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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2024

Martha im Gepäck

Tante Martha im Gepäck
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Karen arbeitet in einer Bank und ist nicht glücklich dabei. Endlich ist Urlaub und sie will mit ihrem Mann Bernd, dem Sohn Mark und Tochter Teresa nach Schottland fahren. Als sich auf der Hinfahrt noch ...

Karen arbeitet in einer Bank und ist nicht glücklich dabei. Endlich ist Urlaub und sie will mit ihrem Mann Bernd, dem Sohn Mark und Tochter Teresa nach Schottland fahren. Als sich auf der Hinfahrt noch bei Tante Martha vorbeischauen, will diese plötzlich mitfahren. Keiner ist glücklich über die Idee, doch sie können es nicht verhindern. Und dann hat Martha einige Überraschungen im Gepäck: sie spricht perfekt englisch, kennt die Wege, kauft alte Holzfiguren, pokert mit Truckern und landet auf einer Bühne. Und das alles ist eigentlich erst der Anfang – der geplante Urlaub wird gehörig durcheinandergewirbelt.
Das Buch ist nett zu lesen. Eine Familie, deren Alltagsleben schon etwas eingefahren ist, wird mit so einigen Veränderungen konfrontiert und eine alte Dame ist nicht einfach nur eine alte kranke Frau, sondern hat noch viele Ideen und wird völlig unterschätzt. Das Ende ist natürlich dann gut. Das Buch birgt insgesamt nicht so wirklich viele Überraschungen im Ausgang und ist sicher nicht „hohe Literatur“, aber es ist gute Sommerunterhaltung. Und wenn man selbst mal in Schottland war, erkennt man viele Dinge sofort wieder und es ist wie ein eigener kleiner Urlaub. Alles ist nicht bierernst zu nehmen, liest sich gut weg.
Das Cover und die Schnittgestaltung ist sehr nett, was ich allerdings überhaupt nicht verstanden habe ist, warum das Cover wirkt wie für ein Nordsee-Buch und so gar nicht wie Schottland. Was hat sich der Verlag dabei gedacht?

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Außergewöhnlicher Krimi

Spiegelberg
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Cora ist Journalistin und beobachtet während einer Feier, wie die ehemalige Botschafterin von Frankreich mit einem Mann in Streit gerät und wenig später hat die Frau einen Unfall. Sie bittet Cora, Camille ...

Cora ist Journalistin und beobachtet während einer Feier, wie die ehemalige Botschafterin von Frankreich mit einem Mann in Streit gerät und wenig später hat die Frau einen Unfall. Sie bittet Cora, Camille zu schützen. Cora hat keine Ahnung, wer das überhaupt ist. Als sie recherchiert, begegnet ihr überall nur Ablehnung bis Hass. Und je tiefer sie die Geheimnisse hinterfragt, desto gefährlicher wird es für sie.

Das Buch ist der dritte Teil der Reihe um die Journalistin Cora. Ich kannte die Vorgängerteile nicht, allerdings war das für das Verständnis dieses Buches kein Problem. Wichtige Sachen der Vergangenheit wurden zumindest kurz skizziert und ansonsten steht die Geschichte eigenständig für sich. Von Beginn an ist eine große Grundspannung vorhanden, die sich im Verlauf des Buches von Kapitel zu Kapitel immer mehr steigert. Die Geschichte hat viele, zum Teil völlig unvorhergesehene, Wendungen. Ganz nebenbei erfährt man viel zur Geschichte der Kantone Jura und Bern und die Probleme in den 1980er Jahren, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte. Dieser historische Ausflug macht das Buch ebenfalls sehr interessant und zu einem ungewöhnlichen und aus der Masse herausstehenden Krimi, für den ich eine Leseempfehlung ausspreche

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Schnitt

Schnitt
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Gabriel arbeitet in einem Sicherheitsunternehmen. Als er einen Alarm in einem verlassenen Haus überprüft, hat er ein ungutes Gefühl. Er erinnert sich an Ereignisse, die 30 Jahre zurückliegen. Seine Eltern ...

Gabriel arbeitet in einem Sicherheitsunternehmen. Als er einen Alarm in einem verlassenen Haus überprüft, hat er ein ungutes Gefühl. Er erinnert sich an Ereignisse, die 30 Jahre zurückliegen. Seine Eltern wurden ermordet und er war dabei. Überlebt hat nur er und sein jüngerer Bruder David. Doch dann war er lange in der Psychiatrie und hat keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder. Er wohnt in der Firma und zu seinem Chef hat er ein besonderes Verhältnis. Dieser hat ihn aus der Psychiatrie geholt und ist eine Art Vaterfigur für ihn. Während er noch in dem verlassenen Haus ist, bekommt er einen Anruf von seiner schwangeren Freundin. Sie wurde überfallen und braucht seine Hilfe. Als er am Ort des Überfalls ankommt, findet er dort Polizei vor und einen Toten – nicht seine Freundin, sondern einen jungen Mann. Auf seine Erklärungen reagiert die Polizei sehr ungläubig, statt dessen wird er verdächtigt, den Mann ermordet zu haben, und in Untersuchungshaft genommen. Er bittet seinen Bruder David um Hilfe. Doch es kommt noch schlimmer – seine Freundin ist verschwunden und taucht in keinem Krankenhaus mehr auf. Statt dessen flieht Gabriel und erhält nach und nach immer mysteriösere Anrufe eines Mannes, der Liz entführt hat …
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Beschreibungen der Verbrechen halten sich in Grenzen und gehen nicht ins Detail. Statt dessen bezieht der Thriller seine unheimliche und immer stärker werdende Spannung allein durch die Einbeziehung der einzelnen Figuren. Der Bruder zweifelt an Gabriel, der Chef wechselt anscheinend die Seiten und verrät Gabriel. Liz bleibt unauffindbar. Jedes Ding scheint nicht so zu sein wie es bisher war. Gabriel hat fast keine Erinnerungen an den Vorfall mit seinen Eltern und je mehr er versucht, sich zu erinnern, desto größere Zweifel hat er, ob er nicht doch der Mörder der Eltern ist. Mit dem stückweisen Aufdecken der Vergangenheit scheint sich das Rätsel eher zu verstärken als zu lösen. Selbst als der Täter einen Namen und eine Identität bekommt, kann Gabriel ihn noch immer nicht zuordnen. Und am Ende gibt es noch eine große Überraschung, was die Gründe der ganzen Vorfälle angeht.
Für mich ist der Thriller sehr gut gelungen, den einzigen Abzug gibt es für mich für einige Geschehnisse, bei denen Liz, Gabriel oder David ein wenig zu heldenhafte Dinge tun. Mit ihren Verletzungen erschien es mir manchmal nicht möglich, das zu tun, was sie angeblich taten. Doch das sind nur geringe Abstriche – ich würde das Buch vorbehaltlos weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Treibland

Treibland
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Kommissar Adam Danowski schiebt einen eher ruhigen Schreibtischjob und will nur seine Ruhe. Zu Hause mit Frau und 2 kleinen Töchtern fühlt er sich völlig überfordert. Als ihm Hypersensibilität bescheinigt ...

Kommissar Adam Danowski schiebt einen eher ruhigen Schreibtischjob und will nur seine Ruhe. Zu Hause mit Frau und 2 kleinen Töchtern fühlt er sich völlig überfordert. Als ihm Hypersensibilität bescheinigt wird, ist er fast froh, jetzt eine Art Ausrede für sein Leben zu haben.
Da landet im Hamburger Hafen ein Kreuzfahrtschiff mit einem Toten an Bord. Um einen Skandal zu vermeiden, fordern die Behörden von der Polizei Beamte an, die nicht gerade für ihren Diensteifer bekannt sind. Ein paar Ermittlungen pro forma und dann den Fall an die Behörden in Panama abgeben, die für das Schiff zuständig sind. So wird Danowski ausgewählt, gemeinsam mit seinem Kollegen Finzel, den Fall zu übernehmen. Und es sieht auch alles nach Routine aus und die beiden schieben Dienst nach Vorschrift. Bis Danowski den Toten findet – er sieht schrecklich aus und der Verdacht fällt auf ein ebola-ähnliches Virus. Über das Kreuzschiff wird Quarantäne verhängt. Danowski beginnt nun doch, ein paar Fragen zu stellen. Bei einem erneuten Besuch auf dem Schiff wird sein Schutzanzug undicht und er muss auf dem Schiff bleiben. Nur dort hat er keine Unterstützung. Im Gegenteil: mehrere Anschläge werden auf ihn verübt und er hat große Probleme.

Das Buch ist nicht schlecht. Über weite Strecken gut lesbar und auch nachvollziehbar. Die Figur Danowski ist anfangs eher unsympathisch, doch im Laufe der Geschichte ändert sich das. Auch wenn er für mich etwas distanziert blieb. Die Idee von dem Virus ist in der heutigen Zeit mit dem internationalen Verkehr näher denn je und jederzeit so möglich. Trotzdem fehlte dem Buch im Mittelteil ein wenig die Spannung. Es ging nicht so recht vorwärts. Mit dem Fortgang der Ermittlungen änderte sich das, auch wenn hier ein wenig zu viel korrupte Beamte, unfreundliche Polizisten u. ä. dabei waren und Danowski fast zum Einzelkämpfer mutierte. Für mich auch nicht ganz nachvollziehbar war der Einfluss eines mittleren Beamten der Hamburger Behörde auf Vorgänge und vor allem Angestellte auf dem Schiff. Ein wenig enttäuschend war für mich das Ende – also nicht von der Handlung her, sondern vom Motiv – warum das alles so passieren musste. Trotzdem insgesamt ein gut lesbarer Krimi mit viel „maritimen Flair“.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Die Jasminschwestern

Die Jasminschwestern
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Melanie ist Modefotografien und viel im Ausland unterwegs. Sie will im Sommer ihren Freund Robert heiraten. Gerade von einer weiten Reise zurückgekommen, erfährt sie, dass Robert einen Unfall hatte und ...

Melanie ist Modefotografien und viel im Ausland unterwegs. Sie will im Sommer ihren Freund Robert heiraten. Gerade von einer weiten Reise zurückgekommen, erfährt sie, dass Robert einen Unfall hatte und ins Koma gefallen ist. Monate vergehen, Robert liegt immer noch im Koma und Melanie fährt jeden Tag ins Krankenhaus. Doch mehr und mehr hält sie den Belastungen und den Vorwürfen ihrer künftigen Schwiegermutter nicht stand und bricht zusammen. Ihre eigene Familie schickt sie aufs Land zur Großmutter und Urgroßmutter. Die Urgroßmutter ist Vietnamesin und bittet Melanie, den Dachboden mit den alten Sachen aufzuräumen. Bei dieser Aktion findet Melanie alte Kleider, Fotos und andere Andenken und endlich erzählt ihr die Urgroßmutter Hanna ihre eigene Geschichte von den Anfängen in Vietnam, dem Leben in Deutschland in den 1920er Jahren bis zu den Jahren in Paris … und Melanie lernt, dass auch andere Menschen schwere Schicksalsschläge verkraften mussten und trotzdem etwas im Leben erreicht haben.

Das Buch hat mich angenehm überrascht. Es ist eine ungewöhnliche Familiengeschichte, die in Vietnam unter der französischen Besetzung beginnt und im vereinten Deutschland endet. Die Ereignisse sind teilweise sehr dramatisch, aber trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass es zu übertrieben ist. Die Handlungen waren nachvollziehbar, die Geschehnisse gut in die allgemeinen (auch politischen) Gegebenheiten eingepasst und stimmig. Die Personen waren vielschichtig und nicht nur einseitig gezeichnet. Das Buch war sehr gut lesbar und vermittelte neben der Familiengeschichte auch einiges an Zeitgeschehen. Es gab nur ganz wenige in meinen Augen wirklich kitschige Szenen bzw. Beschreibungen. Bedauert habe ich nur das Ende – ich meine damit, dass Hannas Geschichte etwa bis Mitte ihres Lebens sehr ausführlich beschrieben wurde. Dann bricht es aber plötzlich ab und beginnt in der Gegenwart – die vielen Jahre dazwischen werden nur mit wenigen Worten erwähnt, obwohl dort sicher auch noch viel passiert ist. Hier hatte ich das Gefühl, dass der Abgabetermin da ein bißchen zu schnell gekommen ist. Schade – hätte da gern mehr gelesen.
Besonders erwähnen möchte ich noch das schöne Buchcover sowie auch die schöne Einbandgestaltung. Das ist richtig gut passend zum Inhalt.

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