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Veröffentlicht am 08.10.2018

Autobiografischer Roman über eine Geflüchtete mit einer Identitätskrise - anrührend, aber aufgrund des Schreibstils anstrengend zu lesen

Du springst, ich falle
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Maryam flieht mit ihren Eltern, überzeugten Kommunisten, 1986 im Alter von sechs Jahren von Teheran nach Paris ins Exil. Das Mädchen fühlt sich fremd, vermisst ihre Heimat, ihre Großmutter und das iranische ...

Maryam flieht mit ihren Eltern, überzeugten Kommunisten, 1986 im Alter von sechs Jahren von Teheran nach Paris ins Exil. Das Mädchen fühlt sich fremd, vermisst ihre Heimat, ihre Großmutter und das iranische Essen. Sie weigert sich zunächst, sich zu integrieren, möchte erst nicht spielen, dann nicht sprechen, dann nicht essen. Auf diese Weise findet sie keine Freunde, wird in der Schule gemieden. Trotz ihrer Verweigerungshaltung lernt sie die französische Sprache schnell und ist eine gute Schülerin. Sie wird später Literaturwissenschaften studieren und sich dann auch wieder mit ihrer Muttersprache beschäftigen.
17 Jahre, 2003, später kehrt sie zum ersten Mal wieder in den Iran zurück und würde am liebsten dort bleiben.

Der autobiographische Roman von Maryam Madjidi ist in drei Teile untergliedert: das Leben als "Kind der Partei" und die Entscheidung der Eltern, vom Iran nach Frankreich zu fliehen, die Ankunft und ersten Jahre in Frankreich sowie Maryam als junge Frau auf der Suche nach Identität und Heimat. Er ist mal aus der Ich-Perspektive von Maryam, mal aus der Perspektive auf das Mädchen beschrieben.

Die Autorin schildert die Brutalität des iranischen Regimes und den Kampf der Eltern dagegen, die ihre Tochter egoistisch dafür einsetzen und als kleines Kind, sogar bereits als Ungeborenes, in Gefahr bringen. Auch die Situation für das kleine Mädchen in der westlichen Welt ist eindringlich und anrührend geschildert. Ihre Angst vor dem Fremden und ihre Verweigerungshaltung vor dem Neuen sind nachvollziehbar. Die Identitätskrise zieht sich bis zum Ende des Buches durch.

"Du springst, ich falle" ist anstrengend zu lesen. Ihre Erlebnisse sind in vielen Kapiteln ohne Zusammenhang und sehr knapp geschildert. Dabei sind sie nicht chronologisch, sondern scheinbar willkürlich aneinandergereiht. Der Schreibstil ist eher poetisch als nüchtern. Gerade am Anfang habe ich mich schwer getan, in den Roman hineinzukommen, während ich den zweiten Teil als Kind in Frankreich anschaulich und anrührend fand. Der letzte Teil war mir wiederum zu durcheinander und zu Maryam als Erwachsene konnte ich kaum einen Zugang finden.

In Zeiten der Flüchtlingskrise ist "Du springst, ich falle" ein aktueller Roman, der die Situation eines Geflüchteten mit Integrationsschwierigkeiten und der Vereinbarkeit der erlernten Kultur mit der neuen Heimat eindringlich schildert. Letztlich ist mir die Autobiographie, von der man nicht weiß, wie viel Fiktion und wie viel Wirklichkeit ist, zu sprunghaft geschrieben und bleibt mir gerade im Erwachsenenalter, in der sie die Liebe zu ihrer Heimat neu entdeckt, zu sehr an der Oberfläche.

Veröffentlicht am 06.10.2018

Warmherziger Roman über eine sympathische Frau, der Skurriles widerfährt - phantastische Geschichte, die motiviert.

Die Prophezeiung der Giraffe
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Hanna ist 40 Jahre alt, Single und arbeitet als Lehrerin an einer Grundschule. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren verstorben und seitdem bewohnt sie alleine das für eine Person viel zu große Haus der Familie. ...

Hanna ist 40 Jahre alt, Single und arbeitet als Lehrerin an einer Grundschule. Ihre Mutter ist vor zehn Jahren verstorben und seitdem bewohnt sie alleine das für eine Person viel zu große Haus der Familie. Sie hat eine beste Freundin, Svenja, mit der sie sich regelmäßig trifft und kümmert sich gerne um die beiden Töchter ihre Bruders Sebastian.

Hanna ist ein ausgeglichener Mensch, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Nur wenn sie an ihre Mutter Maja denkt, überkommt sie eine Traurigkeit. Als Ausgleich und Entspannung setzt sie sich täglich auf ihre Schaukel, um ihre Gedanken zu sortieren. Eigentlich könnte ihr Leben so beschaulich weitergehen, denn nicht einmal einen Mann vermisst sie in ihrem Leben. Doch dann ereignen sich eine Reihe von seltsamen Ereignissen, die damit angefangen haben, dass ungefragt eine ältere Dame in den Wohnwagen ihres Grundstücks gezogen ist und gar nicht mehr gehen möchte.

"Die Prophezeiung der Giraffe" ist ein warmherziger Roman über eine sympathische Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Die Zufälle, die ihr dann plötzlich passieren, beginnend mit einer aus dem Zoo entlaufenen Giraffe, die in ihrem Vorgarten steht und die Kugelrobinie abknabbert sowie die Hortensien zertrampelt, sind zum Teil skurril, magisch oder haben eine symbolische Bedeutung. Sie verunsichern oder erheitern Hanna oder erinnern sie an ihre Kindheit, die trotz der Scheidung der Eltern und Abwesenheit des Vaters glücklich war.

Der Roman ist eine amüsante Unterhaltung, bis sich der tiefere Sinn hinter der älteren Dame Gerda und der Häufung der etwas aberwitzigen Zufälle erklärt.

Hanna muss man einfach mögen und so begleitet man sie gern durch ihre kleinen Abenteuer im Alltag. An ihrer Seite dabei ist die Familie ihres Bruders und ihre Freundin Svenja und dann tritt auch noch "zufällig" nach den langen Jahren als Single ein Mann in ihr Leben. Gespannt liest man, ob dieser die prophezeite "große Liebe" ihres Lebens ist.
Was mich dabei ein wenig gestört hat, ist wie schnell sich Hanna auf einen für sie fremden Mann eingelassen hat, nachdem sie im Umgang mit dem anderen Geschlecht sonst eher zögerlich war. Auch fand ich dann die Reduzierung auf das Körperliche etwas zu dominant. Eine gemächlichere Entwicklung der Beziehung hätte ich passender zum Charakter von Hanna empfunden.

Dennoch ist "Die Prophezeiung der Giraffe" ein Wohlfühlroman, eine phantastische Geschichte für alle, die ein bisschen Magie in ihren Alltag einziehen lassen möchten. Es ist schön und motivierend zu lesen, wie sich Hanna weiterentwickelt, mutiger wird, von ihren gewohnten Pfaden abrückt und auf der Suche nach Liebe viele neue Freunde und Bekannte findet.

Veröffentlicht am 05.10.2018

Deprimierender Roman, in dem die Einzelschicksale keine Rolle spielen, sondern die Waffengewalt im Allgemeinen im Vordergrund steht

Gun Love
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Pearl ist 14 Jahre alt und lebt seit ihrer Geburt zusammen mit ihrer Mutter Margot in einem Ford Mercury auf einem Trailerpark in Florida. Ihre Mutter war früh schwanger und ist vor ihren Eltern geflohen ...

Pearl ist 14 Jahre alt und lebt seit ihrer Geburt zusammen mit ihrer Mutter Margot in einem Ford Mercury auf einem Trailerpark in Florida. Ihre Mutter war früh schwanger und ist vor ihren Eltern geflohen und lebt ein Leben am Rande der Gesellschaft.
In dem Park, am Rande einer Müllkippe, leben andere gescheiterte Existenzen in Wohnwagen und halten sich durch kriminelle Aktivitäten wie Drogen- und Waffenschmuggel über Wasser.
Als Margot Eli kennenlernt und mit ihm immer mehr Zeit in trauter Zweisamkeit verbringen möchte, wird Pearl regelrecht von ihr aus dem Mercury verstoßen. Sie fühlt sich einsamer denn je in ihrem Leben, nachdem sie sich auch noch mit ihrer besten Freundin April May zerstritten hat und findet dadurch Anschluss an die Mexikanerin Corazón. Wie selbstverständlich lebt sie zusammen mit einem Waffenarsenal unter einem Dach.

Dann geschieht ein Unglück und Pearl muss lernen, was es wirklich heißt, allein zu sein.

"Gun Love" ist ein deprimierender Roman über ein Mädchen, das nichts anderes als den Trailerpark kennt, ein Zusammenleben auf engsten Raum mir ihrer Mutter, ohne Kenntnis über ihre Herkunft. Für sie ist es scheinbar normal, in einem Auto ohne viel Besitz zu leben, aber als ihre Mutter einen Mann kennenlernt und sie diese Zweisamkeit offensichtlich stört und kein Platz mehr für sie ist, beginnt sie, ihr Dasein zu hinterfragen. Dabei lebt sie in einer eigenen Gesellschaft außerhalb der Norm, in der Waffen zum Alltag gehören.

Waffen und Waffenschmuggel werden im weiteren Verlauf des Romans zum zentralen Thema und lenken von der Mutter-Tochter-Beziehung ab, was ich sehr schade fand.
Die Intention der Autorin gilt klar der Kritik an dem Umgang mit Waffen in den USA. Ich hätte mir aber eine stärkere Auseinandersetzung mit dem trostlosen Leben Pearls, den weiteren Bewohnern des Trailerparks und mit dem alltäglichen Umgang mit Waffen gewünscht, statt den Roman auf den reinen Waffenschmuggel zu reduzieren, in den Pearl am Ende involviert wird.

Das Buch überrascht zwar mit der ein oder anderen Wendung, lässt aber an Spannung vermissen. Die Charaktere in dem gesellschaftskritischen Roman spielen keine individuelle Rolle und bleiben austauschbar, da man niemandem wirklich nahekommt oder vom Schicksal nachhaltig berührt wird. Zwar hadert Pearl mit ihrem Leben, fügt sich aber darin ein, selbst als sie die Chance hat, etwas zu ändern. Mir fehlte ein Held in der Geschichte.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Charmanter und warmherziger Roman über Freundschaft, Liebe und Vertrauen in einer zunehmend bedrohlicheren Welt

Liebe Mrs. Bird
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Emmeline Lake, Emmy, ist 22 Jahre alt und träumt davon, als ernstzunehmende Kriegsberichterstatterin zu arbeiten. In der irrigen Annahme, eine Anstellung als Journalistin für die "London Evening Chronicle" ...

Emmeline Lake, Emmy, ist 22 Jahre alt und träumt davon, als ernstzunehmende Kriegsberichterstatterin zu arbeiten. In der irrigen Annahme, eine Anstellung als Journalistin für die "London Evening Chronicle" zu erhalten, nimmt sie eine Arbeit bei der Herausgeberin einer Frauenzeitschrift, der sehr resoluten älteren Dame Mrs. Bird an. Diese vertritt sehr antiquierte Ansichten, weshalb die wenigsten Briefe der Leserinnen, die sich mit Fragen zur Ehe, Geschlechtlichkeit oder Politik beschäftigen, beantwortet werden. Emmy soll anstößige Briefe aussortieren und diese vernichten. Emmy bringt es allerdings nicht über das Herz, die Briefe der jungen Frauen zu vernichten, versucht diese im Namen von Mrs. Bird zu beantworten und gibt sie sogar vereinzelt in den Druck. Niemand außer der aufmerksamen Assistentin Kathleen von Mrs. Bird, mit der sich Emmy angefreundet hat, bemerkt die plötzlich anders klingenden Antworten an die Leserinnen, die die Auflage steigern.

Im Vergleich zur sich verschärfenden Situation im bombardierten London der Jahre 1940/ 1941 wirken die Briefe trivial, aber bieten Ablenkung in den schlimmen Zeiten. Emmy arbeitet neben ihrer Tätigkeit für Mrs. Bird nach Feierabend bei der Freiwilligen Feuerwehr um Notrufe entgegenzunehmen.
Ihre beste Freundin ist Bunty, die sich mit Bill verlobt. Emmy wird dagegen von ihrem Freund, dem Arzt Edmund, für eine Krankenschwester verlassen, verliebt sich aber bald danach in den jüngeren Bruder ihres Kollegen Mr. Collins, Charles.

Emmy ist eine sehr sympathische Protagonistin, die das Herz auf dem rechten Fleck hat.
Der Roman beschreibt sehr eindringlich die Atmosphäre während des Zweiten Weltkrieges in London, insbesondere als die Angriffe der deutschen Streitkräfte zunehmen und sich die Einschränkungen für Bevölkerung verschärfen.

Was etwas naiv und scheinbar belanglos mit den Sorgen der Frauen der damaligen Zeit beginnt, mündet in ein Drama über Liebe und Freundschaft und Vertrauen in einer zunehmend bedrohlicheren Welt.
Emmy entwickelt sich weiter, wird mutiger und kämpft um ihre Freundschaft mit Bunty, die sie durch einen dummen Fehler gefährdet.

Der Roman ist wunderbar charmant und warmherzig geschrieben. Es ist eine süße Geschichte, die von wahren Leserbriefen inspiriert ist, die sich insbesondere zu Beginn aber nur gemächlich entwickelt und mich auch deshalb nicht durchgehend fesseln konnte, da sich Emmy so scheinbar problemlos über die Herausgeberin hinwegsetzen konnte.
Die Schilderungen der Bombardierungen und Folgen für Emmy und ihre Freunde sind allerdings sehr anschaulich, mitnehmend und bewegend dargestellt.

Veröffentlicht am 01.10.2018

Gefühlsbetont, aber enttäuschend langweilig

Was das Herz nie vergisst
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Als die 38-jährige Sabina ihren Eltern erzählt, dass sie schwanger ist, erfährt sie von ihnen, dass sie selbst adoptiert ist. Ihre Eltern machen ein Geheimnis um die Adoption im September 1973, weshalb ...

Als die 38-jährige Sabina ihren Eltern erzählt, dass sie schwanger ist, erfährt sie von ihnen, dass sie selbst adoptiert ist. Ihre Eltern machen ein Geheimnis um die Adoption im September 1973, weshalb Sabina davon ausgehen muss, dass es sich um eine Zwangsadoption gehandelt haben muss. Ihre Mutter Megan hat dann doch ein Einsehen und nennt Sabina den Namen ihrer leiblichen Mutter: Liliana Wyzlecki. Lilly hat seit 19 Jahren darauf gewartet, dass sich ihre erste Tochter bei ihr meldet. Sie ist glücklich verheiratet mit Sabinas Vater und hat mit ihm zwei weitere Kinder bekommen. Sabina lernt ihre leiblichen Eltern kennen, erfährt ihre Wurzeln und gleichzeitig verändert sich ihre Sicht ihre bisherigen Eltern, von denen sie dachte, dass diese sie abgöttisch lieben.

"Was das Herz nie vergisst" ist ein emotionales Buch über drei Frauen, drei Mütter in unterschiedlichen Situationen: Megan, die sich so sehr ein Kind gewünscht hat, aber keines lebend zur Welt brachte, aber in einer Einrichtung für minderjährige Schwangere arbeitete; Liliana, die mit 16 Jahren weder heiraten noch ihr Baby behalten durfte und letztlich die schwangere Sabina, die so spät von ihrer eigenen Adoption erfährt.

Der Roman ist aus der Sicht von Sabina geschrieben, Liliana lernt man zunächst durch Briefe an ihren geliebten James kennen, als sie schwanger ist. Über Megans Situation erfährt man durch eine Rückblende in die Vergangenheit in das Jahr 1973.

Nachdem ich vom ersten in Deutschland von Kelly Rimmer erschienenen Roman "So blau wie das funkelnde Meer" so begeistert war, hat mich dieser Roman etwas enttäuscht, da mich die Schicksale der drei Frauen nicht so wie erhofft berühren konnten. Ich mochte weder Sabinas weinerliche, unnachgiebige Art, noch war mir Megans langes Schweigen verständlich. Das Thema Zwangsadoption blieb mir zu sehr an der Oberfläche. Viel mehr als die Briefe der noch sehr jungen und naiven Lilly an James hätte ich mir einen aktiven Rückblick in die Vergangenheit sowohl aus Megans als auch aus Lillys Sicht gewünscht.

Mir waren die Frauen zu sehr vom Schicksal gebeutelt und zu stereotyp als gut und böse dargestellt. Im Vergleich dazu blieben die Männer langweilig farblos, wobei auch in Bezug auf sie Megans Ehemann als der Schuldige abgekanzelt wurde, während Sabinas Ehemann übertrieben verständnisvoll mit Sabinas Stimmungen umzugehen wusste.

Ohne eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Zwangsadoptionen in den 1970er-Jahren als solche empfand ich den Roman, der sich auf die Darstellung der Enttäuschung Sabinas über ihre bisherigen Eltern und das Kennenlernen ihrer leiblichen Eltern beschränkte, zwar sehr feinfühlig dargestellt, aber enttäuschend langweilig.