Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2019

Lügen, Geheimnisse, Intrigen, Leidenschaft und viel Drama sorgen für Abwechslung und Unterhaltung, bleiben allerdings nur oberflächlich geschildert

Das bedrohte Glück
0

"Das bedrohte Glück" setzt als Band 2 der Hansen-Saga "Eine neue Zeit" nahtlos im Jahr 1894 fort. Die Geschäfte des Hansen-Kontors unter Leitung des neuen Familienoberhaupts Robert Hansen florieren weiterhin. ...

"Das bedrohte Glück" setzt als Band 2 der Hansen-Saga "Eine neue Zeit" nahtlos im Jahr 1894 fort. Die Geschäfte des Hansen-Kontors unter Leitung des neuen Familienoberhaupts Robert Hansen florieren weiterhin. An seiner Seite ist unermüdlich seine Tochter Luise, die in ihrer Arbeit für das Familienunternehmen aufgeht. Aus strategischen Gründen hatte sie Hans Petersen, den Erben einer Hamburger Kaffeehausbesitzerkette, geheiratet, ohne zu wissen, dass ihr geliebter Hamza sie in Kamerun nicht im Stich gelassen, sondern aufgrund widriger Umstände nur knapp vor ihrer Abreise verpasst hatte.
Nun ist Hamza zur Ausbildung in Hamburg. Die beiden treffen sich heimlich und beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Als Luise schwanger ist, schmiedet sie zusammen mit Hamza den Plan, zurück in ihr geliebtes Kamerun zu gehen. Je näher der Geburtstermin rückt, desto mehr Bedenken kommen Luise, ihr angesehenes Leben in Hamburg, ihre Arbeit für das Kontor und ihre Familie aufzugeben.

In Wien wird Therese von ihrer Freundin und Angestellten Frieda hintergangen, doch Dank ihres Mannes Karl und ihres Bruder Florentinus können sie Frieda und deren Geliebten stellen und die Beute zurückholen. Therese ist glücklich, Karl als ihre große Liebe und verlässlichen Partner an ihrer Seite zu haben, denn sie ahnt nichts von seinem Geheimnis. Auch Karl liebt seine Frau und seine beiden Kinder, kann sich jedoch nicht gegen seine Neigungen wehren. Als er erpresst wird, sieht er nur eine Möglichkeit, die ihm Erlösung bringen soll.

Im dritten Teil der Hansen-Saga stehen Luise in Hamburg und Karl in Wie, ihre persönlichen Probleme und dunklen Geheimnisse im Vordergrund, die das angesehene Familienunternehmen bedrohen. Aber auch die weiteren Familienmitglieder Therese, Frederike, Robert, Elisabeth und Martha bleiben nicht außen vor. Die Geschichte bleibt aufgrund der Vielzahl der Charaktere und ihrer persönlichen Befindlichkeiten abwechslungsreich und unterhaltsam zu lesen. Jedoch werden die einzelnen Erzählstränge nicht sehr vertieft, Probleme werden sehr schnell und einfach gelöst, die Charaktere machen kaum eine Entwicklung durch und wirken zum Teil sehr stereotyp.

Wie schon in Band 2 vermisste ich Kamerun als Schauplatz, das den Roman zu etwas Besonderem in einer Reihe von historischen Familiengeschichte gemacht hätte, aber auch ein Gefühl für die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Politische Ereignisse im Zusammenhang mit der Kolonialisierung werden nur zusammenhanglos in Form von Briefen aus Kamerun berichtet, während die Politik im Deutschen Reich kaum eine Erwähnung findet.

Luise büßt für mich in diesem Band einige Sympathien ein. Ihr plötzlich sprunghafter Charakter und ihre damit verbundenen Handlungen empfand ich als unglaubwürdig und auch Karls Problem, das seit Band 2 immer wieder in den Vordergrund rückt, langweilte bald durch Wiederholungen.

Liebe und Leidenschaft - egal in welcher Ehe oder Beziehung werden zwar bildhaft durch viele Worte geschildert, sind aber nicht spürbar, so dass man als Leser nicht so mit den Charakteren mitfühlt, mitlacht oder mitleidet wie es vorstellbar gewesen wäre.

Dass die Hansen-Saga nun noch mit mindestens einem vierten Roman fortgesetzt wird, bestätigt meine Einschätzung zu Band 1, dass die Hansen-Saga den Charakter einer Seifenoper hat: Lügen, Geheimnisse, Intrigen, Liebe, Leidenschaft und viel Drama sorgen für Abwechslung und gute Unterhaltung, bleiben allerdings nur oberflächlich geschildert, Figuren und ihre Geschichten sind vereinfacht Schwarz-Weiß dargestellt.
Mir fehlten Emotionen, ein Gefühl für die Zeit, politische Hintergründe und Erkenntnisse zum Kaffee- und Kakaohandel zwischen Europa und den weit entfernten Kolonien.
Der Fokus auf einen oder zwei Protagonisten pro Band, deren Geschichte dann auch einmal abgeschlossen wäre, würde der Familiengeschichte meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Unterhaltsame Fortsetzung von Band 1, jedoch ohne Entwicklung der Charaktere und leider nur wenig Tiefgang der Handlung

Eine neue Zeit
0

Band 2 der Hansen-Saga handelt drei Jahre nach "Die ferne Hoffnung" in den Jahren 1893/ 1894. Robert Hansen und seine Tochter Luise sind inzwischen wieder in Hamburg und bauen dort das Kontor gemeinsam ...

Band 2 der Hansen-Saga handelt drei Jahre nach "Die ferne Hoffnung" in den Jahren 1893/ 1894. Robert Hansen und seine Tochter Luise sind inzwischen wieder in Hamburg und bauen dort das Kontor gemeinsam wieder auf, nachdem Georg Hansen das Familienunternehmen aufgrund seiner Affäre mit Elisabeth, der Frau von Robert, verlassen musste.
Nach der Enttäuschung durch Hamza im fernen Kamerun stürzt sich Luise geradezu in die Arbeit und entwickelt sich zu einer selbstbewussten Geschäftsfrau wie es Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht üblich war. Als Frau wird sie jedoch nie die Leitung des Kontors von ihrem Vater übernehmen können, weshalb sie gezwungen ist, zu heiraten. Doch dann kann Hamza seinen Traum wahr machen und eine Ausbildung im Kontor in Hamburg beginnen und die Gefühle zwischen den beiden keimen wieder auf...

Frederike, die Tochter von Vera und Georg Hansen wird zu Onkel Karl nach Wien geschickt, wo sie ohne Vorbehalte in die Gesellschaft eingeführt werden soll. In Hamburg hat sie aufgrund des Rufes ihres Vaters keine Chance, einen Ehemann zu finden.
In Wien blüht Frederike im Kaffeehaus von Karls Ehefrau Therese und in bei deren Kindern sichtbar auf. Doch dann entdeckt sie Karls Geheimnis, weshalb sie schockiert Wien fluchtartig verlässt und sich ohne eine Erklärung wieder in Hamburg vergräbt.

"Eine neue Zeit" handelt im Gegensatz zu Band 1 der Hansen-Saga ausschließlich in Hamburg und Wien. Über die Ereignisse auf der Plantage in Kamerun wird man nur noch durch Briefe des Verwalters vor Ort informiert.
Das Familienunternehmen floriert, Robert und Karl Hansen haben sich als würdig erwiesen, das traditionelle Kontor zu leiten und aus der Krise zu führen. Finanziell stehen sie durch die Erweiterung des Anbaus und Verkaufs der Kakaobohnen so gut da wie nie zuvor.
Privat hatte vor allem Robert Hansen weniger Glück. Als ob der Betrug durch seine Noch-Ehefrau nicht genug wäre, versucht sie nun auch noch das Unternehmen Hansen wirtschaftlich durch Intrigen zu ruinieren.

Die Familiengeschichte wird turbulent fortgesetzt, wobei der Schwerpunkt der Handlung auf Luise in Hamburg und ihre Emanzipationsversuche sowie auf Frederike und ihren Neuanfang in Wien liegen. Es passiert allerdings nichts wirklich Neues in Band 2 - Karl hintergeht seine Ehefrau weiterhin, auch wenn das schlechte Gewissen schwer auf ihm lastet, Elisabeth bleibt die intrigante Exfrau, die nun auch noch Rachegelüste hegt und Luise versucht sich weiterhin in der Männerdomäne durchzusetzen. Eine merkliche Entwicklung haben die Charakter seit 1888 kaum durchgemacht.

Auch vermisste ich die Atmosphäre der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Bis auf die eingeschränkte Rolle der Frau und einiger weniger gesellschaftlicher Vorbehalte spürte man kaum, dass die Geschichte vor über 100 Jahren spielt, da gerade die privaten und wirtschaftlichen Probleme der Familie zeitlos sind.

Dennoch ist und bleibt die Geschichte aufgrund der Vielzahl der Charaktere und ihre privaten und beruflichen Herausforderungen sehr unterhaltsam zu lesen. Wie in Band 1 ist der Erzählstil simpel, Probleme werden vom neuen Familienoberhaupt Robert und seiner intelligenten Tochter durch ihre scharfen Verstand zügig und glücklich gelöst.
Auch wenn einige Klischees bedient werden und die Handlung wenig Tiefgang hat, ist sie nicht zu vorhersehbar.
Band 2 endet wieder so, dass man gespannt sein darf, wie es im dritten Teil mit den Hansens weitergeht. Ich bin gespannt, wie Karls Geheimnis letztlich gelöst wird, was die Zukunft für Luise und Hamza bringt und ob Frederike noch ihr Glück findet.

Veröffentlicht am 27.04.2019

Gute Unterhaltung, wenn auch mit wenig Tiefgang und einfach gehaltenem Erzählstil

Die ferne Hoffnung
0

Nachdem sich das Familienoberhaupt der Hansens aus Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin erschossen hat, erben die Brüder Robert, Karl und Georg das Kaffeekontor Hansen. Sie möchten das Familienunternehmen ...

Nachdem sich das Familienoberhaupt der Hansens aus Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin erschossen hat, erben die Brüder Robert, Karl und Georg das Kaffeekontor Hansen. Sie möchten das Familienunternehmen erhalten und treffen gemeinsam den Entschluss, eine florierende Kakaoplantage in Kamerun zu kaufen und zu bewirtschaften, um zukünftig Kakao an Kaffeehäuser zu verkaufen.
Robert wagt dabei den größten Schritt und übernimmt die Verantwortung für die Plantage, was für seine Familie den Umzug in das afrikanische Land bedeutet. Während die jüngere Tochter Luise sich nicht vor Arbeit scheut und das Abenteuer sucht, ist ihre Schwester Martha wie Mutter Elisabeth mit der Entscheidung nicht einverstanden. Sie haben enorme Vorbehalte gegenüber den Einheimischen und können sich mit den Gegebenheiten vor Ort nur schwer anfreunden. Luise freundet sich eng mit Hamza, dem Sohn des Vorarbeiters auf der Plantage an, lehrt ihn die deutsche Sprache und verliebt sich in ihn. Eine Beziehung zu dem schwarzen Erntehelfer ist allerdings nicht standesgemäß. Zudem scheint eine gemeinsame Zukunft fraglich, träumt Hamza doch von einem Leben in Deutschland, während Luise später die Leitung der Farm in Kamerun von ihrem Vater übernehmen möchte.
Karl eröffnet eine Kakaokontor in Wien, um Kakao direkt an die dortigen Kaffeehäuser zu verkaufen, wo Schokolade im Gegensatz zu Deutschland bereits ein beliebte Genussmittel ist. Er lernt dabei die Kaffeehausbesitzerin Therese kennen und heiratet die für diese Zeit sehr selbstständige Frau. Anschließend kommen ihm jedoch Zweifel, ob er für Therese nicht doch nur freundschaftliche Gefühle hegt.
Georg ist der einzige Sohn, der zusammen mit Frau und Kindern in Hamburg bleibt. Ihn plagt das schlechte Gewissen, dass er nicht so viel wie seine Brüder für den Fortbestand des Familienunternehmens auf sich genommen hat und dass der Kaffeeabsatz in Hamburg weiterhin schleppend ist und für Kakao kaum eine Nachfrage besteht. Als seine Schwägerin Elisabeth aus Kamerun zurückkehrt, ist er dankbar für die Unterstützung, die er von ihr erfährt. Umschmeichelt von ihrer körperlichen Zuneigung lässt er sich auf ein gefährliches Spiel ein.
Alle Ehen stehen vor einer Zerreißprobe.

"Die ferne Hoffnung" ist der Auftakt der dreiteiligen Hansen-Saga, einem Familienepos rund um die Familie Hansen. Band 1 dreht sich um den Wiederaufbau des traditionsreichen Hamburger Familienunternehmens, der die einzelnen Mitglieder nicht nur vor wirtschaftliche und berufliche Herausforderungen stellt, sondern auch privat für viele Veränderungen sorgt und die droht, die bisher intakte Großfamilie zu entzweien.

Die Geschichte wechselt zwischen den drei Schauplätzen Hamburg, Wien und Kamerun und damit zwischen den drei Brüdern und ihren Familien. Man taucht in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts ein und versucht sich das Leben zur damaligen Zeit mit den unterschiedlichen Herausforderungen bildlich vorzustellen. Besonders gut gefallen hat mir, wenn die Autorin mehr ins Detail gegangen ist und beispielsweise die erste Kakaoröstung und -verköstigung in der Küche der Villa der Familie Hansen beschrieben hat.
Diese anschaulichen Beschreibungen fehlten mir dagegen auf der Plantage in Kamerun und den vierwöchigen Schiffspassagen von Kamerun nach Hamburg.

Auch wenn zahlreiche Charaktere eine Rolle spielen, erhält jede Figur genügend Raum sich zu entfalten und es ist spannend zu lesen, wie sie sich im Verlauf der Geschichte weiterentwickeln. Die Vielfalt der Personen und die schnellen Szenenwechsel machen den Roman auch so interessant und temporeich und lassen den Leser jeden der drei Erzählstränge gebannt verfolgen - egal, ob es sich um liebenswerte, intrigante, unsichere oder selbstbewusste Charaktere handelt, die unterschiedliche Sympathien des Lesers wecken.

Band 1 der Hansen-Saga erstreckt sich über knapp zwei Jahre und liest sich ein wenig wie eine Seifenoper, sorgt damit aber auch für wunderbare Unterhaltung. Der Erzählstil ist einfach gehalten und bei mancher Entwicklung hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang gewünscht. Der Roman wird allerdings nie seicht, weshalb ich mich auf die Fortsetzung und ein Wiedersehen mit den Charakteren freue.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Herzerwärmende Geschichte über Familie und Mutterschaft und über den Lebensanfang und das Lebensende

Morgen ist heute schon vorbei
0

Hattie fühlt sich ein wenig von ihren Freunden im Stich gelassen. Ihr bester Freund Reuben reist durch Europa, um sich selbst zu finden und ihre beste Freundin Kate befindet sich mit ihrer eifersüchtigen ...

Hattie fühlt sich ein wenig von ihren Freunden im Stich gelassen. Ihr bester Freund Reuben reist durch Europa, um sich selbst zu finden und ihre beste Freundin Kate befindet sich mit ihrer eifersüchtigen Freundin Zoe im Urlaub in Edinburgh.
Hatties Sommer wird aber dennoch alles andere als langweilig. Erst stellt sie fest, dass sie schwanger ist und dann lernt sie ihre Großtante Gloria kennen, die Tante ihres verstorbenen Vaters, von deren Existenz sie bisher nichts wusste.
Gloria hat Alzheimer. Während ihrer Erinnerungen noch relativ klar sind, hat sie Probleme sich in der Gegenwart zu orientieren. Als sie erfährt, dass ihre Großnichte schwanger ist, spürt sie die Parallelen ihrer beider Leben. Hattie und Gloria begeben sich sodann auf einen Roadtrip durch England. Gloria, um ihre Erinnerungen weiterzugeben und Hattie, um zu einer Entscheidung zu finden, ob sie das Baby behalten möchte.

"Morgen ist heute schon vorbei" ist ein Jugendbuch, hat allerdings zwei Erzählstränge, die durchaus für erwachsene Leser interessant sind, zumal Hattie für ihr Alter sehr reif ist.
Sie trifft auf Gloria, die zunächst ablehnend und fast schon bösartig wirkt und sich erst für Hattie interessiert, als sie von deren Schwangerschaft erfährt. Die beiden fahren gemeinsam weg und wandeln in den Erinnerungen Glorias. In Rückblenden erfährt man allmählich was die ältere Dame in den 50er-/ 60er-Jahren durchmachen musste. Ihr fällt es nicht leicht, über ihre Vergangenheit zu sprechen, möchte jedoch auch, dass die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten.
Für den Leser eröffnen sich Parallelen, was die beiden Frauen miteinander verbindet, was vielmehr ist, als die reine Verwandtschaft. Glorias Erlebnisse in ihrer Jugend sind dramatisch und erschütternd und haben ihren weiteren Lebensweg und auch das Verhältnis zu ihrer Familie geprägt, so dass sich auch für Hattie erschließt, warum sie so lange nichts von diesem Teil der Familie wusste.
Hattie schiebt die Entscheidung das Kind betreffend vor sich her, kann die Tatsache der Schwangerschaft nicht wirklich wahrhaben und hat bisher auch nur Gloria und ihrer besten Freundin Kate ihr Geheimnis anvertraut. Auf dem Roadtrip profitiert sie trotz Glorias geistigen Aussetzer von deren Lebenserfahrung und auch für den Leser sind in dem Roman viele kluge Sätze enthalten, die dem Buch Tiefgang verleihen.

"Viele glauben, mutig zu sein bedeutet, sich vor nichts zu fürchten. Aber das stimmt nicht [...] Wie kann man mutig sein, wenn man sich nicht fürchtet? Sich zu fürchten, aber davon nicht aufhalten zu lassen, dass ist wahrer Mut."

"Lass dich nur nicht von der Angst leiten, etwas falsch zu machen [...] Triff eine aktive Entscheidung, in dem Bewusstsein, was immer du wählst, ist das, was sich zu dieser Zeit richtig anfühlt. Du kannst dir keine Gedanken darüber machen, ob du die Dinge in der Zukunft vielleicht anders sehen wirst. Das weißt du nicht."

Die Coming-of-Age-Geschichte entwickelt sich zwar nur langsam, aber überraschende Wendungen geben dem Roman immer wieder neuen Schwung, so dass bis zum Schluss nicht absehbar ist, wie er letztlich endet.

"Morgen ist heute schon vorbei" ist ein Roman über zwei Frauen unterschiedlicher Generationen, die sich annähern und gegenseitig zu Unterstützern werden. Es ist eine herzerwärmende Geschichte über Familie und Mutterschaft und über den Lebensanfang und das Lebensende.
Durch ein nicht zu perfektes Happy End wird die Geschichte am Ende rund und glaubhaft.

Veröffentlicht am 24.04.2019

Spannende Spionagegeschichte, die zur Zeit des Ungarn-Aufstandes 1956 in München handelt und den Leser politisch und emotional fesselt

Fräulein Kiss träumt von der Freiheit
0

Elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges herrscht Kalter Krieg und der Einfluss der Alliierten in Deutschland ist noch groß. Die Halbungarin Elizabeth Kiss macht sich Sorgen um ihre Schwester Zsuzsa, ...

Elf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges herrscht Kalter Krieg und der Einfluss der Alliierten in Deutschland ist noch groß. Die Halbungarin Elizabeth Kiss macht sich Sorgen um ihre Schwester Zsuzsa, die sich zusammen mit ihrer Mutter in Budapest befindet und den Repressalien der Staatssicherheit AVH ausgesetzt ist.
Liz möchte Zsuzsa nach Deutschland holen und geht deshalb einen Deal mit der CIA ein. Sie wird als Assistentin in der ungarischen Abteilung in den Radiosender Radio Free Europe eingeschleust und soll herausfinden, wer der Maulwurf ist, der heimlich Informationen an die Ostblockstaaten liefert. Liz fällt es nicht leicht, als Spionin zu agieren. Sie verliebt sich in ihren Chef Béla Simon, der so leidenschaftlich gegen Kommunismus und Kapitalismus und für die Freiheit kämpft, hat ihn aber auch in Verdacht, der Verräter zu sein. Gleichzeitig beäugt er sie misstrauisch und durchschaut ihre unvorsichtigen Ausforschungsversuche und Manipulationen, während sich in Ungarn die Ereignisse politisch überschlagen.

Der Roman ist von einer wahren Geschichte inspiriert, denn die Schwiegereltern der Autorin haben sich bei Radio Free Europe kennengelernt. Die Figuren, aber auch die Beschreibung des Radiosenders, der von den Westmächten in München installiert wurde, um die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang mit Informationen aus dem Westen zu versorgen, wirken authentisch. Aufgrund des Einflusses der CIA auf die Arbeit des Senders, wurde dieser und seine Mitarbeiter zum einem Feindbild der Sowjets, gegen den Geheimdienstoperationen durchgeführt wurden. Die Arbeit für den idealistischen Béla, aber auch für Liz, die für die Sicherheit und Freiheit ihrer Schwester kämpft, ist nicht ungefährlich. Es fällt schwer, Kollegen Vertrauen zu schenken, Misstrauen und gegenseitige Bespitzelung gehören zum Alltag. Auch für den Leser ist deshalb nicht leicht zu durchschauen, wer welche Absichten hegt und ob die intelligente Simultandolmetscherin, aber etwas dilettantische Agentin Liz, den wahren Verräter entlarven und der CIA ausliefern wird. Schwierigkeiten bereiten ihr dabei ihre Gefühle für Béla, die es ihr unmöglich machen, ihn objektiv zu betrachten, der seinerseits aber keinerlei Skrupel hat, ihr zu drohen.
Während man einen guten Eindruck über die Arbeit bei Radio Free Europe erhält, fehlten mir zum besseren Verständnis der politischen Verhältnisse in Ungarn direkte Eindrücke aus Budapest.

"Fräulein Kiss träumt von der Freiheit" ist eine spannende Spionagegeschichte, die zur Zeit des Ungarn-Aufstandes 1956 in München handelt und die aufgrund der politischen Gegebenheiten und der Liebesgeschichte, die jedoch nie in den Vordergrund rückt, den Leser auch emotional fesselt.