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Veröffentlicht am 21.03.2025

Feel-Good-RomCom mit wenig Gefühl, die durch die übertriebenen Aktionen der Protagonisten wenig authentisch wirkt

Note to myself: Liebe ist keine Option
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Alice wurde von ihrem Freund, mit dem sie drei Jahre zusammen war, betrogen und möchte sich deshalb erst einmal auf sich konzentrieren und nicht so schnell eine neue Beziehung eingehen. Sie hat jedoch ...

Alice wurde von ihrem Freund, mit dem sie drei Jahre zusammen war, betrogen und möchte sich deshalb erst einmal auf sich konzentrieren und nicht so schnell eine neue Beziehung eingehen. Sie hat jedoch nicht mit Lennon gerechnet, den sie unmittelbar nach der Trennung von Bennet kennenlernt und der sich mächtig ins Zeug legt, um sie davon zu überzeugen, dass nicht alle Männer Schweine sind.
Probleme in Sachen Männer hat auch Alices beste Freundin Zara, in deren Buchhandlung in Manhattan Alice arbeitet. Ihr Loveinterest Fred ist so schüchtern, dass sie einfach nicht an ihn herankommt. Alices Kollege Tobey sabotiert hingegen seine eigene Beziehung. Er scheut Liebeszuneigungen in der Öffentlichkeit und riskiert damit die Trennung von Matt.

"Note to myself: Liebe ist keine Option" ist der erste Band einer Liebesromanreihe mit dem Schauplatz New York.

Trotz des Betrugs und der unmittelbar daran anschließenden Trennung beginnt der Roman amüsant und unterhaltsam. Der Schreibstil ist lebendig und das Setting mit dem süßen Kinderbuchladen, in dem Alice nicht nur arbeitet sondern auch gleichzeitig mit ihrer besten Freundin zusammen sein kann, passt zudem gut zu dem Feel-Good-Roman.

Dass die Geschichte in Bezug auf Alices Liebesleben vorhersehbar ist, ist nicht weiter störend. Bei einem Liebesroman dieser Art ist schließlich der Weg das Ziel.
Die Umsetzung ist jedoch nur teilweise gelungen. Ein Leben mitten in Manhattan passt nicht wirklich zu den jungen Protagonisten, die allesamt nicht im Finanzsektor arbeiten. Zudem merkt man schon allein an der falschen Schreibweise der Straßenbezeichnungen ("23th Street"), dass das Buch nicht von einer Amerikanerin geschrieben ist. Ein Kleinstadtsetting, da sich ohnehin alle kennen (selbst in Restaurants und Bars werden die Charaktere namentlich begrüßt), wäre stimmiger.
Der Gegensatz Bennet: Red Flag, Lennon: Green Flag wird bis ins Absurde ausgereizt. Während Betrüger Bennet sich reichlich dumm ins Abseits manövriert, ist der gut aussehende Lennon mit seinen unaufhörlichen romantischen Überraschungen für Alice einfach nur aalglatt.
Die Nebenhandlungen wie Tobeys Beziehungsprobleme, Freds Schüchternheit oder der Wettbewerb von Macy`s werden uninspiriert mit Alices Geschichte verbunden. Ein Fokus auf nur einen weiteren Aspekt hätte dem Roman mehr Tiefe geben können. Gerade die Spendenaktion wäre eine Möglichkeit gewesen, dass sich Alice und Lennon auf andere Art und Weise näher kommen als nur das Umgarnen von Lennon.

"Note to myself" beginnt humorvoll und ist mit Alices Listen vor jedem Kapitel ein origineller Aufhänger, aber die Liebesgeschichte kommt ohne jegliche Gefühle aus und das Verhalten der Charaktere ist im weiteren Verlauf so überzogen, dass die Geschichte in ihrem Kern wenig authentisch wirkt. Gelungen ist jedoch die Darstellung der Freundschaft von Alice und Zara, denn die beiden sind bedingungslos für einander da.

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Eine sichere Welt für Frauen? Originelle Dystopie um die massive Einschränkung der Rechte von Männern, gekoppelt an einen spannenden Kriminalf

After Dark
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Im Jahr 2023 wurde gesetzlich die Ausgangssperre für Männer zwischen 19 Uhr und 7 Uhr in Großbritannien eingeführt. Zur Kontrolle müssen alle Männer und Jungen ab 10 Jahre eine elektronische Fußfessel ...

Im Jahr 2023 wurde gesetzlich die Ausgangssperre für Männer zwischen 19 Uhr und 7 Uhr in Großbritannien eingeführt. Zur Kontrolle müssen alle Männer und Jungen ab 10 Jahre eine elektronische Fußfessel tragen. Das System hat sich seit Jahren etabliert. Frauen können nun endlich wieder sicher und angstfrei auch nachts auf den Straßen sein - bis eine Frauenleiche in einem Park gefunden wird.
Pamela, die kurz vor dem Ruhestand steht, nimmt die Ermittlungen auf. Das Gesicht der Frau ist grauenvoll zugerichtet und an der Leiche werden DNA-Spuren eines Mannes gefunden. Schon aufgrund der körperlichen Gewalteinwirkung kann sich Pamela nicht vorstellen, dass die Frau von einer anderen Frau getötet wurde. Ihr Ermittlungsansatz gerät allerdings ins Hintertreffen, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Vier Wochen zuvor arbeitet Sarah als Controllerin im Frauenschutzamt. Sie fürchtet die Entlassung ihres Ex-Ehemannes aus dem Gefängnis und ist mit der Erziehung ihrer siebzehnjährigen Tochter Cass überfordert, die rasend vor Wut auf ihre Mutter ist.
Helen ist Lehrerin und unterrichtet Frauengeschichte. Sie träumt davon Mutter zu werden und ist der Meinung mit Tom endlich den richtigen Partner gefunden zu haben. Ihre Freundin Mabel ist hingegen skeptisch und auch Helen spürt nach der Bewilligung der Lebensgemeinschaft, dass Tom doch nicht so perfekt ist.

"After Dark" ist eine Dystopie, die ungefähr 20 Jahre in der Zukunft handelt. Sie wird in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive der Ermittlerin Pamela geschildert, die noch weiß, wie das Land vor der Ausgangssperre für Männer aussah und im Gegensatz zu ihren jüngeren Kolleginnen eine unvoreingenommene Sicht auf die Ermittlungen hat.

Vier Wochen vor dem Leichenfund werden die Lebensumstände abwechselnd aus den Perspektiven von Sarah, Cass und Helen geschildert. Auf diese Weise erhält man einen umfassenden Einblick in ein Land, in der Männer nachts eingesperrt werden und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, was massive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag und die Gesellschaft hat.
Die Geschichte ist abwechslungsreich und lebendig und es fällt nicht schwer, sich eine derartige Situation nach einer entsprechenden Gesetzesänderung vorzustellen. Auch ist anhand der Darstellung aus vier unterschiedlichen Perspektiven anschaulich dargestellt, wie die Frauen sich fühlen, wie sie sich mit einem solchen System auseinandersetzen, es widerspruchlos akzeptieren, es unterstützen oder dagegen rebellieren.
Die Ereignisse in der Vergangenheit erzeugen gleichzeitig eine fesselnde Spannung, welcher Zusammenhang zu der toten Frau besteht und welche der Frauen aus welchem Grund sterben musste.

Die Ausgangssituation ist originell und die Umsetzung gelungen. Die Geschichte ist eindringlich und spannend aufgebaut und stimmt nachdenklich, ob man selbst als Frau in einer solchen Welt leben möchte. Sicherheit um jeden Preis? Und kann es eine 100%ige Sicherheit überhaupt geben?

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Tragikomischer Roman über die ungewöhnliche Annäherung zweier Schwestern, über Trauer und Alkoholismus - eigenwillig, aber dennoch glaubwürdig

Mickey und Arlo
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Mickey erfährt aus der Zeitung, dass ihr Vater verstorben ist. Er hatte sie und ihre Mutter vor 25 Jahren verlassen und eine neue Familie gegründet. Sie erinnert sich an ihn als einen herrischen Alkoholiker ...

Mickey erfährt aus der Zeitung, dass ihr Vater verstorben ist. Er hatte sie und ihre Mutter vor 25 Jahren verlassen und eine neue Familie gegründet. Sie erinnert sich an ihn als einen herrischen Alkoholiker und hat, wenn überhaupt, nur Abscheu für ihn übrig. Da erfährt sie, dass er ihr ein Vermögen vermacht hat - unter der Bedingung, dass sie sieben Therapiesitzungen absolviert. Widerwillig geht sie zu der vorgeschlagenen Therapeutin, denn nach der Beurlaubung als Vorschullehrerin ist das Geld knapp.
Was sie nicht weiß ist, dass es sich bei ihrer Therapeutin um ihre Halbschwester Arlo handelt. Auch diese ist zunächst unwissend und trauert um einen Vater, den sie bis zum Schluss liebevoll umsorgt und gepflegt hat. Umso irritierter ist sie, als sie erfährt, dass weder sie noch ihre Mutter in seinem Testament bedacht sind. Sie möchte herausfinden, wohin das Geld gehen soll und warum und erfährt dabei von Mickey, die das Alkoholproblem ihres Vaters geerbt hat.

"Mickey und Arlo" wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Halbschwestern geschildert, die bis zu ihrem Aufeinandertreffen in der ersten Therapiestunde noch nie begegnet sind.
Beide haben unterschiedliche Erinnerungen an den toten Vater, wobei Arlo seine schlechten Seiten bisher ausgeblendet hat und die sich mit dem Verlust des Erbes bahnbrechen.
Ihr Vater war über Jahrzehnte Alkoholiker und ist letztlich an den Folgen davon gestorben. In Mitleidenschaft hat er zwei Ehefrauen und Töchter gestürzt, die nicht nur unter der Co-Abhängigkeit, sondern auch unter seinen Ausfallerscheinungen und seiner Gewalt leiden mussten.

Nach seinem Tod geraten Dinge in Gang, die zu Kontrollverlust und falschen Entscheidungen seitens beider Schwester führen. Neben der Trauer und der Wut handelt der Roman dabei vom Leben als Alkoholiker, denn Mickey hat die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum verloren, auch wenn sie sich dies bisher nicht eingestehen wollte und die Menschen deshalb auf Distanz hält.

Die Geschichte ist durch die wahnwitzige Idee des Vaters, bei der man sich fragt, ob er posthum Wiedergutmachung leisten oder eine Annäherung seiner beiden Töchter herbeiführen möchte, ein wenig skurril. Die Menschen darin sind fehlerbehaftet und machen Dinge, die sie später bereuen.
Die Geschichte ist abwechslungsreich und unterhaltsam und lässt tief in die Gefühlswelt der beiden Hauptfiguren blicken, auch wenn sie selbst eine Mauer um sich gebaut haben und niemanden zu nah an sich heran lassen.

Neben den schmerzhaften Erinnerungen und den Problemen, mit denen sich beide Frauen konfrontiert sehen, gibt es einige amüsante Situationen, die der Erzählung die Schwere nehmen. Es ist ein tragikomischer Roman, der auf authentische Weise zeigt, wie zerstörerisch ein überhöhter Alkoholkonsum ist - für sich und für Angehörige - und wie schwierig es ist, sich eine Sucht einzugestehen und dagegen vorzugehen. Es ist eine eigenwillige und trotzdem glaubwürdige Geschichte, die neben Suchtverhalten von toxischen Familienstrukturen handelt, wobei man trotz aller Schwierigkeiten niemals die Hoffnung auf ein für alle versöhnliches Ende aufgibt.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Einfühlsam erzählte Geschichte auf zwei Zeitebenen mit Familiengeheimnissen, die Generationen beeinflussen und bis in die Gegenwart wirken

Die Anatomie der Einsamkeit
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Als in den Medien von einem spektakulären Leichenfund in Hamburg berichtet wird, wird auch die Journalistin Olive in London darauf aufmerksam, denn der Kompass, der bei der Leiche gefunden wurde, gleicht ...

Als in den Medien von einem spektakulären Leichenfund in Hamburg berichtet wird, wird auch die Journalistin Olive in London darauf aufmerksam, denn der Kompass, der bei der Leiche gefunden wurde, gleicht dem Kompass, den Olive von ihrer Großmutter Poppy als vorgezogenes Erbe erhalten hatte. Über die Bedeutung hatte Olive nie weiter nachgedacht und kann ihre Großmutter, die inzwischen pflegebedürftig und dement ist, nicht mehr fragen. Frustriert von ihrer beruflichen Situation, in der ihr nicht mehr als das Verfassen von Horoskopen zugetraut wird, ergreift sie die Chance für eine eigene, persönliche Story und begibt sich mit dem Fotografen Tom nach Deutschland, um mehr über die Geschichte ihrer Großmutter herauszufinden.

Zwanzig Jahre früher ist Claire in New York als Anwältin erfolgreich und hat das Angebot erhalten, Partnerin einer renommierten Kanzlei zu werden. Der Erfolg trifft sich allerdings mit privaten Tragödien - die Trennung von ihrem Lebensgefährten und der überraschende Tod ihrer Schwester Iris. Zu ihr hatte sie seit Jahren keinen Kontakt mehr und dennoch verlässt sie überstürzt New York und fährt zu der Insel, auf der Iris zurückgezogen gelebt hat. Sie weiß nicht genau, was sie dort erhofft zu finden, stößt aber schon bald auf versteckte Hinweise ihrer Schwester, während sie selbst mit der Einsamkeit zurecht kommen muss.



Nach einem dramatischen Prolog im Jahre 1950 taucht man direkt in die Geschichten von Olive und Claire in den Jahren 2000 und 2022 ein. Beide Erzählstränge sind von einer Melancholie und Einsamkeit geprägt. Olive und Claire wohnen in der Großstadt und sind trotzdem allein. Ihre Partner sind unzuverlässig, Claire hat keine Familie und Olive erträgt es nicht, zu ihrer Familie zu fahren, um ihre hilfsbedürftige Großmutter zu sehen, zu der sie so ein enges Verhältnis hatte. Beide Frauen sehen sich mit Einschnitten in ihrem Leben konfrontiert und erhalten durch die Recherchen zur Schwester bzw. Großmutter die Chance, mehr über sich selbst herauszufinden.

Die Geschichte ist einfühlsam aus wechselnden Perspektiven der beiden Hauptfiguren geschildert, wobei der Zusammenhang bis auf die Erwähnung des Kompasses im Klappentext lange nicht ersichtlich ist. Der Bezug zum dramatischen Prolog wird hingegen früher erkennbar und ist eng mit der Großmutter Olives verbunden. Zwischen den Kapiteln gibt es zudem eine Reihe an Gedichten, die in 1940er-Jahren in Dänemark und Deutschland verfasst worden sind. Die Bedeutung erschließt sich peu à peu und empfand ich als originellen Kunstgriff im Vergleich zu Tagebucheinträgen, die man so häufig in Romanen verwendet.

Die Geheimnisse, die beide Familien umgeben, der plötzliche Tod von Iris und die Vergangenheit, über die Poppy nicht sprechen konnte, erzeugen eine Grundspannung, die bis zum Ende aufrechterhalten wird. Während in Bezug auf Poppy schon aufgrund des historischen Hintergrunds zu ahnen ist, in welche Richtung etwaige Schuldfragen gehen könnten, ist die Geschichte von Iris und Claire weniger durchsichtig.

Da beide Hauptfiguren jedoch viel mit sich selbst beschäftigt sind, grübeln und auch Angst davor haben, was sie bei ihren Recherchen aufdecken könnten, ist die Geschichte ein wenig zögerlich und hat deshalb phasenweise ihre Längen. Dennoch kann man sich stets sehr gut in beide Frauen und ihre Sorgen und Sehnsüchte einfühlen.

Die Geschichte handelt von verdeckten Familiengeheimnissen, die bis in die Gegenwart wirken und nachfolgende Generationen beeinflussen sowie von Vergebung, aber auch von der Einsamkeit, die selbst Personen umgibt, die fest im Leben stehen sowie von Selbstakzeptanz und Selbstfindung. Trotz der ruhigen Erzählweise ist man gebannt, alle Geheimnisse zu entschlüsseln und zu erfahren, ob es 2022 zu einem Aufeinandertreffen der Beteiligten kommt, um die Tragik der Vergangenheit ein wenig zu kompensieren. Und auch wenn ich die Geschichte um den Kompass etwas konstruiert fand und sie mir von zu vielen Zufällen geprägt war, ist er als Symbol den richtigen Weg zu finden, treffend gewählt - für alle, die auf der Suche nach Erkenntnissen, Wahrheit oder einer neuen Richtung sind.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Spannendes Szenario mit einem drohenden Terroranschlag in Norwegen und einer brandaktuellen politischen Komponente in Bezug auf den Rechtsruck in Europa

Echokammer
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Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Norwegen ist der Wahlkampf in der heißen Phase angelangt. Die stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterpartei, Christina Nielsen, hat den Polizeijurist Jens Meidell ...

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Norwegen ist der Wahlkampf in der heißen Phase angelangt. Die stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterpartei, Christina Nielsen, hat den Polizeijurist Jens Meidell als Berater in ihr Team geholt und hat als selbst ernannte norwegische Patriotin große Chancen auf das Amt als Ministerpräsidentin. Jens missbilligt ihren Flirt mit dem politisch rechten Rand und ihre moralisch umstrittenen Methoden im Umgang mit den sozialen Medien, steht persönlich jedoch aufgrund seiner dunklen Vergangenheit unter Druck und wird mit seinem Geheimnis erpresst.
Zur gleichen Zeit werden zwei Prepper von Terroristen entführt, die mit Anschlägen drohen. Die Polizistin Lieselott Benjamin und der Terrorexperte Martin Tong arbeiten in der Antiterroreinheit des PST zusammen und versuchen die Terroristen und ihre Unterstützer zu identifizieren und den Anschlag zu verhindern. Die Zeit ist knapp, denn die Terroristen haben ein Ultimatum gestellt, sind im Besitz von biologischen Waffen und zeigen bereits mit Gewalttaten, wie ernst die Lage ist.
Inmitten des Wahlkampfes muss der Staat mit voller Härte durchgreifen, um Schlimmeres zu verhindern und die Demokratie zu schützen.

"Echokammer" ist der Auftakt einer Thrillertrilogie um die beiden Ermittler Lieselott Benjamin und Martin Tong. Im Vergleich zu anderen Kriminalromanen spielt das Privatleben der beiden Hauptfiguren keine Rolle. Der Fokus liegt klar auf den beiden Erzählsträngen Politik und Polizeiarbeit. Ein Countdown, der die Wochen und Tage bis zu den Parlamentswahlen herunterzählt, erzeugt Spannung, ob eine Katastrophe bis dahin verhindert werden kann.

Die politische Seite ist überwiegend aus der Perspektive des politischen Beraters und Sohn einer bekannten Politikerin der Arbeiterpartei, Jens Meidell, geschildert. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt den Wahlkampf und mit welch durchaus umstrittenen, rigorosen Methoden vorgegangen wird, um die Wähler zu beeinflussen und an die Macht zu kommen.
In dem Zusammenhang wird auch der Rechtsruck des Landes offensichtlich, wie es in vielen europäischen Staaten derzeit der Fall ist. Das Szenario mutet deshalb realistisch an und zeigt auf erschreckende Weise wie paktiert wird und wie der Einfluss der sozialen Medien auf die Gesellschaft genutzt wird.

Der zweite Erzählstrang handelt von den Ermittlungen der Polizei, die den ehemaligen Nachrichtendienstler Martin Tong reaktiviert hat, um von seiner Expertise zu profitieren. Während schon bald zwei Verdächtige im Raum stehen, ist nicht bekannt, wie weit verzweigt, dass Terrornetzwerk sein könnte. Klar sind jedoch die finanziellen und politischen Forderungen, die unter dem Druck von Anschlägen mit Rizin erzwungen werden sollen. Der Staat kann und möchte sich nicht erpressbar machen, kann aber auch nicht das Risiko von unzähligen Toten durch einen Giftgasanschlag in Kauf nehmen.
Auch diese Einflussnahme von (Rechts-)terroristen, um politische Ziele zu erlangen sowie die Ermittlungen der Polizei sind authentisch dargestellt. Die Gefahr ist spürbar und es ist leicht vorstellbar, dass eine solche Situation auch in Deutschland jederzeit möglich ist.

Auch wenn die Bedrohungslage ein realistisches Szenario darstellt, empfand ich die Aufklärung nicht durchgängig plausibel. Einerseits spielte der Faktor Zufall bei der Vorhersehung der Taten eine zu große Rolle, andererseits waren mir die Schlussfolgerungen der Ermittler zu sehr aus der Luft gegriffen. Eingängiger empfand ich den schmutzigen, bitterbösen Wahlkampf, wobei die Methoden bis an die Spitze des Erträglichen getrieben werden.

"Echokammer" ist vor dem Hintergrund eines drohenden Terroranschlags und dem Wettlauf mit der Zeit spannend aufgebaut und hat durch den Wahlkampf zudem eine brandaktuelle politische Komponente. Der Thriller spiegelt in weiten Teilen die Realität wieder bzw. welches Drohszenario Terroristen aufbauen können und ist deshalb besonders beängstigend. Für einen Reihenauftakt bleiben die Hauptfiguren allerdings blass und marginal. Der Epilog verspricht eine nahtlose Fortsetzung mit einem erneuten Terrorfall.

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