Platzhalter für Profilbild

rflieder

aktives Lesejury-Mitglied
offline

rflieder ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit rflieder über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2025

Rasanter 3. Teil der Art-Mayer-Reihe

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
0

Wieder geht es um einen aktuellen Fall, der eine in der Vergangenheit liegende Vorgeschichte hat. Daher verwundert es nicht, dass der Krimi in abwechselnden Zeitebenen erzählt wird.
Wer die ersten beiden ...

Wieder geht es um einen aktuellen Fall, der eine in der Vergangenheit liegende Vorgeschichte hat. Daher verwundert es nicht, dass der Krimi in abwechselnden Zeitebenen erzählt wird.
Wer die ersten beiden Bände der Reihe gelesen hat, ist von Seite 1 an mit den Figuren vertraut und mitten im Geschehen. Dana, die Nachbarin des ruppigen BKA-Ermittlers Art Mayer, ist seit über einem Jahr spurlos verschwunden und hat ihre Tochter Milla und ihre demente Mutter zurückgelassen. Zu allem Überfluss verschwindet auch Milla, für die Art väterliche Gefühle entwickelt hat. Seine junge Kollegin Nele Tschaikowski, die sich im Mutterschutz befindet, hilft ihm bei der Suche nach Milla und Dana, wobei sie die Verantwortung für ihren kleinen Sohn gegen dessen Willen an ihren Ehemann abgibt.
Der Leser erfährt auf bedrückende Weise, in welchen prekären Verhältnissen Dana aufgewachsen ist und dass auch ihr kleiner Bruder vor 15 Jahren spurlos verschwunden ist. Erst sehr spät erfährt man, wie die Dinge zusammen hängen und was in einer Nacht vor 15 Jahren und später tatsächlich passiert ist.
Marc Raabe schreibt gewohnt flüssig und rasant. Die Auflösung des Falls ist nach meinem Geschmack etwas zu kompliziert und konnte mich wie schon im zweiten Band nicht restlos überzeugen, ist aber in sich stimmig. Da ich mich sehr gut unterhalten fühlte und das Buch regelrecht verschlungen habe, vergebe ich 5 Sterne und freue mich schon jetzt auf den für das Frühjahr 2026 angekündigten 4. Band der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Fantastischer Roman

Wenn die Tage länger werden
0

Schönes Cover, ansprechender Titel und besonders eine bekannte Bestsellerautorin sind viele Vorschusslorbeeren. Und Anne Stern liefert. Sie ist eine ausgezeichnete Beobachterin, die mit ihren Figuren und ...

Schönes Cover, ansprechender Titel und besonders eine bekannte Bestsellerautorin sind viele Vorschusslorbeeren. Und Anne Stern liefert. Sie ist eine ausgezeichnete Beobachterin, die mit ihren Figuren und deren Umfeld sehr liebevoll umgeht. Da ist zum Einen die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa Fischer, die Probleme damit hat, ihren Tagesablauf zu organisieren, privates und berufliches Leben in Einklang zu bringen und der es an Selbstbewusstsein mangelt. Zum Anderen die an Krebs erkrankte Obstbäuerin Ute Allenstein, die mit ihrem Geigen bauenden Vater auf einem herunter gekommenen Hof lebt. Lisa verbringt die ersten drei Wochen der Sommerferien ohne ihren Sohn, der mit seinem Vater in dessen Heimatland Polen Urlaub macht. Dass sie durch eine spontane Eingebung ihre alte geerbte Geige zur Reparatur bringt, ist der Anlass, dass sie über ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Eltern und ihren Großvater nachzudenken beginnt. Es geht um die Erfahrungen und die Sprachlosigkeit der älteren Generation, um Befindlichkeiten, um die Rollen der Geschlechter bei der Bewältigung des Alltags und Vieles mehr.
Sprachgewaltig schildert Anne Stern die schönen und die schlechten Erfahrungen der Personen und entwickelt mit viel Verständnis und dezentem Humor Erklärungen für die Beziehungsprobleme, die wie ein roter Faden die Handlung durchziehen. Dazu die spannende Geschichte der Geige. Über allem steht das Zitat aus diesem Buch „Die Vergangenheit war da, sie verschwand nicht einfach, wenn man sie ignorierte“ (Seite 278) oder auch das bekannte Zitat von August Bebel „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“.
Ein Buch geeignet für die Shortlist zum Deutschen Buchpreis.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2025

Toller Krimi

Dunkle Asche
0

Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. ...

Ein Cold-Case-Krimi der besseren Art. Vor dreißig Jahren ist eine junge Frau im Ferienhaus ihrer Eltern im beschaulichen Kalifornien in der Nähe von Kiel erstochen worden, bevor das Haus angezündet wurde. Der mutmaßliche Täter wurde aufgrund fehlender Beweise freigesprochen. Nach der Aussage eines Sterbenden wird der Fall neu aufgerollt und die beiden Kommissarinnen, beide mit Ecken und Kanten und nicht frei von Fehlern, sollen mit modernen Methoden die Tat aufklären. Dass die sympathische ortsansässige Kommissarin alle Zeugen und potenziellen Täter kennt und in den Fall verwickelt ist, mag ich zwar grundsätzlich nicht an Krimis, ist aber hier für die Handlung von herausragender Bedeutung und angemessen. So richtig modern ist die Polizeiarbeit nicht wirklich, nur eine DNA-Probe (die vor dreißig Jahren noch nicht ausgewertet werden konnte) führt zu Fortschritten in der Ermittlung und zu fast lawinenartig hereinstürzenden Ereignissen. Scheibchenweise wird klar, dass alle Zeugen damals gelogen haben und der Kreis der Tatverdächtigen sich immer mehr erweitert, bis dramatische Ereignisse zum Schluss den Täter überführen.

Das liest sich richtig gut, ist spannend und abgesehen von wenigen dramaturgisch bedingten Unwahrscheinlichkeiten, die der Spannung dienen, in sich logisch. Die letzten 180 Seiten habe ich nachts durchgelesen, weil ich nicht aufhören konnte.

Der Name des Autors, Jona Thomsen, ist laut Klappentext ein Pseudonym eines erfolgreichen deutschen Schriftstellers. Gern würde ich wissen, um wen es sich dabei handelt, und hoffe, es mithilfe moderner Methoden herauszufinden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.03.2025

Eher Krimi als Liebesroman

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
0

Das Buch handelt von einem Mordfall, der mit einer romantischen Liebesgeschichte einhergeht. Handlungsort ist eine Kleinstadt im Nordwesten der USA, die beiden Liebenden sind ein weißer „Möchtegernschriftsteller“, ...

Das Buch handelt von einem Mordfall, der mit einer romantischen Liebesgeschichte einhergeht. Handlungsort ist eine Kleinstadt im Nordwesten der USA, die beiden Liebenden sind ein weißer „Möchtegernschriftsteller“, zugleich Hobbygärtner und Automechaniker, und eine Künstlerin indigener Abstammung, die in einem Reservat lebt. Wie einst die Königskinder können sie lange Zeit nicht zueinander kommen, so dass der Schriftsteller eine Beziehung zu einer Ärztin eingeht, die schließlich ermordet aufgefunden wird.
Während die Liebesgeschichte eher schwülstig und sehr amerikanisch daherkommt, ist der Kriminalfall sehr trickreich konstruiert. Das Buch nimmt nach einem starken Anfang und 90 folgenden langweiligen Seiten, auf denen die Handelnden vorgestellt werden, Fahrt auf und die Handlung wird spannend und lesenswert. Die verschiedenen Zeitebenen verwirren zunächst, das legt sich aber. Der Schreibstil ist flüssig und der Kriminalfall hat mich zusehends fasziniert, so dass ich meine anfängliche Skepsis weitgehend revidieren musste. Die Autorin arbeitet sukzessive auf die Aufklärung des Mordfalls hin, so dass das Ende durchaus nachvollziehbar erscheint, wenn auch der entscheidende Zeuge aus dem Hut gezaubert wird.
Die auffällige Werbung des Verlags hat mich animiert, das Buch zu lesen, aber auch dazu geführt, dass ich mehr erwartet habe. So kann ich mit Abstrichen 4 von 5 Sternen geben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.02.2025

Aktuell, spannend, aber zu konstruiert

Echokammer
0

„Die Thrillersensation aus Norwegen“. Auffälliges Cover, Vorschusslorbeeren. Da werden hohe Erwartungen erweckt. Und tatsächlich, das Buch ist spannend, gut lesbar geschrieben und das Thema „Wahlkampf“ ...

„Die Thrillersensation aus Norwegen“. Auffälliges Cover, Vorschusslorbeeren. Da werden hohe Erwartungen erweckt. Und tatsächlich, das Buch ist spannend, gut lesbar geschrieben und das Thema „Wahlkampf“ ist zurzeit auch in Deutschland hoch aktuell (ich schreibe diese Rezension am Vorabend der Bundestagswahl). Es geht um Fremdenhass, das Erstarken der Rechten wie in vielen anderen Ländern der Welt und den Kampf der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Norwegens, die Wahl zu gewinnen. Rechtsextreme versuchen, durch Terrorangriffe Chaos zu erzeugen mit dem Ziel, die Demokratie zu zerstören. Da denke ich gleich an den Anschlag von Utoya 2011, vielleicht eine Erklärung für den Erfolg des Buches in Norwegen. Die Ermittler Liselotte Benjamin und Martin Tong haben den Auftrag, die Terrororganisation daran zu hindern. Zugleich versuchen skrupellose Politikerinnen und Politiker, ihre Gegner der konkurrierenden Partei Høyre, aber auch innerhalb der eigenen Arbeiterpartei auszustechen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Eine obskure Firma organisiert den Wahlkampf mit fragwürdigen Methoden.
Leider wirkt die Handlung äußerst konstruiert und kompliziert, während die beiden Ermittler schwierige Situationen auf unglaubwürdige einfachste Weise überstehen. Die für die Handlung wichtige Rolle des (nicht nur dieses, sondern offenbar auch zweiten Bandes der Reihe) eher sympathisch charakterisierten Polizeijuristen Jens Meidell ist nicht stimmig, insbesondere seine Mithilfe bei der Überwältigung der Täter ist unrealistisch. Insgesamt bin ich etwas enttäuscht vom Buch und kann es nur mit Einschränkungen empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere