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Veröffentlicht am 14.10.2024

Die Frauen von Carcassone

Die Frauen von Carcassonne
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„Die Frauen von Carcassonne“ ist eines der stärksten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe – unfassbar beeindruckend.
Es beginnt 1942. Der 2. Weltkrieg ist in vollem Gang, Frankreich ist zur ...

„Die Frauen von Carcassonne“ ist eines der stärksten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe – unfassbar beeindruckend.
Es beginnt 1942. Der 2. Weltkrieg ist in vollem Gang, Frankreich ist zur Hälfte von den Faschisten besetzt. Doch auch in der anderen Hälfte – in der die Stadt Carcassonne liegt – herrschen Willkür und Verrat. Sandrine ist 18 und lebt mit ihrer Schwester und einer Haushälterin zusammen. Ihr Vater starb und sie vermisst ihn unheimlich. Doch ansonsten ist sie eher naiv und unbeschwert. Als sie einen Mann im Fluss findet und ihn vor dem Ertrinken rettet, wird sie niedergeschlagen. Als sie wieder zu sich kommt, wird ihr von einem jungen Mann geholfen. Raoul, selbst im Widerstand tätig, kann nicht bei ihr bleiben. Einige Zeit später wird eine große Demonstration in Carcassonne geplant. Aber das Vorhaben wurde von Spitzeln verraten und die Nazis und auch die französischen Kolloraboteure wissen Bescheid. Sie erwarten die Menschen und verwenden auch Bomben und es gibt Tote. Das alles wird Raoul in die Schuhe geschoben und er wird steckbrieflich gesucht. Als er bei Sandrine und ihrer Familie Unterschlupf findet, verlieben sich die beiden. Doch ihrem Glück bleibt wenig Zeit. Raoul geht wieder in den aktiven Widerstand und Sandrine erkennt bald, dass ihre Schwester und ihre Freundinnen ebenfalls im Widerstand tätig sind. Bald wird auch sie diese unterstützen.
2 Jahre später ist Sandrine eine der Führerinnen des lokalen Widerstands von Carcassonne. Mittlerweile ist ganz Frankreich besetzt und es wird immer schwerer, unerkannt und unentdeckt zu bleiben. Für Liebe bleibt da wenig Zeit …
Der Autorin ist ein wunderbares Buch gelungen. Sie zeigt die starke Wandlung von Sandrine von einer eher naiven jungen Frau zu einer starken und entschlossenen Kämpferin. Trotzdem sie zur Heldin wird, ist sie keine übermächtige Heldin. Sie hat Angst, sorgt sich um Raoul, ihre Schwester, ihre Freundinnen. Trotzdem kämpft sie unter Einsatz ihres Lebens für die Freiheit ihrer Heimat. Und obwohl eine Reihe von Gräueltaten in dem Buch geschildert werden, gelingt es der Autorin immer, die Balance zu halten und eine unheimliche Spannung bis zum Ende.
Auch das Verweben alter Sagen von den frühen Christen über die Katharer bis zum Widerstand im 2. Weltkrieg zeigt den Kampfgeist der Menschen in diesem Teil Frankreichs für ihre Freiheit und für ihre Heimat. Und dabei auch immer wieder die Liebe zu den Menschen und zum Land. Ein Buch, dass man lesen MUSS. Ein Buch, das gut geeignet ist, jungen Menschen von heute über den 2. Weltkrieg lernen zu lassen und auch davon, was Nazis angerichtet haben.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Dein totes Mädchen

Dein totes Mädchen
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Caroline (Lilli) ist Deutsch-Schwedin und lebt zuletzt in Hamburg. Dort kommt ihre 17-jährige Tochter bei einem Autounfall ums Leben. Caroline bricht alle Brücken ab und fährt nach Schweden in einen kleinen ...

Caroline (Lilli) ist Deutsch-Schwedin und lebt zuletzt in Hamburg. Dort kommt ihre 17-jährige Tochter bei einem Autounfall ums Leben. Caroline bricht alle Brücken ab und fährt nach Schweden in einen kleinen Ort ins Haus ihrer Familie. Dort will sie zur Ruhe kommen und den Tod verarbeiten. Sie war fast 30 Jahre nicht mehr dort. Doch einige Menschen – so ihre Jugendfreunde – erinnern sich natürlich an sie. Zufällig entdeckt der Stockholmer Kommissar Ulf Svensson, dass sie zurück ist. Einst waren sie verliebt, dann trennten sie sich überraschend. Svensson fährt ebenfalls nach Hause und trifft Lilli. Doch bald hat er einen Verdacht …
Das Buch habe ich auf einen Rutsch durchgelesen. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Obwohl man schon nach weniger als der Hälfte weiß, warum Lilli nach Schweden gekommen ist. Die Spannung wird deswegen nicht weniger. Denn immer mehr Details aus der Vergangenheit und der Gegenwart kommen ans Licht. Und außerdem ist das Buch auch kein Krimi, es gibt keine Ermittlungen oder so. Es dreht sich mehr um das Innenleben der Menschen. Die Hauptfiguren sind gut dargestellt, auch mit Ecken und Kanten. Man kann die Beweggründe gut nachvollziehen und die raue schwedische Natur tut ein übriges zur Dramatik des Geschehens. Das Ende ist für meine Begriffe ebenfalls sehr gut gelöst. Insgesamt ein für mich sehr gutes Buch, dass mich die ganze Zeit in seinen Bann gezogen und gehalten hat.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Vergeltung

Vergeltung
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Dave – früherer Elitesoldat der USA – arbeitet nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als Sicherheitsbeauftragter auf einem Flughafen. Seine Frau und sein Sohn fliegen in den Weihnachtsurlaub. Durch ...

Dave – früherer Elitesoldat der USA – arbeitet nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als Sicherheitsbeauftragter auf einem Flughafen. Seine Frau und sein Sohn fliegen in den Weihnachtsurlaub. Durch einen terroristischen Anschlag sterben beide bei dem Flugzeugabsturz. Die US-Regierung verhindert Nachforschungen und erklärt den Absturz als einen Unfall. Dave forscht selbst nach und stellt schnell viele Ungereimtheiten fest. Als ihm angeraten wird, mit der Suche nach den wahren Ursachen aufzuhören, entschließt er sich, ein Team von ehemaligen Elitesoldaten verschiedener Länder und Armeen zu nutzen, um die Terroristen selbst zu jagen und zu töten. Er will Rache. Doch viele verschiedene Interessen stehen dagegen …
Don Winslow hat in seinem neuesten Buch ein mehr als aktuelles Thema aufgegriffen. Er schreibt natürlich aus der Sicht eines Amerikaners nach 9/11, aber man muss ihm zugute halten, dass er sich auch Gedanken macht, was diese Einsätze wirklich bringen und ob nicht das Töten der Terroristen die Soldaten auf die gleiche Stufe stellt wie die Terroristen. Er findet keine endgültige Antwort und natürlich sind letztendlich bei ihm Dave und ähnliche Personen die „Guten“.
Unabhängig davon, wie man persönlich zu solchen Einsätzen steht, ist das Buch einfach großartig in der Umsetzung. Es ist unheimlich spannend. Man kann die Gedanken der Menschen völlig nachvollziehen. Und es ist erschreckend, wenn man darüber nachdenkt, wie nah wirklich die Gefahr dieser Anschläge ist. Und wie wenig sie wirklich verhinderbar sind. Gestört hat mich nur manchmal die für meine Begriffe Detailverliebtheit in der Beschreibung der einzelnen Waffen und der Fachsprache. Für mich hätte es gereicht, wenn er einfach „Maschinengewehr“ verwendet hätte, als jede einzelne Waffe extra zu beschreiben. Fans von Waffen und Technik werden da aber sicher eher begeistert sein. Wenn man diese Details ein wenig überlesen hat, störte es überhaupt nicht den Fortgang der Handlung. Das Buch schreit geradezu nach einer Verfilmung. Ich habe es jedenfalls geradezu verschlungen.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Die Frau die nie fror

Die Frau, die nie fror
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Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und ...

Pirio, Tochter russischer Einwanderer in Amerika, hat eine besondere Fähigkeit – sie kann es im eiskalten Wasser ungewöhnlich lange aushalten, ohne zu erfrieren. Dies macht sie zu einer Berühmheit und rettet ihr das Leben, als das Fischerboot ihres Bekannten Ned gerammt wird. Ned kommt ums Leben. Doch der Unfallverursacher wird nicht gefunden und Pirio kann Noah, Neds Sohn und ihr Patensohn, keine Antwort geben, wieso das passiert ist. Noahs Mutter – Pirios beste und wohl auch einzige Freundin – kämpft derweil schwer mit der Alkoholsucht. Und so zieht Pirio aus, den Fall aufzuklären. Er entpuppt sich als etwas ganz anderes als ursprünglich angenommen und so nimmt das Abenteuer seinen Lauf.
Ich habe mich mit dem Buch etwas schwer getan. Einerseits konnte ich viele Seiten hintereinander flüssig lesen und es war auch spannend, andererseits habe ich mich dann wieder durch einige Kapitel regelrecht gequält. Es geht nicht nur um die Geschichte der Aufdeckung des „Unfalls“, der natürlich keiner ist. Es geht auch um die komplizierten Verhältnisse im Pirios Familie. Sie hat keine richtigen Freunde oder Beziehungen und ist eigentlich sehr abweisend. Andererseits arbeitet sie anfangs ganz normal in der Parfümfirma der Familie, um dann in einen Kampf auszuziehen, den ich nicht richtig nachvollziehen kann. Als normaler Mensch hat man Angst, wenn man angegriffen wird. Sie scheint das nicht zu haben. Sie stellt sich gegen Verbrecher – ohne eigentlich die richtigen Voraussetzungen dafür zu haben. Das macht für mich das Buch an einigen Stellen unglaubwürdig, andererseits ist die gute Botschaft doch ohne erhobenen Zeigefinger gut rübergebracht worden. Ich glaube, das ist so ein Buch, das man entweder total gut findet oder mit dem man gar nichts anfangen kann. Einige der Begebenheiten darf man nicht hinterfragen, dann ist es eine gute Unterhaltung. Insgesamt vergebe ich 4 Punkte, weil das Buch für ein Erstlingswerk – noch dazu mit diesem großen Umfang – doch mehr positive Seiten hat.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung
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Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend ...

Italien der 80er Jahre. Das Buch beginnt mit dem Tod. Gestorben ist Alfredo und Beatrice erzählt die Geschichte dazu. Alles spielt in einem Elendsviertel (Der Festung). Die Leute dort kommen aus dem Elend nicht heraus und niemand von außen kommt hinein. Beatrice lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einem heruntergekommenen Haus. Trotz der Tristesse hat sie eine doch irgendwie schöne Kindheit, weil in ihrer Familie viel Liebe ist und die Eltern versuchen, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Auch wenn das Versprechen des Vaters, nächstes Jahr einen Urlaub am Meer zu machen, nie eingelöst wird. Aber Beatrice wird das Meer sehen.
Über ihr wohnt Alfredo mit seinen zwei Brüdern und seinem Alkoholiker- und Schläger-Vater. Der ist so brutal, das Alfredo als Kind in Beas Familie flüchtet und dort bald wie ein weiterer Sohn behandelt wird. Bea und Alfredo wachsen zusammen auf und sind einerseits unzertrennlich, sie werden die Zwillinge genannt, andererseits streiten sie sich ständig… eine schwierige Beziehung als Kinder und auch als Jugendliche.

Die Geschichte wird auf sehr direkte Weise erzählt. Relativ unsentimental, teilweise sehr drastisch. Man bewundert Bea für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Die Beschreibungen der Umgebung und der Verhältnisse sind nachvollziehbar, man hat dieses Elendsviertel und die Bewohner buchstäblich vor Augen. Und obwohl anfangs gar nicht so viel passiert, gewinnt die Geschichte immer mehr an Spannung. Eine Spannung zwischen den Hauptpersonen, aber auch bei den Erlebnissen. Beide Hauptpersonen sind eigentlich völlig gegensätzlich. Bea hat nicht aufgegeben, sie versucht, ihr Leben zu verbessern. Alfredo dagegen – man hat das Gefühl, er hat als Kind verständlicherweise in der schwierigen Situation „zugemacht“ und nie mehr versucht, etwas wirklich sinnvolles mit seinem Leben anzufangen. Es ist auf eine Art sehr beklemmend und trotzdem gibt es immer wieder kleine Lichtblicke und viel Optimismus. Das Buch beginnt mit dem Satz: Auch die Ärmsten der Armen brauchen eine Geschichte. Sie zu erzählen, ist Valentina D’Urbano wirklich sehr gut gelungen.

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