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Veröffentlicht am 19.07.2017

Magischer Roman aus 1001er Nacht - Kombination aus tragischer Liebesgeschichte und Abenteuerroman in der orientalischen Welt

Ein Kuss aus Sternenstaub
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Zahra von Ambadyen ist über 4.000 Jahre alt, eine der mächtigsten Dschinnys und seit fast 500 Jahren in ihrer Lampe gefangen. Als der Dieb Aladdin dem Prinzen Darian einen Ring stiehlt, wird er von diesem ...

Zahra von Ambadyen ist über 4.000 Jahre alt, eine der mächtigsten Dschinnys und seit fast 500 Jahren in ihrer Lampe gefangen. Als der Dieb Aladdin dem Prinzen Darian einen Ring stiehlt, wird er von diesem durch die Wüste zu Zahra geführt und erweckt sie wieder zum Leben. Er hat von nun an drei Wünsche frei und einer von ihnen ist, dass er selbst der Prinz des Königreichs Parthenien wird. Er möchte damit auch seine Eltern rächen, die von König Malek als Aufständische getötet worden sind. Mit Hilfe von Zahra kann er sich unter einer falschen Identität als Prinz Rahzad von Istayen in den Hof einschleichen und Prinzessin Caspida, die um das Königreich ihres gerade verstorbenen Vaters zu übernehmen, einen Prinzen heiraten muss, für sich gewinnen.
Gleichzeitig entwickelt er aber Gefühle für Zahra, die am Hof als treue Dienerin an seiner Seite ist und die er liebevoll "Rauchwölkchen" nennt, aber ihrerseits versucht, ihre Freiheit zu erlangen. Dafür muss sie Zhian, den Sohn des übermächtigen Dschinns Nardukha befreien, um als Dschinny erlöst zu werden.
Eine Liebe zwischen beiden darf nicht sein und würde zu schrecklichen Konsequenzen führen, die schon einmal vor 500 Jahren dafür gesorgt haben, dass Zahra verbannt wurde.

"Ein Kuss aus Sternenstaub" ist wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, eine tragische Liebesgeschichte, aber viel mehr auch ein Abenteuerroman in der orientalischen Welt.

Zu Beginn prasseln sehr viele Informationen auf den Leser ein: die Vorgeschichte der Dschinny, das Schicksal Aladdins und vor allem viele orientalische Namen der unzähligen Protagonisten, die man erst einmal sortieren muss. Hat man sich aber an das fremdartige Setting gewöhnt, kann man in die märchenhafte Erzählung eintauchen.
Der Roman ist aus Sicht von Zahra geschrieben, so dass man ihre widersprüchlichen Gefühle gut nachvollziehen kann. Einerseits ist sie eine mächtige Dschinny, die für Tod und Zerstörung sorgen kann, aber andererseits ein Wesen, das menschliche Gefühle wie Liebe empfinden kann. Sie ist aber auch abhängig von der Lampe und dem jeweiligen Besitzer, dem sie so lange dienen muss, bis dessen Wünsche erfüllt sind und sie wieder zurück in ihre Lampe muss. Sie befindet sich insofern in dem Zwiespalt, ob sie egoistisch ihr eigenes Ziel verfolgen soll, nämlich Zhian zu befreien, der am Königshaus zusammen mit vielen weiteren Dschinnys gefangen gehalten wird oder ergeben Aladdin zu dienen.

"Ein Kuss aus Sternenstaub" magischer Roman über eine Liebe, die nicht sein darf, der einerseits das Flair aus Tausendundeiner Nacht einfängt, andererseits aber auch die melancholische Stimmung der Dschinny und ihrer schicksalhaften Gefangenschaft einfängt und durch einen gewitzten Dieb in Form des mittellosen jungen Aladdin überzeugt.
Es ist ein Roman, der vor allem Jugendliche begeistern dürfte, die sich in diese Traumwelt um die Machtkämpfe um Königreiche und Nationen und zwischen Mensch und Dschinns versetzen lassen möchten, aber auch für junggebliebene Erwachsene geeignet ist, die eine etwas andersartige Liebesgeschichte lesen möchten.

Veröffentlicht am 17.07.2017

Wunderbar leicht zu lesender Wohlfühlroman für den Sommer

Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom
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Der Roman wird aus der Sicht der "ewigen Stadt" Rom erzählt und handelt von drei Beziehungskonstellationen. Das Ehepaar Alec und Megan Schack ist seit knapp 20 Jahren verheiratet, lebt mit zwei gemeinsamen ...

Der Roman wird aus der Sicht der "ewigen Stadt" Rom erzählt und handelt von drei Beziehungskonstellationen. Das Ehepaar Alec und Megan Schack ist seit knapp 20 Jahren verheiratet, lebt mit zwei gemeinsamen Kindern in Los Angeles und streitet sich die meiste Zeit nur noch. Als Entschädigung dafür, dass Alec sowohl ihren Geburtstag als auch den gemeinsamen Jahrestag vergessen hat, zwingt Meg ihn, mit ihr für einen Tag nach Rom zu reisen, wo sie sich vor 19 Jahren ineinander verliebt haben. Für die Renovierung ihres Hauses möchte Meg eine Fliese besorgen, die ihr damals auf dem Fußboden eines Hotels aufgefallen war und von der sie ein "Muster" mitgenommen und solange aufbewahrt hatte. Alec findet Megs "Mission" als dekadent, begleitet seine exzentrische Ehefrau aber dennoch. Meg möchte keine Scheidung und versucht durch die Reise die Gefühle von damals zu reaktivieren.

Constances Ehemann Henry ist verstorben. Die Engländerin reist zusammen mit ihrer Schwägerin Lizzie nach Rom, um auch Wunsch ihres Mannes seine Asche auf einer Brücke über dem Tiber zu verstreuen. Das Ehepaar hatte sich vor 38 Jahren in Rom kennengelernt.

Die junge Künstlerin Alice reist wie Alec und Meg aus den USA nach Italien, um Inspiration und neue Impulse für ihre Skulpturen zu erhalten, Ihr Weg führt sie zunächst nach Rom, um von dort weiter nach Florenz zu fahre, wo sie ihren Verlobten Daniel treffen möchte. Am Flughafen lernt sie eine Gruppe Architekturstudenten kenne, die sie dazu überreden, die Zeit bis zu ihrer Zugabfahrt gemeinsam zu verbringen. August verliebt sich auf den ersten Blick in die hübsche Amerikanerin, die ihre Gefühle selbst nicht richtig einzuordnen weiß.

Es sind alles Geschichten, die am weitesten Sinn von der Liebe handeln und sich an einem ereignisreichen Tag in Rom abspielen. Der "Geist der Stadt" versucht dabei, den Paaren zu ihrem Glück zu verhelfen.

"Via dell'Amore ist ein wirklich süßer Sommerroman, der schon durch den Aufhänger der Stadt Rom als Erzähler kreativ wirk und sich damit von den anderen Romanen des Genres abhebt. Da der Roman von drei Paaren handelt und man als Leser nur einen Tag mit ihnen erlebt, kann man aber keine tiefgründige Handlung erwarten.

Der Roman ist allerdings so lebendig geschrieben, die zum Teil etwas schrulligen Charaktere so eingängig und unterhaltsam, dass man unmittelbar in die Geschichten eintaucht und die einzelnen Episoden in Rom amüsiert verfolgt.

"Via dell'Amore ist wunderbar leicht zu lesen, ein richtiger Wohlfühlroman für den Sommer, der das Flair der Stadt Rom einfängt und der durch die bissigen Dialoge zwischen Alec und Meg, die zarten Anfänge der Liebesgeschichte von Alice und August und dem Geheimnis um die Ehe von Constance und Henry, das sie gegenüber ihrer Schwägerin lüftet, herzerfrischend unterhält.

Veröffentlicht am 15.07.2017

Trotz des ernsten Themas eine abwechslungsreiche, amüsante Geschichte um eine chaotische Protagonistin, die erwachsen wird.

Das Leben fällt, wohin es will
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Marie ist 29 Jahre alt, lebt in Hamburg und jobbt, obwohl sie Betriebswirtschaftslehre studiert hat und ihr Vater Inhaber einer familiengeführten Werft ist, in einem Café im Kiez. Sie wohnt zusammen mit ...

Marie ist 29 Jahre alt, lebt in Hamburg und jobbt, obwohl sie Betriebswirtschaftslehre studiert hat und ihr Vater Inhaber einer familiengeführten Werft ist, in einem Café im Kiez. Sie wohnt zusammen mit ihrer Freundin Hanna in einer WG und lebt mehr oder weniger in den Tag hinein, um an den Wochenenden Party im Schanzenviertel zu machen.
Sie mag ihr unbeschwertes Leben, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, bis die Krebsdiagnose ihrer Schwester Christine ihr Leben komplett durcheinander wirft.

Christine ist Mutter zweier Kinder und frisch von ihrem Ehemann Robert getrennt, der nach Frankfurt/ Main gezogen ist. Um ihrer Schwester unter die Arme zu greifen, während diese ihre Chemotherapie beginnt, zieht Marie bei ihr ein und wird auch noch gezwungen, Christines Position in der Werft zu übernehmen. Marie ist zunächst völlig überfordert, lässt den Kindern ihren Willen, möchte in der Firma nur gut aussehen und den Anschein eines Familienbetriebs wahren und möglichst wenig mit Daniel zu tun haben, der Streber, der in Vertretung für Christine die Geschäfte übernommen hat.

Unter dem Druck der schweren Erkrankung der Schwester, die von den Nebenwirkungen der Chemotherapie völlig ausgelaugt ist, kann Marie ihre Fassade als schönes Dummchen nicht lange aufrechterhalten. Sie sagt sich von ihrem oberflächlichen Partyleben los, übernimmt Verantwortung in der Werft, entwickelt sogar eigene Ideen und hat beim Anblick von Daniel plötzlich Schmetterlinge im Bauch.

Ich hatte bereits "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsmann gelesen und auch bei "Das Leben fällt, wohin es will" bleibt die Autorin ihrem Stil treu. Wieder geht es um eine junge Frau, die Single ist und in Hamburg wohnt und ihren Platz im Leben noch finden muss. Und wieder verwendet die Autorin kreative Sprachbilder und in Teilen der Dialoge das norddeutsche Platt, das das Buch sehr eingängig und unterhaltsam zu lesen macht. Zudem begegnet man dem Taxifahrer Knut und seiner Freundin, der Kiezkneipenkönigin Irina wieder.

Marie hat sich das Image eines oberflächlichen Partymädchens gegeben, das nicht an die Liebe glaubt und sich gern darauf beruft, die jüngere Tochter zu sein, die bloß keine Verantwortung in dem Familienunternehmen übernehmen möchte.
Tatsächlich hat Marie nach wie vor eine versteckte Leidenschaft für das Segeln und ist ganz und gar nicht so einfältig wie sie sich aus Schutz vor Enttäuschung gibt. Als 17-Jährige wurde sie von ihrer großen Liebe sitzengelassen und auch der Vater hat seiner jüngeren Tochter nicht so viel wie der Ältesten zugetraut. Jetzt hat sie Angst, wieder verletzt zu werden und Probleme damit, anderen Menschen Vertrauen entgegenzubringen.
Nachdem nun die Rollen getauscht werden und die beruflich erfolgreiche Vorzeige-Mutter Christine durch die Krebserkrankung außer Gefecht ist, kann Marie endlich zeigen, was in ihr steckt und damit auch noch das Herz von Daniel erobern bzw. ihres endlich verschenken.

Trotz des ernsten Themas der Brustkrebserkrankung ist der neue Roman von Petra Hülsmann wieder eine sehr abwechslungsreiche, amüsante Geschichte, auch wenn das Ende von Anbeginn vorhersehbar ist. Die Erzählung und die Protagonisten sind dabei aber so authentisch und aus dem Leben gegriffen, das man als Leser gerne in das chaotische Leben von Marie eintaucht und ihre Entwicklung gespannt mitverfolgt.
Es ist eine Geschichte über Familie und Zusammenhalt, über Freundschaft und Verantwortung und das Erwachsenwerden, wobei die Liebe nicht zu kurz kommt und man locker-leicht unterhalten wird, da die Erkrankung selbst nur den Rahmen für die Veränderung Maries gibt.

Veröffentlicht am 14.07.2017

Autobiographischer Roman, der ein Leben voller Einschränkungen schildert - die "Befreiung aus den Fesseln" war dagegen unspektakulär

Unorthodox
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"Unorthodox" ist ein autobiographischer Roman, der aus Sicht des Mädchens Devoiri das Leben innerhalb der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte, in Williamsburg/ New York ...

"Unorthodox" ist ein autobiographischer Roman, der aus Sicht des Mädchens Devoiri das Leben innerhalb der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer ultraorthodoxen jüdischen Sekte, in Williamsburg/ New York erzählt.

Devoiri lebt bei ihren streng religiösen Großeltern Bubby und Zeidi, die auch von ihrer Enkelin erwarten, dass diese sich an die Regeln der Gemeinde hält. Das Leben ist für die Teenagerin, die schon früh im Kleinen gegen die scheinbar absurden Regel aufbegehrt, voller Einschränkungen. Bücher lesen und Fernsehen sind verboten, das Tragen von Kleidung nur nach bestimmten Regeln erlaubt, Frauen müssen sich die Haare abrasieren und tragen stattdessen Perücken, Sexualität ist ein Tabuthema und Zwangsehen sind an der Tagesordnung. Wer die Regeln bricht, löse unweigerlich einen neuen Holocaust aus, wird schon den Kindern eingebläut, weshalb es auch für Devoiri ein Leben voller Verunsicherung und ständiger Angst ist, etwas falsch zu machen.

Devoiri leiht sich trotzdem in der Bibliothek verbotene Bücher, am liebste schmale Taschenbücher, die sie zwischen Bett und Matratze verstecken kann. Sie ist dann auch die Schülerin, die fast als einzige in der Lage ist, auf Englisch zu lesen und zu schreiben und entwickelt so viel Ehrgeiz, Grundschullehrerin zu werden.
Schon früh wird sie verheiratet und nachdem es zu Beginn der arrangierten Ehe enorme Schwierigkeiten in ihrem Sexualleben gegeben hat, da beiden jegliches Wissen über den Körper fehlte, degradiert sie Eli wenig später zum Objekt seiner Befriedigung. Einerseits ist Devoiri froh, den Akt schnell über sich ergehen lassen zu können und dass Eli immer seltener zu Hause ist, andererseits hat sie sich ihr Eheleben anders vorgestellt. Sie dachte irrtümlicherweise, dass sie als verheiratete Grau mehr Freiheiten haben würde, als bei ihren Großeltern, fühlt sich nun aber durch ihre Schwiegermutter, Schwägerin und den Rest der Gemeinde unter ständiger Beobachtung.

Die strenge Glaubensgemeinschaft der chassidischen Juden war mir bisher nicht bekannt, aber auch ohne (religiöses) Vorwissen fällt es einem nicht schwer, in diesen autobiographischen Roman einzutauchen.
Deborah Feldmann beschreibt ihr Leben als Teenager und junger frau innerhalb der Satmar-Gemeinde, das völlig abgeschottet von der Außenwelt ist. Es ist kaum zu begreifen, wie eine solche Parallelgesellschaft in einer Stadt wie New York möglich ist und dass es Menschen gibt, die dieses Leben voller Einschränkungen über Generationen hinweg aufrechterhalten, das einzig dazu zu dienen scheint, sich Gott unterzuordnen und seine Regeln kompromisslos zu befolgen. Die Satmar-Gemeinde geht sogar so weit, Zionismus und den Staat Israel abzulehnen, da dieser von Menschen errichtet wurde.

"Unorthodox" ist ein Bestseller, der die Befreiung von Deborah Feldman aus den Fesseln der Satmar-Gemeinde feiert. Ich fand diesen autobiographischen Roman aufgrund der mir fremden Thematik interessant zu lesen und in Teilen wirklich erschütternd zu erfahren, was Frauen dort über sich ergehen lassen müssen.
Dennoch kommt der Roman meiner Meinung nach nicht dem Hype gerecht. Ich fand den hochgelobten Roman nicht so überragend, da ich mir mehr von dem Befreiungskampf erhofft hatte. Letztlich ist die Satmar-Gemeinde aber eine nach Außen hin friedliche, gewaltfreie Glaubensgemeinschaft, in der eine Scheidung vom ungewollten Ehepartner und ein Austritt aus der Gemeinde nicht unmöglich ist - solange man mit einem Bruch mit der eigenen Familie leben kann.

Veröffentlicht am 12.07.2017

Postapokalyptischer Plot, der erst ab der zweiten Hälfte des Romans an Spannung und Emotionen zulegte

Das Licht der letzten Tage
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In Georgien bricht eine tödliche Grippeerkrankung aus, die sich als Pandemie schnell bis nach Nordamerika und die ganze Welt ausbreitet. Innerhalb kürzester Zeit sterben die Menschen, die mit den Erkrankten ...

In Georgien bricht eine tödliche Grippeerkrankung aus, die sich als Pandemie schnell bis nach Nordamerika und die ganze Welt ausbreitet. Innerhalb kürzester Zeit sterben die Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt kommen.

Den Ausbruch der Katastrophe erlebt der Leser mit Jeevan, einem ehemaligen Paparazzi und Journalist, der gerade noch als Zuschauer im Theaterstück "König Lear" sitzt und miterlebt, wie König Lear, gespielt von Arthur Leander, während der Aufführung an einem Herzinfarkt stirbt. Noch am selben Abend wird ihm von einem befreundeten Arzt empfohlen wegen des Ausbruchs der georgischen Grippe, die Stadt zu verlassen, weshalb er damit beginnt, Lebensmittel zu bevorraten und bei seinem gehbehinderten Bruder einzuziehen. In den Nachrichten erfahren sie, wie sich die Pandemie ausbreitet und letztlich muss sich Jeevan allein auf den Weg in Richtung Süden machen, als die Vorräte zu neige gehen.

19 Jahre später ist die "Symphonie" unterwegs und zieht als Theater-/ Musikergruppe durch verlassene Städte an der Küste der USA. Dort haben sich vereinzelt autarke Gruppen von Menschen zusammengeschlossen, die das Zusammenleben neu organisieren mussten. Ohne die Annehmlichkeiten, an die man sich in der Gegenwart gewöhnt hatte, leben die Menschen jetzt ohne Benzin, Strom etc. wie in vergangenen Jahrhunderten - mit dem Unterschied, dass sie ein anderes, komfortableres, sicheres Leben kennengelernt hatten.

Der Roman wechselt zwischen Vergangenheit (vor der Katastrophe) und der gegenwärtigen Situation (knapp 20 Jahre nach der Katastrophe) ab. Beide Erzählstränge sind durch den Comic "Station Eleven", eine Grafic Novel, die die Künstlerin Miranda, die die Ex-Ehefrau von Arthur ist, gezeichnet hat und die Lebensgeschichte des Schauspielers miteinander verknüpft.
In den verlassenen Häusern, in denen das Symphonie-Mitglied Kristen einbricht, macht sie sich auf die Suche nach Veröffentlichungen des Comics und nach Presseartikeln über Arthur Leander, mit dem sie als Kinderschauspielerin auf der Bühne stand.

Auf dem Flughafen Severn City in Michigan sind kurz nach dem Ausbruch der Katastrophe, als die Grundversorgung zusammengebrochen ist, die Passagiere mehrere Flugzeuge, darunter auch eine der Ex-Ehefrauen von Arthur und sein Sohn Tyler, gestrandet. Sie harren mehrere Tage am Flughafen aus, bis es an Tag 29 ein Pilot wagt, nach Los Angeles abzufliegen. Die restlichen Menschen verbleiben am Flughafen, ernähren sich vom Wild, das sie in den Wäldern jagen und beginnen sich wieder ein zivilisiertes Leben aufzubauen. Es entsteht sogar ein eigenes kleines Museum, wo sie Dinge sammeln, die sie an ihr altes Leben erinnern, aber nun nutzlos geworden sind. Severn City wird die größte Menschenansammlung in Nordamerika werden.

Ich hatte mich auf den interessanten Plot dieses Katastrophenromans gefreut, fand die Umsetzung der Erzählung aber unnötig kompliziert und verwirrend und vor allem den Alltag nach der Katastrophe nicht ganz schlüssig nachvollziehbar.

Durch die georgische Grippe wurde ein Großteil der Menschheit ausgelöscht. Die Überlebenden werden in Form der "Symphonie" beschrieben, eine Gruppe von (Laien-)schauspielern und Musikern, die durch die USA ziehen und den verbliebenen Bewohnern der Städte ein Stück Vergangenheit durch die Aufführung von Shakespeare-Stücken zurückbringen.

Ich habe nicht ganz nachvollziehen können, warum die Menschen es nicht schaffen bzw. gar nicht erst versuchen, wieder eine Infrastruktur aufzubauen und sich damit abfinden, dass sie sich per Pferd fortbewegen und ohne Stromversorgung auskommen. Auch war mir schleierhaft, warum sie sich in Kleingruppen in Tankstellen und Restaurants zusammentun und nicht in ihre Wohnhäuser zurückkehren.

Ich musste mich wirklich lange in "Das Licht der letzten Tage" einlesen und ab Seite 200 ziehen sich die Fäden dann auch zusammen, der Roman wird runder und spannender zu lesen. Erst dann kann man auch die große Anzahl von Protagonisten unterscheiden und wie sie miteinander zusammenhängen und mit ihren Schicksalen mitfühlen.

Die offenen Fragen und eine Handlung, die nach der Katastrophe immer wieder durch Rückblicken in Arthurs Leben unterbrochen wird und darüber hinaus sich etwas ereignislos in die Länge zieht, störten mich lange in meinem Lesefluss, wobei der Roman in der zweiten Hälfte deutlich an Spannung und Emotionen gewinnen konnte. Der postapokalyptische Plot und die unterschiedlichen Charaktere zusammen mit der melancholische Stimmung hätten durchaus mehr Potenzial gehabt, das die Autorin nicht ganz ausgeschöpft hat.