu zwingen versucht, auch die bereits angekündigte Fortsetzung zu lesen. Das finde ich sehr angenehm. Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich die Fortsetzung bestimmt auch lesen werde.

Wer packend geschriebene Unterhaltungsliteratur mag, mit einem Bezug zu jüngerer Geschichte, wird dieses Buch genießen.

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Veröffentlicht am 04.12.2021

Ein Kosmos für sich

Die Kreuzfahrer
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Wladimir Kaminer beschreibt hier satirisch überspitzt seine Erlebnisse auf Kreuzfahrten und drum herum. Er schweift dabei auch immer ein wenig ab in Erinnerungen an früher und in ganz allgemeine Betrachtungen ...

Wladimir Kaminer beschreibt hier satirisch überspitzt seine Erlebnisse auf Kreuzfahrten und drum herum. Er schweift dabei auch immer ein wenig ab in Erinnerungen an früher und in ganz allgemeine Betrachtungen von menschlichen Eigenheiten. Auch die frühere Sowjetunion wird wieder Thema.

Besonders lustig fand ich die jedoch Beschreibung des Athen-Besuches als griechische Tragödie.

Witzig sind auch seine Schilderungen darüber, wie Touristen überall „vereimert“ werden. Ich sag nur „very special price“. Aber die wollen es ja nicht anders.

Dazu wird alles noch sehr unterhaltsam vom Autor selbst vorgelesen. Sein russischer Akzent passt sehr gut dazu.

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Veröffentlicht am 02.12.2021

Die Krönung bildet die Vollversammlung

Mein Leben im Schrebergarten
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Wladimir Kaminer ist ein begnadeter Beobachter der kleinen Besonderheiten und Absurditäten des Alltags. Und wo sonst könnte man eine Menge Stoff für einen satirischen Roman finden, als in einem Schrebergarten? ...

Wladimir Kaminer ist ein begnadeter Beobachter der kleinen Besonderheiten und Absurditäten des Alltags. Und wo sonst könnte man eine Menge Stoff für einen satirischen Roman finden, als in einem Schrebergarten?

Der Autor schreibt auf seine locker-lustige Art in diesem Roman seine Erlebnisse rund um den Schrebergarten im weiteren Sinne auf, angefangen von den Vorschriften, über das Obst und dessen Besonderheiten – ich finde seine Darstellungen zum Rharbarber besonders gelungen – bis hin zu den Gartennachbarn. Den krönenden Abschluss bildet eine Vollversammlung in der Gartenanlage.

Es wird dabei alles ein klein wenig überspitzt. Das gefällt mir besonders. Das ist typisch für Wladimir Kaminer. Ich kann mir gut vorstellen, wie er das mit einem verschmitzten Lächeln aufgeschrieben hat.

Besonders schön finde ich das Ganze, wenn es von ihm selbst vorgetragen wird. Sein Deutsch klingt durch seinen russischen Akzent besonders weich und es verleiht seinem Text noch zusätzlich Seele.

Ich musste beim Zuhören sehr oft schmunzeln.

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Veröffentlicht am 01.12.2021

Würdiger Abschluss

Todesspiel im Hafen. Sommerfeldt räumt auf
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Das ist nun der dritte Teil der Dr-Sommerfeldt-Trilogie und ich muss sagen, er bildet einen passenden Abschluss.

Bis dahin bleibt es jedoch von vorne bis hinten super spannend. Natürlich gelingt es unserem ...

Das ist nun der dritte Teil der Dr-Sommerfeldt-Trilogie und ich muss sagen, er bildet einen passenden Abschluss.

Bis dahin bleibt es jedoch von vorne bis hinten super spannend. Natürlich gelingt es unserem Antihelden, aus dem Gefängnis zu fliehen und nun will er abrechnen, mit all denen, die ihn hereingelegt haben.

Zwischendurch glaubt er ab und zu durchzudrehen. Auch das ist großartig geschildert. Klasse finde ich auch die Zwiegespräche mit sich selbst und seinen drei bisherigen „Ichs“: Johannes Theissen, Dr. Bernhard Sommerfeldt und Rudolf Ditzen – hier meistens einfach Fallada genannt.

Einige der handelnden Personen aus den ersten beiden Teilen spielen auch hier wieder eine Rolle und sie sind mir richtig ans Herz gewachsen.

Es fällt mir schwer, auf Einzelheiten einzugehen, denn dann würde ich spoilern. Nur so viel: Das Buch hält sehr viele Überraschungen bereit und eine ganz große am Schluss.

Auch den dritten Teil habe ich als Hörbuch genießen können, vom Autor selbst vorgelesen, was dem Ganzen noch das Tüpfelchen auf dem I verleiht. Es ist nicht nur packend geschrieben, sondern auch fesselnd gelesen.

Ich kann jedoch nur empfehlen, vorher unbedingt die ersten beiden Teile zu lesen bzw. anzuhören.

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Veröffentlicht am 28.11.2021

Eine "würdige" Fortsetzung

Totentanz am Strand
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„Totentanz am Strand“ ist nach „Totenstille im Watt“ der zweite Roman der Dr-Sommerfeldt-Trilogie von Klaus-Peter Wolf. Der Autor hat etwas geschafft, das kaum vorstellbar ist: Er hat einen sympathischen ...

„Totentanz am Strand“ ist nach „Totenstille im Watt“ der zweite Roman der Dr-Sommerfeldt-Trilogie von Klaus-Peter Wolf. Der Autor hat etwas geschafft, das kaum vorstellbar ist: Er hat einen sympathischen Serienmörder geschaffen!

Nachdem dieser, der eigentlich Johannes Theissen heißt, unter dem Namen Dr. Bernhard Sommerfeldt im ersten Band als Bilderbuch-Hausarzt in der ostfriesischen Stadt Norddeich praktiziert und nebenbei böse Menschen – nur Männer – umbringt, musste er fliehen und untertauchen.

Er nimmt wieder eine neue Identität an, heißt nun wie der Autor Hans Fallada mit bürgerlichem Namen, also Rudolf Ditzen, und zieht in ein Hochhaus in Gelsenkirchen. Dort gibt er sich als erfolgloser Autor aus. Er schreibt tatsächlich und liest viel. Ich denke, hier hat der Autor dieses Romans sehr viel von sich selbst hineingesteckt.

Aber natürlich beobachtet er von ferne, was seine ehemalige Lebensgefährtin so umtreibt und bringt dann wieder jemanden um, der ihr schadet. Also spielt das Ganze dann doch wieder neben Gelsenkirchen in Ostfriesland. Nebenbei versucht er, mit seiner eigenen Familie abzurechnen, also verschlägt es ihn dann auch wieder nach Franken.

Klaus-Peter Wolf knüpft mit diesem Roman an den ersten Teil an und erzählt weiterhin mit viel Witz und Charme aus der Sicht seines Protagonisten – oder besser Antihelden – und über die Personen um ihn herum. Dadurch, dass es zu fast jeder Person ein lebendes Vorbild gibt und dass auch echte Prominente einbezogen werden, ist alles besonders lebendig.

Der Autor lässt uns in diesem Roman noch tiefer in die Seele von Bernhard Sommerfeldt blicken. Er erzählt die Geschichte so, dass man sie sich nicht nur gut vorstellen, sondern de-facto in den Kopf des Haupthelden blicken kann.

Ganz geschickt lässt der Autor noch Werbung für andere Autoren und Künstler, z. B. seine Frau Bettina Göschel, einfließen, aber das sei ihnen gegönnt.

Ich liebe den lockeren Schreibstil und die lebensechten Dialoge. Ich habe die Hörbuch-Version genießen können. Besonders gut gefällt mir, dass Klaus-Peter Wolf selbst vorliest. Ich denke, das könnte keiner so gut, wie der Autor. Ich freue mich schon auf den dritten Teil.

Ich empfehle jedoch, unbedingt zuerst den ersten Teil „Totenstille im Watt“ zu lesen oder anzuhören. Wem das gefällt, der wird auch dieses Buch lieben.

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