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Veröffentlicht am 12.05.2017

Interessante Grundidee, jedoch wenig spannungsgeladene Handlung aufgrund völlig überzogener Reaktionen der Charaktere

Nur ein kleiner Gefallen - A Simple Favor
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Stephanie wird von ihrer besten Freundin Emily, einer Karrierefrau aber dennoch fürsorglichen Mutter gebeten, ihren Sohn von der Schule abzuholen. Den kleinen Gefallen erledigt Stephanie, die sich nach ...

Stephanie wird von ihrer besten Freundin Emily, einer Karrierefrau aber dennoch fürsorglichen Mutter gebeten, ihren Sohn von der Schule abzuholen. Den kleinen Gefallen erledigt Stephanie, die sich nach dem Tod ihres Ehemanns ausschließlich um ihren Sohn Miles und ihren "Mama-Blog" kümmert gern. Emily holt ihren Sohn Nicky jedoch nicht wie gedacht noch am selben Abend ab und meldet sich auch nicht bei Stephanie. Die Polizei reagiert nur sehr zögerlich, in der Annahme, dass sich die gestresste junge Frau nur eine Auszeit von Ehe, Familie und Job nehmen möchte. Erst als ihr Ehemann Sean von einer Geschäftsreise zurückkehrt, kommen die Ermittlungen ins Rollen und eine Frauenleiche wird gefunden.

Stephanie kann nicht glauben, dass sich ihre selbstbewusste Freundin und liebende Mutter das Leben genommen hat, wie es die Polizei interpretiert. Im Andenken an ihre beste Freundin fühlt sie sich verpflichtet, sich um Nicky und Sean zu kümmern. Einerseits vertraut sie Sean nicht, ist misstrauisch, ob er aufgrund der Lebensversicherung von Emily eine Schuld an ihrem Tod haben könnte, fühlt sich aber sexuell so sehr von ihm angezogen, dass sie sich auf eine Affäre mit dem Ehemann ihrer verstorbenen Freundin einlässt.

Da erzählt ihr Nicky eines Abends, dass er seine Mutter gesehen habe und Stephanie erhält einen irritierenden Anruf...

"Nur ein kleiner Gefallen" ist durch den außergewöhnlichen Aufbau des Romans durch zahlreiche Blogeinträge sehr modern und am Puls der Zeit und durch die wechselnden Perspektiven der Protagonisten noch zusätzlich abwechslungsreich geschrieben. Als Leser erhält man Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der beiden Frauen, in denen isch Abgründe auftun. In amerikanischer Manier wird der schöne Schein nach Außen gewahrt, während die Realität ganz anders aussieht.

Die Charaktere sind grundsätzlich böse, so dass man für keinen Sympathien entwickelt, was bei einem Thriller auch nicht unbedingt erforderlich ist. Die Protagonisten sind allerdings auch so eindimensional und stereotyp dargestellt, dass die Handlung früh vorhersehbar war. Spannung kam deshalb kaum auf und der für einen Thriller erforderliche Nervenkitzel blieb völlig aus.

Während ich den Einstieg des Romans mit den Blogeinträgen wirklich gelungen fand und das Verschwinden von Emily so viele Fragen aufgeworfen hat, die Stephanie öffentlich zur Diskussion gestellt hat, flachte der Roman im weiteren Verlauf ab. Die Akteure machten einen zunehmend psychisch gestörten Eindruck und so bewegten sich auch ihre Handlungen ins Abstruse.

"Nur ein kleiner Gefallen" hatte vom Grundgedanken viel Potenzial, das allerdings nur unzureichend ausgeschöpft wurde. Die amerikanische Vorstadtidylle, in der nichts so ist, wie es scheint, und die übertriebenen Reaktionen der Protagonisten ließen eine ausgeklügelte, spannungsgeladene Handlung mit nervenaufreibenden Überraschungsmomenten vermissen.

Veröffentlicht am 08.05.2017

Wenn einen die Liebe zu einem Mann nicht loslässt - ein qualvolles Hin und Her, das mich am Ende nicht berühren konnte

Vor, nach und zwischen dir
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Sandra ist 18 Jahre alt und in einer Beziehung mit Jan, als sie den Soldaten der Army, Andrew, der in Deutschland stationiert ist kennenlernt. Beide haben sofort sehr intensive Gefühle füreinander und ...

Sandra ist 18 Jahre alt und in einer Beziehung mit Jan, als sie den Soldaten der Army, Andrew, der in Deutschland stationiert ist kennenlernt. Beide haben sofort sehr intensive Gefühle füreinander und hoffen jeden Freitag auf ein Treffen in Sandras Stammdisco. Sie tauschen Zärtlichkeiten aus, lassen den anderen aber nie so richtig an sich heran, da Andrews Aufenthalt in Deutschland begrenzt ist.

Andrew wird in den Irak versetzt, wo er 18 Monate stationiert ist. Sandra kann ihn nicht vergessen und sie halten den Kontakt auch über E-Mails aufrecht. Dieser schläft erst ein, als es zu einem Missverständnis zwischen den beiden kommt und sich Sandra zurückzieht. Sie studiert inzwischen und hält sich zu dem Zeitpunkt als Andrew wieder zurück nach Deutschland kommt, in London während eines Auslandssemesters auf. Andrew geht daraufhin zurück in die USA.

Sandra kann ihn immer noch nicht loslassen und stellt über das Internet wieder den Kontakt zu ihm her. Sie besucht ihn sogar in den USA, wo sie einen Sommer gemeinsam verbringen. Zu einer festen Beziehung kommt es allerdings nie und dann hören sie auch über Jahre nichts mehr voneinander.

Sandra "stalkt" Andrew noch immer im Internet und stellt fest, dass Andrew seine Freundin in zwischen geheiratet hat und Vater geworden ist. Auch Sandra ist inzwischen verlobt. Wegen einer Spam-E-Mail kommen sie wieder in Kontakt und sehen sich sogar bei einer Hochzeit von Freunden wieder, wo sie über die Gefühle der Vergangenheit austauschen und klar wird, dass sie ein Paar geworden wäre, wenn Sandra sich festgelegt hätte.

Als Leser taucht man unmittelbar in die Gedankenwelt von Sandra ein, da der Roman fast ausschließlich aus ihren inneren Monologen besteht und die Handlung an sich eher reduziert ist. Ich tat mich schwer damit, die Passivität der Protagonisten nachzuvollziehen. Man begreift zwar, dass sich Andrew und Sandra lieben, versteht aber nicht, warum sie sich einander nicht offenbaren bzw. ihre Gefühle viel eindeutiger zeigen. Das Buch beschreibt über 12 Jahre das Gefühlschaos von Sandra und ihrer unerfüllten Liebe zu Andrew.

Das Hin und Her zwischen den beiden strapazierte meine Nerven, weil ich es einfach nicht verstanden habe. Am Ende hatte ich fast schon Mitleid mit Sandra, das sie wegen ein paar Missverständnissen und ihrer jugendlichen Unbeholfenheit Jahre ihres Lebens verschwendet hat. Andrew ist ein Mensch, den sie nie vergessen wird und den sie selbst vermutlich auch nie loslassen wird, was grundsätzlich nicht schlimm ist, solange man sein Leben weiterlebt und nicht beim kleinsten Zeichen hofft, dass es doch noch zu einem Happy End kommt.

"Vor, nach und zwischen dir" ist ein Roman für all diejenigen, die an die große Liebe glauben, die nicht immer schön sein muss. Es ist ein Roman über Hoffen und Bangen, eine unerfüllte Sehnsucht, aber auch vom Aufgeben der Träume, Abschiednehmen und Loslassen.
Mir fehlten jedoch die tiefen Gefühle der beiden, die das lange Hoffen auf ein Happy End gerechtfertigt hätten. Zudem fiel es mir schwer, Verständnis für Sandras selbst auferlegte Qualen zu finden, weshalb mich die Geschichte nicht in der Art wie erhofft berühren konnte.

Als ich den Klappentext las, bin ich auch irgendwie davon ausgegangen, dass der Roman in der Gegenwart spielt und Sandra aufgrund eines Wiedersehens mit Andrew auf ihre Anfänge zurückblickt. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Geschichte der beiden wird chronologisch erzählt.

Der Schreibstil der Autorin ist allerdings angenehm flüssig, so dass der Roman trotz einiger Längen und aufgrund der Zweisprachigkeit doppelten Dialoge, die dem Lesefluss meiner Meinung nach nicht förderlich sind, leicht zu lesen ist.

Veröffentlicht am 06.05.2017

Autobiographischer Roman, der die Folgen von Gewalt an einem unschuldigen kleinen Mädchen sehr drastisch und ungeschönt darstellt

Splitterfasernackt
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"Splitterfasernackt ist kein leicht zu lesender Roman, da er die Folgen von Gewalt an einem unschuldigen kleinen Mädchen sehr drastisch und ungeschönt darstellt. Dabei werden jedoch keine Details der Vergewaltigungen ...

"Splitterfasernackt ist kein leicht zu lesender Roman, da er die Folgen von Gewalt an einem unschuldigen kleinen Mädchen sehr drastisch und ungeschönt darstellt. Dabei werden jedoch keine Details der Vergewaltigungen dargestellt, der Leser erhält erst nach dem Wegzug des Täters Einblick in das Seelenleben der inzwischen 13-jährigen Lilly.

Die Jugendliche ist völlig verstört und schweigt gegenüber ihren Eltern, die entweder blind sind und deshalb nicht begreifen, wie schlecht es ihrer Tochter geht oder die absichtlich wegschauen, weil sie sich mit keinen Problemen beschäftigen möchten.

Das macht fassungslos und traurig, vor allem weil es sich bei dem Roman um die Autobiographie von Lilly Lindner und damit eine wahre Geschichte handelt.

Um vor ihrem seelischen Schmerz abzulenken, fängt Lilly an zu hungern und sich selbst zu verletzen. In ihr herrscht ein permanenter Konflikt zwischen Ana (Anorexie) und Mia (Bulimie) und immer wieder gewinnen beide, wenn Lilly so gut wie nichts isst und das, was sie isst, sofort wieder erbricht. Die Schilderungen sind krank und machen wütend. Einerseits darauf, was Lilly ihrem Körper, der ohnehin schon gelitten hat, noch weiter selbst antut statt sich zu artikulieren und andererseits auf den Nachbar, der ungeschoren davon gekommen ist und gar nicht weiß, welchen Trümmerhaufen er hinterlassen hat.

Als würde Lilly das Unglück magisch anziehen, wird sie mit 17 Jahren erneut brutal vergewaltigt. Im Alter von 20 Jahren beginnt sie als Prostituierte zu arbeiten und fühlt sich in dem Bordell scheinbar geborgen. Sex soll es in ihrem Leben nur noch gegen Bezahlung geben.

"Splitterfasernackt" ist kein Unterhaltungsroman für zwischendurch: Als Leser ist man permanent mit einer geschundenen, kranken, kaputten Seele konfrontiert und taucht in die Gedankengänge von Lilly ein, die man anschreien möchte, sich endlich Hilfe zu holen.
Es ist ein verstörendes Buch einer traumatisierten Frau, das unheimlich wortgewaltig geschrieben ist und einen deshalb in den Bann zieht und trotz des bitteren Beigeschmacks und einer mir zu ausführlichen Beschreibung ihres Lebens als Prostituierte, was den Roman etwas in die Länge zieht, unweigerlich weiterlesen lässt.
Mit dem Schreiben ihrer Autobiographie hat das Kind Lilly endlich Jahre später ihr Schweigen gebrochen und ihre schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit, die auch auf die junge Erwachsene enorme Auswirkungen hatte, versucht zu verarbeiten.

Veröffentlicht am 05.05.2017

Eine Kindheit in Norwegen - sehr nüchtern geschrieben, aber unterhaltsam und erfrischend anders

Und so kam es
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Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf das Kennenlernen von Rhitta und Knut Anfang der 70er-Jahre. Anschließend folgt eine Szene im Jahr 2007 mit Risten als Erwachsene in Kopenhagen, bis der Roman ihre ...

Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf das Kennenlernen von Rhitta und Knut Anfang der 70er-Jahre. Anschließend folgt eine Szene im Jahr 2007 mit Risten als Erwachsene in Kopenhagen, bis der Roman ihre Kindheit in Norwegen und Dänemark erzählt.

Risten wächst in den 70er-Jahren bei ihren Eltern Knut und Rhitta sowie ihrer Áhkku (Großmutter) in Norwegen auf und verbringt ihre Zeit völlig in sich gekehrt mit dem Malen von Bildern. Sie setzt sich allerdings gern zu Àhkku in den Schaukelstuhl, die ihr Schauermärchen von den Unterirdischen erzählt, gegen die sich Risten mit Silber schützen soll. Als Samin wurde die Hochzeit der Tochter mit einem Norweger von ihr nie gutgeheißen, weshalb Knut in ihren Augen ein "Stallutroll" (Menschenfresser) ist, was sie auch frei gegenüber der Enkeltochter behauptet.

Rhitta selbst hat Knut aber offensichtlich auch nur geheiratet, um ihre Mutter zu ärgern, weshalb die Ehe nach neun Jahren nicht nur an Leidenschaft, sondern auch an Respekt verloren hat. Knut wendet sich sodann der Dänin Grethe zu und zieht zusammen mit Risten zu ihr nach Südjütland. Rhitta hatte ihre Tochter gehen lassen, nachdem diese von ihren wahnsinnigen Geschwistern, die in einer Höhle in den Bergen wohnen, bedroht worden ist.

In Dänemark fühlt sich Risten fremd, heißt auf Wunsch von Grethe von nun an Kirsten und findet in dem "Vietnamesen-Niels", der als elternloser Flüchtling im Keller von Grethe aufwächst, ihren einzigen Freund. Ihm erzählt sie die Geschichten von Àhkku und so verschanzen sie sich beide mit Silberschmuck, den sie von Grethe stehlen, im Schuppen im Garten. Dies geht so lange gut, bis der drei Jahre ältere Niels seine Sexualität entdeckt und von Grethe zum Schutz von Kirsten weggebracht wird. Die beiden sollen sich erst Jahre später, als Kirsten Architektur in Kopenhagen studiert, wiedersehen.

Der Roman der norwegischen Autorin ist mit einer Reihe an eigenwilligen Charakteren sehr skurril. Auch wenn sich Grethe sichtlich um Kirsten bemüht, ist sie selbst komplett neben der Spur und das Zusammenleben mit ihr anstrengend. Der Vater Knut ist Zeit seines Lebens, bis auf die Flucht von Norwegen nach Dänemark, passiv und lässt sich von den Frauen gängeln.
Risten wächst mit Schauermärchen, Sagen und Gebeten der norwegischen Minderheiten Samen und Kvenen auf, die sie bis ins Erwachsenenalter prägen.

2007, als Risten selbst bereits Mutter ist, kehrt sie nach über 20 Jahren nach Norwegen zurück, um ihre Mutter nach all den Jahren wiederzusehen. Sie möchte endlich wissen, warum Rhitta nie versucht hat, einen Kontakt zu ihrer einzigen Tochter herzustellen.

Aufgrund der außergewöhnlichen Charaktere, der zum Teil haarsträubenden Episoden aus Ristens Kindheit - sei es das unverantwortliche Mästen der Hunde mit Käse durch Grethe, das regelmäßige (unfreiwillig gemeinschaftliche) Onanieren von Knut und Niels oder das Hausen von Risten in einem Schuppen im Garten bei frostigen Temperaturen - ist der Roman erfrischend anders.

Auch wenn die Kindheit von Risten objektiv betrachtet alles andere als einfach war, hat man nie das Gefühl, dass sie darunter leidet oder daran zerbrechen könnte. Für sie erscheint das Leben völlig normal, weil sie auch kein anderes kennt - in Anlehnung an den Titel frei nach der Losung "Und so ist es".
Risten ist eine Einzelkämpferin, die dann erst als Erwachsene erfährt, was es mit der offensichtlichen Gleichgültigkeit von Rhitta auf sich hat.

Veröffentlicht am 01.05.2017

Wunderschöner, lebendig geschriebener Jugendroman mit emotionaler Handlung und dramatischer Wendung

Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
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Madeline ist 17 Jahre alt und leidet an SCID, einem schweren kombinierten Immundefekt. Sie kann nur gefilterte Luft atmen und hat deshalb seit dem Kleinkindalter das Haus nicht mehr verlassen. Sie lebt ...

Madeline ist 17 Jahre alt und leidet an SCID, einem schweren kombinierten Immundefekt. Sie kann nur gefilterte Luft atmen und hat deshalb seit dem Kleinkindalter das Haus nicht mehr verlassen. Sie lebt allein mit ihrer Mutter, da ihr Vater und Bruder bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Den einzigen weiteren menschlichen Kontakt hat sie zu ihrer Krankenschwester Clara, die sich täglich um sie kümmert und die für sie wie eine zweite Mutter ist.

Als in das Haus gegenüber neue Nachbarn einziehen, eine Familie mit einem Jungen in ihrem Alter, wird Madeline neugierig auf die Welt da draußen. Die beiden treten in E-Mail-Kontakt und schon bald darf Olly Madeline mit Erlaubnis von Clara besuchen, ohne dass ihre Mutter davon etwas weiß.

Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden Jugendlichen verlieben sich ineinander, wissen aber genau, dass ihre Liebe keine Zukunft hat.

"Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern. Heute ist genauso wie gestern. Morgen wird genauso sein wie heute. Im Buch von Maddy sind alle Kapitel gleich. Bis Olly auftaucht." (S. 178)

Als Madeline sieht, wie Olly auf der Veranda von seinem gewalttätigen Vater geschlagen wird, stürmt sie ohne an die Konsequenzen zu denken, aus dem Haus, um ihn zu schützen. Ihre Mutter ist außer sich vor Sorge und kann Madeline nach weniger als einer Minute wieder in das sichere Haus zerren. Madeline bleibt körperlich unversehrt, ihre Mutter untersagt ihr aber daraufhin jedweden Kontakt mit Olly. Clara wird entlassen und eine neue Krankenschwester eingestellt, die Madeline überwacht.

Madeline war zwar vor ihrer Begegnung mit Olly nicht unglücklich, sie liebte es zu lesen und mochte auch die ritualisierten Spiele- und Filmabende mit ihrer Mutter. Nun weiß sie aber, dass das Leben viel mehr zu bieten hat und sie beschließt, alles zu riskieren, um zumindest ein Stück der Welt außerhalb ihrer sterilen Umgebung zu entdecken...

"Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" ist ein Jugendbuch, dass ich als Erwachsene in einem Rutsch gelesen habe. Der Schreibstil ist schlicht, mit einfachen, aber sehr prägnanten Sätzen. Zudem ist das Buch durch E-Mails, Chatverläufe, Auszüge aus Krankenakten und die witzigen Zeichnungen lebendig und liebevoll gestaltet.

Traurig, glücklich, hoffnungsvoll, wütend - als Leser taucht man in das Wechselbad der Gefühle von Madeline ein und empfindet das Leben selbst als unfassbar ungerecht. Sie war bisher immer so stark und man kann verstehen, dass sie aus ihrem Käfig ausbrechen und einfach nur unvernünftig sein will.
Auch Olly ist ein sympathischer Charakter - süß und cool zugleich - so dass sich die jugendlichen Leserinnen wahrscheinlich selbst in ihn verlieben.

Dieser traurige, wunderschöne Roman hat mir aufgrund des lebendigen Schreibstils, der emotionalen Handlung und insbesondere der dramatischen Wendung im letzten Drittel des Romans außerordentlich gut gefallen und ist für jede junggebliebene Leserin eine absolute Kaufempfehlung!

"Du neben mir und zwischen uns die ganz Welt" wurde verfilmt und kommt am 22. Juni 2017 in die deutschen Kinos.